Aus der CDU ertönt: Laschet soll einem anderen Kandidaten Platz machen

Wenn jetzt aus der CDU gefordert wird, Laschet möge einem anderen Kandidaten Platz machen, ist das kontraproduktiv und bringt der CDU keinen Zuspruch, sondern Abwendung.

IMAGO / Chris Emil Janßen

Wenn mitten im Wahlkampf die Eigenen die Auswechslung der Frontfigur fordern, ist das die beste Methode, die Wahl zu verlieren. Denn da ist der Mensch häufig nicht anders als andere Tiere: Wer Schwäche zeigt, hat schon verloren.

Mit der Demoskopiefigur von der fiktiven Direktwahl des Kanzlers wird zwar viel Lärm in den Massenmedien gemacht, aber das bewegt nicht die Wahlberechtigten, sondern die Journalisten machen damit Politik in die Parteien hinein.

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Wenn jetzt aus der CDU gefordert wird, Laschet möge einem anderen Kandidaten Platz machen, ist das kontraproduktiv und bringt der CDU keinen Zuspruch, sondern Abwendung. Diesen Fehler haben Parteien in Wahlzeiten schon so oft gemacht, aber offensichtlich sind Berufspolitiker lernresistent.

Auf Bild.de steht: »Bei der virtuellen Sitzung der CDU/CSU-Fraktion hat die Düsseldorfer CDU-Abgeordnete Sylvia Pantel (60) Unionskanzlerkandidat Armin Laschet (60, CDU) aufgefordert, „die Konsequenzen zu ziehen, wenn in zwei Wochen die Umfragewerte nicht besser werden“.«

Wie die CDU abschneidet, hängt nicht von ihrem Kanzlerkandidaten ab, auch nicht von dem, was auf ihren Plakaten steht, sondern davon, wie viele Wahlberechtigte sich für das entscheiden, was sie für das „kleinere Übel“ halten.

Fünfzehn Prozent wählen CDU so wie früher, egal ob’s hagelt oder schneit oder die Sonne scheint – einst einmal taten das 30 Prozent. Was dann noch dazu kommt, wird von taktischem Wahlverhalten bestimmt. Das deutsche Wahlrecht mit den zwei Stimmen nährt die Illusion, nicht nur einen Direktkandidaten und eine Partei(liste) wählen zu können, sondern eine gewünschte Koalition. Wer propagandistisch diesen Wunsch am Besten bedienen kann, erzielt Wirkung.

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Das ist der Grund, weshalb Koalitionsaussagen vor der Wahl immer wieder eine große Rolle gespielt haben. In dieser Bundestagswahl gibt es bisher keine derartigen Aussagen. Allein Generalsekretär Wissing von der FDP hat aktuell eine Ampel unter grüner Führung ausgeschlossen, was eine direkte Koalitionsaussage pro Ampel ist – unter einem Kanzler Scholz. Dau passt die Aussage von CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak, die FDP sei »keine Garantie für eine Regierung der bürgerlichen Mitte«.

Im Ergebnis hilft Streit in der CDU über Laschet denen, die ganz sichtbar auf eine Ampel-Koalition hinarbeiten. Kubicki hatte ja schon wissen lassen, wohin er will, Lindner war das zwar unangenhmen, aber dementiert hat er es nicht.

Dass es bei dieser Bundestagswahl 2,8 Millionen erstmals Wahlberechtigte gibt, wird unterm Strich den Ampel-Befürwortern helfen. Laut Statistischem Bundesamt sind es 1,4 Millionen Frauen und gleich viele Männer, die zwischen dem 15. September 1999 und dem 26. September 2003 geboren wurden. Die wenigsten von ihnen werden CDU wählen.

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