Die USA gehen weiter gegen islamistische Organisationen vor: Mehrere Regionalgruppen der Muslimbruderschaft wurden offiziell als terroristisch eingestuft. Betroffen sind nach Angaben des US-Außenministeriums insbesondere Ableger der Bewegung in Ägypten, im Libanon und in Jordanien.
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Die Entscheidung der US-Regierung hat weitreichende rechtliche und politische Folgen – sowohl für die betroffenen Organisationen als auch für die internationale Zusammenarbeit im Nahen Osten.
Außenminister Marco Rubio begründete den Schritt mit dem Vorwurf von „Gewalt und gezielter Destabilisierung“. Die betroffenen Gruppen hätten nach Einschätzung der US-Regierung nicht nur extremistische Ideologien verbreitet, sondern sich auch aktiv mit der vom Iran unterstützten libanesischen Hisbollah verbündet. Ziel dieser Zusammenarbeit sei es gewesen, Israel anzugreifen und regionale Konflikte weiter anzuheizen. Die Einstufung als „ausländische Terrororganisationen“ war bereits Ende November von Präsident Donald Trump per Anweisung vorbereitet worden und wurde nun formell in Kraft gesetzt.
Schlag gegen extremistische Netzwerke
Mit der Entscheidung gehen harte Konsequenzen einher: Mitgliedern der betroffenen Muslimbrüder-Gruppen ist die Einreise in die Vereinigten Staaten untersagt, mögliche Vermögenswerte in den USA werden eingefroren. Zudem wird jegliche finanzielle oder logistische Unterstützung aus den Vereinigten Staaten heraus strafbar. Washington will damit nach eigenen Angaben verhindern, dass extremistische Netzwerke internationale Finanz- und Reisestrukturen nutzen können.
Internationale Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Die ägyptische Regierung begrüßte den Schritt ausdrücklich und sprach von einem wichtigen Schlag gegen den Extremismus. In Ägypten selbst gilt die Muslimbruderschaft bereits seit Jahren als Terrororganisation. Auch Jordanien hatte im April ein landesweites Verbot der Bewegung verhängt.
In anderen Ländern fällt die Bewertung differenzierter aus, was die US-Entscheidung politisch brisant macht: In Deutschland wird die Muslimbruderschaft zwar vom Bundesverfassungsschutz beobachtet, aber nicht als terroristisch eingestuft. Die Auslandsfinanzierung der Muslimbruderschaft und ihrer Netzwerke in Deutschland ist ein undurchsichtiges und politisch kontroverses Thema.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz und die Landesbehörden beobachten die Muslimbrüder seit Jahrzehnten als legalistischen Islamismus und warnen regelmäßig vor ausländischer Einflussnahme. Konkrete Summen zur Finanzierung werden in den öffentlichen Verfassungsschutzberichten (einschließlich 2024) meist nicht genannt – die Behörden sprechen stattdessen von „erheblichen ausländischen Finanzströmen“, die oft über Stiftungen, Hilfsorganisationen und Privatpersonen laufen, Katar gilt als einer der Hauptsponsoren.
In den Jahren 2024 und 2025 wurden mehrere mit der Muslimbruderschaft verbundene Vereine verboten (etwa das Islamische Zentrum Fürstenwalde al-Salam in Brandenburg – explizit mit Muslimbrüder- und Hamas-Bezug).
Die aktuelle Entscheidung Washingtons könnte auch die Finanzierung der Muslimbruderschaft in Deutschland und ganz Westeuropa erschweren.
Muslimbruderschaft 1928 gegründet
Historisch ist die Muslimbruderschaft eine vielschichtige Bewegung. Sie wurde 1928 in Ägypten von Hassan al-Banna gegründet und verstand sich zunächst als religiös-soziale Reformbewegung. Ihr erklärtes Ziel ist die umfassende Islamisierung von Gesellschaft und Staat auf Grundlage der Scharia. Über Jahrzehnte hinweg entwickelte sich die Organisation zu einem politischen Massenakteur, insbesondere in Ägypten, wo sie trotz Repressionen lange Zeit die wichtigste Oppositionskraft war.
Nach dem Sturz von Hosni Mubarak gewann mit Mohammed Mursi 2012 erstmals ein Kandidat aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft die Präsidentschaftswahl. Bereits ein Jahr später wurde Mursi jedoch vom Militär entmachtet.
Sicherheitsbehörden vieler Staaten sehen in der Muslimbruderschaft weniger eine einheitliche Organisation als vielmehr ein ideologisches Netzwerk. Zwar lehnt die Bewegung offiziell Gewalt ab, doch gilt sie in zahlreichen Analysen als ideologischer Nährboden für radikalere Gruppierungen. Aktiv ist sie vor allem im Nahen Osten und in Nordafrika, daneben existieren auch Netzwerke in Europa und Nordamerika, die häufig als religiöse oder zivilgesellschaftliche Vereine auftreten.

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