Flaute über Deutschland: Windkraft ohne Wind, Photovoltaik ohne Sonne

Nur am 5. Mai hätten wir richtig Glück und ausreichend Strom gehabt. In der Mittagszeit zwischen 12 und 14 Uhr hätten wir gut Kochen und Braten können. Da fielen 65,4 GWh »vom Himmel«.

IMAGO / Eibner
Windpark Hartenfelser Kopf

Ohne Kohle und Kernkraftwerke wäre es im ersten Quartal dieses Jahres kaum etwas mit Industrieproduktion, fahrenden Zügen und Kochen geworden. Es gab viel zu wenig Strom. Der Wind wehte kaum, die Sonne lieferte nur wenig. Das Statistische Bundesamt meldete demzufolge eine gegenüber dem Vorjahreszeitraum um satte 23 Prozent gesunkene Menge an sogenanntem »Ökostrom«.

Die gute Nachricht vorweg, es wurde besser im 2. Quartal: Nur am 5. Mai hätten wir richtig Glück und ausreichend Strom gehabt. In der Mittagszeit zwischen 12 und 14 Uhr hätten wir gut Kochen und Braten können. Da fielen in der Mittagsstunde 65,4 GWh »vom Himmel«. Aber immer noch zu wenig, weil Deutschland insgesamt 68,2 GW Leistung benötigte. Das war der Tag der höchsten Erzeugung aus erneuerbaren Energien, wie auf Smard.de zu lesen ist.

Zeit zum Lesen
"Tichys Einblick" - so kommt das gedruckte Magazin zu Ihnen
Doch gleichzeitig ein Verlustgeschäft, denn plötzlich war zu viel Strom vorhanden, der Strompreis sank ins Minus von 36,71 Euro pro Megawattstunde. Bedeutet: Die Erzeuger müssen drauflegen, damit den Strom jemand abnimmt. Viel Energie aus Wind- und Sonnenanlagen in den Netzen lassen eben die Preise dramatisch sinken. Die gleicht der Stromverbraucher über seine teure EEG-Umlage unter anderem dem Windanlagenbesitzer wieder aus.

Allerdings gab es relativ viel Wind und Sonne nur um die Mittagszeit, bereits am Nachmittag senkte sich die Sonne und ließ die Photovoltaik einbrechen. Derzeit »schläft« der Wind seit gut zwei Wochen. Nach der Statistik des BDEW lieferten von Januar bis März die Kernenergie 2,4 Prozent mehr, Strom aus Braunkohlekraftwerken um 29,9 Prozent mehr, aus Steinkohle 18,3 Prozent mehr und 15,1 Prozent mehr kamen vom Erdgas. Ohne Kohle- oder Kernkraftwerke wäre nichts gegangen.

Dagegen: Windräder an Land und auf dem Wasser lieferten satte 31 Prozent weniger, also etwa ein Drittel weniger als im ersten Quartal des Vorjahres!
Überdies sind all diese Zahlen nicht viel wert, denn auch abends und nachts sowie bei Flaute – so zumindest bisher die Erwartung – soll Strom zur Verfügung stehen. Speichern, das hat sich mittlerweile herumgesprochen, geht nicht in den notwendigen Mengen.

Stromtrasse zwischen Deutschland und Norwegen
Nordlink: Der Anschluss an die "Batterie Europas" bringt Deutschland wenig
Den unsinnigen Gedanken, ein Industrieland dann mit Strom aus Wind und Sonne versorgen zu können, wenn der benötigt wird, zeigen die extremen Schwankungen bei den Stromeinspeisungen. Mal ist Strom da, ein paar Stunden später nichts mehr. So schwankte in den ersten fünf Monaten des Jahres 2021 die Produktion von Strom aus Wind und Sonne extrem: von fast null bis hin zu 41,0 GW bei den Windrädern, bei den offshore Windanlagen von 0-7,1 GW. Die Fotozellen auf Dächern und Feldern lieferten aus dem Nichts plötzlich 36,2 GW, dann wieder null, wenn die Sonne untergeht oder sich Wolken dazwischenschieben.

Zum Vergleich: Der gesamte Stromverbrauch schwankt von 45 GW in Spitzenzeiten bis zu 80 GW. Das bedeutet: Fast die Hälfte des deutschen Stromverbrauches verschwindet mal eben, um dann wieder in die Netze gepumpt zu werden. Welche Belastungen solche Schwankungen auch für Übertragungstechnik bedeuten, kann man sich gut vorstellen. Das bedeutet weiterhin: Hinter jedem Windrad und jeder Solarzelle muss ein konventionelles Kraftwerk stehen, das angeheizt bereitsteht und liefern kann. Das kostet horrende Summen.

Wind- und Sonnenanlagen sind eben nicht grundlastfähig, und es ist mehr als eine entsetzliche Dummheit, einem Industrieland die Energieerzeugung abzuwürgen. Ein Hermann Albers hat die Stirn, die Windenergie als starken »Stabilitätsanker« zu bezeichnen. Der ist Präsident des Bundesverbandes Windenergie BWE und will an möglichst vielen Windrädern im Land prächtig verdienen. Ob die Energieversorgung dieses Landes klappt, interessiert ihn eher weniger. Genauso wenig wie die mittlerweile intergenerationell gerecht gewordene Ökonomin Claudia Kemfert, die zuletzt bei ZDF-Lanz einen schnelleren Ausbau der »erneuerbaren Energien« fordert.

Sie ist auch Mitglied des Sachverständigenrats für Umweltfragen, auf dessen Aussagen sich das Bundesverfassungsgericht bei seinem Skandalbeschluss vom 24. März 2021 ausdrücklich bezieht. Kemfert fordert bei Lanz sogar eine Versechsfachung des Ausbautempos der »regenerativen« Energien. Wie sich dann all die vielen Windrädles drehen sollen, wenn Flaute herrscht, erklärt sie nicht. Es fragte sie auch niemand.

Anzeige
Unterstützung
oder

Kommentare ( 130 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

130 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Menkfiedle
3 Monate her

Ich möchte die Autoren von TE bitten, ein Argument der Energiewendeprotagionisten aufzunehmen: Es ist deren Antwort auf die Frage, wo der Strom bei Dunkelflauten herkommen soll: Die Sektorenkopplung ist hier deren Zauberwort, es geht um diverse Arten von Speichern, u.a. auch von virtuellen Speichern, die aber wirken wie reale Speicher. Aktuell diskutiertes Beispiel sind die Baerbockschen Hühnchen in Kühlhäusern. Diese Sache funktioniert tatsächlich in der Theorie ( ich habe das unter dem Beitrag hier bereits in anderen Kommentaren vertieft ). Mir fällt nur auf, dass man sich eigentlich nur über Frau Baerbock lustig macht. Anstatt die Sache mal technisch, wirtschaftlich,… Mehr

Last edited 3 Monate her by Menkfiedle
Menkfiedle
3 Monate her
Antworten an  Menkfiedle

Man sollte die Grünen / Frau Baerbock ernst nehmen, die ziehen das durch wenn man sie lässt…….
Und es wird wahrscheinlich jeden Bürger treffen – auch Kühlschränke sind virtuelle Speicher und da nunmal jeder einen Kühlschrank hat, wird auch da der Staat zulangen…….
Der Verbund des Stromnetzes mit diversen realen und virtuellen Speichern zur Sektorkopplung wird im Fachjargon übrigens „Hybridnetz“ genannt.
So kommen Baerbock und CO. zur Aussage, „das Netz ist der Speicher“ – was in diesem (!) Kontext sogar richtig ist.
Mir schwant, Frau Baerbock weiss genau, wovon sie spricht – nur wissen das die allermeisten Bürger noch nicht……….

Snurf
3 Monate her
Antworten an  Menkfiedle

: Also ich weiß nicht, ich glaube das Baerbocksche Konzept verstanden zu haben. Es gibt eigentlich nur noch eine Frage, die mich umtreibt: angenommen ich wäre Vegetarier, wie ist denn sichergestellt das mein Strom aus dem Rechenzentrum kommt (deren Computer etwas weniger gekühlt werden) und nicht aus der Tiefkühltruhe mit den Hühnchen ???

Holger Douglas
3 Monate her
Antworten an  Menkfiedle

Vielen Dank für Ihre Zuschrift! Wir sind dran an den Baerbockhühnchen. kommt in den nächsten Tagen.

bfwied
3 Monate her

Wie kann man einem kollektiven Wahn ein Ende bereiten? Mir fällt leider nur ein Mittel ein: der Zusammenbruch, das Desaster, das in einem Strudel sämtliche Systeme, die wir geschaffen haben und die uns am Leben erhalten, verschlingt. Die fleischgewordene Dummheit muss mit der Nase auf ihren Mist gestoßen werden, dann erst kann bei denen, die nicht den harten unverbesserlichen Kern bilden, ein Umdenken und ein paar Funken Verstand einkehren. Die können nicht einmal MW von MWh unterscheiden, aber sie wollen „grüne “ Politik machen! Ein kleiner Wind-„Park“ in meiner Nähe mit einer Leistung von 10,4 MW hat in 2020 nur… Mehr

Ede
3 Monate her

Der Wahnsinn muß beendet werden, und zwar unvermeidbar mit Schmerzen: Armut, Elend, Plünderung und evtl. sogar Krieg würde die Menschen von ihrem Wahn abbringen. Selbstverständlich möchte sowas niemand haben. Aber manchmal ertappe ich mich bei dem Gedanken des Wunsches vom Ende mit Schrecken statt des Schreckens ohne Ende.

Sani58
3 Monate her
Antworten an  Ede

Was Glück, wer dann nach Ausserhalb ausweichen kann.

89-erlebt
3 Monate her

Die „ Ausbeute“ der Erneuerbaren unter Reiner Zufall passt doch bestens zu den letzten Zuckungen einer sicheren Stromversorgung in Hamburg und Umgebung. Dort werden die Reste an Kohle in Strom gewandelt, dann ist Schluss mit solch modernen, zuverlässigen Kraftwerken in der möchtegern Welt Klima Hauptstadt HH (zukünftig WKH).
Aber ich vergaß die Doppel Moral des rot Grünen Senats und seiner Wähler Schafft – Wedel aus Bj 1961 und Tiefstack aus Bj 1991 müssen natürlich weiter verbrennen, der / die / das wollen ja warm duschen.

FZW
3 Monate her

Eine Bitte an alle Autoren, die sich mit Strom, Energie u.ä. beschäftigen: bitte werfen Sie nicht ständig „Leistung“ (Watt) und „Arbeit“ (Wattstunden) durcheinander. Jedem Elektroingenieur rollen sich dabei jedesmal die Fußnägel hoch.

Walter Vogel
3 Monate her
Antworten an  FZW

Wenn der Differenzialquotient P(t)=dW(t)/dt fluktuiert, wie das im Fall von Wind und Sonnenenergie der Fall ist, dann ist es sinnvoll, dass man in einem Artikel in dem es um Augenblicksleistungangebot und Augenblicksleistungsnachfrage geht, auch mit der Leistung P(t)=dW(t)/dt argumentiert.
Das geht doch auch richtigerweise genau so aus dem Artikel hervor.

Holger Douglas
3 Monate her
Antworten an  FZW

Sie haben prinzipiell Recht, doch mir sind die Unterschiede Leistung und Arbeit durchaus geläufig und hier richtig verwendet.

moorwald
3 Monate her

Schon der weise König Salomon sprach vom „Haschen nach Wind…“
Der griechische Gott Äolus hatte auch das Speicherproblem gelöst: er gab Odysseus einen ledernen Schlauch voll Wind mit für die Zeiten der Flaute…
Aber Odysseus‘ Gefährten öffneten ihn vorzeitig, und so wurde das Schiff zurückgetrieben.
Aktuell : Hat man Korn, so fehlt’s am Winde

shareware
3 Monate her

Den Irrsinn in seinem Lauf, halten weder Ochs noch Esel auf … und der Michel schon gar nicht

HPM
3 Monate her

Wunsch/Illusion und Wirklichkeit der Ökostrom-Energiewende lassen sich in relativ nüchternen Zahlen zusammenfassen: Der gesamte Energiebedarf Deutschlands (sog. Primärenergie) beträgt ca. 14000 Petajoule (gedeckt durch Kohle, Öl, Gas, Kernenergie). Alle „erneuerbaren Energien“, einschließlich Windkraft, Solarstrom, Wasserkraft und Biogas haben daran derzeit nur einen Anteil von ca. 2000 Petajoule. Wenn wir die fossilen Energieträger und die noch laufende Kernkraft vollständig durch Ökostrom aus Wind und Solar ersetzten wollen, müssten die Ökostrom-Anlagen noch ca. um den Faktor 7 bis 8 (!) ausgebaut werden – mit Produktions- und Umwandlungsverlusten von Wasserstoff sogar um noch deutlich mehr. Das erscheint technisch und politisch illusorisch, da weitere… Mehr

R6
3 Monate her

Ob die Energiewende funktioniert ließe sich doch ganz einfach testen, wird doch eh Zeit dafür? Man müsste 3F Aktivisten nur mal erklären, dass sie in den Umspannwerken der Kohlekraftwerke demonstrieren müssen. Dann muss der Werkleiter nur die Gefahr erkennen. Kraftwerk aus und Umspannwerk von Netz trennen. Sagen wir 5 Aktivisten je Umspannwerk und ruckzuck sind 10 Großkraftwerke mit wenig Aufwand vom Netz. Am Besten noch Montags ab 8 Uhr. Wetten, dass … man eigentlich nicht zu seinem Arbeitsplatz fahren muss? Los, es geht um unsere Zukunft!

Alexis de Tocqueville
3 Monate her
Antworten an  R6

Das werden sie nie tun. Dann wäre der Strom aus und es gäbe eine Energiewende – eine Renaissance.
Sie wollen das System vorher zum totalen Zusammenbruch treiben.

Alberich
3 Monate her

Diese sogenannte Energiewende ist m.E. schlicht ein Imperialer Traum. Andere Länder sollen verpflichtet werden die nötige Energie zu liefern, damit im Lummerland nicht die Lichter ausgehen. Das nennt sich dann halt Europäische Union. Früher hat man Panzer losgeschickt…