Der Engpass, der unweigerlich kommt

Diesseits der großen „Weltkatastrophen“ braut sich über Deutschland eine ganz andere Krise zusammen. Wirtschaft und Staat verlieren elementare Fähigkeiten, während die „gehobenen Produkte“ und die „soft power“, auf die man sich verlegt hat, in der heutigen Welt immer weniger wert sind.

imago Images/Christian Spicker

Stellen wir uns vor, nur für einen Moment, es gäbe die „planetaren“ und „terminalen“ Krisen der Erdüberhitzung, des erzwungenen Massenexodus und der unendlichen Pandemien nicht mehr. Sie hätten sich als Zerrbilder und maßlose Übertreibungen erwiesen. Und wir hätten dann die Ruhe und den freien Blick, um die Lage neu zu bewerten. Und wir müssten dann nicht pauschal die ganze Welt auf einen einzigen Nenner bringen, sondern könnten uns der spezifischen Position zuwenden, die unser Land in der Welt einnimmt. Das wäre eigentlich eine gute Sache. Wir könnten, in Kenntnis der begrenzten Möglichkeiten unseres Landes, selbstbewusster sprechen und selbstverantwortlicher handeln – und wir wären nicht von denen abhängig, die vorgeben, im Besitz des „Weltwissens“ und „Weltgewissens“ zu sein.

Aber was würden wir feststellen, wenn wir am Ende des Jahres 2021 so auf unser Land schauen und die „große Weltrettung“ einmal weglassen? Können wir redlicherweise sagen: Deutschland ist auf einem guten Weg? Nein, das können wir nicht. Denn es gibt in diesem Land – und gewiss in anderen vergleichbaren Ländern auch – einen schleichenden Prozess von zunehmenden Defiziten und Verlusten. Unser Land verliert tragende Elemente seiner Wirtschaft und seines Staatswesens. Und das geschieht ganz unabhängig von den vielbeschworenen globalen Krisen. Die „Weltrettungen“ interessieren sich nicht für die hartnäckigen Defizite und Verluste im Lande. Doch gerade hier liegt der wahre Ernst der Lage, mit dem sich unsere Nation dringend befassen muss.

Genau genommen sind es zwei Vorgänge, die diesen Ernst der Lage ausmachen. Erstens führen die Verluste dazu, dass unser Land immer einseitiger und damit krisenanfälliger wird. Die Wirtschaft spezialisiert sich auf gehobene Produkte, Produktionsschritte und Dienstleistungen, der Staat spezialisiert sich auf eine Moderatorenrolle und „soft power“. Zweitens werden die Fähigkeiten, auf die Deutschland so einseitig setzt, international immer weniger nachgefragt. Entweder werden sie von anderen Nationen (insbesondere von Schwellenländern) in Eigenregie übernommen, oder sie erweisen sich als zu teuer, zu kompliziert oder zu schwach. So führt die wirtschaftliche und staatliche Aufstellung Deutschlands, die am Ende des 20. Jahrhunderts noch relativ krisensicher war, nun in einen Engpass hinein. Das deutsche „Vorbild“ erweis sich als selbstgefälliges Trugbild und als eine zunehmend brüchige Existenzgrundlage. Und das droht nicht für eine fernere Zukunft, sondern ist eine akute Gefahr in diesem Jahrzehnt.

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Die Coronakrise und die Pflegekrise – Es gibt wieder einen Anstieg der Covid19-Infektionszahlen und es ist absehbar, dass sich die Zirkulation des Virus selbst bei hohen Impfquoten nicht ganz unterbinden lassen wird. Man kann dafür sorgen, dass ein wachsender Anteil der Infektionen nicht mehr zu schweren Krankheitsverläufen führt, aber für die verbliebenen schweren Verläufe braucht man ein robustes Gesundheits- und Pflegesystem mit Reservekapazitäten. Und an diesem Punkt bekommt die Coronakrise einen anderen Namen: Sie ist ganz wesentlich zu einer Pflegekrise geworden. Schon vor der Corona-Epidemie wurde in Deutschland von einem „Pflegenotstand“ gesprochen, und es war nicht gelungen, hier eine Wende herbeizuführen. Und jetzt, in der Globalsteuerung der Coronakrise bekommt der Pflegenotstand keineswegs die nötige Priorität. Man vermeidet es, das heikle Thema zu vertiefen. Zwar ist von der Überlastung der Intensivstationen die Rede, aber wird kaum erwähnt, dass dies vor allem an einem Rückgang der real verfügbaren Intensivbetten liegt – weil es schlicht an Personal fehlt. Und das nicht nur wegen der schon großen Knappheiten, sondern wegen einer neuen Verschärfung des Notstands: Es hat in diesem Jahr einen wahren Exodus von Beschäftigten aus der Intensivpflege gegeben. Anfangs wurde der Rückgang mit 1.000 Intensivbetten beziffert, inzwischen ist von 5.000 Betten die Rede (FAZ 18.11., S.17).

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Eine grundlegende Fehlaufstellung – Der Pflegenotstand verweist auf eine grundlegende Fehlaufstellung Deutschlands. Denn er betrifft einen Arbeits- und Qualifikationsbereich, der in der herrschenden Zukunftsvision für dies Land gar nicht vorkommt. Es geht um eine harte, vielfach unangenehme und monotone Arbeit im Schichtbetrieb. Die Tätigkeiten im Pflegebereich sind ganz überwiegend auf einer einfachen, allenfalls mittleren Qualifikationsstufe angesiedelt, die aber ein hohes Maß an ständiger Sorgfalt und Aufmerksamkeit erfordern. Dies Profil will so gar nicht zu einer politischen und sozialen Ordnung passen, die über 60 Prozent eines Jahrgangs auf einen akademischen Bildungsweg bringt. Hier ist längst, durch eine völlig irrationale Konzentration von staatlichen und privaten Investitionen ein unverhältnismäßig großer Sektor „gehobener“ Tätigkeiten entstanden – und eine soziale Blase des „gehobenen Mittelstands“. So wird alle andere Arbeit und Bildung im Land entwertet und vernachlässigt. Und es ist überhaupt ein völlig aussichtsloses und sinnloses Unterfangen, ein ganzes Land in diese Richtung zu „heben“. Der vor unseren Augen stattfindende Rückzug aus dem Pflegeberuf findet trotz beträchtlicher Lohnerhöhungen statt. Mit Geld ist der strukturellen Schieflage der deutschen Berufs- und Bildungswelt nicht beizukommen. Solange die deutsche „Mitte“ politisch, wirtschaftlich und kulturell so „akademisiert“ ist (was sie in früheren Zeiten der Bundesrepublik nicht war), wird die relative Entwertung des Pflegeberufs weitergehen. Und der Engpass, der da kommt, hat gravierende Folgen: Er macht unsere Nation nicht nur hilflos, wenn es um Epidemien geht, sondern auch, wenn der Anteil alter Menschen immer größer wird.

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Wie das Land enger wird (I) – An dieser Stelle lohnt es sich, den Blickwinkel etwas zu vergrößern. Denn die gleiche strukturelle Schieflage zeigt sich an viel mehr Stellen. In diesem bemerkenswerten Jahr 2021 gibt es Notstandsmeldungen von vielen Fronten, und sie betreffen meistens dieselbe Problemzone. Gewiss gibt es auch einen Mangel bei Ingenieurberufen, aber immer häufiger sind es Tätigkeiten von Facharbeitern und angelernten Arbeitern, die nicht mehr besetzt werden können: in Industrie und Handwerk, im Baugewerbe, im Transportgewerbe, in der Landwirtschaft, im Hotel- und Gaststättengewerbe, in der Lager- und Versandarbeit, in Bringdiensten für Essen und Lebensmittel, in der Brief- und Paketzustellung, in den Sicherheitsberufen von der Feuerwehr über die Polizei bis zum Militär. Und jedes Mal bedeutet das eine Verengung und Vereinseitigung elementarer Fähigkeiten dieses Landes.

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Wie das Land enger wird (II) – Und noch eine Vergrößerung des Blickwinkels ist wichtig. Zu den Fähigkeiten eines Landes gehören nicht nur die subjektiven, beruflichen Fähigkeiten der Menschen, sondern auch die Sachanlagen der Betriebe und Infrastrukturen – Maschinen, Straßen, Energie, Wasser und vieles mehr. Auch hier ist nicht alles „von Natur aus“ da, sondern muss erschlossen, konstruiert und produziert werden. Auch wenn die Sachanlagen scheinbar einfach nur so daliegen, müssen sie doch ständig erhalten und erneuert werden. Sonst fallen sie brach. In modernen Zeiten, in denen diese Sachgrundlage eines Landes gewaltige Ausmaße angenommen hat, ist die Gefahr einer allgemeinen Industriekrise groß, wenn ein Land hier gleichgültig und nachlässig wird. Dann findet auch bei diesem Sachvermögen eine Verengung des Landes statt, die kurzfristig nicht zu beheben ist.

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Die Automobilkrise reicht tiefer als die Klimakrise – Tatsächlich geschieht das vor unseren Augen. Der exemplarische Fall ist das Automobil. Der Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor, und der Zwangsumstieg auf den Elektroantrieb, dessen Fahrzeuge für Menschen mit durchschnittlichem Einkommen vollkommen unerschwinglich sind, bedeutet de facto die Abschaffung des Automobils als Massenverkehrsmittel. Obendrein sind E-Mobile beim heutigen Stand der Technik im überwiegenden Teil des deutschen Siedlungssystems nicht alltagstauglich. Dabei gibt es in der Autoindustrie eigentlich keine Arbeitskrise. Die Krise besteht darin, die herkömmliche, zu vertretbaren Kosten verfügbare Automobil-Technologie und die bestehende Straßen-Infrastruktur heute in einem beträchtlichen Teil von Politik und Gesellschaft als „unerträglich“ gilt. Entsprechend wurden die Umweltnormen so erhöht, dass ihre Einhaltung de facto das Ende des automobilen Massenverkehrs bedeutet. Diejenigen, die diese „Verkehrswende“ betreiben, sind in ihrer Lebensweise in der Regel nicht unmittelbar betroffen – weil sie „gehobene“ Einkommen haben, oder weil sie in privilegierten Räumen mit kurzen Wegen oder schnellen Bahnverbindungen wohnen. Sie können – einstweilen noch – die Tatsache ignorieren, dass mit der Verkehrswende die Räume für Wohn- und Wirtschafts-Standorte erheblich reduziert werden und dies zu einem Run auf die verbleibenden Standorte führen wird – und dort zu einer massiven Teuerungswelle. Auf die Dauer wird jedoch niemand an der Tatsache vorbeikommen, dass mit dem Angriff auf den Verbrennungsmotor die Tragfähigkeit des gesamten Siedlungssystems in Deutschland radikal sinkt. Denn eine technologische Wende, die keinen Effizienzverlust bedeutet, ist für die nächsten Jahrzehnte nicht in Sicht.

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Die große Wirkung kleiner Einzelnomen – Hier ließen sich eine ganze Reihe anderer Beispiele anführen, in denen ein ähnlicher Mechanismus wirkt: Es lassen sich immer Umwelt-Gesichtspunkte oder soziale Gesichtspunkte finden, die eine Erhöhung von Normen nahelegen. Dies Feld ist normativ ein unendliches Feld. Das würde sich sofort ändern, wenn man eine Gesamtbilanz aller Normen-Erhöhungen ziehen würde. Wenn man nur einmal alle Normen, die die „Verkehrswende“ treiben, betrachtet (oder die „Energiewende“), dienen sie keineswegs strikt der Reduzierung des CO2-Ausstoßes. Der Dieselmotor gilt als Hauptfeind, obwohl er weniger CO2 emittiert als der Benziner. Hier geht es um die x-te Erhöhung der Luftreinheit. Und die Kernkraftwerke hat man wegen des Fukushima-Unglücks stillgelegt, während der CO2-Gesichtspunkt dringend ihren Weiterbetrieb erfordern würde.

Im Namen des „Sozialen“ und im Namen der „Umwelt“ findet eine Verengung unseres Landes statt, ohne dass diese Verengung überhaupt als Ganzes in den Blick kommt. Und ohne dass darüber eine politische Entscheidung möglich ist. Die Verengung geschieht durch die Hintertür von einzelnen Verwaltungsakten, bei denen die Unternehmen und Haushalte dann allein sehen müssen, ob und wie sie damit leben können. Und dies „Friss-Vogel-oder-stirb“ trifft nicht nur die Privatbürger und Privatinstitutionen, sondern auch den Teil des Staates, der die Versorgungs-Infrastruktur und die öffentlichen Einrichtungen am Laufen halten muss. Die verheerenden Konsequenzen der wuchernden Einzelnormen-Erhöhungen für den Gesamtbetrieb und das Gesamtkapital des Landes bleiben unsichtbar. Eine politische Bilanzierung und Verantwortung findet gar nicht mehr statt. So kann sich die Normenspirale schier unaufhaltsam immer höher drehen.

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Die Welt entwickelt sich anders – Und nun stelle man sich vor, dass ein solchermaßen hochgeschraubtes Land auf eine Weltsituation trifft, wo die „gehobenen“ Produkte und Fähigkeiten, die diesem Land geblieben sind und auf die es jetzt ganz einseitig setzt, immer weniger gefragt sind. Dann erweist sich der Ausweg eines immer umfangreicheren Außenhandels als Sackgasse. Der Titel des „Exportweltmeisters“ trügt. Das Land steht vor einem Engpass, der unweigerlich kommt.

Ist die Annahme, dass die deutsche Spezialisierung auf das „Gehobene“ in einer sich ändernden Welt immer weniger gefragt ist, plausibel? Man hört ja den Rat, dass wir doch „Erfindungs-Weltmeister“ werden sollten, und immer an der Weltspitze der Innovation marschieren sollten. Das ist mit Blick auf die Technik- und Wirtschaftsgeschichte ein naiver Rat. In der neuzeitlichen Geschichte hat noch nie jemand auf Dauer den Titel des Erfindungs-Weltmeisters besessen. Und tatsächlich leben wir in einer Zeit, in der Schwellenländer als Produzenten in den Bereich gehobener Fähigkeiten vorstoßen. Die Konsequenz ist, dass die globale Arbeitsteilung in Zukunft weniger hierarchisch sein wird. Der Unterschied zwischen „gehobenen“ und „niederen“ Fähigkeiten wird sich nicht mehr in einer festen Länder- und Erdteilordnung abbilden. Die bisher weniger entwickelten Länder bewältigen höhere Aufgaben. Für die Nationen, die bisher auf dem gehobene Niveau stark waren, bedeutet das, dass sie auch einfache Tätigkeiten, Produkte und Branchen in sich aufnehmen müssen. Und sie müssen das auch in ihren Normen abbilden. Diese Erweiterung ihrer inneren Spannweite tut ihrer Stabilität gut, und sie tut ihrer Würde keinen Abbruch. Die gegenwärtige Situation, wo man die „schmutzigen“ Tätigkeiten und Branchen auslagert und deren Produkte dann importiert, ist jedenfalls weder stabiler noch würdiger. Natürlich wird es Welthandel geben, Autarkie ist keine Alternative. Aber die Arbeitsteilung zwischen den Nationen wird in diesem Jahrhundert in der Tendenz weniger hierarchisch werden.

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Das Lieferkettenproblem – Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, sich mit dem „Lieferkettenproblem“ zu befassen, von dem gegenwärtig viel die Rede ist. Tatsache ist, dass die Zulieferungen von Rohstoffen und Vorprodukten für die Industrien in Europa und den USA ins Stocken geraten sind. Es gibt massive Preiserhöhungen und teilweise auch gar nichts zu importieren. Wie lange dieser Zustand dauern wird, ist unklar. In den Medien begnügt man sich mit der Formel, dass das irgendwie an „Corona“ liegt und bald wieder vorbei sei. Aber es gibt auch Hinweise darauf, dass hier eine tiefergehende Umorientierung der Handelsströme im Gange ist: beträchtliche Teile des Welthandels, die sich bisher ganz selbstverständlich auf Europa und die USA richteten, laufen nun an ihnen vorbei. Wie groß und dauerhaft diese Veränderung ist, ist unklar. Aber sie muss dringend beobachtet werden. Denn wenn sich dieser Trend bestätigt, hat das auch Konsequenzen für das Währungs- und Finanzsystem. Dann gibt es nicht nur eine dauerhaft hohe Inflation, sondern es gibt für die Euro und Dollar überhaupt weniger zu kaufen. Dann stecken wir in einem Engpass, in dem auch die Geldpumpe der EZB am Ende ihrer Möglichkeiten angelangt ist. Und wenn es dann noch zu militärischen Auseinandersetzungen kommt, stößt auch das einseitige Setzen auf „soft power“ auf seine Grenzen.

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Was wichtig wird – Dann wird sich zeigen, wie sehr die großen „Weltkrisen“ und „Weltrettungen“ im Grunde nur leichtsinnige Luftnummern waren, weil sie auf Lösungsmittel gebaut waren, die weder Deutschland noch irgendeiner anderen Nation dieser Welt zur Verfügung stehen. Aber richtig jubeln wird man über diese Ernüchterung nicht können. Denn dann steht Deutschland vor jenen zähen Defiziten und folgenreichen Verlusten, die von den globalen Luftnummern nur verdeckt waren. Dann muss man sich mit dem wirklichen Ernst der Lage befassen, und auch die Opposition in Deutschland wird feststellen, dass aus der Auseinandersetzung mit den Luftnummern noch nicht die Kräfte und Lösungen geschöpft werden konnten, um diesem Ernst der Lage gerecht zu werden. Das Land muss ja – politisch, wirtschaftlich, kulturell – zu jenen elementaren Fähigkeiten eines modernen Landes zurückfinden, die in den vergangenen Jahrzehnten Stück für Stück verloren gegangen sind. Diese Fähigkeiten müssen rehabilitiert werden. Vielleicht muss überhaupt die Eigenart der ganz normalen Moderne tiefer verstanden werden, als das in Deutschland bisher der Fall war. Und es geht dabei nicht nur um das Reden, sondern um das praktische Anfassen und Üben. Um die Rehabilitierung von Dingen, die in diesem Land über Jahrzehnte als zu hart, langweilig, herkömmlich und banal galten.

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Kommentare ( 104 )

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chaosgegner
8 Monate her

Dass Deutschland in eine Sackgasse rennt, die sich am Ende als tödliche Falle erweisen wird, ist ja schon seit Jahrzehnten erkennbar. Allerdings von den Volkswirten kaum thematisiert. Das darf man getrost unseren großen wirtschaftswissenschaftlichen Instituten zum Vorwurf machen. Volkswirte sind ja Meister in der Kreation und Formulierung von Modellen. Hier aber haben sie wohl systemisch versagt. Die zunehmende Politisierung/Ideologisierung der Wissenschaften findet hier schon ihren harten ersten Niederschlag. Es gäbe viele fundamentale Fehlentwicklungen zu korrigieren. Aber wer könnte dies denn initiieren? Richtig: Die Politiker der Regierung. Betrachten wir kurz im Zeitablauf die Qualität der jeweils Regierenden, wird klar, dies wird… Mehr

Hoffnungslos
8 Monate her

Nach dem wirtschaftlichen Zusammenbrechen der DDR und deren Abwicklung wird jetzt scheinbar die BRD abgewickelt. Unter tätiger Mithilfe geschulter SED/FDJ Kader und mancher Westdeutscher aus der Enkelgeneration, die den realen Boden unter den Füßen offensichtlich verloren haben, soll Deutschland wieder einmal „resettet“ werden. Die beiden deutschen Staaten, nach 1945 in Deutschland durch die jeweilige Sieger errichtet, scheinen sich auflösen zu sollen. – Wohin geht Deutschland, oder wohin wird Deutschland getrieben?

chris
8 Monate her
Antworten an  Hoffnungslos

es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass, wie auch der Artikel beschreibt, die Abwicklung nur eine bereits vorgezeichnete Entwicklung beschleunigt. Man stößt gewissermaßen das sterbenskranke deutsche Bürgertum die Kellertreppe hinunter, an deren oberem Ende es schon steht. Wahrscheinlich haben einige Politiker schon einen tieferen Blick in die Zahlen genommen und wissen, dass Renten und Pensionen sehr bald weit außerhalb der nationalen Produktivkraft liegen. Der sich dann anbahnenden Katastrophe will man vorbauen, indem man u.A. über massenhafte Einwanderung zusätzliche, viel größere soziale Probleme schafft.

Hoffnungslos
8 Monate her
Antworten an  chris

Wieso ist das deutsche Bürgertum sterbenskrank? Das deutsche Bürgertum scheint mir eher desorientiert zu sein. Die Katastrophen des vergangenen Jahrhunderts und das Festschreiben der deutschen Schuld auf ewige Zeiten verstärken die eigenen politische Unsicherheiten. Einerseits wollen Teile der nachgewachsenen Generation, die reale, materielle Not noch nie kennengelernt haben, den sozialistischen Entwurf noch einmal wagen, andererseits halten sie an der Tradition fest, dass am deutschen Wesen die Welt genesen muss. Die weltpolitische Lage hat sich aber verändert. Die deutschen Planspiele interessieren niemanden ernsthaft mehr…

jwe
8 Monate her
Antworten an  chris

dass Renten und Pensionen sehr bald weit außerhalb der nationalen Produktivkraft liegen. 
#######
Ich weis nicht, warum deutsche Renten nicht finanzierbar sein sollten. Wie machen das die anderen Staaten mit ähnlicher Biographie??? Das Problem der Deutschen ist, das alles Steuergeld nicht für deutsche Zwecke benutzt wird, sondern schnellmöglich weltweit verteilt wird. Und dafür lässt man sich feiern. Warum muss Deutschland überall freiwillig milliardenschwere Zusatzbeiträge leisten? Nutzt das Geld für innerdeutsche Zwecke, schafft alle Schmarotzer in ihre Heimatländer zurück; dann ist man zwar nicht mehr moralischer Weltenretter, kommt aber endlich mal seinen ureigenen Verpflichtungen nach.

Thorsten
8 Monate her
Antworten an  Hoffnungslos

Die Merkel-CDU hat mit der SPD den Boden durch Verschlafen aller Reformen wie Digitalisierung, Migrationskrise, bodenlose Euro-Schulden vorbereitet und nun tappen die nur als naiv zu bezeichnenden Grünen hinein und die machtslüsterne FDP macht für ein paar Posten immer Alles.
Wer eine FDJ-Sekretärin, die in Moskau studiert hat, zur Bundeskanzler:in macht, der braucht sich sechszehn Jahre später auch nicht mehr zu beschweren.

Ostfale
8 Monate her
Antworten an  Hoffnungslos

Zum Volkssuizid in seiner schönsten Form, wie uns Deutschen der aktuelle Präsident des PEN-Clubs – weiß der Henker, wie der nochmal heißt – schon vor Jahren vorhersagt. Sein Bruder im Geiste, Josef, alias Joschka Fischer, von der Melonenpartei (grün-rot-braun) und seine Mitstreit:innen haben völlig offen über die Köterrasse oder die Kartoffeln, je nach Gusto, u.a. folgendes abgelassen: 1.)„Die Leute werden endlich Abschied nehmen müssen von der Illusion, Deutschland gehöre den Deutschen“ (Çigdem Akkaya, ehemalige stellvertretende Direktorin des Essener Zentrums für Türkeistudien).  2.)„Es geht nicht um Recht oder Unrecht in der Einwanderungsdebatte, uns geht es zuerst um die Zurückdrängung des deutschen… Mehr

DW
8 Monate her
Antworten an  Ostfale

9.) “ Man muss den Deutschen das Geld abnehmen. Egal, was man damit macht, es kann auch sinnlos verschwendet werden, Hauptsache, die Deutschen haben es nicht“
(Joschka Fischer, Bündnis 90/Die Grünen)

Metric
8 Monate her

EIne Anmerkung: Es ist nicht sinnvoll, Handwerk und Lieferservices zusammenzufassen und den akademischen Berufen gegenüberzustellen. Denn in den Ausbildungsberufen ist eine hohe Qualifikation nötig, die einfach nur auf anderem Wege als dem akademischen erworben wird – ehrlich gesagt sind die Anforderungen meist höher als in den sogenannten „Laberfächern“. Und wenn man differenziert zwischen Berufen mit niedriger Qualifikation, Ausbildungsberufen und akademischen Berufen, dann ergeben sich interessante Aspekte: So finden zB eine ganze Reihe von (sozialwissenschaftlichen) Akademikern keinen „adäquaten“ Job – und müssen ins niedrigqualifizierte Segment wie der Altenpflege wechseln, weil sie auf der Ebene der Ausbildungsberufe nicht mithalten können. Daraus ergibt… Mehr

Evero
8 Monate her

Das Wirtschaftswunderland Deutschland ist in die Jahre gekommen. Die ganze Gesellschaftsstruktur, die Bildungsstruktur und die Wirtschaftsstruktur haben sich in den letzten Jahrzehnten konzentriert zuungunsten eines stabilen sich selbst reparierenden Systems. Zunehmend fehlt der tragende Mittelbau in diesen Systemen. Am Beispiel Bildung möchte ich das klarmachen. Während oben eine akademische Blase entstanden ist und unten der schlecht ausgebildete Bodensatz zunimmt, fehlt es in klassischen Handwerksberufen händeringend an Nachwuchs. Diese Umstrukturierungsprozesse gibt es auch in der Wirtschaft. Durch Fusionen und Verkäufe der erbenden Enkel sind in der Vergangenheit zahllose mittelständische Unternehmen verschwunden und mit ihnen die Nahversorgung, die Nischenprodukte und das breite… Mehr

Thorsten
8 Monate her
Antworten an  Evero

Der „Mittelbau“ war die Melkkuh der Merkelschen Umverteilung: Weg vom Bürger hin zur EU, ganzen Welt und dem Kampf gegen „Rächts“.

Mindreloaded
8 Monate her

Danke für diesen Artikel, ich werde diesen teilen, um bei einigen hoffnundhsvollen Fällen die Augen zu öffnen.
Allerdings vermisse ich einen Absatz über die gegenwärtige Politikelite!

Sonny
8 Monate her

Ob nun Betrieb oder Land oder auch Aktienmarkt:
Die Verengung und Konzentration auf nur noch einen Kunden oder ein Angebot oder eine Maximalanlage muss zwangsläufig irgendwann scheitern.
Was in Deutschland wirklich zu Grabe getragen wurde unter merkel, ist die Sicherheit, die Verlässlichkeit und ein freiheitliches Leben. Nicht mehr und nicht weniger.
Wenn ich Millionen hätte, würde ich einen Teufel tun, dieses Geld in Deutschland zu investieren. Deutschland ist doch schon, aufgrund jahrelanger, grandioser Misswirtschaft, kaputt und fast tot, viele wollen es nur nicht zugeben.

humerd
8 Monate her

„Mit Geld ist der strukturellen Schieflage der deutschen Berufs- und Bildungswelt nicht beizukommen.“
Yeaph – leider herrscht hier im Lande seit Jahrzehnten der Irrglaube mit Geld könne man alles richten.
Für die heutigen Freitagshüpfer, sofern sie nicht aus der saturierten Wohlstandsecke kommen , wirds spannend und für die, die die Freitagshüpfer schweigend gewähren ließen, weil sie den Kopf nicht vom Smartphone heben wollten, auch.
Die faz schrieb so schön „Studium und Karriere : Generation der Schneeflöckchen taugt kaum zum Chef.“

Amerikaner
8 Monate her

Werter Herr Held, Sie sprechen mir – wie so oft – aus der Seele. Insbesondere wenn Sie schreiben: Das deutsche „Vorbild“ erweis sich als selbstgefälliges Trugbild. Und genau so ist es. Wenn ich in Deutschland bin, glauben viele Deutsche immer noch, sie wären die Avantgarde in dieser Welt. Ihre Produkte, Universitäten, Philosophen, all das immer noch den Maßstab gebend. Und dann komme ich viel rum in der Welt. Und dann sehe, ich wie abgehängt Deutschland wirklich ist. Bei keiner einzigen Zukunftstechnologie ist Deutschland auch nur entfernt mit dabei. Selbst bei den Zukunftstechnologien von gestern und vorgestern spielen wir keine Rolle.… Mehr

moorwald
8 Monate her

Wie beim Wandern, wenn man sich verlaufen hat, hilft ein Blick zurück. An welcher Stelle habe ich die Orientierung verloren, bin ich auf den falschen Weg geraten? Deutschland steht heute so viel schlechter da als vor noch nicht lange zurückliegender Zeit. Allerdings wird mit ungeheurem Lärm versucht, das Gegenteil zu suggerieren. Bereits die Benennung der Misere ist tabuisiert. Dabei sind die Fakten nicht schwer zu erkennen und zu verstehen. Man könnte sagen: es fing damit an, daß der Blick sich von der Nähe (d.h. den elementaren Grundlagen eines Volkes und Staates) in die Ferne (Klima, Umweltschutz als Dogma, Rettung aller… Mehr

investival
8 Monate her
Antworten an  moorwald

D’accord; ad Umweltschutz: Umweltschutz ist bzw. wäre seriös gemeint – auch, will man sich als Vorbild gerieren – indes vielmehr ein Blick in die Nähe, wo man, und ganz im Sinne der gebotenen Wahrung ‚elementarer Grundlagen‘, durchaus was tun kann, und durchaus auch schon was getan hat. In realiter wird da im Zuge der – mit dünnen, nicht mal auf Prognosen, sondern lediglich auf modellierten Szenarien fußenden Argumenten – propagierten Windkraftausbeutung allerdings nun regelrecht Schindluder an Flora und Fauna betrieben – wie ad ‚Corona‘ ohne Kollateralschaden- und Folgekostenreflexion, dabei von auf der Hand liegenden mikroklimatischen Auswirkungen bei größere Flächen deckend… Mehr

Last edited 8 Monate her by investival
Falk
8 Monate her
Antworten an  moorwald

Sehr schön beschrieben. Nur eine Kleinigkeit:
„Nicht zuletzt kann ein Blick in die Welt um uns herum hilfreich sein.“

Vor diesem Blick in die Welt, muss zwingend die „rosa Brille“ abgenommen werden.!!

„Die gefährlichste aller Weltanschauungen, ist die Weltanschauung von Menschen, die sich die Welt nie angeschaut haben“
Eigentlich muss man Dinge erlebt haben, bevor man sie wahrhaft verstehen kann.

„Harte Zeiten schaffen starke Menschen, starke Menschen schaffen gute Zeiten, und gute Zeiten gebaren schwache Menschen, und schwache Menschen schaffen harte Zeiten.
Viele werden es nicht verstehen aber der Wohlstand (in unserem Land) schafft Parasiten, keine Überlebenskämpfer.“
Sheik Rashid

moorwald
8 Monate her
Antworten an  Falk

Selbsttäuschung ist die gefährlichste Form der Täuschung. Sie ist – wenn überhaupt – nur durch brutale Konfrontation mit der Wirklichkeit zu heilen.
Wie der Wahnkranke auch Argumenten nicht zugänglich ist.
Etwas beinahe Rührendes haben z.B. die „Initiativen “ (Exzellenz usw.) an sich.

Maria Jolantos
8 Monate her

„…einer einfachen, allenfalls mittleren Qualifikationsstufe angesiedelt, die aber ein hohes Maß an ständiger Sorgfalt und Aufmerksamkeit erfordern….“ Das ist ein Widerspruch. Wer zu einem hohen Maß an ständiger Sorgfalt und Aufmerksamkeit befähigt ist, der ist auch hoch qualifiziert.

moorwald
8 Monate her
Antworten an  Maria Jolantos

Auf der anderen Seite werden viele Lehrstellen nicht besetzt, weil keine brauchbaren Bewerber sich melden. Man frage Betriebsinhaber danach, wo die Defizite liegen….
Ein älterer Inhaber eines mittleren Handwerksbetriebs sagt sich : Ich gehe bald in den Ruhestand, mache den Laden zu – was soll ich mir noch den Ärger mit von der Schule mangelhaft vorbereiteten, unwilligen Lehrlingen antun? Gar Abiturienten, die mehr oder weniger offen auf mich herabblicken und sich zu „Höherem“ berufen fühlen?