Polizei muss in gesellschaftlicher Mitte stehen

Wer versucht, diese Angriffe kleinzureden, oder gar beabsichtigt, die Treter, Steinewerfer und Pöbler des Stuttgarter Mobs in Schutz zu nehmen, oder gar öffentlich die Polizei als Schuldige darstellt, der macht sich an den zwölf verletzten Beamten ebenso schuldig wie die Angreifer selbst.

ACAB – „All Cops are Bastards“. Auf unzähligen Veranstaltungen und Fußballspielen finden sich Banner mit dieser Aufschrift. Zahlreiche Laternen, Stromkästen und Bushaltestellen sind mit Aufklebern mit diesem Aufdruck „verziert“.

Hier sind es nur Worte, in Stuttgart oder Dietzenbach wurden aus diesen Worten Taten – gewaltsame Übergriffe auf Polizisten und Rettungskräfte. Und was ist mit dem Staat? In geradezu grotesk hilfloser Weise sieht er zu, wie seine Ordnungshüter gepöbelt, bespuckt, geschlagen und getreten werden. Und die Zahlen der Angriffe gegen Polizisten und Rettungskräfte steigen.

Was ist bloß los, frage ich mich. „Völlig unerwartet“ sei die Gewalt in Stuttgart eskaliert, heißt es nun an vielen Stellen. Völlig unpassend werden die Angreifer zum Teil in Schutz genommen, ihre Gewalt relativiert: „Die Jugendlichen“ seien „durch die Corona-Pandemie frustriert“ gewesen, sagen die einen. Von anderer Stelle heißt es gar, sie haben sich von der Drogen-Kontrolle durch die Polizei provoziert gefühlt.

Eines will ich unmissverständlich wiederholen und klarstellen: Bei den Angriffen von Stuttgart ging es nicht um jugendlichen Leichtsinn oder um „Frust-Ablassen“. Was hier vorgefallen ist, war ein Akt blanker Anarchie und entfesselter, ruchloser Gewalt gegen unsere Staatsdiener.

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Hieran gibt es nicht zu beschönigen. Wer versucht, diese Angriffe kleinzureden, oder gar beabsichtigt, die Treter, Steinewerfer und Pöbler des Stuttgarter Mobs in Schutz zu nehmen, oder gar öffentlich die Polizei als Schuldige darstellt, der macht sich an den zwölf verletzten Beamten ebenso schuldig wie die Angreifer selbst.

Es beschämt mich zu wissen, dass die Polizeibeamten diesem Mob schutzlos ausgeliefert waren – und zwar nicht etwa, weil sie keine Möglichkeiten, Mittel oder Fähigkeiten zur Selbstverteidigung gehabt hätten. Die Polizisten sind allesamt mit Dienstwaffen ausgestattet, die sie sowohl zum Fremdschutz als auch zur Sicherung des eigenen Lebens oder der eigenen körperlichen Unversehrtheit einsetzten dürfen. Zudem sind alle deutschen Polizisten hervorragend in Selbstverteidigung und Deeskalation geschult und trainiert.

Das Problem aber liegt darin, dass wir zwar „scharfe Tiger“ ausbilden, sie aber direkt wieder zahnlos machen: In der öffentlichen Debatte wird die Polizei längst nicht mehr als Freund und Helfer, sondern vielmehr als Feindbild wahrgenommen.

Ganz besonders Jugendliche brüsten sich damit, wenn sie einem Polizisten den Mittelfinger zeigen und ihm „ACAB“ hinterherrufen.

Die Polizei bemüht sich folglich um Sachlichkeit und um Aufklärung. Die Basis der polizeilichen Arbeit ist es nämlich, dass die Bürger „ihrer“ Polizei vertrauen können. Nur dann kann die Polizei auch effektiv arbeiten und die Bürger beschützen.

Genau das wird aber immer schwieriger, da immer mehr sich gegen die Polizei wenden und in ihr ein Organ staatlicher Willkür sehen, sie nicht als Freiheitsgaranten, sondern als Freiheitsverhinderer wahrnehmen.

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Wie aber konnte es dazu kommen? Warum sehen so viele Leute in der Polizei einen Feind? Ich glaube ein wesentlicher Grund ist, dass viele, gerade junge Bürger oder Personen, die aus einem anderen Kulturkreis zu uns kommen, ein natürliches Problem mit staatlicher Autorität und der kompromisslosen Durchsetzung von Recht und Gesetz haben.

Eben das aber ist die Aufgabe der Polizei. Wenn nun Polizeibeamten eine Drogenkontrolle durchführen, bei einem Fußballspiel rivalisierende Fangruppen voneinander trennen oder Razzien durchführen, dann wird dadurch die Freiheit einiger Personen zum Wohle der freien Gesellschaft eingeschränkt. Das aber lehnen immer mehr Bürger ab.

Die Reaktion reicht von „friedlichem“ Protest mit ACAB-Bannern bis hin zur gewaltsamen Auseinandersetzung mit der Polizei. Gerade dann muss die Polizei hart durchgreifen und mit starker Hand gegen Randalierer vorgehen, um die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten – und wird dabei als aggressiv oder gewalttätig wahrgenommen.

Bilder von Polizisten in Schutzmontur verbreiten sich dann rasend schnell in den sozialen Netzwerken und Anheizer sticheln mit Beleidigungen gegen die Polizisten oder pauschalen Verurteilungen. „Die Polizei“ prügelt auf Demonstranten ein, heißt es dann beispielsweise. Ob aus Selbstverteidigung, Eigenschutz oder Notwehr spielt für die ACAB-Anhänger dann keine Rolle – von einigen wenigen Polizisten schließen sie auf alle, stellen die Polizei pauschal unter Verdacht oder wie sie es ausdrücken: „All Cops are Bastards“.

5 vor 12
Die "Partyszene" von Stuttgart
Selbstverständlich gibt es auch in der Polizei einige wenige schwarze Schafe oder missglückte Einsätze, bei denen die Grenzen überschritten werden. Aber auch dann kennt unser Rechtssystem, für das die Polizisten wie keine zweiten stehen, Wege zur Abhilfe. Einsätze können kritisch nachbetrachtet, Anzeigen gegen übergriffige Polizisten erstattet und diese für Fehlverhalten belangt werden.

Eine pauschale Verurteilung aller Polizisten aber ist der Wegbereiter für Gewaltexzesse wie in Stuttgart oder hinterhältige Angriffe auf Polizisten und Rettungskräfte, wie vor einigen Wochen in Dietzenbach.

Deshalb ist es auch absolut unangebracht zu behaupten, die Gewalt in Stuttgart sei plötzlich explodiert, wie ein Vulkan, der ohne jede Vorankündigung ausbricht. Es gab sehr wohl Warnzeichen, sozusagen vulkanisches Grummeln, ausschlagende Seismographen und kleinere Eruptionen von Magma.

Die Polizei wird immer häufiger mit Gewalt konfrontiert – sei es auch nur verbale Gewalt in Form von Beleidigungen gegen einzelne Beamte oder die Polizei im Allgemeinen. Davor habe ich schon oft gewarnt, unter anderem mit meinem Verein „Pro Hilfskräfte – Hände weg“ versuche ich seit etlicher Zei, auf diese Gefahr aufmerksam zu machen.

Feind Polizei: Hass, Gewalt, Machtmissbrauch
Bei Illner: Das Anti-Polizei-Tribunal
Jetzt fordere ich einmal mehr und umso lauter Konsequenzen: Lückenlos muss aufgeklärt werden, warum die Polizisten, Familienväter und Mütter, Bürger in Polizeiuniformen, über Stunden dem wütenden Mob von Stuttgart ausgesetzt waren, ohne sich effektiv verteidigen zu können. Warum ist man ihnen nicht zur Hilfe geeilt? Wer hat in dieser Nacht geschlafen, statt seiner Pflicht unseren Helfern zu helfen, nachzukommen?

Zugleich müssen wir allen klarmachen: Die Polizei steht fest in der Mitte unserer Gesellschaft. Sie ist der Garant unserer Freiheit und Sicherheit. Sie bildet die Grundlage unseres Rechtstaates und sichert unser demokratische Gemeinwesen. Beleidigungen gegen Polizisten sind deshalb keinesfalls hinnehmbar.

Und alle, die unsere Rettungskräfte, Polizisten und Staatsdiener angreifen, gehören hinter Gitter – ohne Wenn und Aber. Schluss mit fadenscheinigen Ausreden. Jetzt geht es um den Schutz und Respekt für unsere Polizei.

Als Sofortmaßnahem fordere ich, die Beleidigung ACAB sowie alle anderen verbalen Angriffe gegen unsere Polizei zu verbieten und unter Strafe zu stellen. Wir dürfen dem Hass gegen die Sicherheitskräfte keinen Nährboden bieten, keine Plattform, um sich weiter zu verbreiten.

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Kommentare ( 16 )

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16 Kommentare auf "Polizei muss in gesellschaftlicher Mitte stehen"

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Du liebe Güte, Herr Tipi. Wo waren Sie denn in den letzten Jahren? Im Herbst 2015 öffnete IHRE Kanzlerin die Grenzen, um Hunderttausende unkontrolliert pauschal als Flüchtlinge willkommen zu heißen. Schon 3 Monate später zeigte sich angesichts der „Kölner Silvesternacht“, was man sich ins Land geholt hat. Und seitdem geht es tagtäglich weiter. Abgesehen von den zahllosen Einzeltätern, die sich in ihrer Meinung bestätigt sahen, dass hiesige Gesetze für Sie nicht gelten, terrorisieren IM GANZEN LAND jeden Tag Grüppchen und Gruppen die Bevölkerung und liefern sich „Schlägereien“ mit der Polizei. Und sie werden immer größer. Verharmlost, verniedlicht, verschwiegen. Und wer… Mehr
Die Polizei ist doch gewerkschaftlich organisiert und nun können deren Führer beweisen, wie fähig sie sind und sie müssen halt mit den Politikern Tacheles reden und ihnen klarmachen, daß es so nicht weitergehen kann. Man kann die Polizei sicherlich geistig unterstützen, wenn es um ihre eigentlichen Aufgaben geht und sie bestätigen, damit der einzelne Beamte weiß, daß die Bevölkerung hinter ihm steht, aber das Verhältnis zwischen Polizeiführung, ihren Gewerkschaftern und der Politik müssen sie selbst klären, das sind sie ihren Mitgliedern schuldig und dafür sind sie gewählt worden und wenn sie sich wegducken, der fehlenden Courage wegen, dann taugen sie… Mehr
Natürlich gehört das ACAB verboten( oder All cops are berufsunfähig, wie die ** der Taz schrieb) , das Tragen, Vertrieb und Herstellung der TShirts, die Verbreitung und Sichtbarmachung in der Öffentlichkeit ist als linksextremistische Straftat einzustufen und zu verfolgen. Genau wie es Rechtsradikale/extremistische Symbole und Äußerungen sind. Aber wir sind hier nicht in Polen oder Ungarn wo der Extremismus beider Seiten bekämpft wird. All die schönen heren Worte werden nichts nützen denn was bei und in der Polizei geschieht ist Staatsräson und nicht nur geduldet sondern auch gefördert. All die NGOs, die Antifa, deren harter Kern die Linksfaschisten, sind Teile… Mehr

Die Formulierung stimmt wohl so – so wie es derzeit läuft, kommt irgendwann ein linker „Partymacher“ auf die Idee, einen Polizisten anzuzeigen, wenn er seine Faust am des Polizisten Gesicht verletzt.

@“Als Sofortmaßnahem fordere ich, die Beleidigung ACAB sowie alle anderen verbalen Angriffe gegen unsere Polizei zu verbieten und unter Strafe zu stellen“

Die Beleidigungen sind längst strafbar – man muss nur Fälle wie „ACAB“ konsequent anzeigen – und hoffen, dass es was bringt. Vor vielen Jahren las ich über Fälle, als sogar ein den Polizisten entgegengestreckter Mittelfinger viel kostete – irgendwann um Kohl/Schröder.

„Polizei muss in gesellschaftlicher Mitte stehen“:
Ganz genau. Deshalb musste sich auch die Volkspolizei zum Ideal des Marxismus-Leninismus bekennen. Deshalb muss sich die deutsche Polizei auch zum Ideal des Multikulturalismus, des „Black Live Matters“ und des „White Lives Don’t Matter“ bekennen. („White Lives Matter“ ist bekanntlich rassistisch.) Deshalb sollte sich die Polizei auch bald zu den Idealen der Friedensreligion bekennen. Deshalb sollte die Polizei auch dieses nationalistische Grundgesetz ablehnen und sich zur größeren besseren EU-Bürokratie bekennen.

„Jetzt geht es um den Schutz und Respekt für unsere Polizei“.
Die Polizei, die mich per Fernglas für 10kmh über Tempolimit abkassiert, die friedliche Frauen brutal aus einer Demonstration für Grundrechte an den Haaren heraus zieht, die wegschaut, wenn Einmänner einen auf der Parkbank schlafenden anzünden, die nichts gesehen haben, wenn Antänzer Handtaschen klauen, die Stunden für die Anfahrt zum Einsatzort brauchen, wenn der Drogendealerclan vor dem Spielzeugladen meiner Schwiegermutter, Zoff mit dem andern Drogendealerclan von der anderen Straßenseite hat?
Respekt?
Habe ich Respekt vor einem Klempner der Abwasser und Klarwasser durcheinander bringt?

Hervorragend auf den Punkt gebracht!

Neue Affäre in linken Medien – ein deutlich schockierter Polizist („wie im Krieg“) hat nicht penibel genug auf politisch korrekte Sprache geachtet:

https://www.welt.de/politik/deutschland/article210432777/Stuttgart-Polizei-ermittelt-in-den-eigenen-Reihen-nach-Krawallnacht.html

Da hat der Staat jetzt was zu ermitteln. Vielleicht wurde nicht immer korrekt Randallierende*Innen gegendert, alle solche Beamte erwarten sicherlich harte dienstliche Konsequenzen.

Herr Tipi, Ihre Diagnose stimmt, nur an die REALE, FAKTISCHE,TATSÄCHLICHE Therapie glaube ich nicht. Ich muss Ihnen hier leider dasselbe Zeugnis wie heute Morgen Herrn Bosbach ausstellen: Sie nehmen hier eine Alibi-Funktion ein um konservative Noch-CDU-Wähler bei der Stange zu halten und suggerieren hier Maßnahmen, die mit Ihrer Partei der CDU und schon ganz nicht mit Ihrer „Chefin“ umzusetzen sind. Bei Herrn Bosbach habe ich mich zu einer moralischen Bewertung seines Verhaltens hinreisen lassen, die ich hier nicht wiederholen möchte. NUR durch die CDU Merkels sind solche Verhältnisse möglich geworden, da die anderen linken Parteien alleine dies so nicht geschafft… Mehr
Das Vorgehen der Polizei ist schon seltsam. Auf den Grundgesetzdemos in den letzten Monaten ist sie in Berlin und anderen Städten sehr rabiat gegen friedliche Demonstranten vorgegangen. Hunderte von Personen wurden festgenommen und angezeigt. Im Web findet mal sehr viele Videos darüber. Wenn die Demonstranten, wie bei BLM Demos in Berlin gegenüber der Polizei übergriffig werden, läßt die Polizei das ohne große Gegenwehr geschehen und es fanden praktisch keine Festnahmen statt (s. Video Boris Reidschuster in Berlin hier bei Tichy). In Stuttgart wüten 500 „Partygänger“ und es kommt zu lächerlichen 24 Festnahmen. Hier stimmt gar nichts mehr. Die Polizei verscherzt… Mehr

Wer in diesem maroden Staat tatsächlich noch zur Polizei oder zur Bundeswehr geht, ist mir ein Rätsel.

Ich würde heute „was Soziales“ oder „was mit Medien“ studieren.

Ja, und dann Berufsbeamtentum, griechische Verhältnisse, alles arbeitet beim Staat
und JP-Morgan finanziert die Sause, bis der deutsche Michel den „Haircut“ bezahlt und die Herrn von der Troika in Buntland das Tafelsilber verhökern.
Die Insel Helgoland wird dan vermutlich an die Chinesen verkauft werden müssen samt 😉 BER (für einen „Neue Heimat – Euro“).