Trumps unwürdiger Abgang

Protestierende vor dem Kapitol, Erstürmung, Schlägereien. Trump fordert per Twitter seine Anhänger auf, es zu lassen und mindestens 10 Jahre Haft für die Täter. Sein Abgang gerät zum Fanal für weitere tiefe Spaltung und Unruhen in den USA.

imago images / Bildbyran

Donald Trump hat mit seinem Abgang sich selbst geschadet, seiner Partei und den USA. Dabei hätte er stolz sein können: Durch Steuersenkungen und Deregulierung hatte er einen Wirtschaftsboom ausgelöst. Und davon hatten keineswegs nur die Reichen profitiert, sondern auch Schwarze und Latinos, von denen er deshalb sogar mehr Stimmen bekam als 2016. Seine Äußerungen zu Corona waren teilweise grotesk und lächerlich, aber immerhin hat er – anders als die Europäer – rechtzeitig genug Impfstoff bestellt und das Unternehmen Moderna gefördert. So sind die Amerikaner, über die die Europäer noch vor Monaten den Kopf schüttelten, heute den Europäern beim Impfen voraus. Auch dies hätte er sich als Verdienst zurechnen können. Schließlich: Auch die illegale Zuwanderung hat Trump reduziert, auch wenn er keine Mauer gebaut hat, die von Mexiko bezahlt wurde.

Aber mit seinem Verhalten nach der Wahlniederlage hat er dafür gesorgt, dass all dies nicht in den Köpfen der Menschen bleiben wird. Er gilt einfach als schlechter Verlierer, der bis heute an der Behauptung festhält, er habe die Wahlen haushoch gewonnen, obwohl sämtliche Gerichte – inklusive des konservativ besetzten Supreme Court – diese Behauptung einhellig zurückgewiesen haben. Trump, der stets Autokraten und Diktatoren bewundert hat, hat zudem Zweifel aufkommen lassen, ob er das Militär einsetzen könnte, um an der Macht zu bleiben. Diese Zweifel hatten nicht nur linke Medien, die Trump stets unfair behandelt haben, sondern alle (!) zehn noch lebenden ehemaligen Verteidigungsminister der USA, die sich deshalb in einem offenen Brief an die Öffentlichkeit wandten. Zuletzt gab es den Mitschnitt eines Telefonats mit dem republikanischen Wahlleiter von Georgia, das nur als Anstiftung zum Wahlbetrug ausgelegt werden kann.

Durch sein Agieren hat Trump zuletzt maßgeblich dazu beigetragen, dass die Demokraten bei den Wahlen in dem seit 28 Jahren republikanisch dominierten Georgia erstmals die Mehrheit bekamen. Das ist nicht nur schlecht für die Republikaner, die dadurch die Mehrheit im Senat verloren haben, sondern vor allem schlecht für Amerika. Denn jetzt kann Joe Biden durchregieren und muss nicht mehr Rücksicht auf einen republikanisch dominierten Senat nehmen. Das stärkt wiederum die Position der radikalen Linken in den Reihen der Demokraten, also von Leuten wie Alexandria Ocasio-Cortez und Bernie Sanders, die von einem sozialistischen Amerika träumen. Die radikalen Linken in den Reihen der Demokraten können sich bei Trump bedanken.

Trump ist das egal, vielleicht freut er sich sogar darüber, wenn er es auf diese Weise seiner eigenen Partei heimzahlen kann, die ihm in weiten Teilen bei seiner absurden „Wahlfälschungs“-Kampagne nicht mehr folgten. Das Gute daran ist, dass sich die Republikaner so vielleicht schneller von Trump emanzipieren werden. Wo sind die Hoffnungsträger in dieser Partei, wo ist ein neuer Ronald Reagan?

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Kommentare ( 192 )

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kiki667
16 Tage her

Herr Zitelmann, ich wünschte, Sie hätten diesen Artikel nicht für TE geschrieben, sondern eher für die MSM, denn dort passt er besser und Sie haben TE damit geschadet. Jeder, der Augen hat und willens ist, hinzusehen, kann auch jetzt noch nachverfolgen, was für eine Inszenierung dort wirklich vor sich gegangen ist und von welcher Seite. Polizisten haben Demonstranten regelrecht hereingewunken, es war genau so gewollt. Ansonsten wäre es niemandem gelungen, da einzudringen.

Devamed
16 Tage her
Antworten an  kiki667

Ergänzend wäre noch anzumerken, dass diesmal — im Gegensatz zu früheren Demos — keine Gegendemonstrationen stattfanden.
Zwei von den Reps, die ins Capitol eindrangen bzw. geführt wurden, wurden als Miet-Aktivisten identifiziert.

Last edited 16 Tage her by Devamed
ThinkTwice
17 Tage her

Hätte man das Eindringen der Demonstranten in das Capitol verhindern wollen, dann hätte man es verhindert. Ich war oft genug in den USA und habe die peniblen und teils hysterisch anmutenden Sicherheitsmassnahmen – insbesondere bei Regierungseinrichtungen – selbst erlebt. Washington ist von einer ganzen Armee offen sichtbarer und verdeckter Security aller Kategorien bevölkert. Es wäre ein leichtes gewesen, das Captitol bei dieser lange angekündigten Demo mehr als ausreichend zu sichern – wenn man es gewollt hätte. Offensichtlich hat man es nicht gewollt. Da stellen sich die Fragen: warum hat man das Capitol zur sturmfreien Bude gemacht? Und wem nützt es?… Mehr

maru
17 Tage her

Ich finde die Einschätzung im Artikel komplett daneben. Die massiven Wahlfälschungen sind umfangreich nachgewiesen. Trump ist der gewählte Präident der USA.

Steve Acker
17 Tage her

also ich hab inzwischen schon den Eindruck dass das amerikanische Version des „reichstagssturms“ ist.
Sicher heftiger und gewalttätiger, aber wenn man bedenkt dass in Amerika jeder Schusswaffen haben kann, hätte das noch ganz anders laufen können.
Und wenn ich mir diesen Longhortypen anschau, der sieht ja nicht wirklich wie ein Rechtsradikaler aus.
False flag aktion ?

Moses
17 Tage her

Was mir am meisten Leid tut, dass Trump begann gerade einen Kampf gegen die liberale Diktatur an den Universitäten, der keinen Raum für andere Ansichten ließ und hätte diesen Kampf höchstwahrscheinlich auf andere Bereiche übertragen.

Andreas Uhlig
17 Tage her

„… obwohl sämtliche Gerichte – inklusive des konservativ besetzten Supreme Court – diese Behauptung einhellig zurückgewiesen haben …“
Ist nicht einer der Streitpunkte, dass bei vielen (allen?) Gerichtsverfahren und sicherlich vom SCOTUS die eigentliche Sache gar nicht verhandelt wurde? Dass es also bisher nicht zu einer umfassenden gerichtlichen Klärung der Vorwürfe gekommen ist, die eigentlich auch im ureigenen Interesse der Demokraten sein müsste?

lioclio
17 Tage her

Jetzt ist der Weg frei, für den great reset. Die letzte Chance auf ein Bewahren der Welt, wie wir sie kannten, ist vertan. Die Neuverteilung wird blutig werden.
Irgendwelches Demokratiegefasel ob scheinheilig oder echt wird keine Rolle mehr spielen. Diktatur der Stärksten ist angesagt.

Meykel
17 Tage her

Es erhebt sich der Verdacht, dass diese Ausuferungen der Aktion, wie auch die Geschichte am Reichstag in Berlin, gewollt sein könnten. Damit soll dem normalen Bürger Angst vor den „Rechten“ eingejagt werden. Und den Konservativen soll ein Makel angeheftet werden, der sie auf immer disqualifiziert.

Dazu passt dann auch, dass unsere Politiker, angeführt von Maas und Röttgen uns klarmachen wollen, die AFD wäre in Washington mitgestürmt.

Man ist schon fasziniert davon, für wie beschränkt und verblödet diese „Elite“ der deutschen Politiker, den Bürger und Wähler hält!

Gruenauerin
16 Tage her
Antworten an  Meykel

Naja, sehr viele kaufen alles ab, was ihnen von der Regierung und den MSM gesagt wird.

ioeides
17 Tage her

Herr Zitelmann, haben Sie sich vor dem Verfassen Ihres Artikels die Mühe gemacht, die ausführliche Dokumentation der „Unregelmäßigkeiten“ beider Wahlen anzusehen, bevor sie von den demokratischen Wahlhelfern facebook, twitter etc gelöscht wurden? Selbst in Georgia konnte der gleiche Effekt beobachtet werden wie in Michigan:die beiden republikanischen Kandidaten lagen bei der Auszählung stetig vor den demokratischen Mitbewerbern, bis es plötzlich zwei Sprünge in den Kurven gab und wie von Zauberhand die Demokraten vorne lagen. Da wäre ich auch nicht ruhig schlafen gegangen. Das hatte nichts mit Trumps Äußerungen vor der Wahl zu tun, das war Manipulation.

Devamed
16 Tage her
Antworten an  ioeides

Vorab: Ich kann nicht verifizieren, wie die Kurve zustandekam.
Aber hier als Ergänzung ein Link:
https://twitter.com/adamseconomics/status/1346822390714683393
Der Sprung gegen 23h zugunsten der Bewerber der Demokraten ist auffälig.

Dass jetzt bei uns die Sicherheit der in BY verwendeten Wahl-SW von zwei IT-Mitarbeitern des Münchener Fraunhofer-Instituts in Zweifel gezogen wird, wirft auch kein gutes Licht auf die Wahlabläufe bei uns in DE. https://www.epochtimes.de/politik/deutschland/it-fachmann-bayern-hat-keine-gesetzlichen-vorgaben-dass-eine-wahlsoftware-getestet-oder-sicher-sein-muss-a3419234.html

Gruenauerin
16 Tage her
Antworten an  Devamed

Bei uns war 2017 die Wahl an der Urne völlig anders als die Briefwahl.

Devamed
16 Tage her
Antworten an  Gruenauerin

Verehrte Grünauerin,
Näheres wäre schon hilfreich.
MfG D.V.

Flavius Rex
17 Tage her

„… sondern alle (!) zehn noch lebenden ehemaligen Verteidigungsminister der USA …“ Na und? Das sind zehn Establishment-Politiker, die haben das Recht ihre eigene Agenda zu verfolgen.
Irgendetwas beweisen tut deren Meinungäußerung nicht.