Der Fall Epstein erreicht Deutschland

Während in mehreren europäischen Hauptstädten die Sicherheitsbehörden Verbindungen zum Netzwerk des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein prüfen, blieb es in Berlin bislang auffallend still. Nun fordern aber die Grünen eine umfassende Aufklärung der deutschen Verbindungen zu den Epstein-Akten.

picture alliance / Palm Beach Post | Palm Beach Post

Die grünen Abgeordneten Irene Mihalic und Konstantin von Notz erklärten in einer gemeinsamen Stellungnahme, es sei „äußerst irritierend“, dass andere europäische Staaten entschlossen handelten, während die deutsche Bundesregierung bislang keine sichtbaren Initiativen ergriffen habe. „Es geht um die Interessen der Opfer, aber auch um die Sicherheit unseres Landes“, betonen sie gegenüber Politico. Der Staat müsse mögliche Verbindungen transparent untersuchen, um Vertrauen zu schaffen und Spekulationen den Boden zu entziehen.

Tatsächlich haben Länder wie Großbritannien und Frankreich Taskforces eingerichtet, um mögliche nationale Berührungspunkte mit Epsteins internationalem Netzwerk zu beleuchten. Auch in Polen reagierte die Regierung entschieden: Ministerpräsident Donald Tusk kündigte an, prüfen zu lassen, ob es Kontakte zwischen Epstein und russischen Geheimdiensten gegeben habe. Besonders brisant sei die Frage, ob aktive europäische Amtsträger potenziell erpressbar sein könnten – das wäre ein gewaltiges Risiko für die staatliche Sicherheit.

BND soll ermitteln

Die Grünen, die seit Jahren eine harte Linie gegenüber Moskau vertreten, sehen darin ein Vorbild für Deutschland: Sie plädieren dafür, dass auch deutsche Sicherheitsbehörden – einschließlich des Inlandsnachrichtendienstes – prüfen, ob es Anhaltspunkte für sicherheitsrelevante Verbindungen gibt. Eine solche Untersuchung sei nicht nur juristisch, sondern auch politisch geboten.

Aus dem Kanzleramt hingegen kommen bislang zurückhaltende Signale: Regierungssprecher Stefan Kornelius verwies darauf, dass Ermittlungsaufträge Sache der zuständigen Behörden seien. Die Bundesregierung habe den bisherigen Stellungnahmen zum Fall nichts hinzuzufügen. Das Bundesinnenministerium teilte auf Anfrage mit, man überprüfe laufende Vorgänge im Zusammenhang mit den veröffentlichten Dokumenten, äußere sich jedoch grundsätzlich nicht öffentlich zu Maßnahmen der Sicherheitsbehörden.

Für die Grünen ist das alles zu wenig: Sie warnen vor einem Vakuum, das Verschwörungserzählungen begünstige. Seit der jüngsten Veröffentlichung von Dokumenten durch das US-Justizministerium sei in sozialen Netzwerken ein deutlicher Anstieg antisemitischer Inhalte zu beobachten, berichtet die Berliner Organisation Democ. Eine offene, transparente Untersuchung könne helfen, Desinformation einzudämmen und demokratisches Vertrauen zu stärken.
Direkte Verbindungen prominenter deutscher Persönlichkeiten zu Epstein sind bislang nicht bekannt geworden. Dennoch rückte ein deutsches Finanzinstitut ins Blickfeld: die Deutsche Bank. Sie hatte den Sexualverbrecher jahrelang als Kunden geführt. Laut US-Dokumenten sollte die Geschäftsbeziehung bereits 2018 beendet werden, tatsächlich erfolgte die Trennung jedoch erst nach Epsteins Festnahme im Sommer 2019.

Die Bank räumte Fehler ein und erklärte, man bedaure die damalige Geschäftsbeziehung zutiefst. Seit 2020 habe das Institut erheblich in interne Kontrollmechanismen, Schulungen und Maßnahmen zur Bekämpfung von Finanzkriminalität investiert.

Am 27. Februar will der Bundestag auf Initiative der Grünen über die Forderung nach einer offiziellen Untersuchung debattieren. Ob daraus ein konkreter Prüfauftrag entsteht, ist offen. Klar ist jedoch: Der Fall Epstein betrifft auch Deutschland.

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Kommentare ( 59 )

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h.milde
1 Monat her

Im Prinzip stimme ich diesen GRÜNEN mal zu.#
Aber, in deren Reihen gab -gibt es immer?- noch sog. „MAPs“ -Minors Attracted Persons- wie in der Causa Odenwaldschule, Stadtindianer, Verbindung zum Kentler-System etc.
Damit wären die GRÜNEN ja extrem interessant für die Epstein-Bande, um sie als „Gäste & Freunde“ zu gewinnen. Nun ja, vllt. waren die Epstein & Friends irgendwie zu linksGRÜNvers…-Pardon!- uanppetitlich?

Mugge
1 Monat her

Wenn die Grünen jetzt plötzlich am Seil der großen Transparenz-Glocke ziehen, ist das verdächtig . Während der Documenta 2022 hatte eine grüne Kulturstaatsministerin kein Auge für antisemitische Inhalte. KI Filme u.ä in ARD/ZDF lösten keine Reaktionen aus ,um Desinformation einzudämmen und demokratisches Vertrauen zu stärken.

Last edited 1 Monat her by Mugge
Karl Renschu
1 Monat her

Was würde aus Edathy? Aus Böhmermann und dem Kochshowgast? Aus den grünen Kindergärten und Cohn-Bandit? Auch dort wollen wir Aufklärung…

Autour
1 Monat her

Das ist doch ein Treppenwitz, das die Päderastenpartei hier Aufklärung will… gut intellektuell sind die ja alle vollkommen unbewaffnet aber zumindest hier sollte man doch als Grüne sehr sehr vorsichtig sein….
Aber gut die Aufklärung wird eh nicht von irgendwelchen Deutschen kommen, wenn dann kommt sie aus den Staaten, Ob das den Politclowns hier gefällt oder nicht!

Kassandra
1 Monat her

So sprach jedenfalls Hillary Clinton gestern vor der Presse, nachdem sie hinter verschlossenen Türen wegen der Epstein Files Frage und Antwort zu stehen hatte: https://www.youtube.com/watch?v=jPLKot9wZTs
Gislaine Maxwell war Gast auf der Hochzeit der Tochter?

karlotto
1 Monat her
Antworten an  Kassandra

Bei dem Namen Maxwell , müsten jedem die Alarmglocken schrillen.
Oder , ist das schon Antisemitismus?

Zum alten Fritz
1 Monat her

Irgendwann kommt der Stein ins Rollen. Je weiter er rollt desto mehr wird es holpern und um so mehr Geröll wird dieser mit sich nehmen. Deswegen ist es zu empfehlen in Moabit Platz zu schaffen. Rückblickend in der Geschichte hilft dann auch keine Mauer mehr um das System zu halten.

Nibelung
1 Monat her

Epstein ist überall, was schon vor vielen Jahrzehnten gesehen wurde und weit über das Ziel hinausgeschossen ist, während man es heute unter den Teppich kehrt, damit die Wahrheit ja nicht ans Tageslicht gerät und so verkehrt ist die Welt, bei der Behandlung eines Problemes, wo man weder Maß noch Mitte einhält um bestimmten Auswüchsen zu begegnen.

Hannibal ante portas
1 Monat her

Epstein war nur der Namensgeber eines Geheimdienstnetzwerkes. Niemand kann ein derartiges Netz über Jahrzehnte aufbauen ohne „die Dienste“ auf den Plan zu rufen.

Nibelung
1 Monat her
Antworten an  Hannibal ante portas

Eckstein war der amtlich bestellte Lockvogel um über wichtige Personen Informationen zu erhalten um generell im Bild zu sein und dafür waren alle Sauereien recht, was man jetzt den Verführten anlastet um vom eigentlichen Auftraggeber abzulenken. Deshalb ist obige Feststellung schon richtig, daß ohne Hilfe dieses Netzwerk unmöglich für eine Privatperson wäre und leider focusiert es sich nur auf die erste Garde, die nur die Spitze des Eisbergs darstellen und alle anderen zur Ablenkung dabei untergehen, denn mit jedem weiteren Namen wird es ersichtlich wer dahinter steckt und das will man unter allen Umständen vermeiden, damit der Lack der Heiligen… Mehr

Hannibal ante portas
1 Monat her
Antworten an  Nibelung

Ich frage mich warum speziell ganz illustre und vermögende Menschen die angreifbare Nähe zu einem sehr bekannten Sexualstraftäter suchen, obwohl sicherlich für solche menschenverachtenden Bedürfnisse „auf dem freien Markt“ mehr Anonymität geboten wird. Eine Elite, die durch das gemeinsam begangene dokumentierte Verbrechen zur absoluten gegenseitiger Treue verdammt ist.

Hannibal ante portas
1 Monat her

Ich übersetze kurz die Epstein-Geschichte auf deutsch: die Regierung würde die Kriminalitätsstatistik nur zur Hälfte veröffentlichen und da noch nach Belieben schwärzen. Da würden dann so wichtige Erkenntnisse wie „Falschparker aus Belutschistan in Buxtehude um 50% zurückgegangen“ oder „keinerlei Börsenkriminalität bei Südsudanesen festgestellt“ publiziert werden. Die Halbwahrheit ist nicht die Hälfte der Realität sondern ein kleiner Teil einer großen Lüge.

GermanMichel
1 Monat her

Besonders bemerkenswert was ein gewisser österreichischer Postkarten Maler aus seiner Jugend in Wien zu berichten hatte, es scheint als ob sich Geschichte alle 100 Jahren wiederholt.

Also nicht dass dazwischen die Untaten der Herren über das Finanzwesen aufgehört haben, aber „the great noticing“ scheint tatsächlich immer 100 Jahre zu benötigen, so geschickt wird da gelogen.