Der Tag, an dem die DDR stillstand

Vor drei Jahrzehnten waren wir ein glückliches Volk. Heute geht es uns gut, aber die Euphorie ist verflogen. Nach 14 Jahren Regierung unter Kanzlerin Angela Merkel steht das neue Deutschland tief gespalten da. Dennoch muss der Blick auf den 9. November 1989 immer ein froher, dankbarer bleiben.

© Olaf Opitz

Es war eine Woche der Wunder. Millionen DDR-Bürger demonstrierten für Demokratie und Meinungsfreiheit im Arbeiter- und Bauernstaat. Die SED-Diktatur wankte, wollte jedoch nicht weichen und sich stattdessen mit dem Honecker-Erben Egon Krenz als Partei- und Staatschef an die Spitze der sogenannten Wende stellen.

Der Sozialismus in den grauen Farben der DDR war noch nicht am Ende.
Dennoch erlebte ich Tage des Wunders. Als Redakteur der Ost-Berliner Tageszeitung „Der Morgen“ hatte ich mich nach dem Studium in eine Nische zurückgezogen – ohne Aussicht auf eine DDR-Karriere. Das Blatt gehörte nämlich der LDPD, den „Blockflöten“. So bezeichneten sich die meisten Mitarbeiter ironischerweise selbst. Wir trällerten lieber ein kleines, privates Liedchen, das nicht die herrschende SED diktiert hat, hörten den Feindsender Rias 2 bei der Arbeit und fanden den Westen gar nicht feindlich. Wir versuchten, das eine oder andere sozialismusfreie Stück ins Blatt zu hieven.

Nach 30 Jahren Sozialismus hatte ich endlich Karl Marx verstanden, aber nicht so, wie es die Regierenden wollten. Revolutionäre Situationen entstehen immer dann, wenn das Volk nichts zu verlieren hat als seine Ketten. Genauso fühlte ich damals. Ich ging im Mai 1989 zur Kommunalwahl, mit gleichgesinnten Freunden kollektiv „Nein“ wählen.

Jeder mit einem anderen Farbstift, um bei der öffentlichen Auszählung die eigene Nein-Stimme wiederzuerkennen. Wir brachten es in Berlin-Hellersdorf auf mehr als 15 Prozent. Der SED-Wahlbetrug wurde immer offensichtlicher. Danach war ich bei den ersten Demonstrationen am 7. Oktober in Berlin und am 9. Oktober in Leipzig dabei. Fortan hatte ich mir fest vorgenommen, mit der Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley unbedingt ein Interview zu führen über den desolaten Zustand der DDR und das oppositionelle Neue Forum.

Ein erstes Interview mit Bohley

Also besuchte ich am Montag, dem 6. November, Bohley in ihrer Altbauwohnung in der Fehrbelliner Straße am Teutoburger Platz. Die Berliner Malerin rauchte Kette, und ihre Wohnung im „Prenzlberg“ roch intensiv nach Zigarettenqualm – meine Kleidung später auch. Sie zeigte sich erstaunt, dass der „Morgen“, die Zeitung der LDPD, ein Interview drucken wollte. Ich gestand ihr, in erster Linie wollte ich es versuchen, mithilfe eines mutigen Kulturredakteurs, der bereit war, es auf die Kulturseite zu nehmen. Erstens weil der Kulturchef nicht da war. Zweitens weil der trottelige Chefredakteur die Kulturseiten kaum las, sondern meist nur die Politikseiten. Drittens sei sie ja schließlich freischaffende Malerin und für die Kulturseiten wie geschaffen – Kunst macht jetzt eben Politik.

Nebenbei schoss ich ein paar aussagekräftige Bohley-Porträtfotos mit viel Korn dank eines NP-27-Films. Bilder eines bescheidenen Menschen: Die zierliche Künstlerin wirkte auf mich faszinierend, und ich bewunderte sie für ihren Mut.

Unser Interview war Zündstoff: Es ging um die Flucht aus der DDR, freie
Wahlen, Meinungsfreiheit, Demokratie und das Ende des SED-Führungsanspruchs. Obendrein forderte das Neue Forum seine Zulassung als gesellschaftliche Organisation. Bohley blieb im Gespräch ernst, doch zum Schluss lachten wir noch gemeinsam über die Zustände in der DDR.

Jetzt musste das Stück ins Blatt. Am Dienstag, dem 7. November, schrieb ich das Interview und entwickelte die Bilder. Mittwoch, 8. November, ging das Interview in Satz und Druck. Im Druckzentrum des „Neuen Deutschland“, wo die Stasi alle überregionalen Zeitungen noch mal kontrollierte, während die Rotation anlief, schienen sie nur noch die Politikseiten zu durchleuchten. Ich hatte Glück, mein Interview rutschte durch. Schließlich wäre im Normalfall wegen Bohley die Auflage eingestampft worden. Und so veröffentlichte „Der Morgen“ noch vor dem Mauerfall am 9. November 1989 mein Bohley-Interview. Das erste in einem DDR-Medium, wie die Chronik der Wende vermerkte.

Dass ausgerechnet an diesem Tag die DDR stillstehen und die Mauer fallen würde, konnte ich nicht ahnen. Richtige Freude kam bei mir auch noch nicht auf, bislang hatte man mir für den Alleingang noch nicht den Kopf abgerissen, womit ich eigentlich gerechnet hatte. Zu viel braute sich an diesem Tag im SED-Politbüro zusammen. Das hielt alle in Bann. Und es sollte noch ein Wunder folgen.

Einmal Ku’damm und zurück

An diesem 9. November 1989 war ich auch noch „Spätdienstmann“ der Schlussredaktion im Gebäude des Berliner Verlags. Mehrere Blockflöten-Zeitungen erstellten dort ihren Bleisatz für die Rotationsplatten. Dem SED-Gastgeber war das gerade recht: Vertrauen ist nicht gut, Kontrolle viel besser. Der Spätdienstjob bedeutete meist nur organisierten Stumpfsinn. Nachdem ich um 17 Uhr seitenweise langweilige Meldungen der heiligen DDR-Nachrichtenagentur gelesen hatte, fiel mein Blick auf eine ADN-Meldung, in der plötzlich von einem Reisegesetz die Rede war.

Visa könnten ab Freitag, dem 10. November, acht Uhr, beantragt werden … „Wieder so ein SED-Bürokratenmist“, dachte ich damals. Ein Trick, ein neuer Fall von sozialistischer Wartegemeinschaft – stundenlanges Schlange stehen, nur um am Ende zu hören: Wird nicht genehmigt. Ich hatte die Pressekonferenz mit Günter Schabowski leider nicht sehen können. Wir hatten im Satzzentrum keinen Fernseher.

Tor auf, Tor auf, kurz vor Mitternacht

Also fuhr ich ahnungslos nach Hause ins Plattenbaugebirge von Berlin-Hellersdorf. Meinen Freund Christian wollte ich um 21 Uhr noch zu einem Bier überreden und ihm mein gedrucktes Bohley-Interview zeigen. Doch er war schon zu müde. Während ich allein in der Kneipe eine Molle zischte, hörte ich, wie Rias 2 via Live-Einblendung den Hörern von einem Volksfest am Grenzübergang Sonnenallee berichtete. In wenigen Stunden ginge die Mauer auf, schwor der Reporter meines Lieblingssenders. Fast hätte ich mich verschluckt. Unglaublich: Ich zahlte, rannte in die Wohnung zurück, schnappte die Kamera, fand Gott sei Dank gleich ein VEB-Taxi, und ab ging’s zur Sonnenallee.

Meine Ruhla-Uhr (geht nach wie vor) zeigte kurz vor elf. In der Baumschulenstraße stauten sich Trabbis, Wartburgs und Ladas bis zum S-Bahnhof. Vor dem Grenzübergang wartete eine unüberschaubare, hoffnungsvolle Menschenmenge. Ich schoss „historische“ Fotos – sie hängen heute bei mir im Flur. Es sind auch seltene Bilder, denn die meisten Reporter und Fotografen lichteten in dieser Nacht vor allem die jubelnden Menschen an der Bornholmer Brücke oder am Brandenburger Tor ab.

Am Grenzübergang Sonnenallee versuchten manche in der Enge noch ihre
„Zählkarten“ für die Ausreise auszufüllen. Doch bald gaben sie es auf. Die Menschenmasse drückte unaufhaltsam gegen die Grenzschranken. Eine halbe Stunde vor Mitternacht riefen wir laut: „Tor auf, Tor auf!“ Jetzt oder nie – die Schlagbäume hoben sich tatsächlich. Alle rannten los. Endlich im Westen.

Wir fielen uns in die Arme, heulten vor Glück. Menschen aus Ost und West, fast für die Ewigkeit getrennt und doch so nah. Auch wer Dienst tat, jubelte mit. Ob Polizeibeamte oder Journalisten im Westen. Ein Reporter vom niederländischen Rundfunk holte erst, nachdem wir uns umarmt hatten, sein Mikro hervor, fragte, was ich fühlte. „Dass ich das noch erleben durfte“, antwortete ich selig, „mit 31 Jahren und nicht erst als Rentner.“ Nie wieder lebenslänglich eingesperrt und für unmündig erklärt!

Zum Ku’damm

Schon hakten mich Leute unter, zogen mich weiter. Auf einer Bank breitete eine Frau einen Stadtplan aus. Plötzlich hielt ein VW-Bus-Taxi. „Wohin soll’s denn gehen?“, lachte der Fahrer. „Zum Ku’damm, zum Ku’damm“, sprudelten wir wie Kinder mit dem Stadtplan in der Hand hervor. Sechs Ost-Berliner, die sich überhaupt nicht kannten, auf der aufregendsten Reise ihres Lebens. An einer Busstation setzte uns das Taxi ab, um die Nächsten von der Sonnen­ allee abzuholen. Wir stiegen in den Doppeldecker Richtung Ku’damm. Der Kutscher winkte durch.

West­-Berlin war eine einzige Frei­fahrt und eine Welt neuer Düfte dazu. Ein ungewohntes Gemisch aus Abluft von Restaurants, Pommesbuden, Piz­zerien und Katalysatorabgasen. Broiler­läden und Trabis rochen ganz anders.

Vier Uhr – die Mauer ist wirklich weg

Gegen zwei Uhr früh stand ich vor der Gedächtniskirche, machte die Augen zu und wieder auf. War das eine Postkarte, das Fernsehbild der SFB­„Abendschau“ oder nur ein Traum? Nein, das war die verdammte, schöne Wirklichkeit mit jeder Menge Tränen in den Augen. Ich kramte ein „Kriepa“­-Papiertaschentuch hervor. Der Sandpapiercharakter der Ost­-Tempos fiel mir gar nicht mehr auf.

Trabis, Wartburgs und Ladas fuhren hupend den Kurfürstendamm rauf und runter. Jubelnde Menschen saßen auf den Kühlerhauben. Wir winkten und klatschten vom Bürgersteig zurück. Kamerateams aus aller Welt filmten die Menschen und exotischen Vehikel auf Berlins Nobelmeile. Auch ich schoss ein Foto: Kameramann mit Wartburg vor Mövenpick. Das druckte „Der Morgen“ am nächsten Tag in seiner Wochenend­ausgabe.

So gegen vier Uhr morgens spürte ich zum ersten Mal die Kälte der No­vembernacht. Mit dünnem Hemd und Blouson war ich nicht auf Berlins größ­te Freiluftparty vorbereitet. Und nun – hierbleiben oder nach Hause? Trotz allen Glücks machte ich mich auf den Heimweg. Daumen raus, und schon fuhr ein netter West­-Berliner seinen Ortsnachbarn zur Sonnenallee. Vor dem Grenzübergang wurde mir wieder etwas mulmig. Freiwillig zurück hinter die Mauer? Kein Ausreisestempel, kei­ne Zählkarte. Bevor ich weiter grübeln konnte, schallte mir von DDR­-Grenzern ein überfreundliches „Guten Morgen“ entgegen, und nach dem Passieren (ohne Kontrolle!) auch noch ein „Auf Wiedersehen, kommen Sie gut nach Hause“. Da war mir endgültig klar, selbst wenn sie noch so trotzig und grau dastand: Die Scheißmauer ist weg. Ku’damm – ich komme wieder!

Zu Hause in Hellersdorf angekom­men, klingelte ich um fünf Uhr früh bei meinem Nachbarn Sturm. Tochter Me­lanie öffnete verschlafen, mein Freund Christian schlurfte hinterher. „Ratet mal, von wo ich gerade herkomme“, strahlte ich sie an und gab gleich die Antwort: „Direkt vom Ku’damm.“

Die zwei vermuteten sofort einen üblen Scherz im Morgengrauen. „Du spinnst ja!“, sprudelte es wie aus einem Mund hervor. Doch ich hielt ihnen die Visitenkarte des West­-Berliner Bustaxis mit Datumsstempel vor die Nase. Freu­de kam auf und Trauer zugleich: Beide hatten die schönste Nacht in Deutsch­land verschlafen. Kleiner Trost: Am Wochenende feierten wir gemeinsam in den verstopften Straßen im Westen Berlins.

Ich werde diese Zeit der Freiheit nie vergessen, viel zu viele haben es lei­der schon. Damals gingen wir für Mei­nungsfreiheit auf die Straße. Angela Merkel glaubt, so verkündete sie jüngst vor geladenen Gästen in Berlin, die gebe es nach wie vor. Für Merkels Meinung gibt es die Freiheit. Andere hingegen im vereinten Deutschland werden im­mer mehr stigmatisiert. Meinungsfrei­heit ist ein hohes Gut, das gegen ein unaufhaltsam wucherndes politisches Haltungsdiktat wieder verteidigt wer­ den muss.

Alle Bilder: © Olaf Opitz

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Nun vergleiche ich Ihre Schilderung mit dem Artikel in der heutigem New York Times https://www.nytimes.com/2019/11/08/world/europe/germany-identity.html?action=click&module=Top%20Stories&pgtype=Homepage.
Die fängt wieder prompt mit einer Rassismus-Geschichte an, in der eine dunkelhäutige Deutsche von den über die Grenze strömenden Ossis abgelehnt und beleidigt wird…
Was soll man dazu noch sagen?

Nein, der Blick auf den 9. November 1989 muss kein immer ein froher, dankbarer bleiben. Nicht nur die DDR ist untergegangen, sondern auch die Bonner Republik. Als Wessi lebe ich seitdem in einem schlechteren Land als zuvor.

Mit Oskar Lafontaine und den Grünen nach der Bundestagswahl 1990 an der Macht, wären Sie sehr schnell auf Ost-Block-Niveau herabgesunken. Die hätten statt dem Euro, die Saarland-Kopeke bundesweit eingeführt.

Darum geht es mir nicht, sondern um die Dinge wie sind.

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