Europa-City: ein Singapur in Nordafrika und ein Hongkong in der Ägäis

Europa kann zwei Megacitys an seinen Grenzen bauen statt Zäune. Europa kann klotzen statt kleckern.

In Ceuta und Melilla sollte statt der Zäune zur Migrantenabwehr eine Europa-City gebaut werden von der Güteklasse Singapur: eine Freihandelszone unter dem Schutz von EU, NATO und UNO. Dazu noch ein Singapur oder Hongkong in der Ägäis – auf einer dafür geeigneten griechischen Inselgruppe. Solche „Hotspots“ braucht es: Europa-Citys.

Singapur ist 697 km² groß, hat 5,6 Millionen Einwohner, das sind 7.988 je km². Die jährliche Sterberate je 1.000 Einwohner ist 3,4, die Geburtsrate 8,1 – die durchschnittliche Lebenserwartung 84 Jahre. Bruttoinlandsprodukt: 222 Milliarden Euro, Arbeitslosenquote 1,9 %, Straßennetz 3.425 km, neun Flughäfen. Internet-Nutzer 4,5 Millionen, Internet-Server: 1,9 Millionen, Mobiltelefone 8,7 Millionen, Festnetzanschlüsse 1,9 Millionen.

Hongkong ist 1.108 km² groß, hat 7,1 Millionen Einwohner, das sind 6.419 je km². Die jährliche Sterberate je 1.000 Einwohner ist 6,9, die Geburtsrate 9,4 – die durchschnittliche Lebenserwartung 83 Jahre. Bruttoinlandsprodukt: 204 Milliarden Euro, Arbeitslosenquote 3,1 %, Straßennetz 2.090 km, zwei Flughäfen. Internet-Nutzer 5,6 Millionen, Internet-Server: 0,8 Millionen, Mobiltelefone 17,4 Millionen, Festnetzanschlüsse 4,3 Millionen.

Das ist die große Anstrengung, zu der Europas Wirtschaft und Länder die Kraft und das Geld haben. Auf die Unterstützung ihrer Bürger können sie zählen. Die Politik kann den politischen Weg dafür freimachen – an ihren heimischen bürokratischen Verirrungen vorbei. In diesen großen Wurf können die Nationalstaaten und die EU alles stecken, was sie an hochqualifizierter Expertise, Personal und Ressourcen haben: raus aus der öden Routine, rein in das faszinierende Zukunftsprojekt.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ als Richtschnur dieses Turmbaus der Freiheit zeigt den Weg. Menschenwürdige Aufnahmelager im Libanon, der Türkei und Libyen sind vorbereitende Hilfe, Lösungen sind sie keine. Aber zwei Mega-Citys schaffen Platz für Industrie 4.0 und Freiheit 4.0 zugleich – und eine Zukunft für 10, 15, 20 Millionen auf der Suche nach ihrem Glück. Was dort an Innovation möglich wird, strahlt auf die Nachbarn in Vorderasien, in Afrika und in Europa aus – zum Wohle aller.

In dieses Projekt lohnen sich Großinvestitionen, die ökonomisch und ökologisch, sozial und politisch allen Stakeholdern zugute kommen. Dieses Großprojekt holt Politik und Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur aus ihren geistigen Provinzen. Mit diesem Projekt meldet sich Europa zwischen Amerika und Asien auf der Weltbühne zurück.

Jede Größenordnung von Unternehmen zwischen den Hidden Champions der kleinen und mittleren bis zu den DAX-Konzernen in Deutschland kann in solchen Megastädten über sich selbst hinauswachsen, den nächsten Innovationssprung machen oder zu ihm neu ansetzen. Eine neue, hochinnovative Bildungs- und Ausbildungslandschaft kann entstehen – an den heimischen Fesseln von Verbänden und Bürokratien vorbei.

Europa kann sich selbst neu erfinden, auf den alten Werten aufbauen, aber neue, freie Wege gehen. Die weltweite Wanderung wird für jene zum Problem, denen erst nichts Besseres einfällt, als sie geschehen zu lassen, dann sich ihr entgegenzustemmen und sie irgendwohin umzuleiten. Wer die Weltwanderung hingegen gestaltet, verwandelt die Krise zur Chance.

Europa kann zwei solcher Megastädte bauen, Deutschland kann das Projekt in Gang setzen. Die große gemeinsame Anstrengung aller Kräfte von Wirtschaft und Politik, Gesellschaft und Kultur ist möglich und sie ist – Pathos ist hier angemessen – des Schweißes der Edlen wert.

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