Warum Scholz Kanzler werden kann

Von der Zusammensetzung der nächsten Koalition hängt nicht ab, wer in der Regierung und mit breitester Abnickungsfront im Bundestag die Richtung angibt, denn das sind so oder so jene Grünen, die weder Baerbock noch Habeck heißen.

IMAGO / Jens Schicke
Olaf Scholz, Bundesminister der Finanzen, und Angela Merkel, Bundeskanzlerin bei der Bundeskabinettsitzung am 12. Mai 2021

Aus der Welt der Umfragen las ich bei Wahlrecht.de, Unterabteilung Forsa die Tage, die Zahl der Nichtwähler und Unentschlossenen liege „weiterhin bei 26 Prozent und damit über dem Anteil der Nichtwähler bei der Bundestagswahl 2017 (23,8 %).“

Das ist ein guter Hinweis, denn der demoskopische Wert für Nichtwähler und Unentschlossene lag 2015/2016 schon mehrfach nicht bei 26 Prozent, sondern 36. Wenn nun fünf Jahre später 10 Prozentpunkte weniger nicht wählen wollen oder unentschlossen sind, woran liegt das?

Ich denke, daran, dass viele nach einem Weg suchen, bei der Bundestagswahl zum „kleineren Übel“ beizutragen. Dass jedes real mögliche berühmte „kleinere Übel“ in Wahrheit dasselbe Übel ist, sich dieser Tatsache zu stellen, ist für viele sehr schwer.

Der aktuelle Blick in den Demoskopiepegel: Gesetzt den Fall, die Ergebnisse zeigten das tatsächliche Wahlergebnis, wäre die Ampel die wahrscheinlichste Koalition. Dieser Schluss bietet sich bei Allensbach für die FAZ ebenso an wie bei Emnid für die ARD.

SPD 19,5 plus Grüne 17,5 plus FDP 11 gibt 48 Prozent. Union 27,5 plus Grüne 17,5 gibt 45 Prozent.

SPD 21 plus Grüne 17 plus FDP 13 gibt 51 Prozent. Union 23 plus Grüne 17 gibt 40 Prozent. Union 23 plus Grüne 17 plus FDP 13 gibt 53 Prozent.

Weshalb meine ich nun, die Ampel wäre wahrscheinlich? Weil die große Mehrheit der Zeitgeistmedien keinen CDU-Kanzler haben will. Baerbock halten inzwischen viele Zeitgeistmedienmacher nicht mehr für vorzeigbar, Habeck innerhalb der Grünen nicht gegen Baerbock für durchsetzbar, dann soll halt in Zeitgeist Namen der ungeliebte Scholz den Platzhalter im Kanzleramt machen, das Sagen in der Ampel hätten sowieso die bei den Grünen, die weder Baerbock noch Habeck heißen.

Letzteres wäre auch bei Schwarzgrün so oder bei Jamaika. Doch die Einsicht ist nicht weit verbreitet, die da lautet: Für die nächste Bundesregierung gibt es die Möglichkeit das „kleinere Übel“ nicht. Von der Zusammensetzung der nächsten Koalition hängt nicht ab, wer in der Regierung und mit breitester Abnickungsfront im Bundestag die Richtung angibt, denn das sind so oder so die Grünen – wie gesagt jene Grünen, die weder Baerbock noch Habeck heißen.

Und so ist gut möglich, dass dem blassen Scholz das Kanzleramt in den Schoß fällt, wofür er selbst dann am allerwenigsten könnte.

Doch was nach der Wahl tatsächlich passiert, braucht mit den bisher genannten Kanzlerkandidaten gar nichts zu tun haben. Fest steht erstmal nur, dass im Kanzlerstuhl im Oktober Merkel sitzt wie zuvor. Bis eine neue Koalition zustande kommt, kann bis ins neue Jahr dauern. Dann kann auch jemand ganz anderer Kanzler werden  – oder eben einfach wieder Merkel. Darauf dass sie die Neujahrsansprache 2022 hält, möchte ich wetten.

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Kommentare ( 44 )

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horrex
26 Tage her

In der letzten Zeit greife ich immer mal wieder zu den Büchlein der Reihe „Akzente“ von Wolfram Engels – zuletzt Herausgeber der WiWo – aus den 80ern. (Erinnert sich hier noch jemand an diese Büchlein, an Engels?) Faszinierend an den Büchlein/Kommentaren – ganz im Gegensatz zu heute – ist, wie unglaublich SACHORIENTIERT – ganz im Gegensatz zum heutigen GLAUBENS- und Panik- damit (letztlich) Ideologie-getrieben – damas noch von Journalisten + Wirtschaftswissenschaftlern argumentiert wurde. – Damals hatte die tatsächliche Problem-Lösung noch einen „Stellenwert“! Heute zählt NUR noch die mehr oder weniger (in der Regel eher MEHR) verdeckte Ideologie-Getriebenheit der zu wählenden… Mehr

Emsfranke
26 Tage her

was bei der gesamten Betrachtung nicht aus den Augen verloren werden sollte, ist die Wut der Ungeimpften.
Wenn ein nicht unerheblicher Anteil der widerständigen Wahlberechtigten von momentan Nochgewählten imaginär auf das gesellschaftliche Schafott geführt werden soll, dann könnte da noch ein kleiner Schuss nach hinten losgehen.
Gell Herr Söder!

Stuttgarterin
26 Tage her

Mögen Sie Ihre Wette verlieren, Herr Georgen, Merkel ist nicht mehr erträglich.

Nibelung
26 Tage her

Ein CDU-Kanzler ist für die gesamte Linke ein unberechenbarer Faktor, weil sie nie wissen wohin dieser tendiert und deshalb bevorzugen sie grundsätzlich einen Linken, egal aus welcher Ecke um die linke Hoheit aufrecht zu erhalten und nun wird eben der Rote als der neue Heiland angepriesen und man kann sich nur noch an die Hoffnung klammern, daß es schon einmal so war, wo der neue Heilsträger der Roten aus Brüssel dann kläglich gescheitert ist. Das muß man halt abwarten, denn die werden zur Zeit hochgeschrieben was das Zeug hält, wie im Wetterbericht, wo es besser ist man macht morgens das… Mehr

Wilhelm Roepke
26 Tage her

Der eigentliche Politikwechsel kommt in Deutschland nicht durch die Wahl nächsten Monat. Der eigentliche Politikwechsel kommt dann, wenn Union und FDP anfangen, mit der AFD Sondierungsgespräche zu führen. Dann öffnen sich ungeahnte Optionen. Und Anton Hofreiter bricht hysterisch zusammen und braucht einen Schnaps, gemeinsam mit Klaus Kleber und den Intendanten der ARD.

Dazu bräuchte es gar keine Koalition mit den Blauen. Es reicht der Satz, dass demokratische Parteien miteinander reden.

Hegauhenne
27 Tage her

Darauf dass sie die Neujahrsansprache 2022 hält, da sei Gott vor, wie der Westfale sagt!

Johann Thiel
27 Tage her

Liberal-konservativer Meinungskorridor hin oder her, wenn man sich schon in Spekulationen ergeht, wäre es doch nur konsequent die AfD einzubeziehen. Das „kleinere Übel“ kann, wenn jede der von Ihnen, lieber Herr Goergen, aufgeführten Konstellationen ohnehin nur das gleiche Ergebnis bringt, nur die AfD sein. Die von Ihnen gern genutzte Hilfskonstruktion, die AfD sei wie alle anderen, wenn man sie lässt, ist eine reine Unterstellung um eine inhaltliche Auseinandersetzung zu umgehen. Auch der Gedanke, man müsse das Parteienkonzept für eine bürgerliche Gesellschaft überwinden, verfängt im Grunde nicht, denn die menschliche Gesellschaft ist immer von Parteinahme geprägt, egal in welcher Form. War… Mehr

Magdalena
27 Tage her

Scholz als Kanzler? Eine Zumutung! Als Erster Bürgermeister Hamburgs bekam seine weiße Weste Flecken durch die Cum-ex-Affäre, die ihm bis heute blieben. Doch das stört weder ihn noch sonst wen. Der Mann hat halt Gedächtnislücken, halb so schlimm. Der Wirecard-Kriminalfall ist noch nicht so lange her und müsste eigentlich jedem noch präsent sein. Die unrühmliche, um nicht zu sagen dubiose Rolle, die Scholz dabei spielte, wäre Grund genug gewesen für einen Rücktritt des Bundesfinanzministers. Aber unter Merkel tritt keiner mehr zurück. Die Bande hält fest zusammen. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Und dass Scholz von den MSM… Mehr

EndemitdemWahnsinn
27 Tage her
Antworten an  Magdalena

Ich sehe ihn schon als Finanzminister und Vizekanzler als eine Zumutung indem man ihn nach der letzten Wahl nach dem Schulz-Debakel aus der Klamottenkiste rausgeholt hat.

Nibelung
26 Tage her
Antworten an  Magdalena

Kein Rücktritt bedeuted Endzeit der Demokratie, denn nur Despoten verhalten sich so und wer das nicht ändert wird sich seine eigene Zukunft verbauen.

horrex
26 Tage her
Antworten an  Magdalena

Ja, er wird von den MSM gehypt.
Weil er oberflächlich betrachtet A) relativ „bürgerlich“ im Auftritt ist (wirkt). Dabei aber geflissentlich gerne übersehen wird dass er B) am Gängelband von Esken/Borjans etc. hängt und seine geschenkpapierartige Undurchschaubarkeit/Gnomhaftigkeit hinter der sich schlichtweg Alles verbergen kann in Richtung Wahl quasi als „Geschenk“ gerne mitgenommen wird. –

November Man
27 Tage her

Mit bestimmten und unseriösen Wahlumfragen will man den Bürger nur an das nächste Wahlergebnis gewöhnen. 

daldner
27 Tage her

Entsetzlich, wohin unser Land steuert, weil man nur die Wahl zwischen Pest und Cholera hat… (und Annalena).