Blackbox KW 10 – Nehmen Sie es nicht persönlich

Irgendwie und irgendwann kommt alles ans Licht, von Corona bis Nord Stream, auch wenn es in Deutschland etwas länger dauert. Wir müssen nämlich erst mal fünf neue Windräder aufstellen und mehr als 40 Fußballfelder voller Solaranlagen basteln. Pro Tag.

Alles geht dem Ende zu. Pepsi stellt Punica Säfte ein, Wrigleys sein Spearmint Gum und der hiesige, woke Journalismus offensichtlich seine Investigativ-Arbeit. Aufdeckung des Corona-Skandals: Fehlanzeige.

♦ In Großbritannien hingegen nehmen Journalisten noch jede Fährte auf, und wenn ein Politiker seine Dummheit und Dreistigkeit auf dem Silbertablett serviert, knallen in den Redaktionen die Sektkorken. In der Corona-Zeit war dort Matt Hancock Gesundheitsminister, ein Mann, dessen Geltungssucht selbst die eines Karl Lauterbach übertrifft. Tingelte Karl durch jede Talkshow, ging Matt gleich ins Dschungelcamp, twitterte sich Karl mit krankhafter Geschwätzigkeit durch die Krise, wollte Matt der Nachwelt gleich „Corona-Tagebücher“ hinterlassen. Dafür stellte er einer preisgekrönten Journalistin 100.000 WhatsApp-Protokolle zur Verfügung, die diese allerdings an den Telegraph weiterleitete. Nun können die Briten dort lesen, wie die Politik die Menschen absichtlich in Panik versetzte, auf „dass die Leute sich in die Hosen machen“. Corona-Alpha, -Beta, -Gamma zirkulierten je nach politischer Billigkeit: „Wann setzen wir die neue Variante ein?“

♦ Wie konnte er nur so leichtfertig sein, einer Frau zu vertrauen, die eine Lockdown-Gegnerin ist, wundern sich deutsche Journos. Sowas wäre bei uns nicht möglich, kann unsere Regierung doch auf ein eingespieltes Presse-Orchester zurückgreifen, deren Mitglieder regelmäßig lukrative Nebenjobs zugeschoben bekommen und 100 Prozent auf Kurs sind.

♦ Wie bei den Nord-Stream-Anschlägen. Wenigstens ist nun nachvollziehbar, warum ARD, SWR und die Zeit den Pulitzerpreisträger Seymour Hersh als in die Jahre gekommenen, „umstrittenen“ Spinner abgetan und seine Enthüllung über die US-Urheberschaft der Sprengung als schlampige Arbeit diskreditiert haben. Hersh, so ein Vorwurf, habe sich nur auf eine, namentlich nicht genannte Quelle gestützt. Die deutsche Recherchehilfsgemeinschaft beruft sich bei ihrer alternativen Abenteuergeschichte hingegen auf „geheimdienstliche Hinweise“ (Psst. Ich hab’ was für Sie: Eine „Pro-ukrainische Gruppe“ hat auf Rügen eine Yacht gechartert und könnte für die Explosionen verantwortlich sein …). Wenigstens spielt bei der öffentlich-rechtlichen Krimifassung eine Frau (als Ärztin) mit.

♦ Zeitgleich entdeckt die New York Times – offenbar im selben Boot wie unsere Investigativen – ebenfalls eine „Pro-Ukrainische Gruppe“ als Übeltäter. „Nicht namentlich genannte US-Regierungsbeamte“ hätten der NYT gesteckt, „dass es neue Erkenntnisse der US-Geheimdienste gebe“. Diesen US-Geheimdiensten zufolge waren nicht US-Geheimdienste die Terroristen (Ehrenwort!), sondern ebenjene Pro-Ukrainer.

♦ Apropos USA. Erst glaubten wir, im Sinne eines Freudschen Verlesers, in einem ZDF-Text die Botschaft vernommen zu haben, unser Chef Olaf habe Old Joe Biden bei seinem Staatsbesuch in Washington für seine „starke und beständige Führung“ gedankt – so, wie es sich gehört. Aber dann war es umgekehrt: Joe dankte Olaf für die „starke und beständige Führung“, und das ist, genau betrachtet, noch lustiger.

♦ Andererseits wollen wir nicht dieses „sehr fühlbare Unterhaken“ von Roten, Grünen und Gelben unterschlagen, das sich laut Chef Olaf in Preußens Schloss Meseberg zutrug. Jedenfalls wird weiter in die Hände gespuckt, schließlich gibt es „sehr viel zu tun, für das wir sehr viele Frauen und Männer brauchen“, wie Chef Olaf in leichter Sprache erklärte. Wir brauchen „sehr viele Männer und Frauen, die hierzulande sich einsetzen, aber auch aus anderen Ländern dazukommen, damit all die Arbeit geschafft werden kann, die in Deutschland jetzt anfällt“. Die Arbeit, die mit den sehr vielen Männern und Frauen, die auch aus anderen Ländern zu uns kommen, „geschafft“ werden muss? „Wir müssen bis 2030 vier bis fünf neue Windräder aufstellen pro Tag und pro Tag umgerechnet mehr als 40 Fußballfelder voller Solaranlagen.“

♦ Man muss ja nicht alles durchblicken, was die Herrschaften in Brüssel so treiben. Etwa, dass angeblich viele EU-Länder sauer auf FDP-Wissing sind, weil der das Verbrenner-Aus blockiert. Eine Aussage des französischen Verkehrsministers Clément Beaune macht es dann etwas durchsichtiger, wenn sie denn korrekt übersetzt wurde: „Wir müssen das Elektroauto zu einem erschwinglichen, französischen und europäischen Produkt machen.“ Compris?

♦ Alle Jahre wieder stellt sich der verzweifelte Wähler die Frage: Was ist der kleine Unterschied zwischen den woken Rotgelbgrünen und der CDU? Das ist eine Fangfrage, die sich, außer mit überholten Plattitüden, nicht beantworten lässt. Denn ein Satz wie „Ich würde das Thema Messerattacken und Sexualdelikte nicht mit dem Thema Zuwanderung und Migration vermischen“ klingt nach SPD-Nancy wie nach FDP-Buschmann, stammt aber vom CDU-Ministerpräsidentenplatzhalter Rhein aus Hessen.

♦ Wie meinen? Die CDU setzt sich mehr für die Familie ein? Meinen Sie so wie in Schleswig-Holstein, wo sich Ministerpräsident Daniel Günther liebevoll für die Karriere seines Bruders einsetzt? Einspruch! So familienfreundlich sind die Sozis auch, siehe Familie Feldmann in Frankfurt.

♦ Nach Corona kommt Ver.di: In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen lassen die Genossen die Arbeit ruhen.

♦ Also sprach der Verteidiger eines Klimamädchens Gerd Winter (Prof. Dr., Dr. h. c., Lic. rer. Soc.) vor Gericht: „Meine Generation hat ihre Eltern gefragt: Habt ihr den NS-Staat toleriert oder gar unterstützt, oder habt ihr Handlungsspielräume ihn zu bekämpfen ausgenutzt? Diese Frage stellt sich neu mit der noch viel größeren Katastrophe (KLIMA!), die auf uns zukommt, und sie wird auch Ihnen, Herr Vorsitzender, gestellt werden.“
 Da kann man den Klimakindern wahrlich keinen Vorwurf mehr machen, wenn die sich für die Geschwister Scholl halten.

♦ Sie zerstechen Autoreifen und hinterlassen ihre fast richtig geschriebene Botschaft („ACHTUNG – Ihr Spritfresser ist tödlich“) an der Windschutzscheibe. Auch Hybrid- oder Elektro-SUVs sind vor den Klimagangstern nicht sicher. Ob die sich allerdings trauen, auch die Protzkarren vor einer Shisha-Bar zu attackieren, scheint doch sehr unwahrscheinlich. Obwohl die Windschutzflyer mit dem freundlichen Hinweis „Nehmen Sie es nicht persönlich“ in 14 verschiedenen Sprachen verfügbar sind. Sie erhielten wohl eine allzu persönliche Antwort …

♦ Hierzulande zählen die „Medien“ jeden Klimaprotestler doppelt, um halbwegs beeindruckende Zahlen melden zu können. In Frankreich hingegen gingen nachweislich mehr als eine Million auf die Straße gegen Macrons Idee, das Renteneintrittsalter von 62 auf 64 Jahre zu erhöhen. Bei uns, dem Zahlmeister der EU, liegt das Eintrittsalter für den Jahrgang 1958 bereits bei 66 Jahren. Warum nur lassen sich die Franzosen nicht für das große Ganze ausnehmen? Liegt’s am Café au lait? Am Coq au vin? An der Schulbildung?

♦ Eine bei der Regierung stets beliebte Bertelsmann-Studie hat die „Rahmenbedingungen für qualifizierte Migranten“ untersucht. Dazu zählen dies und das, aber auch Einkommen und Steuern. Was sollen wir drum rumreden: Germany, Platz 15. Zum Studieren kommen junge Leute gern nach Deutschland, schließlich ist das hier for free. Anders als in den USA, in Großbritannien oder Australien. Deshalb liegt Allemannda hier auf einem Spitzenplatz – nach den kostenpflichtigen Ländern – und hinter Norwegen.

♦ Die Oscars heute Abend ohne Grußbotschaft von Wolodymyr Selenskyj? Nicht auszudenken, sieht aber so aus. Laut Variety haben die Organisatoren Bedenken, weil die von dem Ukraine-Krieg Betroffenen weiß sind und keine „People of Color“. Blackfacing mittels digitaler Bildbearbeitung geht aber leider auch nicht …

♦ Fast vergessen – Frage an die Klimakenner: Schützt heiße Sanierung vor kalter Enteignung?

Schönen Sonntag!


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Kommentare ( 31 )

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AnSi
11 Monate her

„Schützt heiße Sanierung vor kalter Enteignung?“ Selbstverständlich NICHT! Die Versicherung wird wohl nicht zahlen wollen. Das muss man schon geschickt einfädeln ;-). Aber bei den Alternativen, die uns vorgegeben werden, wird sich etwas finden. Am besten ist doch da der Vorschlag mit der „Stromdirektheizung“ (SDH). Allein schon die Idee, zum Energiesparen eine SDH einbauen zu lassen, zeugt doch von einem gewissen Wahn.
Ich muss jetzt meine Halskrause wieder anlegen. Vom Kopfschütteln über Gagaland habe ich ein Schütteltrauma bekommen. Unfassbar das alles!
Weiter Vollgas Richtung Regenbogen!

Werner Brunner
11 Monate her

Ich hätte da mal eine Frage der grundsätzlichen Art :
Wieso rechnet man / frau das Studium der Politikwissenschaften
der Wissenschaft zu ?
Mit welcher Berechtigung ?
Dieses Studium ist der “ intellektuelle Zweig “ der Kaffeesatzleserei !
Nothing else !
Was wirklich schlimm ist , ist ,
dass jede Menge Vertreter dieser Studienrichtung
in nahezu jeder Talkshow “ ihr Wissen “ zum besten
geben muss ……
Wieso ?

Maria KH
11 Monate her

Kann man vor einem deutschen Gericht tatsächlich erzählen, wärmeres Wetter sei schlimmer als der Holocaust und dafür nicht umgehend vom Richter des Raumes verwiesen werden? Hatte der Staatsanwalt auch so gar nichts zur Verharmlosung von NS-Verbrechen zu sagen?

Boudicca
11 Monate her

Wenigsten schmeckt der dampfend heiße Kaffee am Sonntagmorgen, trotz Klimaerwärmung mit Schnee und Regen und brrr 4° C. Die geplanten vier bis fünf Windräder und 40 Fußballfelder pro Tag könnten geradeso für die Versorgung reichen für all die Männer und Frauen die täglich noch kommen sollen. Wenn denn der Wind weht und die Sonne scheint wie es vom Kanzlernden und Wirtschaftenden geplant ist, wird es ganz herrlich.
Schönen Sonntag.

Wolfgang Schuckmann
11 Monate her

Obwohl es an manchen Wochenenden nicht immer rund läuft, nach der Lektüre von Paetow, geht’s leichter.
Für mich ist das wie ein Ventil für all die wöchentliche Pein, um den Druck von Herz und Seele zu nehmen. Vielen Dank für die Entspannung auch heute.

Manfred_Hbg
11 Monate her

Zitat: „Wir müssen bis 2030 vier bis fünf neue Windräder aufstellen pro Tag und pro Tag umgerechnet mehr als 40 Fußballfelder voller Solaranlagen.“

> Und hier stellt sich dann mit Blick auf den oben gesagten (angeblichen) „Wirtschaftlichen Aufschwung“ unser Olaf-der-Vergeßliche (SPD) auch noch nach deren „Schloss-Meseberg-Geschwätz-Treff“ hin und erzählt bzw verdummkauft dem zuhörenden Volk (hier nicht wortgenau widergegeben) „das wir doch in nur wenigen Jahren erneut ein – ??? – Wirtschaftswunder ala 1950/60 erleben werden und dann auch die Arbeitslosigkeit besiegt und Vergangenheit ist“.

Oh man(n) Sozi-Olaf, in welchen fernen Sphären bist Du mit deinen Genossen nur enthoben……?!

November Man
11 Monate her

Pulitzerpreisträger Seymour Hersh hat sehr gute Arbeit geleistet und sein Wissen mutig veröffentlicht. Eine erstklassige Recherche, sauber und ordentlich aufgelistet mit glaubhaften Indizienbeweisen. Die aufgezeigte Indizienkette wiegt schwer, sie ist nachvollziehbar, glaubhaft und ist m.E. der Wahrheit entsprechend. Jetzt versucht man mit fadenscheinigen und durchsichtigen Mitteln die Schuldfrage auf irgend einen Anderen abzuwälzen. Für mich ist die Sache geklärt. Cui Bono!
Was noch fehlt, sind die schweren europäischen und deutschen Sanktionen und Schadensersatzforderungen gegen die Täter.

89-erlebt
11 Monate her

Die USA lassen sich die „Hilfe“ ja auch gut bezahlen. Eine LNG Ladung geht in USA zu ca 60 Mio $ in das Schiff und kommt in EU Europa dann zu 260 Mio $ wieder raus (@UMSCHAU) Das nennt man echte, geldwerte Freundschaft. Hoffentlich muss nicht noch Schenkungssteuer gezahlt werden.

89-erlebt
11 Monate her

Lieber Hr Paetow, sie hatten keine Gelegenheit, die Tatorte der medial beachteten schwerst Kriminalität ins rechte Licht zu rücken: Hamburg, Zeugen Jehovas – Täter: Deutsch mit Vornamen, volles Info Programm zzgl BrennPunkt in GEZ und Nännzi Besuch.
Apotheken Geiselnahme: Täter: Deutsch – nix Name guckst du …
Totes Blumenfräulein in Bayern: nix genaues bisher, nur schwarze Locken und dunkel im Hautbereich. Wie sich Berichterstattung selbst bestattet.

Kassandra
11 Monate her
Antworten an  89-erlebt

So was erscheint so gut wie gar nicht – obwohl es 3 Tote und 3 Verletzte gegeben hat: „Demnach sei der 18-jährige Syrer nicht in Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis gewesen. Deshalb wurden nach Angaben der Polizeisprecherin Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung, Gefährdung des Straßenverkehrs sowie des Verdachts des Fahrens ohne Fahrerlaubnis.“ schreibt die „Sächsische“ – während alle andern nur einen 18jährigen erwähnen und auch das Fabrikat, eine E-Klasse von Mercedes, aus der Berichterstattung weg lassen. „Bei der Unfallstelle auf der Bundesstraße 87 handelt sich bisher nicht um eine Unfallhäufungsstelle“, teilte eine Sprecherin der Polizei außerdem mit. Demnach kam es… Mehr

89-erlebt
11 Monate her
Antworten an  Kassandra

Dann gehen die Hinterbliebenen der Unfalltoten leer aus, bleiben mit ihrer Trauer allein, da die Fachkraft natürlich auch keine Versicherung hatte.

Dr.KoVo
11 Monate her

Herr Paetow, da haben Sie wohl nicht richtig recherchiert. Meine Recherchen haben ergeben, dass es ein Stand Up Paddler war. Von Hiddensee aus. War ja zu DDR Zeiten schon eine verdächtige Szene dort angesiedelt.