20 Jahre Rechtschreibung – 20 Jahre Schlechtschreibung*

Für Reiner Kunze, einen der größten lebenden deutschen Lyriker, war die Rechtschreibreform ein Beispiel von Machtarroganz und Skrupellosigkeit; man habe dem Sachargument keinerlei Chance gelassen.

Getty Images

Den „Achtundsechzigern“ galt sie als Herrschafts- und Selektionsinstrument, dem der Garaus zu machen sei. Gemeint ist die Rechtschreibung. Eine Spätfolge dieses furiosen Eifers ist die Reform der Rechtschreibung: Seit 1. August 1998 ist sie für Ämter und Behörden verbindlich. Zum 1. August 1999 stellten die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen und die meisten Zeitungen auf die neue Schreibung um. Nur die FAZ machte „Zicken“: Sie kehrte am 1. August 2000 zur klassischen Schreibung zurück. Aber auch sonst gab es Widerstände und Proteste zuhauf. Mit dem August 2004 kündigen der Axel-Springer-Verlag, der Spiegel und die Süddeutsche Zeitung an, zur bewährten Rechtschreibung zurückzukehren. „Spiegel“ und „Süddeutsche“ vollzogen ihren Plan allerdings nie.

Am 17. Dezember 2004 konstituierte sich unter Vorsitz des vormaligen bayerischen Kultusministers Hans Zehetmair (CSU) der 40-köpfige Rat für deutsche Rechtschreibung. Zehetmair stand dem Rat bis Ende 2016 vor. Der „Rat“ sollte die Entwicklung der Rechtschreibung in der Praxis beobachten und Empfehlungen zu besonders strittigen Punkten erarbeiten. Zehetmair selbst hatte wohl auf andere Ziele gesetzt, denn in der Passauer Neuen Presse vom 30. April 2003 hat er erklärt: „Wir hätten die Rechtschreibreform nicht machen sollen.“

Immer noch mehr Verwirrung

Gleichwohl modifizierte der Rat die neuen Regeln mehrfach, wodurch zusätzliche Verwirrung entstand. Zum Beispiel plädierte er am 8. April 2005 dafür, die Reform teilweise rückgängig zu machen; es sollten wieder mehr Verben zusammengeschrieben werden, es sollten keine Abtrennung von Einzelbuchstaben mehr (also nicht mehr E-sel, A-bend) und auch keine sinnentstellende Trennung mehr stattfinden (also nicht mehr Urin-stinkt, Anal-phabet); das ck jedoch sollte als Ganzes erhalten bleiben und nicht in k-k getrennt werden. Die in weiten Kreisen der Bevölkerung als unhöflich empfundene Schreibung „du/dein….“ statt „Du/Dein…“ wollte man zunächst nicht zurücknehmen, um sie später immerhin wieder zu „erlauben“. Unsystematisch blieb auch die e/ä-Schreibung. ä statt e haben die Reformer nur bei 14 Wörtern ersetzt, etwa bei behände, Gämse, Schlägel, schnäuzen, nicht aber bei Eltern, die sich getreu dem Stammvokal bzw. dessen Umlautung eigentlich Ältern schreiben müssten.

Ab 1. August 2006 praktizierten die Springer-Zeitungen wieder die Reformschreibung (mit Hausorthographie). Am 1. Januar 2007 schloß sich die FAZ an – alle Redaktionen übrigens mit eigener Hausorthographie. Der Rechtschreibrat** blieb weiter tätig. Im Jahr 2010 erklärte er, dass sich die sog. Volksetymologien belämmert, einbläuen, Tollpatsch, Quäntchen usw. sowie die Variantenschreibungen Butike, Fassette, Kabrio, Katarr, Kupee, Maffia, Maläse, Sketsch nicht durchgesetzt hätten und deshalb gestrichen werden sollten. Was nun wirklich gilt, weiß keiner mehr.

Rechtschreibfrieden ist nicht eingekehrt. Laut Meinungsforschungsinstitut Allensbach war es über die Jahre hinweg konstant immer nur rund ein Zehntel der Bevölkerung, das für die Rechtschreibreform war: 10 Prozent im Jahr 1997, 13 Prozent 2000, 10 Prozent 2002, 8 Prozent 2005, 9 Prozent 2008. Eine Online-Umfrage des Bayerischen Rundfunks ergab am 30. Juli 2015 auf die Frage „War die Rechtschreibreform nötig?“ ein Nein bei 89,1 Prozent. Einmal mehr zeigte und zeigt sich, wie sehr so manche Politik sich von der Bevölkerung entfernt hat. Politik und ein Experten(un)wesen haben sich arrogant und ignorant durchgesetzt. Ein „obrigkeitlicher Gewaltakt“ sei dies gewesen, so die renommierte Bildungsjournalistin Heike Schmoll in der FAZ vom 1. August 2015. Für Reiner Kunze, einen der größten lebenden deutschen Lyriker, war die Rechtschreibreform ein Beispiel von Machtarroganz und Skrupellosigkeit; man habe dem Sachargument keinerlei Chance gelassen (Reiner Kunze in der Welt vom 1. März 2009).

Die Schwindelei und Tricks der Reformer

Von Anbeginn an wurde getrickst und geflunkert. Zum Beispiel wurde behauptet, dass durch die Reform mehr Übersichtlichkeit erfolge, indem aus bislang 212 Rechtschreibregeln nunmehr 112 Regeln, in Sonderheit aus 52 Regeln zur Kommasetzung 9 Regeln wurden. Das ist aber nur ein Numerierungstrick. Beispiel: Der Paragraph 77 der Neuregelung (Komma bei Appositionen) enthält sieben Unterregeln, in denen elf bisherige Duden-Regeln eingearbeitet sind. Der Umfang des Regelwerkes hat sich also keineswegs reduziert.

Reformschwindel Nummer 1 aber war: Die Schüler würden mit der neuen Schreibung weniger Fehler machen. Falsch! Hochtrabende Schätzungen von Prozentanteilen vermiedener Fehler stellten sich als völlig unsinnig heraus. Diesen Prognosen zufolge sollten nach der Reform zwischen 40 und 70 Prozent der Fehler weniger gemacht werden. Faktum ist: Falls es überhaupt zu einer Verringerung der Fehler kam, dann hat das mit dem Prinzip „Beliebigkeit“ zu tun. Beliebigkeit heißt: Wenn ich ein Komma setzen kann, aber nicht muss, dann passieren hier eben weniger Fehler. Keineswegs verbessert hat sich bei Schülern die s-Schreibung, denn die Probleme beim Wechsel zwischen langem und kurzem Stammvokal blieben erhalten (ließ – lässt, fließt – floss, weiß – wusste). Überhaupt nicht erleichtert hat sich die Schreibung des vermutlich häufigsten Schreibproblems, nämlich die Schreibung von das/daß bzw. das/dass. Darüber hinaus machen Schüler neue Fehler: Sie schreiben fälschlicherweise aussen, heissen, grössere, Preussen, geniessen, Strasse, Massnahme usw. Generalisierungsfehler nennt man dergleichen.

Sehr aufschlussreich ist auch die Studie von Professor Wolfgang Steinig et. al. (Universität Siegen) aus dem Jahr 2009. Die Autoren hatten eine Längsschnittstudie durchgeführt. Darin verglichen sie anhand eines identischen Textes mit 100 Wörtern die Fehlerhäufigkeit von Viertklässlern im Jahr 1972 mit der Fehlerhäufigkeit von Viertklässlern des Jahres 2002. Ergebnis: Im gleichen Text machten die Schüler im Jahr 1972 im Schnitt 6,9 Fehler, im Jahr 2002 12,2 Fehler. Das ist fast eine Verdoppelung. Steinig dazu wörtlich: „Wir vermuten, dass dieser außergewöhnlich hohe Anstieg zumindest teilweise mit der Verunsicherung durch die Rechtschreibreform zu erklären ist.“

Konstruktionsfehler „Pädagogisierung“

Der wohl größte Konstruktionsfehler der Rechtschreibreform war, dass man sie nicht an linguistischer Logik, sondern am Horizont von Grundschülern ausrichtete. Sprachpolitik und Sprachpädagogik dürfen sich aber nicht am Kriterium Kindgemäßheit orientieren, sondern sie müssen orientiert sein an der Logik der Sprache. Eine Pädagogisierung, ja eine Infantilisierung der Rechtschreibung ist der falsche Weg. Es gibt schließlich eine Sprache außerhalb der Schule, und die ist komplexer, als es Erleichterungs- und Gefälligkeitspädagogik annehmen möchten.

Gewiss gibt es Wichtigeres als die Rechtschreibung, alles ist relativ. Aber es ist nun mal so: Wer die Rechtschreibung nicht beherrscht, hat im Leben schlechtere Karten. Und selbst in Zeiten neuer Medien und einer fortschreitenden Digitalisierung von Information gilt: Wer die Rechtschreibung nicht beherrscht, weil er falsch geschriebene Suchbegriffe eingibt, versagt auch bei Internetsuchen.

Gelitten hat die Ernsthaftigkeit, mit der Schüler an die Rechtschreibung herangehen sollen. Schuld daran ist die Beliebigkeit von Schreibungen (Variantenschreibungen). Schüler entwickelten nämlich bald das diffuse Gefühl, dass man etwas „so oder so oder auch anders“ schreiben kann. Und sie tun dies umso mehr, je unterschiedlicher bei vielen Wörtern die verschiedenen Wörterbücher (Duden, Wahrig, Bertelsmann) mit ihren Hunderten von Abweichungen voneinander taten und tun.

Gelitten haben die Möglichkeiten der semantischen Differenzierung. So sollte es laut Reform viele Unterscheidungsmöglichkeiten nicht mehr geben, weil dann etwa folgende Schreibungen bevorzugt werden sollen: wohl bekannt statt bisher wohlbekannt, schwer fallen statt bisher schwerfallen, fertig bringen statt bisher fertigbringen, schlecht machen statt bisher schlechtmachen, bewusst machen statt bewusstmachen. Man stelle sich einmal vor: Da will einer sagen oder schreiben, man müsse die Diskriminierung von Fremden bewusst machen (also willentlich machen), wo er doch bewusstmachen (darüber aufklären) meint.

Verwirrend wirkte und wirkt die Eindeutschung von Fremdwörtern – und das in Zeiten, in denen immer mehr Fremdsprachenkenntnisse verlangt werden. Es führt nun einmal sogar bei fremdsprachlich Kundigen zu Verwirrungen, wenn Schreiber zum Beispiel innerhalb eines deutschen Textes Obergine, Pitza oder Spagetti und innerhalb eines französischen oder italienischen Textes Aubergine, Pizza und Spaghetti hätten schreiben sollen. Oder wenn sie wählen sollen zwischen Dekolleté – Dekolletee, Exposé – Exposee, Kommuniqué – Kommunikee, Séparée – Separee, Varieté – Varietee, Delphin – Delfin, Justitiar – Justiziar, Portemonnaie – Portmonee.

Was wäre zu tun gewesen?

Es hätte eine besonders wirksame Möglichkeit gegeben, die Rechtschreibung der jungen Leute zu verbessern: sie in den Schulen konsequenter zu üben und zu bewerten, anstatt sie zu diskreditieren und das Schreiben auf das Ausfüllen von Lückentexten zu reduzieren. Die Devise kann deshalb nur heißen: üben, üben, üben! Ansonsten ist die real existierende amtliche Rechtschreibung kaum reformierbar, sie hat schließlich schon so manche Reform der Reform der Reform hinter sich, und es mangelt ihr immer noch an Transparenz und Systematik. Also kann die Lösung nur lauten: Zurück zur Schreibung vor 1996!

Wie unsinnig die Existenz des Rates für Rechtschreibung geworden ist, zeigt dessen neueste, selbstgestellte Aufgabe: Der Rat will sich mit „gendergerechter“ Schreibung befassen, zum Beispiel – Achtung, liebe Leser! – mit der Frage der Zulässigkeit von Schreibungen wie Leser*innen, Leser_innen


In Kürze erscheint: Josef Kraus, 50 Jahre Umerziehung. Die 68er und ihre Hinterlassenschaften. Manuscriptum. 190 Seiten, 19,90 €.

Empfohlen von Tichys Einblick. Erhältlich im Tichys Einblick Shop >>>

 

Unterstützung
oder

Kommentare ( 99 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Andere bringen wir ungekürzt.
Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

----

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

Sie haben mit allem recht, Herr Kraus, und genau deshalb die Gretchenfrage: Wie halten Sie es damit? Warum schreiben Sie nach den reformierten Regeln?

Zu den Fachleuten unten: Ich habe 25 Jahre lang im europ. Patentamt gearbeitet als Patentprüfer, jede Menge englisch (ca 70%) der Korrespondenz, beschwerdefähige Beschlüsse, mündlich Verhandlungen etc. Mein Ausbilder war Engländer. Dennoch: Mein Englisch ist mir Sicherheit nicht perfekt, das ist auch nach so langer Zeit kaum zu schaffen und die Diskussionen, wie man etwas ausdrückt bei Engländern untereinander, alles keine Dummköpfe, waren immer sehr interessant. Bei Deutsch unter Deutschen übrigens auch. Noch schlimmer: Französisch. Die Amtssprachen dort sind D, E und F. Dass die Schreibweise im Englischen extrem unphonetisch ist, dürfte bekannt sein. Die Engländer haben damit selbst größte… Mehr

Zu Christoph Müller „(alleinstehende Frau)“
Zur Erhellung:
Nach der ursprünglichen Reform musste man „allein stehend“ getrennt schreiben; erst in einer der späteren Reformen der Reform ließ man die „alte Schreibweise“ wieder zu.
Also nichts mit „irgendwo was gehört …“

Sind die späteren, kleinen Erweiterungen etwa kein Teil der neuen Rechtschreibung?

Wer das Pech hatte, die Ursprungsreform voll abzubekommen, dem nutzt es nichts, wenn Jahre später wieder Änderungen („Rückbesserungen“) eingeführt wurden; für den gilt, die „allein stehende Frau“ wäre die richtige neue Schreibweise.

Na und? Die meisten Leute machen noch ganz andere Fehler und das völlig unabhängig von der Reform (sich wohlfühlen, herzlich Willkommen, Bremerhafen usw.).

Das linkspopulistische Regime der Merkeldiktatur ist ja dabei, die Leichte Sprache durchsetzen. Dann kann man mit rund 100 Vokabeln alles ausdrücken, was gewollt ist. Wen kümmert noch die Zeichensetzung, wen das „ß“, wen die Groß- und Kleinschreibung?! Mit einer größeren Dummheit hätte „der Dicke“ seine Amtszeit kaum beenden können. Den Euro hat auch er durchgeboxt. Und was kam dann … Kohls Mädchen! (Und Gott sprach: Es könnte schlimmer kommen! ….. ). Es wäre auch ein Konjunkturschub: Bis man auch nur Goethes Werk in Leichte Sprache übersetzt, dauert es ein Weilchen. Die NRW-Schulministerin hat es auf dem Schulweg bis zur Rechtsanwaltsfachangestellten… Mehr
Jeder staatliche Eingriff in die Sprache, insbesondere die Schriftsprache, ist tendenziell totalitär. Sprache ist als Teil der Kultur dem Staat VORgegeben. Der Staat darf z.B. nicht (aber was kümmerts ihn) den Begriff der »Ehe« verfälschend auf homosexuelle Paare erweitern. Denn er hat als anthropologische Konstante der gesamten Menschheitsgeschicht nie etwas anderes bedeutet als eine (mono- oder polygame) Verbindung von Mann und Frau. Sprachliche Manipulationen dieser oder ähnlicher Art – insbesondere auch neue Begriffs- und Schreibformen, wie »Studierende« statt Studenten (seltsamerweise aber nicht »Absolvierende« statt Absolventen…), oder »Zuhörer*Innen« (höchst selten aber »Verbrecher*Innen«…), kennzeichnen einen ideologischen Eingriff in die Sprache. Jedermann*frau, der*die*das… Mehr

Mit der Umsiedlung der Duden-Redaktion nach Berlin (2002 oder so) – und in Folge dessen die Besetzung dieser mit (in der Regel) weiblichen Personen aus dem Ideologie-Umfeld der dortigen Humboldt’schen Gehirnwäscheanstalt – wird die Genderisierung der Sprache so oder so Einzug in den Duden halten – mit oder ohne Rat für Rechtschreibung.
Man muß sich nur mal einen Prospekt der Dudenredaktion anschauen – dieser schreif förmlich „Indoktrination“ und „Umerziehung“ auf jeder einzelnen Seite – bis hin zu den vorgefertigen Unterrichtsmaterialien für Lehrkräfte…

die schriftsprache sollte ein mittel sein, die „denk- und sprechsprache“ möglichst leichtgängig abzubilden. sprache ist zuerst einmal ein kommunikationsmittel und dieses ist umso besser, je reibungsloser, einfacher, eindeutiger und logischer es ist. regierungen, denen ein dummes volk gelegen kommt, profitieren bewusst oder unbewusst von dieser rechtschreibreform. im schriftverkehr gehen laut messungen des hamburger institutes für kognitionsforschung bis zu 28 prozent der leistung des menschlichen gehirns bei der aufgabenerledigung des schreibens, gegenüber des sprechens verloren. die komplizierte rechtschreibung verschlechtert das komplexe und begriffliche denken, weil sie beim formulieren eines schrifttextes einen teil der aufmerksamkeit und der denkleistung für die schreibbürokratie bindet.… Mehr
Der wesentliche Grund, warum die „neue Rechtschreibung“ seinerzeit so unerbittlich eingeführt und der Nation aufgezwungen wurde, war nie ein linguistischer, der aus dem wissenschaftlichen Curriculum hervorging, geschweige denn beabsichtigte, in der Tat in der alten Rechtsschreibung vorhandene Unsinnigkeiten oder Widersprüche aufzulösen. Es war, wie der Euro, der auch in dieser Zeit kam, ein politisches Projekt, von links, ein konzertierter Angriff auf die alte Bürgerlichkeit der Autochthonen. Ein Schnitt, der uns abtrennen sollte vom Deutschland der Dichter und Denker. Von der Nation der großen Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts. Fack ju Göthe. Der Erfolg dieser Filme spricht Bände. Würde sie heute, 20… Mehr
Ich sehe gar nicht, was durch die Rechtschreibreform an „leichter Sprache“ entstanden sein soll. Einige Änderungen sind diesbezüglich wirkungsneutral. Andere Änderungen erfordern umständliche Umwege, um noch dasselbe ausdrücken zu können (Getrenntschreibung). Wiederum andere Änderungen (Kommaregeln) erfordern mehr Denkaufwand zur Entschlüsselung ganzer Sätze. Die Eindeutschung von Fremdwörtern bringt Erschwernis, wenn man auch mit Fremdsprachen zu tun hat. Will man von Goethe & Co abkoppeln, schafft man es nicht über die Rechtschreibreform. Im Gegenteil. Die alte Rechtschreibung ist bei alter Literatur ständig präsent und konkurriert mit der neuen. Viel einfacher wäre, Goethe & Co aus den Schulen zu verbannen. Dafür braucht man… Mehr

Hervorragender Kommentar. Das Motiv gleicht in der Tat einer Verschwörung, auch wenn man mit solchen Vermutungen vorsichtig sein soll. Erinnern wir uns, daß vom Wechsel DM auf Euro das alte, vertraute Geld, Banknoten und Hartgeld, gegen angeblich fälschungssichere Sorten ausgetauscht wurde, und das nur für die Restlaufzeit von 10 Jahren (gewissermaßen als Moderatorgeld, um die Schockwirkung des Übergangs abzufedern) Das war Absicht.

UNSERE GESELLSCHAFT MUSS DRINGEND ENTRÜMPELT WERDEN, und zwar vor allem von dem ganzen Alt-68-er Politschmock, der als ranzige Verkrustung wie Blei über dem Land liegt. Er hat nicht nur bestehende Strukturen zerstört, er will auch in Form seiner linksgrünen Epigonen verhindern, dass sich neue, sinnvolle Strukturen bilden können. Wie ein Minengürtel ist der 68-er Ideologiemüll um alles herum gelegt, nur um sicher zu stellen, dass keiner rankommt. Aber genau das muss man tun: die Hirne müssen wieder reingewaschen werden von diesem Gift, das unsere Gesellschaft zersetzt. Vor allem das Bildungssystem wurde instrumentalisiert, missbraucht, verunstaltet, ruiniert, die Sprache verhunzt. Durch katastrophale… Mehr
(A) Die Insuffizienz hat längst das akademische Milieu erreicht, gleich ob es sich um schriftliche Produkte von Doktoranden, Promovierten, selbst Habilitierten handelt. Zwei Fehler fallen besonders auf, weil sie die Hauptkorrekturarbeit ausmachen: (A1) Das Wirrwarr der Getrennt- und Zusammenschreibung, obgleich in der Mehrzahl der Fälle das bloße Sprachgefühl bereits leitend sein sollte. So kann ich zwei Objekte (physisch) zusammen fassen oder einen Text (inhaltlich) zusammenfassen. Wer nicht einmal für einen derartigen Unterschied ein Sensorium hat, würde nach klassischen Standards als akademisch fragwürdig gelten. (A2) Noch bemerkenswerter ist die Willkür der Kommasetzung. Relativsätze mit Komma sind die Seltenheit, dafür finden sich… Mehr