„Keine von allen“ auf den Stimmzettel

Wer seiner angestammten Partei mitteilen möchte, dass er mit ihr gar nicht zufrieden ist, aber nicht um den Preis, eine andere zu wählen, von denen ihn auch keine überzeugt, sollte ankreuzen können: "Keine von allen". Ein Schneeball mit Mega-Lawinen-Potential.

screenshot ARD/Tagesschau

Wie fast immer stehen eine ganze Reihe von Wahlen vor der Tür. Jedesmal bedauere sicher nicht ich allein, dass es eine Wahlmöglichkeit nicht gibt, die meiner Meinung nach als Rubrik auf jeden Stimmzettel bei jeder Wahl gehört: „Keine von allen“.

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Bevor Sie das wie die Politiker, denen ich das im Lauf der Jahrzehnte vorgeschlagen habe, eilfertig als überflüssig oder was weiß ich sonst zurückweisen, überlegen Sie doch bitte, welch wohltuende Wirkungen diese Wahlmöglichkeit hätte, vor allem, wennn sie mit finanziellen Folgen verknüpft wäre.

Wer seiner angestammten Partei mitteilen möchte, dass er mit ihr gar nicht zufrieden ist, aber das nicht um den Preis tun will, eine andere zu wählen, von denen ihn auch keine überzeugt, könnte ankreuzen: „Keine von allen“.

Wer sich – wie aktuell viele – für keine der angestammten, etablierten, alten Parteien, wie immer Sie diese nennen wollen, stimmen will,

  • weil diese sich gar nicht mehr (ausreichend) unterscheiden,
  • weil ihr Spitzenpersonal nicht überzeugt,
  • weil sie den drängenden Fragen aus dem Weg gehen und
  • was sich sonst noch an Gründen angesammelt hat,

aber die AfD nicht als Alternative sieht oder aus welchen Gründen immer nicht bereit ist, die AfD als einzig mögliches Nein gegen alle anderen zu wählen, könnte ankreuzen: „Keine von allen“.

Die finanzielle Konsequenz der Wahlmöglichkeit „Keine von allen“ sollte sein, dass die Gesamtsumme, die an die Parteien je Wählerstimme bezahlt wird, um die Summe der Stimmen „Keine von allen“ multipliziert mit der Summe pro Kopf gekürzt wird (von der Möglichkeit, Gesetze des Bundestages mit qualifizierter Mehrheit in Volksabstimmungen nicht in Kraft treten zu lassen, ein anderes mal, braucht es aber, damit die Parteien nach Geld-Abzug wg. Wahlergebnis die Gesamtsumme nicht wieder erhöhen können).

Die Wahlbeteiligung würde dramatisch steigen und den Parteien würde jedes mal der Spiegel unmissverständlich vorgehalten. Sie könnten geringe Wahlbeteiligungen nicht mehr als politisches Desinteresse abtun.

Für die AfD hätte der Kringel mehr auf dem Stimmzettel direkte Folgen: Die aktuell in Umfragen für sie ermittelten Anteile, die bei den kommenden Wahlen sehr wahrscheinlich deutlich über ihren letzten tatsächlichen Wahlergebnissen liegen dürften, würden sich mit der Wahlmöglichkeit „Keine von allen“ an der Bundestagswahlurne halbieren. An der Differenz wäre genau zu erkennen, wer AfD aus Protest oder wegen Personen, Programm und in den Landtagen sichtbarer Politik der AfD wählen wollte – vor der Wahlmöglichkeit: „Keine von allen“.

Eine Bitte zum Schluss: Bitte mahnen Sie mich nicht, welche viel wesentlicheren Groß-Reformen ich nicht erwähnt habe. Weiß ich. Ich weiß aber auch, dass oft ein ganz kleiner Schneeball die Mega-Lawine auslöst. „Keine von allen“ hat so ein Schneeball-Potential.

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