Bankenhochzeit: Das Geld anderer Leute

Mit 18,2 Milliarden Euro direkten Hilfen und 15 Milliarden Garantien half der Bund der Commerzbank, um die Abenteuer des damaligen Finanzministers Peer Steinbrück zu finanzieren. Man könnte meinen, dieser unglückliche Versuch habe sozialdemokratische Finanzminister für alle Zeit geheilt. Doch weit gefehlt.

Oft hört man, dass Politiker gar nichts mehr gestalten könnten. Zumindest Finanzminister Olaf Scholz scheint das nicht zu glauben. Er fädelt gerade eine Megafusion ein, die in jüngster Zeit seinesgleichen sucht. Seit geraumer Zeit bereitet sein Staatssekretär Jörg Kukies in Geheimverhandlungen die Fusion von Commerzbank und Deutscher Bank vor. Was ist davon zu halten? Ein Blick zurück.

Die Sonntags-Glosse heute: Die Deutsche Bank
Die Deutsche Bank und ihr Müllmann
Bereits 2009 hat ein sozialdemokratischer Finanzminister eine Bankenfusion eingeleitet. Es hieß damals, dass Deutschland neben der Deutschen Bank ein zweites international wettbewerbsfähiges Institut benötige. Viele global operierende Unternehmen aus Deutschland bräuchten einen heimischen Begleiter für ihre internationalen Geschäfte. Die damals schon schwankende Dresdner Bank, die bereits unter das Dach der Allianz Versicherung schlüpfte, wurde an die Commerzbank weitergereicht. Anschließend schwankte das fusionierte Institut und musste mit Steuergeldern gerettet werden. Heute, mehr als 10 Jahre später, hat die fusionierte Commerzbank ihre Verluste von damals immer noch nicht aufgeholt. Sie musste im November 2008 mit einer stillen Einlage von 8,2 Mrd. Euro gerettet und mit einem Garantierahmen von 15 Milliarden Euro abgeschirmt werden. Bereits im Januar 2009 reichte das nicht mehr aus, und der Bund stieg für 1,772 Mrd. Euro mit 25 Prozent plus einer Aktie als Minderheiteneigentümer ein und half mit einer weiteren stillen Einlage von 8,228 Mrd. Euro. Mit 18,2 Milliarden Euro direkten Hilfen und 15 Milliarden Garantien half der Bund damals der Commerzbank, um die Abenteuer des damaligen Finanzministers Peer Steinbrück zu finanzieren. Inzwischen wurden zwar die stillen Einlagen zurückbezahlt, doch alleine der Wertverlust des Aktienpaketes geht in die Milliarden.

Man könnte meinen, dieser unglückliche Versuch habe sozialdemokratische Finanzminister für alle Zeit geheilt. Doch weit gefehlt. Nun will wieder ein sozialdemokratischer Finanzminister diese Form der Industriepolitik machen. Das Risiko für den Steuerzahler ist wieder enorm. Beide Institute haben zusammen eine Bilanzsumme von rund 2.000 Milliarden Euro. Das ist das Sechsfache der Steuereinnahmen des Bundes und entspricht ungefähr der offiziellen Gesamtverschuldung des Staates. Ohnehin muss man fragen, was das bringen soll.

Mit zwei Billionen Euro Bilanzsumme spielt diese fusionierte Bank allenfalls im Mittelfeld der Europaliga. Der Bankenmarkt in Deutschland wird noch konzentrierter. Dann gibt es fast nur noch Sparkassen, Volksbanken und die verbliebene Deutsche Bank. Gleichzeitig muss die fusionierte Deutsche Bank erheblich Personal im Inland abbauen. Denn häufig gibt es dann Doppelstrukturen, die dann beseitigt würden.

Es wäre auch ein Schlag gegen den europäischen Binnenmarkt. Heute ist eines der Probleme des Euro, dass die Kapitalmärkte nationaler Natur sind und Banken und Staaten in einem engen Abhängigkeitsverhältnis stehen. Banken kaufen die Staatsanleihen des Staates, ohne dafür Eigenkapital aufwenden zu müssen und reichen diese Staatsanleihen als Pfänder bei der Notenbank ein, um sich zu refinanzieren. Daraus entsteht der Staaten-Banken-Nexus, der die systemischen Risiken im Euro-Raum immer weiter erhöht. Grenzüberschreitende Fusionen würden dagegen auch bei den Banken die Abhängigkeit von den jeweiligen Staaten lösen.

Wenn Olaf Scholz also etwas gegen die Überschuldungskrise in Europa tun will, dann sollte er nicht auch noch die Bankenfusionen im eigenen Land befördern.
Dies gilt übrigens aktuell auch für die NordLB. Auch hier wollen die Sparkassenorganisation und das Land Niedersachsen eine große Landesbank für ganz Deutschland schaffen. Und auch hier kann man sagen – nichts gelernt. WestLB, SachsenLB, BayernLB und die HSH Nordbank haben die Länder und die Kommunen in den vergangenen Jahren ebenfalls Milliarden Euro gekostet, nur weil Provinzpolitiker „Industriepolitik“ für die Region, das jeweilige Land und teilweise sogar weltweit machen wollten.

Diesen „Industriepolitikern“ sollte man Milton Friedman vor Augen halten. Dieser hat einmal über den Umgang mit Geld folgendes gesagt: Es gibt vier Arten, Geld auszugeben. Erstens: man gibt sein Geld für sich selber aus. Dabei ist man besonders sparsam. Zweitens: Man gibt sein Geld für andere aus. Da werden die Menschen bereits großzügiger. Drittens: Man gibt fremdes Geld für sich aus. Da fallen schon die meisten Schranken. Und viertens: Man gibt fremder Leute Geld für andere aus. Da gibt es kein Halten mehr.

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Kommentare ( 32 )

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Das Bankensystem ist doch die Wurzel allen Übels.

2 Billionen €uro Bilanzsumme?
Was ist das für Geld? Fractional Reserve Banking ist dagegen ja noch harmlos, das ist doch Luftgeld aus dem Investment Banking mit Mega-Leverage und Junkgarantie.

Und für jeden einzelnen dieser Luft-€uros haftet dann der deutsche Steuerzahler, denn es heisst ja „Deutsche“ Bank, obwohl doch ein internationales Bankinstitut das in London, Dublin und Panama (?) erfolgreich deutsche Steuern und Regularien vermeidet.

Scholz ist nur langweilig!
Und eine Fusion unter seinem Mandat, damit hofft er berühmt zu werden-so oder so….

„Minus mal minus“ gibt nur in der Mathematik plus.. -selbst _wenn_ Deutsche Bank und Commerzbank fusionieren würden: Was brächte es denn, zwei zutiefst kranke und dreiviertelstote Finanzinstitute zusammen zu schmeißen? -Es bleibt dabei: Die Deutsche Bank ist ein Verein von Schwerkriminellen, deren Bankster sich zwar gnadenlos verzockt haben, darob aber partout nicht einsehen wollen, dass ihre Millionenboni, ihr Protzgehabe oder ihre Arroganz, sich im Zweifelsfall bei Michel automatisch schadlos halten zu können, aus der Zeit gefallen sind. Dass diese moralisch behinderten Menschen das nicht einsehen und stoppen wollen, kann man ja noch verstehen (wenn auch nicht gutheißen). Aber dass nun… Mehr

Sozenlogik im Lande der erfolglosen Inklusion – Die glauben tatsächlich, daß sie zaubern können – aus 2 halbseitig Gelähmten wollen sie einen Marathonläufer basteln. Ich träume dsavon, daß es irgendwo im Lande jemanden geben könnte, der Politikern erfolgreich klar machen kann, daß sie sich von Dingen fernhalten sollten, von denen sie partout nix bis gar nix verstehen.

Dass nun wieder Milliarden Steuermittel für die Rettung von Banken (HSH Nordbank, nun NordLB) verausgabt werden, ist natürlich ein Skandal. In der Verantwortung damals in Hamburg Scholz, jetzt in Niedersachsen Weil. Warum lässt man eine Bank eigentlich nicht mal sang- und klanglos untergehen? Auf lokaler Ebene konnte ich mich eigentlich immer nur wundern, wer da alles so im Verwaltungsrat der Sparkasse saß. Die entsprechenden Aufwandsentschädigungen gelten ja (neben denen des Energieversorgers, soweit vorhanden) als Jackpot für Kommunalpolitiker. Wenn die Sparkassen die NordLB behalten wollen, dann sollen sie gefälligst allein dafür bezahlen. Geld ist sicherlich genug da, denn Ausschüttungen an die… Mehr

Die Landesbanken sind doch sämtlich von Politikern versenkt worden, ganz groß dabei damals die WestLB aus dem Homeland NRW. Kommt davon, wenn sich diese Schwätzer in Dinge einmischen, von denen sie noch weniger Ahnung haben als vom Rest. Aber es ist ja das Geld anderer Leute, das sie versemmeln. Es wird ja real keinem was weg genommen, Politikerlogik.

Was Steinbrück von Scholz unterscheidet: Steinbrück ist Ur-Urgrossneffe von Adelbert Delbrück, vermutlich Vater der Deutschen Bank. Hat dem Peer aber nicht geholfen, wie er mit seinem Buch „Unterm Strich“ und seinen Handlungen belegt hat.

Was Steinbrück und Scholz einst: beide sind aufgrund ihrer Ideologie für finanzielle Angelegenheiten nur insofern geeignet, als beide das Geld anderer Leute großzügig aus dem Fenster werfen können. Der Himmel ist die Grenze…

Planwirtschaft hat doch schon immer funktioniert. Also auf dem Papier und in der „begleitenden“ fusionierten Presse. Sonst noch Ansprüche an unsere Politiker? Scholz verfolgt sowieso soviel Geschick und Anmut wie eine Schwebefliege im Weinglas.

Eigentlich wären schon die Hintergründe interessant. So klingt es, als ob die Politik die Banken fusioniert. Ich hätte schon gedacht, dass Unternehmen, also die Banken, das entscheiden. Vielleicht kann mir jemand auf die Sprünge helfen?

Friedmann hat vollkommen recht. Unsere Politiker gehören alle samt in die vierte Kategorie. Sie haben nie etwas erschaffen und die meisten haben auch keinen Bezug zu Geld, zumindest nicht zu dem Geld der anderen. Die SPD hat fertig. Aber auch in den anderen Parteien ausser der AFD finden sich keine Politiker, welche dagegen rebellieren. Deutschland findet sich nahezu auf allen Gebieten auf hinteren Plätzen in den Ranking zwischen anderen Staaten, schmeißt aber mit den Geld der anderen sprich Steuerzahler um sich, als gäbe es kein Morgen. Die Erkenntnis daraus wird irgendwann eintreten, doch dann kucken diese Politiker das Gras von… Mehr

Schauen sie sich die Lebensläufe der Politikerkaste an, auf regionaler Ebene noch den Anforderungen genügend sind diese auf Bundes oder internationaler Ebene doch nur zweit oder drittklassig.

Als Beispiel nur ein Ressort Digitalisierung (beliebig erweitern…Gesundheit, Wehr…)

1. Keine Ausbildung in der Digitalisierung
2. Keine Erfahrung in der Digitalisierung aus der Wirtschaft
3. Keine Erfahrung in der Digitalisierung aus einem selbst geführten Unternehmen

lauter Rechtsanwälte, Soziologen, und zumeist Berufspolitiker. Kein erfolgreiches Unternehmen in D würde solches Personal für diesen Bereich einsetzen!

Sind doch nur Steuergelder.

Scholz hat da gar keine Wahl. Man hat schließlich gesehen, was bei der Lehman Pleite passierte. Und wenn das mit der Deutschen Bank passiert, fliegt ihnen der Euro um die Ohren. Dann kann man alle Target2-Salden abschreiben, die Bankvermögen, Aktienwerte, Immobilienbewertung… und findet sich in 1929 wieder. Am Ende kommt es, wie es immer kommt, wenn das Kartenhaus zusammenbricht. Die Vermögen der Einen, sind die Schulden der Anderen, und wenn die nicht mehr zahlen können, ist das Vermögen auch weg. Schulden werden immer bezahlt, und wenn es der Totalverlust ist. Was Scholz da macht, wird uns nicht den A… retten,… Mehr

@ BK
„Dann kann man alle Target2-Salden abschreiben…“.

Da sind Sie wohl nicht auf dem Laufenden. Die Target Salden sind vom Konstruktionsprinzip als uneinbringliche Kredite angelegt. Niemand hatte die Absicht…

If you are in a hole stop digging!

Target 2 und der Euro sind nicht mehr zu retten