Die Entwertung der Fachlichkeit

Deutschland hat sich in eine fundamentale Arbeitskrise manövriert. Nun rächt sich, dass Nicht-Arbeit und Schein-Arbeit hierzulande eine institutionelle Macht geworden sind.

IMAGO

Deutschland entdeckt auf einmal eine Arbeitskräfte-Lücke von historischen Ausmaßen. „Wo sind die nur alle hin?“ titelte der „Spiegel“ schon im Juli des vergangenen Jahres. Darunter war zu lesen: „Wie der Mangel an Arbeitskräften das Land lahmlegt.“ Inzwischen ist die Beschreibung der Lage eher noch dramatischer geworden. Von einer „Ära schrumpfenden Wohlstands“ ist die Rede.

Im Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (23.1.2023) wird aus einer Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zitiert: „Bleibt das Produktivitätswachstum derart schwach und verstärkt sich gleichzeitig der Rückgang des inländischen Fachkräfteangebots, bedeutet dies eine Zeitenwende.“ Dramatische Worte verdecken oft eine fehlende Aussagekraft in der Sache. Warum steigt die Produktivität kaum noch, obwohl das doch das große Versprechen der angeblich im Entstehen begriffenen „Wissensgesellschaft“ war? Der Rückgang des Fachkräfteangebots betrifft ja nicht die theorielastigen Berufe, sondern die Berufe, in denen man sich ganz praktisch mit den Widrigkeiten eines Gegenstandes auseinandersetzen muss und in denen man am Ende des Tages etwas Handfestes liefern muss. Was ist da in Deutschland geschehen, einem Land, das einmal stolz auf seine industrielle Stärke und auf seine (duale) Berufsausbildung war? Es muss da eine fundamentale Entwertung des Facharbeiter-Daseins und der Produktivität stattgefunden haben.

Aber man versucht nicht, an dieser Entwertung etwas zu ändern, sondern man sucht die Lösung außerhalb Deutschlands: mit einer nochmaligen Vergrößerung der Immigration. Der Massenimport von Arbeitskräften erspart es, sich mit der Entwertung der Arbeit im eigenen Lande zu konfrontieren. Ein Leitartikel im Wirtschaftsteil der FAZ (Britta Beeger, 17.9.2022) stellt am Anfang die Wo-sind-bloß-die-Arbeitskräfte-Frage und landet schon drei Absätze weiter bei der Import-Lösung: „Der größte Hebel ist das gezielte Anwerben von Fachkräften aus dem Ausland.“ Wer mit so einer Lösung kommt, hat von vornherein vor der Aufgabe kapituliert, die Arbeitskrise mit den Ressourcen des eigenen Landes zu bewältigen.

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Liegt es an „zu wenig Menschen“ oder an „zunehmender Faulheit“? – Wir müssen das eigene Land in den Blick nehmen und schauen, was zum Rückgang des dortigen Fachkräfteangebots geführt hat. Oft wird hier mit dem Geburtenrückgang argumentiert – die Arbeitskrise soll eine demographische Krise sein. Es heißt, in Deutschland seien einfach nicht mehr genug Menschen da, um die Arbeit zu tun. Aber die hiesige Bevölkerung ist groß genug, um auch bei einem gewissen Rückgang die anfallende Arbeit zu tun. Wenn diese Arbeit denn hoch bewertet würde. Bei „bewertet“ sollte man dabei nicht an eine falsche subjektive Einstellung der Menschen denken. Das Arbeitsproblem besteht nicht darin, dass die Deutschen irgendwie „faul“ geworden sind – als hätte sie plötzlich ein Virus befallen. Welchen Wert die Arbeit in einem Land hat, hängt von der institutionellen Ordnung ab, in der das Wirtschaftsleben und die Staatstätigkeit stattfinden. Menschen sind mit Vernunft und Moral begabt, aber nur in begrenztem Maße. Eine gute institutionelle Ordnung kann diese begrenzten Ressourcen fruchtbar machen. Eine schlechte kann sie zerstören. Das gilt auch für den Wert der Arbeit.

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Die Entwertung der Fachlichkeit (I) – Die KfW-Studie spricht vom „Rückgang des Fachkräfteangebots“. Was geht da eigentlich zurück? Mit „Fachkräften“ fehlt – inzwischen millionenfach – eine Form von Arbeit, die nach der hierzulande vorherrschenden Zukunftsvorstellung immer weniger zählt. Bei Fachkräften – gelernten oder angelernten Arbeitnehmern – geht es um die Fähigkeit, sich auf die unvermeidbaren Widrigkeiten der materiellen Produktion – ihrer Stoffe, Produkte, Maschinen, physisch-geistigen Beanspruchungen – einzulassen. Dazu gehört, dass man sich im Rahmen einer Arbeitsteilung auf eine Teilfunktion einlassen muss, und dies ausdauernd über Jahre und Jahrzehnte. Und genau diese Fähigkeit ist fundamental entwertet worden.

Das beginnt schon bei der öffentlichen Aufmerksamkeit, den die Fachberufe finden. In der Berichterstattung der Massenmedien gibt es einen kuriosen Widerspruch: Man klagt über den Fachkräfte-Mangel und ruft „Wo sind sie geblieben?“ Aber welche Rolle spielen denn diese Fachkräfte in der Berichterstattung? Ein normaler Maurer, Bäcker, Lagerarbeiter, Busfahrer, Landwirt, Maschineneinrichter, … ihr Arbeitsleben ist irgendwie zu langweilig. Da mag man gar nicht näher hinschauen. Wenn überhaupt, sieht man nur Beklagenswertes. Wertvoll ist nur das Besondere. Etwas „mit Digitalisierung“ muss es sein. Oder „mit Kultur“. Oder natürlich mit „Ökologie“: Wenn es um Landwirtschaft geht, muss also ein „Bio-Bauer“ auftreten – obwohl der für höchstens 10 Prozent der Arbeit auf dem Lande steht.

Im Zukunftsbild der Arbeitswelt, das in Deutschland vorherrscht, findet die normale Fachlichkeit immer weniger Platz. Fabriken, Pflegeheime, Schulen, Bauernhöfe, Verkehrsnetze sollten in Zukunft „intelligent“ sein – bis hin zum „ferngesteuerten Haus“ oder „selbstfahrenden Auto“. Ach wie schön ist diese Aussicht auf eine ganz neue Welt! Und nun muss man auf einmal erfahren, dass die „überholten“ Fähigkeiten bitter notwendig sind und millionenfach fehlen.

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Die Entwertung der Fachlichkeit (II) – Bei dieser Entwertung der Arbeit geht es nicht nur um das Wegsehen, sondern um ganz handfeste Mechanismen, die dazu führen, dass große Teile der Gesellschaft ein Fachkräfte-Dasein „nicht nötig“ haben. Zwei große Entwertungs-Mechanismen müssen hier in den Blick genommen werden. Zum einen gibt es eine Entwertung der Facharbeit gegenüber der Nicht-Arbeit und zum anderen eine Entwertung der Arbeit gegenüber der Schein-Arbeit. „Gegenüber“ bedeutet: Indem die Nicht-Arbeit und die Schein-Arbeit gefördert werden, sinkt automatisch der Wert der Facharbeit.

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Die Entwertung durch Förderung von Nicht-Arbeit – Die erste Form ist durchaus bekannt und ist schon oft kritisch beleuchtet worden. Man erhöht die sozialstaatlichen Zuwendungen und Sicherheiten für Nicht-Arbeitende so stark, dass es sich in vielen Fällen nicht lohnt, eine Arbeit aufzunehmen. Das gilt insbesondere für angelernte Tätigkeiten und Hilfsarbeit. Die Leistung der arbeitenden Unterschicht, die sich trotz widriger Umstände mit eigener Kraft durchs Leben schlägt, lohnt sich nicht mehr. Und sie wird auch moralisch entwertet. Der Streit um „Hartz IV“ ging im Kern um die Unterscheidbarkeit zwischen Arbeit und Nicht-Arbeit. Der Unterschied zwischen Leisten und Nicht-Leisten ist in den vergangenen Jahren immer mehr verringert worden, gerade erst wieder durch die Einführung eines „Bürgergeldes“ an Stelle von Hartz IV. Und das geschah zu einem Zeitpunkt, wo Arbeitskräfte für angelernte und helfende Tätigkeiten sich als unersetzlich erweisen und dringend benötigt werden.

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Die Entwertung durch Förderung von Schein-Arbeit – Diese zweite Form der Entwertung findet weniger öffentliche Aufmerksamkeit und wird sehr selten kritisch reflektiert. Das liegt vielleicht daran, dass diese Entwertung nicht in den unteren Etagen der Gesellschaft stattfindet, sondern in den höheren Etagen. Die Facharbeit wird hier dadurch entwertet, dass eine Akademisierung der Bildungs- und Berufswelt stattfindet, deren Umfang in gar keinem Verhältnis zur Wertschöpfung in Wirtschaft und Staat steht. Eine Zahl kann das verdeutlichen: In Deutschland werden gegenwärtig mehr als 50 Prozent eines Jahrgangs über eine höhere Bildung auf Hochschulen gebracht, und dann auf die Suche nach einer entsprechenden Berufskarriere geschickt.

Es ist klar, dass es so viel Realarbeit nicht gibt und zum „Erfinden von Arbeit“ führt: zu allen möglichen „Projekten“, in die erhebliche Finanzmittel gelenkt werden. So entsteht eine Welt aus Schein-Arbeit, die der fachlichen Arbeit wichtige Kräfte entzieht. Diese Scheinhaftigkeit kommt auch darin zum Ausdruck, dass der Anteil der sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) am Gesamtbetrieb der Hochschulen und an der Gesamtzahl der Studierenden sinkt. Das immense Wachstum dieser Welt der Schein-Arbeit ist, geschichtlich gesehen, in relativ kurzer Zeit erfolgt: Anfang der 1960er Jahre lag der Akademiker-Anteil eines Jahrgangs noch bei 10 Prozent. 1985 betrug er 20 Prozent, 2005 waren es 37 Prozent – bis dann Mitte der 2010er Jahre die 50-Prozent-Marke überschritten wurde.

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Was in Deutschland geschehen ist – Über 50 Prozent eines Jahrgangs! Man muss sich klarmachen, welche große Verschiebung das in dem Charakter eines Landes und seiner Gesellschaft bedeutet. Der sozialpartnerschaftliche Dualismus von Unternehmerschaft und Arbeitnehmerschaft, der Ende der 1950er Jahre auch ihren Ausdruck im Godesberger Programm der SPD fand, prägte einst die Mitte der Gesellschaft. Der Wert der Facharbeit – und auch der Wert der unternehmerischen Investition – waren anerkannt. Das erscheint uns heute, wenn wir die erschreckende Ahnungslosigkeit und Leichtfertigkeit sehen, mit der jahrhundertelange Entwicklungswege von Technik und Arbeit abgebrochen werden, als eine Welt von gestern. Aber dieser Abbruch wird verständlich, wenn wir den Mechanismus der Entwertung der Arbeit durch eine – vermeintlich „höherwertige“ – Schein-Arbeit in den Blick nehmen.

Dieser Mechanismus ist in seinen Konsequenzen viel weitreichender als der Mechanismus der Entwertung durch Nicht-Arbeit. Mit der Schein-Arbeit entsteht eine gewaltig aufgeblasene gehobene Mittelklasse, die den Platz einer „neuen Mitte“ beansprucht. Es entsteht hier ein mächtiger Komplex, der einen Leitanspruch auf alles Leben und Arbeiten im Lande erhebt. Der Gesellschaftsvertrag zwischen Leistung und Gegenleistung ist zerbrochen, und diese neue „Mitte“ versucht, die so entstandene Leerstelle zu besetzen. Sie sagt „wir“ und „unsere Ziele“ und will von einem Vertragsverhältnis nichts mehr wissen. Sie beansprucht für sich ein übergreifendes, globales Wissen, das ganz allein aus sich heraus alle Ziele setzt. Ziele, die keine Alternative mehr kennen, und die „nicht verhandelbar“ sind.

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Wie die USA regiert werden – In einem sehr kritischen Kommentar im Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (31.8.2022) schreibt Winand von Petersdorff: „Präsident Joe Biden erlässt per Federstrich die Rückzahlung von Studienkrediten für mehr als 20 Millionen Amerikaner und gewährt eine Reihe von weiteren Vergünstigungen. Die Kosten für das Entlastungsprogramm werden auf bis zu 600 Milliarden Dollar kalkuliert.“ Der Vorgang wirft ein Schlaglicht auf eine gesellschaftliche Machtverschiebung in den USA, deren Anfänge Daniel Bell schon 1973 in seinem Buch „The Coming of Post-Industrial Society“ (deutsche Ausgabe „Die nachindustrielle Gesellschaft“) untersucht hat. Hier geht es nicht um ein paar Superreiche, sondern um Bildung eines sehr viel größeren, „gehobenen“ Mittelstandes, der in der Lage ist, eine „kulturelle“ Hegemonie auszuüben. Demgegenüber werden die praktischen Fachtätigkeiten fundamental entwertet.

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Das Tabu – Über das völlig unverhältnismäßige Wachstum der Schein-Bildung und Schein-Arbeit, das in vielen Ländern des Westens zu beobachten ist, herrscht ein merkwürdiges Schweigen. Auch jetzt, wo dringend Fachkräfte gesucht werden (und junge Leute für Lehrstellen), herrscht in diesem Punkt ein großes Schweigen. Man spricht über Maßnahmen, die die Berufstätigkeit von Frauen ausdehnen sollen; man will ältere Arbeitnehmer länger arbeiten lassen und vor allem will man, fast um jeden Preis, Migranten ins Land holen. Aber die Tatsache, dass die Akademikerschwemme dem Land potenzielle Fachkräfte entzieht und das inländische Angebot auf dem Arbeitsmärkt dadurch völlig kopflastig geworden ist, wird kaum erwähnt – und wenn, dann nur in Nebensätzen.

In einem Artikel über den „historischen Kostensprung“ im Bausektor (in der FAZ vom 8.10.2021) zitierte Christian Siedenbiedel aus dem „Wohneigentumsreport 2021“, der darüber klagte, dass 75 Prozent aller offenen Stellen in der Heizungs-, Sanitär- und Klimatechnik unbesetzt bleiben: „Ein Grund ist die zunehmende Akademisierung, die Handwerksbetriebe finden nicht genug Nachwuchs.“

Im „Deutschlandfunk Kultur“ wurde in einem Beitrag am 30.8.2022 von Michael Felten unter der Überschrift „Zu viele Gymnasiasten, zu wenige Fachkräfte“ auch die Lösung beim Namen genannt: Zugangsbeschränkungen zu den höheren Bildungslaufbahnen. Aber solche Eingriffe haben es noch in keinen offiziellen Maßnahmenkatalog der Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik geschafft. Man begnügt sich mit der vorsichtigen Empfehlung an die jungen Leute, doch eventuell eine Lehre anstelle eines Hochschulstudiums in Betracht zu ziehen. Gegen die Verlockungen akademischer Freiheit kommt man mit solchen Empfehlungen – gerade bei Menschen in jungen Jahren – nicht an. Die Entwertung der Facharbeit und Fachausbildung (Lehre) ist hierzulande materiell und institutionell fest etabliert. Eine spürbare Begrenzung des Zugangs zu höheren Schulen und Hochschulen ist noch ein Tabu.

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Die gute Seite der Arbeitskrise – Die Arbeitskrise hat die Regierenden im Grunde überraschend getroffen. Eine Krise von dieser Seite hatten sie nicht erwartet. Auf sie waren sie nicht vorbereitet. Denn mit dem Wegbleiben der Arbeitskräfte ist ein großer und harter Faktor auf den Plan getreten. Die Arbeitskräfte lassen sich nicht dadurch herbeischaffen, dass man ein naives „Weg mit!“ verkündet. Das schafft hier nichts und niemanden herbei. Hier scheitert das Patentrezept der herrschenden Krisenbeschwörung. Mit der „Klimakrise“, der „Migrationskrise“ oder der „Russland-Krise“ hat man sich ja im Grunde ein leichtes Spiel zurechtgelegt. Man gibt vor, diese Krisen – so gigantisch sie auch gemalt werden – ganz einfach durch Ausschaltung eines feindlichen Elements lösen zu können: durch die Ausschaltung der CO2-Emissionen, durch die faktische Abschaffung der Staatsgrenzen oder durch eine Zerschlagung des russischen „Imperiums“. Da konnte jeder mitreden, da brauchte man kein Fachwissen, vom Fachkönnen ganz zu schweigen. Jeder und jede konnte das „Weg mit!“ hersagen und so tun, als spräche er oder sie im Namen „des Planeten“, „der Menschheit“, „der Wissenschaft“, „der Kunst“, „der öffentlichen Meinung“ oder überhaupt „der Zukunft“.

Doch in der Arbeitskrise hilft das alles nicht weiter. Diese Rede klingt auf einmal hohl und abgenutzt. Arbeitskräfte wird man nur wiedergewinnen, wenn man die Entwertung der Arbeit beendet. Aber das wird nur gelingen, wenn man positiv Produktivität und Wertschöpfung rehabilitiert. Wenn überhaupt die moderne Zivilisation, die ja weder „reine Natur“ noch „reine Menschlichkeit“ ist, als Errungenschaft aus eigenem Recht anerkannt wird. Und wenn sich in diesen Wertmaßstab auch „unsere Klimaziele“ und die anderen „höchste Ziele“ einfügen müssen. Dies Einfügen ist etwas ganz Praktisches. Es muss vor allem in der beruflichen Realität der Arbeitswelt stattfinden. Das ist die gute Seite der Arbeitskrise: Sie ist nur lösbar, wenn hier eine Wende zum Fachlichen geschieht.

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Kommentare ( 128 )

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128 Comments
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Ralf W.
10 Monate her

Danke für diesen sehr guten Artikel.
Ich denke jedoch eine Entwertung der Arbeit hat nicht durch Erhöhung der Sozialleistungen stattgefunden, sondern eher durch eine Absenkung der Reallöhne.
Wären die Löhne im gleichen Maße gewachsen wie die Sozialleistungen würden mehr Leute die heute studieren gehen ins Handwerk gegangen und wir hätten keinen Fachkräftemangel

friedrich - wilhelm
10 Monate her

…..was aber, wenn einem dieser doedel einfallen würde, kein mensch mehr zu sein, sondern ein wurm zum beispiel! würde man dann abstand davon nehmen aus würmern mehl zu machen?

friedrich - wilhelm
10 Monate her

……die all dat net konnte, nannte mer em seeijerland mäckesser!

Last edited 10 Monate her by friedrich - wilhelm
Gabriele Kremmel
10 Monate her

Was das Handwerk betrifft, da habe ich Hoffnung, dass wieder mehr junge Leute eins erlernen wollen. In Kindergarten und Grundschule boomt seit Jahren das Tragen von Handwerker-Markenkleidung. Nike ist out, Engelbert Strauß ist in.
Wahrscheinlich tut die Marketing-Abteilung von Strauß mehr für das deutsche Handwerk als alle Politiker aller Zeiten zusammen.

Last edited 10 Monate her by Gabriele Kremmel
abel
10 Monate her

Deutschland funktioniert nur noch mit Geld verstreuen. Wenn uns das Geld ausgeht für all die Geschenke in die Welt und für Nichtstun im eigenen Land dann Gnade uns Gott.

friedrich - wilhelm
10 Monate her

……wer kann noch auf einer normalen drehbank eine kugel drehen, oder wer ist noch imstande eine werkzeugmacherei aufzubauen, wie wir die unsrige nach dem krieg. wer bringt noch hin, ein getriebe zu konstruieren. wer macht eine drehbank lauffähig. wer bringt noch fertig, walzen und walzenstraßen zu bauen?

abel
10 Monate her
Antworten an  friedrich - wilhelm

Den Nagel voll auf den Kopf getroffen. Unsere Auszubildenden im technischen Bereich streben eher an als Betriebsrat (Vollzeit) zu arbeiten oder gleich in die Politik zu gehen.

Manfred_Hbg
10 Monate her

Zitat 1: „Warum steigt die Produktivität kaum noch, obwohl das doch das große Versprechen der angeblich im Entstehen begriffenen „Wissensgesellschaft“ war? (……….). Was ist da in Deutschland geschehen, einem Land, das einmal stolz auf seine industrielle Stärke und auf seine (duale) Berufsausbildung war? “ > Vielleicht hängt es damit zusammen, dass wir heute von einer „Altparteienelite“ regiert werden die zum großen überwiegenden Teil im Grunde selber dumm wie Brot ist, noch nie wirklich gearbeitet geschweige dann eine Facharbeit ausgeführt hat und in ihrer -jeweils eigenen- grünlinken und woken (polit. Einheits-)Blase voller Realitätsferne/-sinn, Traumtänzerei, Abgehobenheit, Selbstüberschätzung und Rückgradlosigkeit am Schlafwandeln ist… Mehr

Erzet
10 Monate her

Danke für die hervorragende Analyse! Ich weiß nicht, ob es Sie tröstet, aber viel Facharbeit ist nicht weg, sondern nur woanders: Im Untergrund, vulgo Schwarzarbeit. Und wird dort zu großer Zufriedenheit von Auftraggebern u. Nehmern verrichtet.Unsere Regierung konnte naturgemäß nicht wissen, dass Bürgergeld + Höchststeuern u. Abgaben + Inflation diesen Bereich blühen und gedeihen lässt.

Britsch
10 Monate her
Antworten an  Erzet

Mit der Zunahme so genannter Schwarzarbeit, auch durch Solche die aus dem Ausland kommen oder kamen, wird aber auch in diesem Bereich immer weniger wirkliche „Facharbeit“ erbracht. Das kommt aber oft erst später zum Vorschein.

J. Braun
10 Monate her

Ich glaube nicht, daß das, was hier behauptet wird, stimmt. Gäbe es tatsächlich zu wenig Handwerker, würden, so lautet Marktwirtschaft, deren Gehälter so weit steigen, daß viel mehr Geld hängen bleibt, als bei einem prekär beschäftigten Soziologen. Jedes wirkliche Unterangebot an Arbeitskräften führt zu höheren Löhnen. Ich meine vielmehr, daß heute dank der Weiberwirtschaft viel mehr Handwerker gebraucht werden als früher. Und die leidet es eben nicht. Ich hatte einen Varter, der mir beigebracht hat, zu mauern, zu gipsen, zu malern, zu tapezieren, zu flaschnern, ich kann Elektrik und alles andere, was an allgemeinen Arbeiten im Haus notwendig ist. Ich… Mehr

moorwald
10 Monate her
Antworten an  J. Braun

Mit den verlorengegangenen Fähigkeiten zur Selbsthilfe haben Sie in gewisser Weise recht. Aber nicht jeder ist so geschickt und lernfähig wie Sie. Die berühmten „zwei linken Hände“… Die Entwicklung ist in Richtung arbeitsteiliger Gesellschaft gelaufen, was ein Plus an Effektivität mit sich brachte. Und wenn ich aus eigener Erfahrung urteile: in meiner Nachbarschaft steht ein Haus, das jemand nahezu ganz allein gebaut hat. Und so ist auch das Ergebnis. Jedenfalls ziehe ich im Zweifelsfall einen – teuren – Fachmann vor. Es ist oft das „gewußt wo“, das er dem Hobby-Werker voraus hat. Wer eine volle Lehre durchlaufen hat, geht an… Mehr

Last edited 10 Monate her by moorwald
J. Braun
10 Monate her
Antworten an  moorwald

Es geht nicht darum, daß jemand ganz allein ein Haus baut. Man kann das auch nicht durchgehend, auch wenn man sehr viel daran selbst machen kann. Ohne Zweifel. Mein Argument ist, daß die Unfähigkeit, selbst kleinere Sachen selbst zu machen, weil man es nie beigebracht bekommen hat, unglaublich Handwerker-Kapazitäten bindet. Zu einer Arbeit von einer Viertelstunde müssen An- und Abfahrt gerechnet werden, so daß der Reparateur am Tag nur wenige solcher Kinkerlitzchen abarbeiten kann. Er muß das aber tun, weil diese Arbeit gemacht werden muß, und er kann in dieser Zeit nicht auf einer anderen Baustelle sein. Die arbeitsteilige Gesellschaft… Mehr

moorwald
10 Monate her
Antworten an  J. Braun

Es sind natürlich auch die Kosten, die so viele zum Selbermachen treiben. Nicht ohne Grund haben Baumärkte so viel Kundschaft.
Handwerker sind knapp und teuer – was sich nicht unbedingt in den Stundenlöhnen der Angestellten widerspiegelt.
Mit dem Auto haben Sie recht. Schon das Wechseln einer Scheinwerferlampe erfordert oft umfangreiche Demontagen. – Sogar die Werkstätten sind mit der üppig verbauten Elektronik oft überfordert, probieren rum und tauschen am liebsten einfach aus, obwohl es oft auch günstiger ginge. Einschlägige Foren liefern da haufenweise Beispiele.

flozn
10 Monate her
Antworten an  J. Braun

Das Beispiel mit dem Soziologen verstehe ich nicht ganz, denn ein guter Handwerker verdient in der Tat weit mehr als der prekär beschäftigte Soziologe. Im ÖR gab es eine Doku, deren Name mir leider entfallen ist, über Studierte mit genau solchen Abschlüssen und es ist unglaublich, wie man die ausnutzen kann, da es einfach viel zu viele Absolventen gibt. Wenn es schon während des Praktikums kaum bis gar keine Entlohnung gibt, sollte man es sich 3x überlegen, ob man auch wirklich mit 100% Herzblut dabei ist und nicht lieber auf ein sinnvolleres Studium wechselt.

Gabriele Kremmel
10 Monate her
Antworten an  J. Braun

2000:
Beschäftigte im Handwerk im Jahr: 5,859 Mio.
Lehrlingsbestand: 596 Tsd.
Bevölkerung: 82,86 Mio.
2021:
Beschäftigte im Handwerk: 5,574 Mio.
Lehrlingsbestand: 360 Tsd.
Bevölkerung: 83,84 Mio.

Bevölkerung 2022: 84,36 Mio.

3 Finnen
10 Monate her

Die Akademisierung hat einen ganz anderen, evolutionsbiologischen Hintergrund. Frauen sind duch die Evolution zur Hypergamie entwickelt worden, d.h. sie „Paaren“ sich mit Männern die mindestens sozialökonomisch gleich oder HÖHER sind. Wenn jetzt immer mehr Frauen Akademikerinnen sind, müssen auch Männer immer mehr Akademiker werden. Für eine Akademikerin ist ein Handwerker oder Facharbeiter minderwertig, nicht attraktiv, sozial unter ihr stehend, eine Ärztin heiratet keinen Bäcker oder sogar Klempner. Das wissen natürlich junge Männer instinktiv und durch ihre Erfahrungen im Dating, also werden sie keine Handwerker/Facharbeiter mehr, ganz einfach. Aber NIEMAND, wirklich NIEMAND traut sich diese EINFACHE BIOLOGISCHE WAHRHEIT auszusprechen oder auch… Mehr

J. Braun
10 Monate her
Antworten an  3 Finnen

Das was Sie beschreiben, stimmt. Es hört inzwischen aber auf, weil Ali und seine Freunde inzwischen im Land sind und sich als die allerstärksten herausgestellt haben. Pech halt für die Dame, wenn das mit denen dann nicht so klappt, wie gedacht.