Fonds: Versteckspiele zulasten der Anleger

Gegen die Idee, das Anlagerisiko mithilfe von Fonds einzudämmen, ist prinzipiell nichts einzuwenden. Doch in der Realität kann sich die Fondsanlage sogar als besonders riskant erweisen.

Wenn schon große Erfolge zu vermelden sind, warum dann nicht gleich mit dem Hinweis auf ihre historische Bedeutung? So verkündet vom Fondsverband BVI, als er in der vergangenen Woche titelte: „Fondsbranche verzeichnet über 72 Milliarden Euro Neugeschäft im ersten Quartal. Spezialfonds: absatzstärkstes Quartal der Geschichte.“ Dazu der Hinweis: „Versicherungen bleiben Treiber im institutionellen Geschäft.“ Anders als Publikumsfonds, die zu einem großen Teil an private und darüber hinaus auch an institutionelle Anleger verkauft werden, sind Spezialfonds Versicherern und sonstigen Einrichtungen mit Schwerpunkt Altersvorsorge vorbehalten. Deren Erfolge oder Misserfolge bleiben der Außenwelt weitgehend verborgen. Rechnerisch nachvollziehbar ist lediglich, dass sie ganz überwiegend in festverzinslichen Anlagen engagiert sind. Unter diesen laufen die hochverzinslichen nach und nach aus; Neuengagements sind nur noch zu mickrigen Zinsen möglich. Das ist derzeit das größte Problem der Versicherer und ihrer Anleger.




Aber war war da nicht noch etwas? Ja: Er wolle bei anhaltend niedrigen Zinsen mehr Versicherer „in die aufsichtsrechtliche Deckung nehmen“, erwähnte nahezu zeitgleich mit der BVI-Meldung Felix Hufeld, Chef der deutschen Finanzaufsicht BaFin. Jetzt bleibt den Versicherern nur noch bis zum 3. Juni Zeit, um ihm nachzuweisen, dass sie die Deckung nicht nötig haben. Was dabei herauskommt, wird der Außenwelt natürlich ebenfalls vorenthalten. Wir haben es also mit einem Versteckspiel zu tun, von dessen Ausgang abhängt, ob Millionen Anleger, die fürs Alter vorsorgen, später finanziell über die Runden kommen werden. Jedenfalls haben sie jetzt noch keinen blassen Schimmer davon.

Warum es für Anleger ganz dick kommt

Das alles wäre halb so schlimm, wenn Anleger anderweitig ein finanzielles Polster fürs Alter schaffen würden. Tun sie aber nicht. Das geht allein schon aus den folgenden Zahlenvergleichen hervor: Während den Spezialfonds im ersten Quartal dieses Jahres 43,8 Milliarden Euro zuflossen, blieben Publikumsfonds mit insgesamt 27,7 Milliarden Euro deutlich dahinter. Unter diesen rangierten Mischfonds mit 13,5 Milliarden Euro an erster Stelle, während Aktienfonds nur auf 6,8 Milliarden Euro kamen. Das langfristige Aktiensparen – sei es über direkte Aktienengagements, sei es über Fonds – böte sich als reales Gegengewicht zum nominalen Versicherungssparen mit mickrigen Zinsen an. Doch 6,8 zu 43,8 Milliarden Euro, das spricht Bände: In der irrigen Annahme, sie könnten mit ihrem Geld nicht besser umgehen als die Versicherer, begeben sich die Deutschen bei ihrer Vorsorge fürs Alter in die Obhut von Geldverwaltern, die gerade einen aussichtslosen Kampf gegen niedrige Zinsen führen.

Es kommt noch dicker: Im Glauben, fondsgebundene Lebensversicherungen investierten erfolgreich in Aktienfonds, gehen Vorsorgesparer Versicherungsvertretern und Finanzvertrieben auf den Leim, die ihnen damit das gewünschte reale Gegengewicht zu verschaffen versprechen. Doch wie aus einer aktuelle Studie der Researchfirma Feri EuroRating hervorgeht, lässt die Qualität der von den Versicherern bevorzugten Fonds, speziell auch der Aktienfonds, zu wünschen übrig. „Versicherer setzen in der Selektion weiterhin auf bekannte Produkte von großen Gesellschaften. Diese haben aber oft nur durchschnittliche oder schwache Ratings“, kritisiert Feri-Chef Tobias Schmidt. Beispielhaft seien hier nur genannt: Vermögensbildungsfonds I und Akkumula von DWS/Deutsche Bank, Pioneer Global Ecology oder M&G Global Basics, die drei ersten mit D bewertet (unterdurchschnittlich), der letzte sogar mit E (schwach).

Von der Kunst finanziell zu überleben

Das ganz große Fonds-Missverständnis besteht darin, dass allzu viele Anleger glauben, mit Fonds Risikostreuung, Managementleistung und womöglich auch noch Versicherungsexpertise in einem kaufen zu können. Doch es handelt sich um einen Irrglauben. Denn auf dem Umweg über Spezialfonds landet das Anlegergeld in festverzinslichen Papieren mit schwindsüchtigen Zinsen. Und wer auf fondsgebundene Lebensversicherungen setzt, läuft Gefahr, Fonds mit unterdurchschnittlichen Ergebnissen zu erwischen, ohne es zu ahnen. Außerdem kosten die Verwaltungsapparate der Fonds und Versicherer viel Geld, das die Anleger in Form von Gebühren, Provisionen und Transaktionskosten berappen müssen.

Abschließend folgt ein Auszug zum Thema Fonds aus meinen soeben erschienenen elektronischen Buch mit dem Titel „Von der Kunst finanziell zu überleben“. Es wendet sich an private Anleger und umfasst sowohl die Anlagestrategie als auch die Aufklärung über die wichtigsten Begriffe aus der Welt der Finanzen. Details: https://www.epubli.de/shop/buch/45597

Die ursprüngliche Fondsidee war: Das Risiko streuen bzw. nicht alle Eier in einen Korb legen. Was ist daraus nur geworden! Damit einhergegangen ist eine Spezialisierung, die es sogar ausgebufften Anlageberatern schwer macht, sich im Fondsdschungel zurechtzufinden. So konzentrieren sich die meisten Aktienfonds auf bestimmte Länder, Regionen, Branchen oder Themen. Rentenfonds, die eigentlich Anleihefonds heißen müssten, sind mal auf Kurz-, mal auf Langläufer unter den Anleihen spezialisiert. Mal bleiben sie im Euroraum, mal bevorzugen sie Dollaranlagen, ein anderes Mal streuen sie das ihnen anvertraute Geld in mehrere Währungen. Die einen spekulieren mit Hochzinsanleihen aller Art, die anderen setzen noch einen drauf und steigen in hochverzinsliche Anleihen schwacher Euroländer wie Griechenland, Portugal oder Italien ein und durchmischen das Ganze mit Anleihen von Schwellenländern wie Indien oder Indonesien.

Wenn es gilt, nicht alle Eier in einen Korb zu legen, muss man sich auch an der Größe des Korbs orientieren. Das heißt, ob darin – bildlich ausgedrückt – anstelle von Fonds nicht besser Direktanlagen in Aktien, außerdem Tagesgeld, Gold und ein Haus oder eine Wohnung zur Eigennutzung aufgehoben sind. So hält es jedenfalls Marc Faber, ein weltweit herumgekommener Anlagestratege, der für sich verbuchen kann, früh – meistens etwas zu früh – auf kommende Trends aufmerksam gemacht zu haben. Bei der von ihm vorgeschlagenen Vierteilung geht es um nicht weniger als das finanzielle Überleben vor dem Hintergrund einer bisher noch nie dagewesenen internationalen Schuldenorgie. Anleger sollten darauf vorbereitet sein und sich an der Vierteilung orientieren.

Risikostreuung ist eine höchst persönliche Angelegenheit. Sie kann sich deshalb natürlich nicht allein darauf beschränken, dass man einem Fondsmanager Geld anvertraut, damit der es mal hier und mal da investiert. Oder dass man glaubt, doppelt auf der sicheren Seite zu sein, bloß weil Fonds in Versicherungshüllen eingepackt sind und die so entstandenen Finanzprodukte fondsgebundene Lebensversicherungen oder Fondspolicen heißen. In Wahrheit sind sie komplexer als Fonds und machen es Anbietern möglich, noch mehr an Provisionen und Gebühren zu kassieren. Deshalb verkaufen freie Vermittler, die überwiegend von Provisionen leben, Fondspolicen besonders gern.




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