Die Union am Wahlabend – ein Trauerspiel mit Paul Ziemiak

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak personifizierte bei seinem ersten Fernsehauftritt nach der desaströsen Prognose das ganze Elend der Union.

Screenprint ARD / Tagesschau
CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak

Es war bezeichnend für diese Wahl und die Rolle, die die Medien, besonders die öffentlich-rechtlichen Sender dabei spielten: ARD-Moderatorin Tina Hassel, nachdem sie gerade sichtlich strahlend die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt verabschiedet hatte, begrüßte Alexander Dobrindt als CSU-Generalsekretär, was der Landesgruppenchef im Bundestag schon seit 2013 nicht mehr ist. Die Unionsparteien sind eben abgemeldet.

Eine Niederlage ist für die Unterlegenen schon schlimm genug. Doch die Art und Weise, wie die Unterlegenen darauf reagieren, kann sie zu einem beschämenden Schauspiel werden lassen. Das lieferte schon vor Dobrindt der CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak. Bei einem Ergebnis von um die 25 Prozent für die Partei Adenauers und Kohls kein Wort der Sorge zu äußern, sondern die Nachricht vom schlechtesten Ergebnis der Parteigeschichte mit dem Wort „Aufholjagd“ zu kennzeichnen und von einer „unglaublichen Mobilisierung“ zu reden, offenbart das ganze Elend der gegenwärtigen Union. Der Generalsekretär einer Partei, die gerade einen derartigen Absturz erlitten hat, redet sofort von einer „Zukunftskoalition“ mit den Grünen und der FDP. Man klammert sich an jede letzte Chance weiter zu regieren, weil man ahnt, dass sonst das blanke Nichts wartet.

Ziemiak scheint gar nicht begriffen zu haben, wie desaströs die Lage der eigenen Partei ist. Er verliert jedenfalls kein Wort zur Erklärung des Wahldesasters, nur die Phrasen „nichts schönreden“ und „aufarbeiten“. Und dann setzt er noch zum endgültigen Beleg der Zombifizierung den zynischsten aller CDU-Sprüche an den Schluss: „Erst das Land, dann die Partei.“ Diese Funktionärskaste der Union, für die Ziemiak steht, spürt sich selbst nicht mehr.

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Kommentare ( 53 )

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WGreuer
17 Tage her

Wenn man die CSU Ergebnisse raus rechnet (die auch massiv Federn lassen musste), sieht man, wie schlimm es um die CDU wirklich bestellt ist. Ca. 17% bleiben dann der Union außerhalb Bayerns noch. Und so realitätsfremde Leute wie Zimiak, Binkhaus und Co. glauben allen Ernstes, dass ein Bauernopfer namens „Laschet“ das wieder korrigieren könnte? Nein, die CDU hat durch die linksgrüne, verquere, nicht-liberal-konservative Politik GEGEN das Wohl der Bürger des Landes und mit massivster Korruption selber Schuld daran. Die CDU machte grüne Politik im Glauben, die Grünen obsolet machen zu können. Nun ist sie selber beinahe obsolet. Der Souverän lässt… Mehr

Carlos
18 Tage her

Wir sollten nicht vergessen, wie Pawel an seinen Job als General gekommen ist. Er hat Merz verraten, angestiftet von Merkel, verabredet mit AKK, kurz vor deren Wahl zu PV. Sonst wäre Merkel wohl längst zurückgetreten worden.

ozweip
18 Tage her

So langsam setzt der Prozess des Verstehens ein. Auf jeden Fall waren die Blicke von Söder und Laschet nicht schön in der Elefantenrunde. Einen glücklichen Eindruck machte aber auch Herr Scholz nicht. Auf jeden Fall war es lustig für den Zuschauer und man spürte förmlich die Gelüste von FDP und den Grünen, die sich ihrer starken Position bewusst waren. Große Volksparteien ganz klein …. Der gute Funktionär Ziemiak dürfte spätestens heute begriffen haben, was da kommen wird. Mir stellt sich die Frage, warum die CDU, wenn sie schon alle Konventionen zu brechen bereit ist, nicht auch über ein schwarz gelb… Mehr

Last edited 18 Tage her by ozweip
Hannibal Murkle
18 Tage her
Antworten an  ozweip

Das wäre die richtige Zeit, den Unionisten beizubringen, welche Politik erwartet wird – in der CDU-Gruppe auf Xing ist die letzte Stimme vom 23.09:

https://www.xing.com/communities/groups/cdu-13b5-1069101/posts

Nicht, dass das Desaster überraschend käme – gewarnt wird schon länger:

https://www.xing.com/communities/posts/wahlkampf-was-die-cdu-macht-ist-fast-schon-arbeitsverweigerung-1022584501

Das war über den Schlafwagen-Wahlkampf – alleine etwas mehr Energie vom Anfang an, hätte vielleicht die 2-3% mehr gegeben, die Sozis zu überholen.

https://www.xing.com/communities/posts/die-cdu-ist-inhaltlich-insolvent-1017801981

Die inhaltliche Leere zum ersten Mal dort vor zwei Jahren angesprochen – in dieser Zeit hätten viele verlorene Wahlen warnen müssen.

Th. Radl
18 Tage her

Ach Herr Knauss, derselbe Fehler, der Sarrazin bei der SPD unterlaufen ist: Diese Partei IST NICHT MEHR DIE PARTEI VON ADENAUER UND KOHL!!! Das ist der Merkel-Parteitag-Klatschaffen-Verein, in dem Deutschlandfahnen in die Ecke in den Dreck geschmissen werden! Und genau deshalb haben sie die Wahlergebnisse die sie haben, die von einer Wahl zur nächsten bescheidener werden (wobei bescheiden hier nichts mit der eigentlichen Wortbedeutung zu tun hat, sondern als umgangssprachlich verwendetes Synonym für ein nicht netiquette-fähiges Fäkalwort steht – Bescheidenheit ist Leuten wie Ziemiak und seinesgleichen fremd!!!). Eine Adenauer-Union könnte man, bzw. müsste man sogar, wählen! Eine Kohl-Union ebenfalls, wenngleich… Mehr

Schwabenwilli
18 Tage her
Antworten an  Th. Radl

Die Merkel hat es doch von Helmut Kohl abgeguckt wie man mit solchen Leuten in der Partei umspringt. Und ganz bestimmt hat sie ebenfalls mitbekommen wie die meisten Medien mit Kohl umgegangen sind. Schlau wie sie ist hat sie dann noch obendrein den Zeitgeist und die Medien als nützliche Idioten benutzt.

Jan des Bisschop
18 Tage her

Die CDU/CSU ist in der Merkelskleriose gefangen. Diese Frau hat ihren Schleimern nie erlaubt selber zu denken. Man muss sich nur die Antworten auf die Klimafragen anschauen, wo die Lüge von den 98,14% zum Credo erhoben wurde.. Deshalb ist die aktuelle Führungsriege der CDU/CSU nicht in der Lage zu verstehen, dass sie eine gewaltige Ohrfeige vom Wähler bekommen hat, sie glauben immer noch, dass die Wähler die katastrophale Scheckbuchpolitik von Merkel goutieren. Wenn sie von ihrem Rausch aufwachen, werden sie eine gewaltige Katze haben.

Ein Sumpf zieht am Gebirge hin
18 Tage her

Wenn das politische Führungspersonal eines Landes nur noch aus arbeitsscheuen Elementen wie diesem Pawel oder einem Kevin oder einer Annalena oder Pleitiers wie Lindner besteht, dann kann dieses Land zusperren.
Ich bringe mein Geld in Sicherheit, wandere aus und beobachte den Untergang aus der Ferne.

Heinrich Wolter
17 Tage her

Auswandern? Gut so!

Karamba
18 Tage her

So bedauerlich das ist, aber vielleicht könnte mal jemand Kompetentes Herrn Laschet und Herrn Ziemiak erklären, dass sie die Wahl verloren haben? Erstaunlich ist nur, dass scheinbar niemand auf die Idee kommt dieses Debakel der eigentlich Verantwortlichen, nämlich der Noch-Kanzlerin anzulasten.

Lina
18 Tage her

Herr Ziemiak soll die Gunst der Stunde nutzen und sich um eine Ausbildung bemühen, mit Jura hat es ja nicht geklappt . Freue mich schon wenn ich von den Anschlussbeschäftigungen der Herren Spahn, Scheuer lesen darf und was Frau Klöckner dann in Zukunft so macht. Mit diesem Personal und hätte die CDU eigentlich ein noch viel schlechtes Ergebnis verdient. Mein Highlight gestern war allerdings , wie sich das Panoptikum Laschet seinen Wahlzettel eingeworfen hat. Das hatte schon kabarettistische Qualität.

miscellaneous
18 Tage her

Das größte Problem an dieser Wahl ist wohl die Rolle der öffentlich rechtlichen Medien. Sie sind und waren schon vorher die Sieger. Sie werden auch weiter bestimmen und filtern was die kommenden Sprachpuppen der Parteien sagen dürfen.
Umso problematischer die mediale Nachbetrachtung durch eben diese Medien.
Die Merkelära als Glücksfall der Geschichte wird uns weiter als Symbol der Stabilität in chaotischen Zeiten verkauft werden.

Peter Gramm
18 Tage her

egal in welcher Konstellation da herumregiert wird. Die Probleme sind für alle Parteien dieselben. Ddiese zu lösen dazu brauchen alle Parteien Geld. Woher können diese zusätzlichen Mittel kommen – entweder aus Steuer und/oder Abgabenerhöhungen oder aus zusätzlicher Neuverschuldung. Das momentane Herumgeschwurbel soll davon ablenken. Der Bürger wird belastet. Diejenigen im Elfenbeinturm machen es wie bisher. Sie stopfen sich die Taschen voll und klopfen schlaue Sprüche. In 4 Jahren erwerben sie mehr Pensionsansprüche als jemand der sein ganzes Leben lang gearbeitet hat. An solche Fleischtöpfe will man ran. Koste es was es wolle.