Von Generalsekretären und ihren politischen Legenden

Die Qualität der Generalsekretäre der Parteien entscheidet darüber, wie die politische Weichenstellung der nächsten Zukunft aussehen wird. Sie legen den Grundstein dafür, wer künftig mächtig und wer machtlos sein wird. Nachfolgend ein Blick auf die agierenden „Generäle“.

picture alliance/dpa | Michael Kappeler
Generalsekretäre Markus Blume (CSU), Paul Ziemiak (CDU), Lars Klingbeil (SPD)

„Ein Hetzer ist er, seit Goebbels der schlimmste Hetzer in diesem Land. Soll mir doch mal einer sagen, wann es bei uns seit Goebbels einen so begabten Demagogen wie Geißler gegeben hat.“

Der das sagte, war niemand Geringeres als der ehemalige Bundeskanzler Willy Brandt. Der SPD-Mann inszenierte seine Sätze 1985 als scheinbar emotionalen, plötzlichen Ausbruch – doch sie waren wohl kalkuliert und lange zuvor genau durchdacht. Denn sie sollten nur einem Zweck dienen: Die Tatsachen, die der damalige Generalsekretär der CDU, Heiner Geißler, über das Verhältnis der Sozialdemokratie zu den Vereinigten Staaten von Amerika veröffentlicht hatte, durch einen groben, verhetzenden Keil erschlagen.

Nicht die Kanzler sind die kämpferische Avantgarde

Die Szene ist in gewisser Weise symptomatisch. Politik in der Demokratie ist das Gefecht mit Wörtern und Worten, mit Bildern und Symbolen – mit Diffamierung und Stigmatisierung. Da dem zwar so ist, aber das naive Volk nach Harmonie sucht, findet in diesem ständigen Kampf eine dezidierte Rollenverteilung statt. Möglichst aus dem als Gezänk fehlinterpretierten Gefecht der Worte herauszuhalten ist der jeweilige Vortänzer – der Kanzler oder Parteichef. Er soll schließlich dem Wahlvolk regelmäßig präsentiert werden als jemand, der unterschiedliche Strömungen und Positionen zusammenführt. Der die Wünsche und Sehnsüchte der Bürger ohne große Aufregung bedient und eben jene Harmonie verbreitet, nach der der deutsche Michel sich so sehnt.

Singuläre Sondierungssprüche:
Wattebäuschchen statt Wortgefecht
Doch da Politik nie Harmonie ist und diese selbst dann, wenn sie, wie nach den aktuellen Gesprächen zwischen FDP und Grünen, als große Einigkeit präsentiert wird, immer aufgesetzt ist und lediglich einen Tarnanstrich über die jeweiligen Machtbedürfnisse legt, müssen die harten Konfrontationen auf anderen Ebenen ausgefochten werden. Ein Bundeskanzler, der seinen politischen Konkurrenten quasi als Staats- oder Systemfeind beschreibt, dabei scheinbar oder tatsächlich die Contenance verliert, wird nicht gewählt. Einer, der die Probleme und Widersprüche des Landes ebenso wie sein eigenes Unvermögen mit der Raute totlächelt, hingegen schon. Und das nicht nur einmal.

Also müssen andere in die Bütt, wenn es um gefühlte Wahrheiten und deren Verdrehung geht. Oder darum, solche gefühlten Wirklichkeiten wieder zurück auf ihre Basis von Wahrheit zurückzubringen. Denn das, was Politik und Medien dem Bürger als Wahrheit verkaufen, hat mit dieser so gut wie nie etwas zu tun. Es sind immer nur Wirklichkeiten – und die sind nichts anderes als individuelle Interpretationen und Vergewaltigungen dessen, was vielleicht als Kern einer Wahrheit bezeichnet werden könnte.

Polarisierung ist demokratischer Normalzustand

Solche Wirklichkeiten prallen im politischen Geschäft brutal aufeinander. Die demokratische Wirklichkeit eines bürgerlichen Realisten, dessen Vorfahren den Fürsten und Klerikern einst die individuellen Freiheitsrechte abgetrotzt hatten, ist eine andere als die des sozialistischen Utopisten, für den Freiheit der Gleichschritt im Kollektiv einer als besser gedachten Welt ist. So war auch damals, als Brandt und Geißler aufeinander losgingen, die sozialistische Wirklichkeit der Annäherung an die Staatsgläubigkeit der russisch dominierten Union der sozialistischen Räterepubliken eine andere als die des Glaubens an die Selbstentfaltungskräfte des Individuums, die für die damalige bundesdeutsche Union nur im engen Schulterschluss mit den Vereinigten Staaten von Amerika zu gewährleisten war.

So hatte nun Geißler seinerzeit die erst drei Jahre zuvor aus der Regierung verdrängte SPD als Partei beschrieben, die den „grundlegenden politischen Gegensatz zwischen Diktatur und Freiheit“ verwische, in der „unter der Schirmherrschaft Willy Brandts die Anti-NATO- und Neutralisierungsgruppe“ um die SPD-Linkspolitiker Oskar Lafontaine, Erhard Eppler und Egon Bahr das Sagen habe. Die Union agierte damals angesichts eines aufmarschbereiten Heeres des Warschauer Pakts an der Ostgrenze der BRD erfolgreich mit dem Slogan „Freiheit statt Sozialismus“ – ein politisches Kommunikationskonzept, welches in der sozialistischen Gegenwart der heutigen BRD kaum noch nachvollziehbar scheint.

Doch damals, in der Mitte der Achtzigerjahre, konnte es die Bevölkerung polarisieren in jene, die sich an der US-Ausrichtung der Union orientierten, und jene, die hinter der aus Moskau inszenierten Friedensbewegung gegen NATO und Nachrüstungsbeschluss der mittlerweile abgelösten SPD-FDP-Regierung unter Helmut Schmidt scharten. Die Spaltung der Gesellschaft, die heute von linkstotalitären Kreisen als Mittel der politischen Gleichschaltung instrumentalisiert wird, ist insofern überhaupt nichts Neues – und schon gar keine Entwicklung der zweiten und dritten Dekade des 21. Jahrhunderts. Nur wurde sie seinerzeit nicht als „Spaltung“ ideologisiert, sondern beschrieb als Polarisierung den politischen Normalzustand in einer funktionierenden Demokratie.

Die demokratische Normalität des Widerspruchs

So prallten seinerzeit Brandt, der ausgediente und über die DDR gestolperte Ex-Kanzler, und Geißler als Generalsekretär der CDU aufeinander. Schickte der eine den politischen Gegner als Parteigänger der roten Diktaturen ins bundespolitische Abseits, griff der andere zur Nazi-Keule, um damit den Angreifer selbst in braune Diktatoren-Nähe zu rücken und so die Attacke abzublocken. Das war heftig – so heftig, dass es selbst dreißig Jahre danach noch im Gedächtnis der politischen Kaste geblieben ist und sogenannte Nazi-Vergleiche immer noch die Ultima Ratio im politischen Kampf bilden.

Dennoch war das Gefecht Geißler-Brandt nicht nur möglich, sondern letztlich auch normal. So normal eben, dass das seinerzeit von Brandt eingeführte Agieren mit der Nazi-Keule heute absolut selbstverständlich ist. Nur haben sich die Gewichte verschoben. Kämpfte in den Achtzigern eine sowohl tatsächliche wie gefühlte Antifa aus SPD und grünen Anfängen gegen die eine Bürgermehrheit repräsentierenden, freiheitlichen Demokraten in Union und FDP, so ist es heute der sozialistische Block aus großen Teilen der Union, der SPD über Grüne bis hin zu den Kommunisten, der sich regelmäßig der Nazi-Keule bedient, um missliebige Parteien und Personen, die sich vorgeblich zu weit nach „rechts“ bewegen, entsprechend zu diffamieren. Wagen es diese dann, sich dagegen mit demokratischen Instrumenten zur Wehr zu setzen, wird die Normalität der politischen Polarisierung zur staatsbedrohenden „Spaltung“ karikiert mit dem Ziel, jeden politischen Widerspruch aus dem politischen Diskurs zu verbannen.

Die Rollenverteilung bleibt unverändert

Haben sich nun die Ziele politischer Agitation geändert von der Belebung zur Vernichtung des Diskurses in der Demokratie, so ist die Rollenverteilung unverändert. Um die Führungspersonen angesichts einer harmoniesüchtigen Bevölkerung nicht zu beschädigen, müssen die Generalsekretäre der Parteien an die Frontlinie, um aus Wahrheiten gewünschte Wirklichkeiten zu schaffen. Deren Qualität entscheidet so darüber, wie die politische Weichenstellung der nächsten Zukunft aussehen wird.

Das von ihnen im Bewusstsein der Massen platzierte Narrativ als gewünschte Erzählung einer Vergangenheit und Gegenwart, die es so nie gegeben hat, legt den Grundstein dafür, wer künftig mächtig und wer machtlos sein wird. Weshalb es nicht ohne Reiz ist, angesichts der derzeit noch vielseitig geführten Gespräche über eine künftige Regierungsbildung einen Blick auf die agierenden „Generäle“ zu werfen.

Den fähigsten General hat die SPD

Um es gleich vorweg zu sagen: Über den begnadetsten Generalsekretär verfügt derzeit die SPD. Lars Klingbeil ist der entscheidende Trumpf, der am Ende den Lorbeer auf sein Haupt winden darf, sollte es der Esken-Borjans-Kühnert-SPD tatsächlich gelingen, den uncharismatischen und farblosen Technokraten Olaf Scholz zum nächsten Bundeskanzler zu machen. Klingbeil verfügt über die ausgeprägte Fähigkeit, mit einer mimischen Mischung aus Dackelfreundlichkeit und hintergründiger Arroganz Unwahrheiten und Geschichtsverdrehungen als gewünschte und gefühlte Wirklichkeiten zu verkaufen. Sein selbstgewisser, dabei fast bescheiden wirkender Auftritt zupft selbst dann an der gefühlvollen Saite der michelschen Harmoniesucht, wenn er uneingeschränkt dem politischen Instrument der Attacke zuzuordnen ist. Klingbeil ist ein Meister der Nebelkerze und der Ablenkung.

So verkündet er in der ÖR-Sprechschau gleichsam als gefühlte Kraft eines politischen Aufbruchs: „Für ein Weiter-so ist keine Zeit!“ Ein solcher Satz aus dem Munde eines Vertreters der Grünen oder der FDP machte Sinn – aber aus dem Munde eines Mannes, dessen Partei in den vergangenen 23 Jahren 19 Jahre und davon die letzten acht Jahre in Regierungsverantwortung gewesen ist, will ein solcher Satz lächerlich erscheinen. Das müsste umso mehr gelten, wenn im kollektiven Gedächtnis der Bevölkerung die ursprünglich einmal konservative Union mit Themen wie Kernkraft- und Kohleausstieg sowie unkontrollierter Masseneinwanderung und hilfloser Pandemie-Bekämpfung in Erinnerung ist, während Regierungspartner SPD Themen wie „Respektrente“ und flächendeckender Mindestlohn für sich verbucht.

Nicht einmal die im Koalitionsvertrag vereinbarte Abschaffung der 1991 ursprünglich auf ein Jahr beschränkten Sondersteuer mit der Bezeichnung „Solidaritätszuschlag“, die 1995 unter Helmut Kohl zeitlich unbefristet reaktiviert wurde, konnte oder wollte die Union realisieren. So sind die Merkel-Jahre in der Regierungspolitik gekennzeichnet vom Durchsetzen sozialdemokratischer und grüner Ziele – wer sich die Frage stellt, welche klassischen Unionsthemen unter der von der CDU gestellten Frau Bundeskanzler politisch umgesetzt wurden, bleibt hilflos zurück.

Die Legende von der oppositionellen Regierungspartei

Dennoch kann der 1978 in der nord-niedersächsischen Heidestadt Soltau geborene Magister der Politischen Wissenschaft, der vier seiner sechs Studienjahre durch die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung finanzieren ließ, die Legende von einer Partei verbreiten, die heute als scheinbarer Garant eines Aufbruchs in den vergangenen Jahrzehnten in der Opposition gestanden haben müsste.

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Auch ein weiteres Narrativ platziert der frühere Antifa-Aktivist ohne jeden Widerspruch. Er verbreitet die Legende einer „Koalition der Gewinner“, die er als Zusammenarbeit von SPD, Grünen und FDP gern mit Scholz verwirklicht sehen möchte. Der kleine, unscheinbare Mann aus Osnabrück, der 2019 als Verlierer aus dem Kampf um den Vorsitz der SPD ging, ein Gewinner? Gewinner sehen anders aus – sie sind nicht mit dem Stigma belastet, von ihrer eigenen Parteibasis verschmäht worden zu sein. Und die SPD, die unter Brandt und Schmidt über 40 Prozent der Wähler hinter sich einen konnte, die es unter Gerhard Schröder immerhin noch auf deutlich über 30 Prozent schaffte, danach jedoch einen Absturz auf 20 Prozent der Wahlbeteiligten und 15 Prozent der Wahlberechtigten hinlegte, ein „Gewinner“? Das nur deshalb, weil die Sozialdemokraten 2021 mit nun 25 Prozent knapp vor einer Union liegt, die den fulminanten Absturz der einstigen Volksparteien mit zehn Jahren Verzögerung nun ebenfalls erleben musste?

Alles ist relativ, wissen wir seit Albert Einstein, und das Langzeitgedächtnis des Bundesmichel offenbar notorisch ausgeschaltet. Anders zumindest lässt es sich nicht erklären, wenn das offizielle Sprachrohr einer Partei, die seit bald einem Vierteljahrhundert die Politik der Republik maßgeblich bei ständig schwindender Bürger-Zustimmung zu verantworten hat und aus der Fast-Versenkung nun leicht erholt ein wenig emporgestiegen ist, sich und die Seinen erfolgreich als die Gewinner des Neuanfangs verkaufen will.

Narrative werden durch ausbleibenden Widerspruch zu gefühlten Wahrheiten. Dass die längst von linkspolitischen Parteigängern unterwanderten Medien dieses Klingbeil ungestraft durchgehen lassen, ist angesichts der dort beförderten Euphorie für eine linksalternative Regierung nachvollziehbar. Daran ändert sich nichts dadurch, dass aus Mehrheitsgründen angesichts schwächelnder Kommunisten eine immer noch eher den bürgerlichen Traditionen zuneigende FDP eingebunden werden muss. Längst steht in Tradition der linksradikalen „Tageszeitung“ haltungsgerechte Agitation vor sachlicher Berichterstattung und journalistischem Ethos.

In gewissem Rahmen nachvollziehbar ist es auch, wenn angesichts der Machtoptionen nach der Bundestagswahl die Generalsekretäre der beiden potenziellen Koalitionspartner zur Klingbeil‘schen Chuzpe Zurückhaltung üben. Bei der FDP und den Grünen steht derzeit die Suche nach Gemeinsamkeiten vor der Auswahl des künftigen Wunschpartners. Das macht Sinn, denn tatsächlich können sich die beiden Parteien, die derzeit noch nicht an der Regierung beteiligt sind, geeint aussuchen, wer unter ihnen Bundeskanzler werden soll.

Blasse Generäle bei FDP und Grünen

Auch fehlt den Generalsekretären von FDP und Grünen jener medial dominierende Narrativismus, der einen Klingbeil vor allem anderen auszeichnet. Als eher blasser, sachorientierter Erklärer kommt Volker Wissing daher. Wissings nüchterne, uncharismatische Art strahlt Unaufgeregtheit aus – Grundvoraussetzung, um dem Harmoniebedarf der Bundesbürger gerecht zu werden, doch ungeeignet, um die politische Schlacht zu schlagen. Der 1970 in der Pfalz geborene Volljurist überlässt das Feld des öffentlichen Glanzes seinem Vorsitzenden Christian Lindner, der gegenwärtig den Rollenwechsel von oppositionellem Angreifer zum visionären Ministeraspiranten und Königsmacher übt und dabei vor allem darauf Wert legt, nicht wie vor vier Jahren verschnupft über eigene Unzulänglichkeiten und eine staatspolitisch versierte Domina zu stolpern.

Weitgehend aus dem Geschäft ist Michael Kellner, der als Politischer Bundesgeschäftsführer der Partei Bündnis 90/Die Grünen dort den Posten des Generalsekretärs wahrnimmt. Der 1977 in Gera geborene Politiker, über den weder der Wikipedia-Eintrag noch der von ihm selbst ins Netz gestellte Lebenslauf verrät, ob er sein vermutlich 1996 oder 1997 begonnenes und 2002 beendetes Studium der Politischen Wissenschaft erfolgreich abgeschlossen hat, trägt die Hauptverantwortung für das Baerbock-Desaster mit den gefakten Lebensläufen, unkontrollierten Plagiaten und nicht zuletzt undurchsichtigen Studien-Finanzierungen aus Parteikasse und parteinahem Stipendium. Kellners Tage als Chefstratege und Frontkämpfer der Grünen dürften gezählt sein. Hat er Glück, erhält er in einer künftigen Bundesregierung eine persönliche Überlebenssicherung als Parlamentarischer Staatssekretär. Bis dahin darf er weitgehend zahnlos die Partei verwalten – die Führung und Repräsentanz nach Außen hat Koalitions- und Königsmacher Robert Habeck übernommen.

Die unerträgliche Leichtgewichtigkeit des unionistischen Seins

Ist es insofern naheliegend, dass Klingbeils Märchenstunden, von Medien und potenziellen Partnern unkommentiert, auf das Volk niedergehen können, wäre es nun die Stunde des Unions-Generalisten, die unverzichtbar wäre, jedoch nicht einmal die Qualität der Stunde des Komödianten hat. Pawel „Paul“ Ziemiak, 1985 in Stettin, der 1945 im Widerspruch zur ursprünglichen Verabredung der Alliierten durch die Sowjetunion an Polen übergebenen Hauptstadt Pommerns, geboren, wirkt unkonzentriert, strahlt eine Aura von Schläfrigkeit und Realitätsverweigerung aus.

CDU-Generalsekretär
Die Union am Wahlabend – ein Trauerspiel mit Paul Ziemiak
In der Panik des Untergangs eines von Merkel vorbereiteten und von Armin Laschet nicht aufgehaltenen Absturzes aus dem Regierungs-Olymp unternahmen Ziemiak und der ihm in fragwürdigem Prozedere vorgesetzte Aachener noch in der Wahlnacht den Versuch, ihre Union als Kristallisationspunkt einer „Zukunftskoalition“ zu präsentieren. Glaubwürdig ist dieses ebenso wenig wie jene Koalition des Aufbruchs, von der Klingbeil schwadroniert – nur verfügt der frühere JU-Vorsitzende, der zweimal mit dem Versuch gescheitert ist, seine als Studium der Rechtswissenschaften bezeichnete Ausbildung zum Handwerker der Juristerei mit dem Ersten Staatsexamen zumindest halbwegs erfolgreich abzuschließen, weder über die mediale Unterstützung noch über die Wirkung seines SPD-Pendants.

Das Verhängnis der merkelisierten Union

Geschichtsvergessen das eine wie das andere Label künftiger Regierungsaspiranten, wenn sie seit Jahrzehnten selbst die Geschicke der Republik bestimmten. Dabei hätte das CDU-Duo im Untergang sogar eine Chance gehabt, die „Zukunftskoalition“ mit mehr Wahrhaftigkeit zu füllen, als dieses die Aufbruchskoalition der SPD-Konkurrenz unter dem Vizekanzler jemals wird leisten können.

Allerdings hätte dieses vorausgesetzt, die von Laschet für die Zeit nach seiner Regierungsübernahme geplante Abrechnung mit der sozialistischen Politik seiner Vorgängerin bereits in den Wahlkampf vorzuziehen. Davor aber scheuten Laschet ebenso wie sein Studienabbrecher zurück – bedingt aus einer fatalen Mischung aus Charakterschwäche und der Angst, merkelistisch-wählende Unionsanhänger zu verschrecken und sie zurück in die Küche vor allem der SPD zu treiben. Sie trieben sie dennoch, ihre früheren und weniger frühen Anhänger. Die einen nach „rechts“ zur tatsächlich oppositionellen AfD, die anderen zu jenen, von denen sie wegen der Linkspolitik Merkels gekommen waren, deren Fortsetzung sie sich unter Laschet nicht vorstellen konnten.

Ziemiak will CDU-Profil schärfen
Wird die CDU eine sozialistische Partei?
Statt die unvermeidbare Abkehr von der merkel-spezifischen Einheitsfrontvereinnahmung einzuleiten, übernahm das Duo Laschet-Ziemiak das linksideologische Narrativ von der Spaltung der Gesellschaft. Statt sich der bundesdeutschen Wirklichkeit der demokratischen Polarisierung zu besinnen und daraus die Kraft des Wahrhaftigen zu schöpfen, entschwand die Union in den Nebeln von Avalon. Statt den kritischen, auch deutlichen Dialog nach rechts wie nach links zu befördern, gefielen sich die merkelisierten Partei-Granden und Laschet-Teamer darin, eigene Unionskandidaten öffentlich zu beschädigen in der trügerischen, nein irrwitzigen Hoffnung, dadurch bei den auf Linksbündnis geschalteten Medien Beifall zu erhaschen. Die Quittung dafür gab es nicht nur in den Ländern Sachsen und Thüringen – und sie ließen nicht nur dort den gegenwärtig noch von der CDU gestellten, sächsischen Ministerpräsidenten in Panik fallen.

Ziemiak, nicht erkennbar im Schatten seiner durchschlagskräftigen Vorgänger Kurt Biedenkopf und Heiner Geißler, verblasst gegen Klingbeil, der die Klaviatur des Generalsekretärs perfekt beherrscht. Ist der eine das Sinnbild einer von innen zerstörten CDU, versucht sich der andere als Phoenix aus der Asche. Nachdem die Sondierungsarmee der Union wie erwartet das Wasser nicht halten konnte und damit insbesondere den eigentlich geneigten Partner FDP verärgerte, stehen vor allem wegen der Unfähigkeit des Unions-Personals die Zeichen nun auf Rot-Grün-Gelb. Für Laschet und Ziemiak wird das Karriereende eingeläutet – und Klingbeil hat ideale Chancen, unter einem nichtssagenden Kanzler ganz nach oben durchzustarten.

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Kommentare ( 21 )

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GG-Sympathisant
1 Monat her

Die CDU hat schon seit sehr langer Zeit keine brauchbaren Generalsekretäre mehr. Mit Hintze (Kohls Wunschkandidatnach dem Zerwürfnis mit Geißler und Rühe) fing der Absturz in die intelligenzbefreite Wüste an. Ähnlich wie bei den SPD-Vorsitzenden ist jeder neue Generalsekretär eine noch größere Katastrophe als der/die Vorgänger/in.

Matthias
1 Monat her

Es ist schon richtig, dass es auch früher eine Polarisierung in der politischen Diskussion gab, auch zwischen anderen Parteigrößen als den Generalsekretären (Strauß vs. Wehner z.B.). Aber gegenwärtig gibt es größtenteils Schaukämpfe zwischen den Alt- oder Blockparteien, und die eigentliche Opposition wird mit allen Mitteln ausgegrenzt, weil für eine echte Diskussion die Argumente fehlen (Corona, Klima, Energie, Euro, Einwanderung, EU usw.). Im Unterschied zur früheren Polarisierung werden heute die echten Probleme nicht offen diskutiert. Dafür regt sich die FDP auf, wenn sie neben der AfD im Bundestag sitzen soll.

Hannibal Murkle
1 Monat her

„ Allerdings hätte dieses vorausgesetzt, die von Laschet für die Zeit nach seiner Regierungsübernahme geplante Abrechnung mit der sozialistischen Politik seiner Vorgängerin bereits in den Wahlkampf vorzuziehen. Davor aber scheuten Laschet ebenso wie sein Studienabbrecher zurück“

Jetzt ist längst nach dem Wahlkampf – wenn die CDU-Erneuerung glaubwürdig wirken soll, müssten sie langsam abrechnen. Zumal es nächstes Jahr vier Landtagswahlen gibt.

Hannibal Murkle
1 Monat her

„ Politik in der Demokratie ist das Gefecht mit Wörtern und Worten, mit Bildern und Symbolen – mit Diffamierung und Stigmatisierung. Da dem zwar so ist, aber das naive Volk nach Harmonie sucht“

Viele Leute sagen hier, das naive Volk suche nach Gefechten, wo Blockparteien in weitgehender Harmonie durchregieren – allerdings wir längst keine Demokratie mehr haben.

Hat General Ziemiak nicht mitten im Wahlkampf die Grün:Innen vor der Kritik der Grüner-Mist-Kampagne verteidigt? Wenn es Gefechte gäbe, hätte er die Kritikpunkte unterstrichen oder höchstens geschwiegen.

M.Friedland
1 Monat her

Man soll ja positiv beginnen… also: daß Herr Spahn Olaf Scholz als „Osnabrücker“ benennt und nicht als „Hamburger“, ist einfach richtig und gefällt mir. Hanseatisch ist zudem an King Olaf nichts. Aber was sollen immer wieder diese Spahnschen Ausfälle jenseits des Themas? Was soll der Hinweis auf den Umgang mit dem damaligen Stettin in diesem Artikel? Herr Spahn möchte nur wieder seine sehr speziellen Ansichten getarnt unters Volk bringen. Auch seine Auslassungen zu Geißler sind, vorsichtig formuliert, höchst lückenhaft – mit seinen Äußerungen über viele Jahre hat sich Geißler den Titel des „perfidesten Politikers der Republik“ (Zitat aus jener Zeit)… Mehr

Tomas Spahn
1 Monat her
Antworten an  M.Friedland

Sehr geehrter Herr Friedland, zu 1 (Stettin+Ziemiak). Ich denke, man sollte den Hintergrund einer Person schon kennen, über die man schreibt. Und wenn man das tut, dann sollte auch der historische Hintergrund nicht unerwähnt bleiben. Das hat im Falle Stettin mit „speziellen Ansichten“ nichts zu tun – hier sind nur historische Fakten referiert worden. zu 2 (Geißler). Sehe ich grundsätzlich anders. Geißler war einer der intelligentesten und zielorientiertesten Politiker der 80er. Wenn ihn jemand als „perfide“ beschreibt, dürfte das eher als Adelstitel zu verstehen sein. Die Tatsache, dass er auf seine alten Tage etwas wunderlich wurde, mag dem Alter und/oder… Mehr

Berlindiesel
1 Monat her
Antworten an  M.Friedland

Die Abtretung Pommerns, Schlesiens und Ostpreußens an die Polen war reiner Landraub und der wohl größte seit dem Hunneneinfall der großen Völkerwanderung.
Das sollte auch einem modernen Putin-Freund bekannt sein. Russen hätten mit dieser Wahrheit sicher viel weniger Probleme als verklemmte Deutsche, die sich brav mit Szczecin oder Wrocław die Zunge brechen.

Hannibal Murkle
1 Monat her
Antworten an  M.Friedland

Soweit ich mich an einen Wikipedia-Artikel erinnere, Ziemiak kam mit 3 Jahren in die BRD, dadurch färbte auf ihn nichts von Osteuropa ab. Hätte er in Stettin 15-20-25 Jahre gelebt, hätte er vermutlich keine Spur des Sozialismus ertragen können – wie ich. Zumindest stichelt er jetzt ein wenig, leider nach den Wahlen wirkungslos: „Scholz ist das bürgerliche Feigenblatt einer im Kern linken SPD“ https://www.welt.de/politik/deutschland/article234403108/Bundestagswahl-Scholz-ist-das-buergerliche-Feigenblatt-einer-linken-SPD.html „… Scharfe Attacke auf die Sozialdemokraten: CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak kritisiert die Koalitionspläne der SPD in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern deutlich. Und auch gegen die FDP stichelt er …“„… „Ob Bremen, Mecklenburg-Vorpommern oder Berlin: Wenn die SPD kann,… Mehr

Papa
1 Monat her

Alles ist nur noch ein politisches Theater. Diese mit feinster Rhetorik ausgestatteten Generalsekretäre sind ausschließlich für dieses Theater vorgeschoben, damit die Verantwortlichen nicht ins Blitzlichtgewitter müssen. In der GUTEN VERGANGENHEIT hatte die Politik noch Ecken und Kanten und Positionen wurden offen und ehrlich ausdiskuttiert. In der heutigen weichgewaschenen Gesellschaft ist die Politik ein Spiegelbild dessen. Allgemeines weiches und nicht konkretes BlaBla.

Orlando M.
1 Monat her

Nichts gegen den Herrn Ziemiak persönlich, aber die Schuhe, die man ihm hingestellt hat und die er sich angezogen hat, sind ihm derart zu groß, dass er darin verschwindet. Die Position des Generalsekretärs ist nicht so medienwirksam wie der Kanzler oder Finanzminister aber für die Partei umso wichtiger. Eine Figur, die schon um Worte kämpfen muss, von Inhalten ganz zu schweigen, hat da einfach nichts verloren. Ebenso die Frau Breher, als Abgeordnete nichts bewirkt, nun ist sie da und fordert zu allererst eine höhere Frauenquote in der Partei und im Bundestag. Mit Verlaub, das ist so als wenn das Haus… Mehr

FerritKappe
1 Monat her

Der große Unterschied zu Heute: Die Presse war neutral. Nicht jede Zeitung für sich, aber in Summe, es wurden alle Meinungen wiedergegeben.

Heute würde Heiner Geißler nur als rechtsradikaler Hampelmann diffamiert und zwar in allen Medien.

Querdenker_Techn
1 Monat her

Klingbeil ist für mich das Paradebeispiel des „dummdreisten“ Karrieristen, da stimme ich mit dem Autor überein, der dasselbe etwas freundlicher sagte. Seine Überheblichkeit zeigte er bereits 2018 nach Abschluss der Koalitionsverhandlungen, als er sagte: „Hätten wir weiter verhandelt, hätten wir auch das Kanzleramt bekommen“. Er wird sich in Zukunft mit K. Kühnert um die Führung in der Partei streiten müssen, beide sind aus gleichem Holz. Mit ihnen kommt der DDR-Sozialismus zurück, beide werden die Ära Merkel erfolgreich fortsetzen. Zimiak war im Wahlkampf kaum sichtbar, kam erst ganz zum Ende gelegentlich zum Vorschein. Er hätte zusammen mit AKK zurücktreten müssen, Laschet… Mehr

Tomas Spahn
1 Monat her
Antworten an  Querdenker_Techn

Glaubt man Insidern, dann wurde Kühnert von Klingbeil bereits auf das notwendige Maß zurückgestützt. Lange vor der Wahl. Das Rennen zwischen diesen beiden ist entschieden – Kevin darf mitspielen, wenn er artig ist. Mehr nicht.

Roland Mueller
1 Monat her

Diese Generäle haben eine grosse Gemeinsamkeit. Sie glauben daran, dass ihre Politik modern und fortschrittlich ist. Bei Licht betrachtet betreiben sie aber nur Dekadenz am laufenden Meter.