Zeichen und Wunder – Die US-Steuerreform

Die US-Steuerreform kommt. Profitieren wird davon erst einmal die Breite der US-Unternehmen, der Markt hat da schon im Vorfeld ein klares Urteil gefällt. Wir hier können daran mitverdienen, wenn wir uns wenigstens bei soliden Riesen mal an eine Aktie herantrauen.

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Zumindest in einem Land der Welt wird das Steuergeld der Bürger nicht als selbstverständlicher Besitzstand des Staates verstanden, der dann von der Politik zu eigen gemacht, gnädig dem Bürger über die herablassende Gewährung von Leistungen zurückgewährt wird – natürlich nicht ohne dreifache Anträge und auch nicht ohne vorher eine kräftige Verwaltungsdividende abzuziehen und diverse Versorgungsposten in Räten, Kontroll-Kommissionen und runden Tischen einzurichten.

Ich Staat Du Leistungsempfänger

Das ist übrigens der Grund, warum ein bedingungsloses Grundeinkommen hier in Deutschland nie eine echte Chance haben dürfte, selbst wenn es rechnerisch möglich und sinnvoll umzusetzen wäre. Denn dafür müssten ja dann alle staatlichen Beglückungsprogramme ausnahmslos eingestellt werden, was nicht nur unzählige Jobs in der bürokratischen Mangelverwaltung beenden würde, sondern der Politik auch die Chance nehmen würde, sich mit der Gewährung von kleinen Vorteilen bei der eigenen Klientel zu distinguieren.

Eine ganze Klasse an Politikern würde mit einem bedingungslosen Grundeinkommen nutzlos, eine ganze Sozialindustrie würde ihr Geschäftsmodell verlieren. Das wird nicht passieren, die „intelligente“ 60% Armutsdefinition zeigt, wie man sich sein Geschäftsmodell für alle Ewigkeit bewahrt.

Faszinierend ist auf jeden Fall, wie es die Politik geschafft hat, dass von ganz links bis ganz rechts dem Staat von den Bürgern wie selbstverständlich eine höhere Kompetenz bei der Verteilung finanzieller Mittel zugebilligt wird, als dem Bürger in seiner eigenen Freiheit selber. Dabei ist der Track-Rekord der Politik ja eher zweifelhaft, um das zu erkennen muss man nicht einmal herausragende „Leistungen“ wie den BER erwähnen.

Passend zu dem Thema ist da auch die aktuelle Diskussion um die „Bürgerversicherung“, hinter der sich Alles und Nichts, Sinnvolles und Blödsinniges, Kluges und Dummes verstecken kann, denn der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Keiner kennt den Inhalt, aber das Wort hört sich einfach so schön und solidarisch wie „Gerechtigkeit“ an und so werden die Bürger mit Umfragen beglückt, was sie vom schönen Worte denn halten, und diese Umfragen werden dann zur politischen Rechtfertigung benutzt. Einfach lustig. Aber lassen wir diese faszinierende Beobachtung, wenden wir uns lieber dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu.

Ein klassischer politischer Prozess

Denn in den USA zeichnet sich eine große Steuerreform ab, das erste große Versprechen seiner Amtszeit, bei dem Trump liefern kann. Natürlich wird nun eine politisch geprägte Auseinandersetzung darum starten, ob da wirklich geliefert wurde oder nur ein chaotisches Werk abgeliefert wurde, welches alles schlimmer macht.
An dieser Diskussion will ich mich hier nicht beteiligen und Sie auch damit verschonen, denn dafür ist unser Leben zu kurz und schön. Diese läuft sowieso – auch in der deutschen Presse – entlang der Linien der bekannten politischen Überzeugungen ab und ist daher ebenso vorhersehbar wie langweilig.

Die Wahrheit liegt wie immer in der Mitte, natürlich ist das Werk chaotisch, denn es wurde in einem zutiefst politischen Kompromissprozess um jeden Preis zusammengezimmert. Noch schlimmer, es ist ja nicht mal fertig, die vorhandenen Kompromisse, um es durch den Senat zu bringen, müssen nun noch einmal als Kompromiss zwischen den zwei Versionen des Senats und des Repräsentantenhauses verhandelt werden, dabei darf aber keine Randbemerkung vergessen werden, die auf Wunsch eines Senators eines Bundesstaates hinzugefügt wurde, mit der dessen Zustimmung erst erlangt wurde.

In Summe also ein klassischer politischer Prozess, wer Parallelitäten zu den „effektiv organisierten“ Jamaika-Verhandlungen findet, darf sich nun lachend den Bauch halten.

Besitzer von Produktivvermögen profitieren

Wenn Sie mich um meine persönliche Meinung fragen, halte ich Teile der Kritik der Demokraten für berechtigt, das republikanische Konvolut scheint Schlagseite bei der Bevorteilung großer Kapitalgesellschaften zu haben. Die Idee der Republikaner ist dabei wie immer seit Reagan, dass sich die Reform durch höheres Wirtschaftswachstum selber finanziert. Das wird auch teilweise passieren, aber nur teilweise, auch weil viele der höheren Gewinne wieder nur an die Anleger ausgeschüttet werden, die schon Aktionäre dieser Kapitalgesellschaften sind.

Ebenso wie die widersinniger Weise gerade bei der Linken beliebte Null-Zins-Politik der Notenbanken die Asset-Märkte aufpumpt und den Besitzern von Produktiv-Vermögen damit in die Hände spielt, wird auch diese Steuerreform den Besitzern von Aktien in die Hände spielen, ein Thema zu dem ich am Ende noch konkret komme. Wer daran nicht partizipiert, muss sich teilweise selber an die Nase fassen, insbesondere wenn man trotz guter Vermögenslage lieber Anleihen griechischer Banken und Lebensversicherungen gekauft hat, als Anteilseigner beispielsweise eines Konsumgüter-Weltkonzerns zu werden.

Aber es gibt natürlich auch die, die gar nicht so viel haben um Aktionär zu werden. Denen müsste der Staat über einen Staatsfonds ala Norwegen den Zugang zum Kapitalmarkt ermöglichen, an dem man sich auch mit kleinsten Teilen beteiligen kann. Dabei versagt die deutsche Politik aber jämmerlich, die lieber Konstrukte wie Riester generiert. Und so werden die meisten Deutschen erneut nicht von dieser Steuerreform profitieren, dabei könnten sie es. In den US ist diese Rückkopplung übrigens schon lange da, auch normale Arbeitnehmer sind über ihre 401(k) Konten am Kapitalmarkt beteiligt, weswegen die Ausschüttungen der Unternehmen auch beim normalen Arbeitnehmer ankommen werden.

Die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters

Wie sehr die Wahrheit zum Thema im Auge des Betrachters liegt, kann man leicht daran erkennen, wie widersprüchlich die Steuerreform kommentiert wird. Die deutsche Industrie warnt vor den Folgen der US Steuerreform, gleichzeitig wird aktuell auf CNBC argumentiert, dass die Steuerreform vor allem ein Geschenk für Deutschland und China wäre.

Ja was denn nun, fragt sich da der normale Leser. Die Antwort ist, dass das Auge des Betrachters, der Zeit-Pfad und ein paar Detailannahmen den Unterschied machen, der zu unterschiedlichen Bewertungen führt. Wie immer haben alle primär Angst, dass ihnen etwas weggenommen wird, das kennt man ja. Es gibt auf beiden Seiten Sorgen, die nicht unberechtigt sind, aber auch eine sinnvolle Gesamtsicht; die würde hier aber nun den Rahmen sprengen.

Was ich aber hier noch machen will, ist mit Ihnen grob besprechen, wie der Markt diese Steuerreform heute bewertet, soweit sie bekannt ist. Denn das Schöne am Finanzmarkt ist, da kann man mit sprachlichen Girlanden keinen Blumentopf gewinnen. Da zählt nur was man mit realem Kapital tut, denn nur wenn man investiert ist, kann man gewinnen und nur wenn man verkauft hat, kann man Verluste vermeiden. Was die Anleger real tun, ist also viel wichtiger als das was sie reden – eine Qualität die selten geworden ist.

Sektor-Rotation

Und dabei hat sich schon letzte Woche eine Sektor-Rotation in Gang gesetzt, als absehbar wurde, dass ein Abschluss der Steuerreform möglich ist. Verkauft wurden die Big-Tech Namen wie Alphabet, Amazon, Apple, Facebook, Microsoft und so weiter. Gekauft wurden dann unter anderem die alten „Value Titel“ aus dem Konsumgüterbereich, die in 2017 bisher nur mäßig gelaufen sind. Aber auch die Banken wurden hochgekauft, die absehbar nicht nur von der Steuerreform profitieren, sondern auch von einer absehbaren Deregulierung, die mit dem neuen Fed Chef Jerome Powell kommt.

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Big-Tech wurde dabei nicht deshalb abverkauft, weil die Aussichten schlecht wären und auch nicht, weil die Steuerreform ein Problem ist, sondern weil diese bei den sowieso niedrigen Steuerraten des Sektors keinen Vorteil mehr bringt, während die Aktien schon sehr gut gelaufen sind. Da schichtet man doch besser in einen Sektor um, der weniger gut gelaufen ist, aber dafür einen großen Vorteil von der Reform hat.

Und auch die aktuelle Schwäche des DAX, die wohl von US Investoren ausgeht, kann in dieser Überlegung eine sinnvolle Logik finden. Man investiert doch lieber dort, wo die Gewinne steigen, als dort, wo eine Regierungsbildung fragwürdig ist.

Gewinner und Verlierer

Relative Verlierer sind mit allem Vorbehalt als Zwischenbericht also der Technologiesektor, aber auch die erneuerbaren Energien mit dem Solarsektor, die Republikaner mögen eben mehr, was man schürfen, drillen und verbrennen kann.

Relativer Gewinner ist aber die Breite der amerikanischen Industrie, was man sehr schön am breiten Small-Cap Index Russell 2000 sehen kann, der nun mit der Steuerreform endlich abhebt. So schlecht kann diese Steuerreform also nicht sein, wenn der Markt der Menge der kleineren Unternehmen damit einen Bonus gibt. Auf im Mittel 10% erhöhte Gewinnaussichten wird der Effekt der Steuerreform aktuell geschätzt, womit sich auch die Bewertungen wieder normalisieren. Aber wer Bewertungen zum kurzfristigen Marktiming nutzt, hat sowieso ganz grundlegend etwas nicht verstanden, denn dazu sind diese völlig ungeeignet.

Gewinner sind aber darüber hinaus auch alle Großkonzerne, deren Steuerquote noch relativ hoch ist und mit der Steuerreform signifikant sinkt. Der Telekom-Sektor der US ist dabei vorne dabei, weswegen auch Riesen wie AT&T (T) aus Investitionssicht nun wieder interessant werden. Ganz grundsätzlich sollte mittelfristig fast alles profitieren, was in die Sektoren Consumer Goods (Konsumgüter), Industrial Goods (Industriegüter) und Services (Dienstleistungen) fällt, also alles, was konjunktursensibel ist.

Übrigens, rein taktisch gesehen, steht nun erst einmal die Frage einer sogenannten „Sell the News“ Reaktion im Raum, man kann sich also vielleicht ein wenig Zeit lassen mit dem Einstieg, der US Markt ist kurzfristig überhitzt und korrekturanfällig.

Fazit

Die US Steuerreform kommt wohl, und auch wenn diese ganz steuertypisch ein Gewürge mit Ecken, Kanten und Ungleichgewichten ist, ist es doch extrem positiv, dass sie überhaupt möglich wurde. Hier bei uns setzt man sich ja gleich einem Verdacht der Majestätsbeleidigung aus, wenn man wie ich in Frage stellt, ob die Politik mit dem Geld besser umgehen kann, als die Bürger direkt, die ja auch bereit sind, sich direkt zu engagieren. An dieser Stelle merkt man eine ganz grundsätzliche Differenz im Staatsverständnis, der „mündige Bürger“ wird zwar gerne in Sonntagsreden thematisiert, im realen Ablauf gibt es aber Momente, wo scheinbar eher der konformistische Untertan Diederich Heßling gefragt ist.

Wie immer man darüber denkt, profitieren wird von dieser US Steuerreform erst einmal die Breite der US Unternehmen, der Markt hat da schon im Vorfeld ein klares Urteil gefällt. Wir hier können daran mitverdienen, wenn wir uns wenigstens bei soliden Riesen mal an eine Aktie herantrauen. Oder wir können politisch dafür sorgen, dass es hier weniger Klientel-Beglückungsprogramme, dafür aber bessere Infrastruktur, ein staatliches Gewaltmonopol dort wo es darauf ankommt und ansonsten mehr Netto beim Bürger gibt. Das ist aber ein ganz weiter Weg, immer gegen die politische Strömung den Fluss zur Quelle herauf.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Warten wir mal ab, wie mit der stark repräsentierten deutschen Industrie auf amerikanischem Boden verfahren werden wird. Trumps Strategie sieht vor, ausländische Unternehmen zur Standortwahl in USA zu zwingen, andernfalls drohen hohe Zollaufschläge für deren Produkte. Man darf gespannt sein, ob vermehrt deutsche Industriezweige, die stark nach USA exportieren, ihre hiesigen Standorte überdenken werden. Vor allem, wenn der niedrigere Steuersatz in den USA lockt. Amerika braucht Jobs, Jobs, Jobs, nur so können Steuersenkungen für Unternehmen teilweise gegenfinanziert werden. Global gesehen läuft es auf das Auskontern von Jobinhabern anderer Standorte hinaus. Dagegen ist kein Kraut gewachsen, die deutschen Unternehmen sind noch… Mehr

Sicherlich einige insbesondere Energie intensive Unternehmen werden noch mehr ihren Standorte in den USA aufbauen, sehe BASF etc.

Lieber Herr Schulte, vielen Dank für Ihre stets klaren und informativen Artikel. Lese ich immer wieder gern.

Einhundert Prozent Zustimmung.

„Die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters.“ – Hr. M. Schulte

Kein Kommentar zum globalen Steuerwettbewerb,
kein Kommentar zur wachsenden US-Staatsverschuldung,
kein Kommentar zur Währungsentwicklung,

Das Auge sieht nur was es sehen will!

„Das wird auch teilweise passieren, aber nur teilweise, auch weil viele der höheren Gewinne wieder nur an die Anleger ausgeschüttet werden, die schon Aktionäre dieser Kapitalgesellschaften sind.“

An wen denn bitte sonst? Und warum denn nicht? Eine AG ist ihren Aktionären verpflichtet. Im Übrigen wird niemand von der Politik daran gehindert, selbst in Aktien zu investieren. Es sei denn, man besteuert Normalverdiener so stark, dass sie dazu keine Chance haben.

Es geht um die Reinvestition im Unternehmen selber um Wachstum zu erzielen, die neue Fabrikhalle, das neue Vertriebszentrum eben – oder auch neue Mitarbeiter. Diese Reinvestition ist ja politisch gewollt, denn nur so kann der Refinanzierungseffekt über Wachstum zumindest teilweise real werden, den sich die GOP davon verspricht. Wenn die Vorteile der Steuerreform aber nur ausgezahlt werden und dort zur Wiederanlage nur an den Asset-Märkten landen, fällt der Wachstumeffekt aus. Auch eine Dividenden-Ausschüttung ist ja nicht perse gut für den Aktionär, sie ist nur dann gut, wenn das Unternehmen intern mit dem Kapital keine höhere Rendite erzielen kann, als es… Mehr

Ist schon Richtig, was Sie schreiben. Fragt sich nur, wie Die, die die höheren Renditen bezahlen sollen, ans Geld fürs bezahlen kommen?

Interessanterweise wird beim trumpschen Steuerkonzept immer unterschlagen, dass da nicht nur jede Menge Zuckerl sondern auch einiges an Peitschen für Konzerne eingepackt sind. Z.B. die Imports exercise tax und die Global Minimum Tax on Foreign High Profit Subsidiaries. Dank „Auslandsgeschäften“ steuervermeidende US Großkonzerne dürften eher not amused sein. Was das bedingungslose Grundeinkommen betrifft: Wenn jeder, also auch das Millionärssöhnchen während des Studiums , 1000 Euro monatlich bekommen soll, sind das allein rund 1 Billion jährlich an Kosten. Es stehen aber nur rund 40 Millionen Arbeitnehmer in Lohn und Brot. Die müssen dann aber nicht nur die 1000 Euro für sich… Mehr
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