Eine Studie belegt: Schüler mit Migrationsgeschichte werden oft großzügiger benotet, sie bekommen quasi einen Migrantenbonus. Die Forscher vermuten, dass Lehrer unbewusst versuchen, soziale Nachteile auszugleichen, indem sie diese Kinder wohlwollender bewerten. Das ist nicht immer zu deren Vorteil.
picture alliance / ZB | Patrick Pleul
Früher – als Schüler mit Migrationsgeschichte „Einzelfälle“ waren – mag das anders gewesen sein: Da wurden vor allem Jungen mit Migrationshintergrund schon auch mal benachteiligt. Solche Jungen galten als Störenfriede. Anders als ihre Schwestern, denen man in der Schule wohlwollender begegnete. Daraus ist das Opfer-Narrativ entstanden, dass Schüler mit Migrationshintergrund benachteiligt würden. Man nahm an, dass offene oder auch subtile „Diskriminierung“ der alleinige Grund für schwächere Schulleistungen dieser Kinder seien.
Tatsache heute ist: Zahlreiche Schüler der ersten und zweiten Migrantengeneration schneiden schwächer ab als Schüler ohne eine solche Familiengeschichte. Sie haben die schlechteren Noten, kommen mit geringeren Anteilen ans Gymnasium, und sie schneiden bei standardisierten Tests schwächer ab. Oft liegen sie um zwei Schuljahre hinter ihren deutschen Altersgenossen zurück. Das gilt sogar für ganze Klassen, wenn sie einen Migrantenanteil von mehr als einem Drittel haben.
Die Fakten widersprechen der Ideologie der Benachteiligung
Wo stehen „Schüler mit Zuwanderungsgeschichte“? Das „Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen“ (IQB) der Humboldt-Universität zu Berlin belegte 2022, dass die Leistungen dieser Schüler seit 2015 immer noch schwächer geworden sind. Getestet waren mit streng objektiven, standardisierten Test Viertklässler, die nächste Testung erfolgt 2026.

Signifikant weniger Viertklässler erreichten 2021 bei der IQB-Testung im Vergleich zu 2011 und 2016 die ohnehin schon niedrig angesetzten Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz (KMK). Nachfolgend die Anteile der Viertklässler, die die Regelstandards erreichten:

Studie belegt: Aus einem Migrantenbonus wird ein Malus
Ist systematische Diskriminierung der Grund? Nein! Es ist eher das Gegenteil der Fall. Schüler mit Migrationsgeschichte werden oft großzügiger bewertet, sie bekommen quasi einen Migrantenbonus. Nicht immer zu deren Vorteil.
Nun hat eine Studie nachgewiesen, dass Migrantenkinder bei gleichen Leistungen sogar bessere Noten und häufiger eine Gymnasialempfehlung bekommen. Lehrer „gewähren“ damit – bewusst oder unbewusst, willentlich oder unwillentlich – einen Ausgleich für einen realen oder vermuteten Nachteil. Das scheint mittlerweile bei einem Migrantenanteil von im Schnitt fast einem Drittel aller Schüler Standard zu sein. Positive Diskriminierung nennt man das.
Eine 43 Seiten umfassende Studie mit dem Titel „Discrimination in Grading? Evidence on Teachers’ Evaluation. Bias Towards Minority Students“ belegt das. Sie wurde als „Ruhr Economic Papers #1122“ veröffentlicht vom „RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung“ und verfasst von Julia Bredtmann, Sebastian Otten und Christina Vonnahme von der Universität Duisburg-Essen. „RWI“ stand früher für „Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung“.
Die Studienautoren sagen: „Unsere Ergebnisse zeigen keine systematische Diskriminierung, sondern eher das Gegenteil. Kinder mit Migrationshintergrund oder aus sozial benachteiligten Haushalten werden oft besser bewertet.“ Die Forscher vermuten, dass Lehrer unbewusst versuchen, soziale Nachteile auszugleichen, indem sie Kinder mit Migrationshintergrund wohlwollender bewerten.
Untersuchungsbasis waren Tests in den Fächern Deutsch und Mathematik. Diese Tests wurden anonym bewertet, sodass die Lehrer nicht wussten, welchen ethnischen bzw. kulturellen Hintergrund die Kinder hatten, und somit auch keinen Spielraum für „wohlwollende“ Bewertungen hatten. Die Ergebnisse dieser anonymen Tests wurden mit den realen Schulnoten verglichen. Schließlich stellte sich heraus, dass Lehrer bei der Benotung von Kindern mit Migrationshintergrund manchmal nachsichtiger sind. Besonders ausgeprägt ist diese Tendenz in Klassen, in denen viele leistungsschwache oder sozial benachteiligte Kinder sind. Von dieser „positiven Bewertungsneigung“ profitierten laut Studie besonders Schüler türkischer Herkunft.
Die Forscher geben zu bedenken, dass „gut gemeint“ nicht unbedingt den Bildungserfolg fördert. Denn, so die Forscher: „Wenn die besseren Noten auf niedrigeren Erwartungen basieren, könnten Kinder mit ihren Leistungen unter ihren Möglichkeiten bleiben – als eine Art sich selbst erfüllende Prophezeiung.“ Gesagt wird auch: Für die schlechten Noten der Kinder mit Migration seien „andere Faktoren verantwortlich als eine zu schlechte Bewertung durch die Lehrkräfte“.
Was hier angedeutet wird, aber offenbar aus Gründen der „politischen Korrektheit“ nicht ausgesprochen wird, dürfte bekannt sein: Die Bildungsmotivation eines Teils der Migrantenklientel lässt zu wünschen übrig, vor allem bei Erlernen der deutschen Sprache, die das A und O für Schulerfolg ist. Zugleich gibt es Lehrer, die hier eine wohlwollende Notengebung praktizieren, weil sie den gerne bemühten – manchmal auch von Politikern, Medien, Eltern und Schülern gezielt instrumentalisierten „Rassismus“-Vorwurf – umgehen wollen.
Fazit: Positive Diskriminierung verleitet zu verminderter Anstrengungsbereitschaft und zu sogenannter externaler Kausalattribuierung. Letzteres heißt: Sie sehen die Ursachen ihrer schwächeren Leistungen „extern“, nicht bei sich selbst. Das erweist sich schließlich als Hemmschub für die weitere Bildungslaufbahn.



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Hm, das Thema müsste denke ich noch etwas vertieft behandelt werden. Auf jeden Fall ein interessanter Aspekt.
Würde man Migranten wie Deutsche Kinder benoten, würden die Migranten in der ersten Klasse Jahrelang bleiben!
Das ist bestimmt nicht gut. Aber ob es nur Migrationshintergründe betrifft? Schon als ich vor ca. 25 Jahren Abi gemacht habe war es zu leicht. Ich denke heute die eine anspruchsvollere Schule hat viel bessere Möglichkeiten die Leute in die richtige Richtung zu lenken. Es muss nicht jeder an der Universität studieren. Aber heute scheitert ja eine beträchtliche Anzahl Kandidaten schon bei der Aufnahmeprüfung für die Polizei oder gar an der theoretischen Führerscheinprüfung.