Eine Milliarde für die kreative Krisenerfindung

Eine neue "Agentur für Sprunginnovationen" soll deutschen Unternehmen den Weg zur Technologieführerschaft bahnen. Außer Problemen, die wir noch nicht kannten, wird man mit diesem Instrument aber nichts entdecken. Das scheint genau so gewollt zu sein.

Getty Images
Bundesforschungsministerin Anja Karliczek: "Mit der Agentur zur Förderung von Sprunginnovationen schärfen wir für vielversprechende Ideen unsere Sinne und räumen Innovationsexperten große Handlungsfreiheiten ein"

Die Bundesregierung will neue Probleme finden. Schließlich taugen die bereits vorhandenen schon lange nicht mehr zur Wählerbindung. Stattdessen befördern die momentan vom Klimawandel bis zur Migration aufgerufenen Krisen den Zerfall der Gesellschaft in einander unversöhnlich gegenüberstehende Lager. Da verzweifeln die auf konsensstiftende Zukunftsängste angewiesenen GroKo-Parteien natürlich und spendieren gleich mal eine Milliarde Euro für die Suche nach neuen Sorgen. Mit dieser Summe wird nämlich die „Agentur für Sprunginnovationen“ ausgestattet, deren Gründung das Kabinett vor einigen Tagen beschlossen hat. Passender wäre gewesen, diese Einrichtung auf die Bezeichnung „Institut für die Analyse fortgeschrittener Furchtoptionen“ zu taufen.

Denn das neue bundeseigene Unternehmen soll nicht primär Innovationen unterstützen, sondern als „Ideenscout“ nach „zu lösenden Problemen“ fahnden. Etwa durch Wettbewerbe, die „gesellschaftlich relevante Herausforderungen definieren“. Oder durch zeitlich befristet angestellte „Innovationsmanager“, die „zu lösende Problemstellungen“ suchen, finden und erläutern. Als deren Kernkompetenz entsprechend ein „fundiertes technologisch-wissenschaftliches Verständnis der von ihnen vorgeschlagenen bzw. bearbeitenden Problemstellung“ verlangt wird. Was wohl geschieht, wenn ein kreativer Unternehmer (U) einem so ausgerichteten Gremium (G) gegenübertritt?

G: Name?

U: Jeff Bezos.

G: Projekt?

U: Ich denke da an so eine Art Online-Marktplatz…

G (unterbricht): Und welches Problem lösen Sie damit?

U: Ähm.

Man spiele das einmal durch mit Steve Jobs (möchte ein internetfähiges Kameratelefon ohne Tasten entwickeln), mit Mark Zuckerberg (baut eine Plattform, auf der die Leute Fotos und Geschichten einstellen können) oder gar mit Elon Musk (konstruiert ein Trägersystem für Flüge zum Mond und zum Mars). Keinem dieser Herren hätte die „Agentur für Sprunginnovationen“ auch nur einen Cent gegeben, denn weder Amazon, noch das Smartphone, noch Facebook oder gar die Falcon-Rakete haben Müll vermieden, Energie eingespart, bedrohte Tierarten oder den Regenwald gerettet, um mal ein paar typisch deutsche Fetische aufzuzählen.

Wenn Politik auf Technik trifft
Bundesregierung und KI: Keine Intelligenz
Prozesse, die er nicht versteht, schreibt der Mensch gerne dem undurchschaubaren Wirken höherer Mächte zu. So agiert auch die Bundesregierung beim Thema Innovation. Glaubt sie doch an eine dem Markt innewohnende Kollektivintelligenz mit der Gabe, Neuerungen vorauszuahnen und vorzugeben. Sprunginnovationen entstünden daher aus dem Antrieb, so steht es gar fettgedruckt im Konzept der Agentur, „konkrete, aus Sicht der Gesellschaft bzw. der potentiellen Anwender/Nutzer relevante Probleme zu lösen“. Als ob Marco Polo von der transsibirischen Eisenbahn träumte, um schneller an den Hof von Kublai Khan zu gelangen. Als ob Bismarck sich das Fernsehen wünschte, um in Talkshows seine Politik zu erläutern. Als ob es Adenauer weiland störte, nicht twittern zu können wie Donald Trump. Wenn überhaupt hätte der erste wohl eher an bequemere Kutschen gedacht, der zweite an Telegraphen mit höherer Bandbreite und der dritte an bessere Mikrofone und Verstärker.

Darin sind die hiesigen Wissenschaftseinrichtungen richtig gut, vor allem die der angewandten ingenieurtechnischen Forschung. Aus einer exzellenten Maschine eine noch bessere zu machen, das können sie. Die Zukunft prägt man dadurch natürlich nicht. Zumindest diese banale Erkenntnis ist in Berlin angekommen. An der naiven Vorstellung, aus dem staatlich subventionierten Wissenschaftsbestrieb kämen die Innovationsimpulse, hält man trotzdem trotzig fest. Natürlich identifizieren Forscher häufig neue Chancen jenseits des gegenwärtig Machbaren. Aber auch nur dort. Hinter Grenzen, die wir noch nicht überschritten haben. Innovationen jedoch beruhen nicht auf „radikalen technologischen Neuheiten“. Innovationen erwachsen immer aus der Rekombination des bereits Vorhandenen. Sonst wären sie kaum in den fünf bis sechs Jahren marktreif, die die Bundesregierung den zu fördernden Vorhaben einräumt. Das Automobil entstand aus Kutsche, Fahrrad und einem zunächst für den stationären Betrieb gedachtem Motor, als die Produktionstechnik die Fertigung der notwendigen Komponenten in der erforderlichen Qualität gestattete. Künstliche Intelligenz fußt auf Algorithmen, die bereits vor vier Jahrzehnten erdacht wurden, aber erst heute wirklich eingesetzt werden können. Weil Fortschritte aus völlig anderen Bereichen jetzt die notwendigen Rechengeschwindigkeiten, Datenspeicher- und Datenerhebungskapazitäten bieten. Nun werden wiederum Autos und KI miteinander verknüpft, um völlig neue Mobilitätsoptionen zu schaffen.

Grüne Trickser und Täuscher am Werk
Ökologischer Fußabdruck: Grüne Propaganda auf morschem Fundament
Innovationen lösen keine Probleme. Vielmehr bieten sie bislang ungekannte Möglichkeiten der Bedarfsbefriedigung. Der „Sprung“ in „Sprunginnovation“ ist nicht technischer Natur. Er findet allein aus der Perspektive des Nutzers statt, dem das neue Produkt ein Werkzeug zur effektiveren Erfüllung seiner Wünsche verschafft. Wodurch bestehende Schwierigkeiten, hierzulande häufig als Wachstumsgrenzen angesehen, nicht behoben, sondern schlicht obsolet werden. Was sich wiederum auf liebgewonnene politische Dogmen verheerend auswirkt. Autonome Fahrzeuge beispielsweise könnten nicht nur den Verkehr selbst organisieren und damit nahezu alle Verkehrsregeln überflüssig machen, sondern die meisten davon sogar rückwirkend als ausgesprochen dämlich entlarven. Was passiert denn, wenn bei der „Agentur für Sprunginnovationen“ jemand mit einem inhärent sicheren Flüssigsalzreaktor aufschlägt, der emissionsfrei neben Strom und Wärme auch noch Wasserstoff zu unschlagbar geringen Kosten liefert, ohne langlebige radioaktive Abfälle zu erzeugen und ohne jemals von einer Verknappung der Ressourcen betroffen zu sein? Sämtliche Begründungen für die Energiewende wären auf einen Schlag hinfällig. Was passiert denn, wenn jemand mit genetisch optimierten Nutzpflanzen aufkreuzt, die eine höhere atmosphärische Kohlendioxid-Konzentration nicht nur verkraften, sondern sogar brauchen, um mehr Biomasse und mehr Nährstoffe auf kleineren Flächen mit viel weniger Aufwand zu produzieren? Wären wir dadurch nicht sogar moralisch gezwungen, die Emissionen zu steigern, statt sie zu vermindern, um den Hunger in der Welt endgültig zu besiegen?

Wer jetzt meint, die Agentur müsse solche Dinge fördern, weil die Politik sie auf Technologieoffenheit festgelegt hätte, der übersieht das Kleingedruckte.

Migration als Quelle des Heils
UN-Flüchtlingspakt, Assam und Berlin
Selbstverständlich wird die Bundesregierung „durch angemessene gesellschaftsrechtliche Kontrollmechanismen“ die Einhaltung „ethisch-rechtlicher Leitplanken“ gewährleisten. Und da neue Kernreaktoren hierzulande verboten sind, allzu viele den Klimaschutz gar im Grundgesetz sehen wollen und grüne Gentechnik ohnehin als Teufelszeug gilt, wären beide Vorschläge unannehmbar. Mehr als schallgedämpfte Windräder, die automatisch anhalten, wenn sich ein Vogel nähert, wird die „deutsche DARPA“ daher nicht hervorbringen. Die lösen zwar Probleme mit Anwohnern und Naturschützern, wirken darüber hinaus aber nur als Notbeatmung für eine dahinsiechende Ideologie und würden deswegen vor allem die verantwortlichen Minister Karliczek und Altmaier vor Freude hüpfen lassen.

Innovationen werden von einzelnen Menschen für einzelne Menschen gemacht. Sie entstehen nicht in Strukturen zur Aufrechterhaltung verkrusteter Denkmuster. Wer Innovationen will, für Wachstum, Arbeitsplätze und Lebensqualität, wie die Bundesregierung so vollmundig verspricht, darf nicht Ideen einer politisch gesteuerten Auswahl unterwerfen, sondern muss Unternehmergeist fördern. Unternehmer aber suchen nicht nach Problemen, Unternehmer entdecken Chancen. Deswegen wird die neue „Agentur für Sprunginnovationen“ wenig bewirken. Außer Kräfte zu binden, die in anderer Weise besser eingesetzt wären.

Unterstützung
oder

Kommentare ( 70 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Andere bringen wir ungekürzt.
Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

----

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

@F. Hoffmann: X und Y durch * austauschen geht gar nicht, das wäre Gentechnik vom Feinsten. So ’ne Art Kasper-Kas, mit Löchern wie Emmentaler. Das is‘ nich mit den Grünen, Gender hin oder her.

G: Name?
U: Migrant*_Ix.
G: Projekt?
U: Ich denke da an eine Software um Asylanträge automatisiert und gendergerecht binnen 1 Minute bewilligen zu können.
G: Holen Sie sich 50 Mio Euro Förderung an der Kassenstelle ab. Nächste bitte!

Nun kommt mal, Genossen, mit eueren neuen Ideen. Aber vergeßt nicht: Am ende hat die (Regierungs)Partei immer Recht! Das war bei den Nazisozialisten so und bei den Sozialistischen Einheits Sozialisten (doppelt hält besser) nicht anders. Und nun bei den Sozialistischen Unionschristen auch. Langweilig, wie langweilig

EINE Milliarde (= 1.000 Millionen) ist übrigens GAR nichts, verglichen mit den zweistelligen Milliardenbeträge, die für Nichtsnutze ausgegeben werden, die hier antippeln und die Hand aufhalten.

… und zwar Jahr für Jahr, mit offenem Ausgang, weiß kein Mensch letztendlich. Das ist geeignet, die Sozalkassen zu sprengen und das ganze Land ins Unglück zu stürzen. Da kannse heftig forschen, wie wieder rauskommen.

Die eine Hand, in der anderen das Messer? Wenn an Pech hat.

Stimmt, manche sind so bissig- blöde Hunde, dass sie in die Hand beißen, die sie füttert.

Wenn Politiker sich schon etwas ausdenken!

Irrsinn! Schlicht Irrsinn! Mal davon abgesehen, dass man Probleme üblicherweise nicht suchen muss, sie sind meistens sehr sichtbar. Der Pflegenotstand, der größer und größer wird. Die Alten, von denen immer mehr so dement sind, dass sie nur noch eine körperliche Hülle darstellen, die durch immer teurer werdende Medizin am Leben erhalten wird, ohne dass der Mensch, der einstmals in der Hülle lebte einen Nutzen davon hätte. Die Dummheit der Bevölkerung, die sich ständig vergrößert und durch einmaschierende oft noch dümmere Menschen sicherlich nicht geringer wird. Die Konzentrierung der Arbeitsplätze, die für den Pendlerverkehr verantwortlich ist und damit auch für die… Mehr

Vorschlag: Die finale Lösung der Gender-Frage. Das X-Chromosom und das Y-Chromosom werden ersetzt durch ein *-Chromosom. Der neue Mensch wird sein wie Barbie und Ken. Untenrum geschlechtslos und hohl im Kopf. „Es“ dürfte damit auch den ethisch-rechtlichen Leitplanken der Regierung entsprechen. Krieg ich jetzt ne Million?

Eins wird Merkel mit DARPA allerdings wieder erreichen. Viele Wähler im Land, die fest in der Nanny-Staat-Matrix gefangen sind und die selbst schon lange aus dem wirklichen Innovationsprozess ausgeschieden sind, haben den Eindruck Merkel tut was gegen Probleme. Welche das sind und ob es diese überhaupt gibt oder sie erst erfunden werden müssen, spielt für diese Leute keine Rolle. Jedenfalls geben Ihnen die staatlichen Aktivitäten das gute Gefühl, der Staat kümmert sich um sie. Und das reicht ihne als Rechtfertigung dafür, dem Staat immer mehr selbst erarbeitete Steuergelder zu überlassen.

Das erste Projekt wird dann wohl heissen:
„Trabant- Was wir von Sprunginnovationen lernen können“.

Und das ganze Diesel-Problem wäre auch vermieden worden.

Genau, Zweitakter ist die Hälfte von Viertakter ergo halb so schlimm. Dass man da nicht selbst drauf kommt? Frau Baerbock bitte übernehmen!

Das hatten wir doch schon einmal, herausgekommen ist der Trabbi. 🙂