„Leute, kauft Versicherungen! Versicherungen!“ Das Ende ist nah.

Versicherer müssen schon mal Umwelt- und Klimaaktivisten unterstützen, damit die noch lauter "Das Ende ist nahe!" schreien können. Und Versicherer die Prämien erhöhen können, obwohl sie keine höheren Leistungen zu bilanzieren hatten.

© Valery Hache/AFP/Getty Images)

Sogar in Berlin schlug der Klimawandel zu. Unbarmherzig. Orkane über der Hauptstadt ließen gigantische Wassermassen vom Himmel fallen, U-Bahn-Schächte vollaufen, stoppten den U-Bahn-Verkehr. „Stürme, Starkregen und Dürren: Was sich in den Prognosen der meteorologischen Institute seit Jahren angekündigt hat, ist im Leben der Menschen mit Wetter-Extremen angenkommen.“ Fabulierten Versicherer in PR-Mitteilungen das Blaue vom Himmel herunter: „In der deutschen Hauptstadt zeigen sich die Wasserkaskaden auf den U-Bahn-Treppen, die Orkane Kyrill, Emma und Axel führen zum Ausnahmezustand.“

Viel mehr als lokale Überflutungen, umgestürzte Bäume und die üblichen Schäden richteten die Wassermassen allerdings nicht an.

Mehr Drama konnte die Bahn im vergangenen Jahr liefern. Mehrfach zogen die Bahnmanager wie bei einer Modelleisenbahn den Stecker und ließen die teuren und schnellen ICEs, ICs und viele andere regionale Bahnen einfach in den Bahnhöfen stehen. Draußen war es zu windig und nass. Orkane tobten übers Land. Die Gefahr, dass Züge von umstürzenden Bäumen getroffen und Oberleitungen zerstört wurden, schien ihnen zu groß. Alle reden vom Wetter – wir halten Züge an.

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Die Bahn hatte jedoch die passende Ausflucht parat: der Klimawandel. Und dafür kann die Bahn wiederum nichts. Sie hat also keine Schuld. Der Klimawandel schließlich läßt die Winde wehen und Bäume auf die Oberleitungen kippen. Der fällt in kein Vorstandsressort. Früher auch nicht, da wurden zu nahe, zu große Bäume entlang der Strecken von den Bahnwärtern zum Heizen in ihren zugigen Häuschen gefällt. Und die Büsche wuchsen nicht, weil die Flächen von den Eisenbahner-Kühen – Ziegen – freigehalten wurden. Gut, früher gab es auch heftige Stürme, stürzten Bäume um. Früher allerdings wurden die Bahndämme sauber von Bewuchs freigehalten, Büsche und Bäume in einem gehörigen Sicherheitsabstand zu den Gleisen rechtzeitig abgeschnitten, auch damit kein Funkenflug aus Dampfloks lockeres Buschwerk entzünden konnte. Solche Dienste der Bahn sind aus Kostengründen weitgehend eingestampft worden. Als die Bahnwärter noch die Flächen für sich bewirtschafteten und Bahnstrecken von kundigen Streckenwärtern abgegangen wurden, konnte die Bahn plakatieren: Alle reden vom Wetter, wir nicht.

Heute wuchern die Bahndämme zu. Bei starkem Wind wird die Strecke gesperrt. Der Klimawandel ist ja Schuld. Der schlägt immer stärker zu und treibt die Kosten für die Versicherer in ungekannte Höhen. Rekordschäden durch Naturkatastrophen im vergangenen Jahr vermeldete der weltgrößte Rückversicherer, Munich Re.

Bluten müssen danach also Versicherer für die dramatischen Schäden, die der Klimawandel anrichtet. Allein in Florida verwüsteten im vergangenen Jahr drei Hurrikane weite Landstriche und hinterließen erhebliche Schäden. Für die Rückversicherer waren zwar größere Schadenszahlungen fällig, doch außergewöhnlich waren sie keineswegs. Der genauere Blick in die Bilanz offenbart deutlich weniger Drama: Von 2012 bis 2016 gab es aus Sicht der Rückversicherer keine wegen Katastrophen besonders schlimmen Einbrüche in den Bilanzen. Naturereignisse mit Schäden im mehrstelligen Milliardenbereich, die Versicherern die Stimmung verhagelte, blieben weitgehend aus. Daher sitzen die Rückversicherer, wie das Handelsblatt schreibt, „auf dicken Kapitalpolstern“.

Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) wiederum hat für Deutschland eher versöhnliche Bilanzen ausgerechnet. „In Deutschland waren Naturereignisse wie Stürme, Hagel und Starkregen 2017 für unterdurchschnittliche Schäden von zwei Milliarden Euro verantwortlich“, fasst die taz unter der Überschrift „Hohe Kosten durch Klimawandel“ das angebliche Schreckensjahr 2017 zusammen.
Also: Die Wirbelstürme bewegten sich in der natürlichen Schwankungsbreite.

Keine Dramen, kein Weltuntergang in Sicht. Das sind natürlich keine guten Nachrichten für Prämienerhöhungen. Zudem macht ihnen ein Preiskampf zu schaffen. Nur mit Mühe konnten die Rückversicherer die Prämien um zweistellige Prozentsätze anheben, so das Handelsblatt weiter. Teils habe man sogar die Preise verdoppeln können.

Doch Lernen von Profi-Panikmachern wie Greenpeace heißt siegen lernen. Deswegen kann man den Klimawandel in drastischen Farben malen. Einen Zusammenhang der Winterstürme in Europa mit der Erderwärmung sehen die Experten von Munich Re nicht direkt, dennoch: „Wir sehen starke Indizien dafür, dass mindestens in manchen Regionen der Welt und bei manchen Gefahren veränderte Wettermuster sich heute schon mindestens teilweise in den Daten bemerkbar machen.“

Die Zukunft wird schlimm, katastrophal, fürchterlich! Da muss man als Versicherer schon mal Umwelt- und Klimaaktivisten unterstützen, damit die noch lauter „Das Ende ist nahe!“ schreien können. Man entkommt ihm nur mit einer neuen Police.
„Leute, kauft Versicherungen! Versicherungen!“ Das Ende ist nah.

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Kommentare ( 20 )

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Seit der Klimawandel die größte Bedrohung der Menschheit geworden ist, also seit es die Klimakanzlerin gibt, verpasst Deutschland mit großer Regelmäßigkeit die selbstgesetzten Klimaziele, wie auch andere Länder, die sich der Weltrettung verschrieben haben. Nach dem Abschluss des Klimapakts von Paris hat China ein neues Problem: in den Häfen stauen sich die Kohlefrachter in einem nie zuvor beobachteten Ausmaß. Wollen die Chinesen die exorbitanten Kohlemassen klimafreundlich entsorgen, damit diese anderswo keinen Klimaschaden anrichten können? Wohl eher nicht. Warum auch? Der Klimapakt erlaubt den Chinesen mehr Kohle zu verbrennen. Das Handelnd der Akteure lässt nur einen Schluss zu: der Klimawandel ist… Mehr

Eine der am meisten unterschätzten Gefahren des Klimawandels ist Ebbe auf dem Konto weil man Unsummen verpulvert um sich vor seinen vermeintlichen Folgen zu schützen. Jeder der schon etwas älter ist und die Hypes der Vergangenheit mitgemacht hat (Waldsterben, Club of Rome Prognosen etc,) weiß das die Zukunft fast immer ganz anders kommt als erwartet.

In der hineingeschlitterten Anfälligkeit der Bahn gegen „schreckliche“ Wetterereignisse geht das ehemalige Alleinstellungsmerkmal der Schiene gegen die Straße verloren. Wozu all die sicherheitstechnischen und bürokratischen Apparate, wozu die Zäune und Schranken, wozu die starren Routen ,wozu der riesige Fächenverbrauch und die Sperrwirkung von Gleisanlagen, wenn der Systemvorteil verspielt wird? Stehenbleibende Biostrom-Loks überzeugen keinen Kunden, CO2-Vermeidung ist nicht mehr als Marketing-Geklingel.
Wer den Gründer-Geist der Eisenbahn verstehen will, schaue sich mal J.M.W. TURNER’s Gemälde „rain, steam and speed“ an.

„Höchste Pegelstände in der Volkserziehung (…) Die Kernaussage des Beitrags: Die Meeresspiegel steigen schneller als angenommen. Diesen neuen Studien zufolge steigt der Meeresspiegel bis zum Ende des Jahrhunderts um 65 cm an, das wäre doppelt soviel, wie bisher berechnet. Doch der 65 cm Anstieg – manchmal sind es sogar 75 cm – ist eine uralte Behauptung aus der Alarmküche von Steven Nerem, der in der University of Colorado die Sea Level Research Group anführt. Mit seinem Vortrag, der genau diese Behauptung zum Inhalt hat, tourt er seit Jahren durch die Welt. Das Problem von Steven Nerem: Die Messungen des Meeresspiegels… Mehr

In Zukunft kommt dann noch erschwerend hinzu, daß bei einem Verbot von Glyphosat
die Gleiskörper und Bahngelände vollends zuwachsen. Diesen Zustand von Hand mechanisch zu regulieren würde tausende zusätzliche Arbeitskräfte kosten, ganz zu schweigen
vom weit schnellerem Verfall dieser Anlagen und dem daraus entstehendem Sicherheitsrisiko. Auch die völlig unzureichende Entfernung von Risikobäumen in der Nähe von Bahntrassen aus Angst vor Umweltschützern führt dazu, bei jedem stärkeren Wind die Züge im
Bahnhof zu parken.

Wofür haben wir eigentlich Millionen von „Goldstücken“?

Bei Ihren Ausführungen zur Bahn haben Sie noch ein nettes Schmankerl übersehen: Die Züge bleiben bei Sturm nicht deshalb im Depot, weil es draußen zu gefährlich wäre, sondern weil die Gefahr besteht, infolge von Verspätungen die Fahrgäste entschädigen zu müssen und so viel Geld zu verlieren. Wenn gar nix fährt gibt’s auch keine Entschädigung, sondern nur eine Vertröstung auf den nächsten Tag oder auch den übernächsten. Und jede Menge Stress mit Umplanungen und Krisenmanagement spart man sich auch. So geht modernes Unternehmertum.

Frage an die Foristen: ist „Munich Re“ ein ägyptischer Gott?

Nööö! Das ist nur ein Götze namens Denglisch…

Danke, Herr Douglas, für den interessanten Artikel!

Übrigens, die vier natürlichen Feinde der Bahn?

Frühling, Sommer, Herbst und Winter 😄

„Wetter“ eben….

Moin moin,
„Das Ende ist nahe!“
„Bei ARD und ZDF sitzen sie in der ersten Reihe“.
Wieso noch eine Police? Die GEZ-Gemeinde hat Vorzugs-Volkspolicen erster Bonität.

So, so, die Münchner Rück sieht also Anzeichen (Indizien) dafür, daß sich etwas bemerkbar macht. Und zwar veränderte Wettermuster (vielleicht Verbesserungen? weniger Stürme?) … zumindest teilweise, … zwar nicht überall, aber hier und da … gelegentlich.
Aber all zu bedrohlich darf das Szenario ja auch nicht sein, denn wenn nächsten Monat die Welt untergeht, was brauche ich dann noch eine Versicherung?