Israel am Pranger: Kriegsverbrecher Netanjahu?

Bei näherer Betrachtung entpuppt sich vieles als simple Fake News, raffinierte Propaganda oder schlichte Verschwörungstheorien – die allerdings einen enormen Anklang bei Politikern und Medien weltweit finden. Israel und Juden in aller Welt wird deutlicher denn je, wie das Gebräu von Antisemitismus, Islamismus, linker Ideologie, Kulturkampf und globalen Machtinteressen in einer Sache zusammenfinden: der existenz-bedrohenden Delegitimierung Israels.

picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka

Israel steht wegen angeblich gravierender Menschenrechtsverletzungen im Gaza-Krieg schon lange international am Pranger. Nun hat der Internationale Strafgerichtshof (ICC) sogar Haftbefehl gegen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu beantragt, der allerdings seine heftig kritisierte Armee als die „moralischste der Welt“ bezeichnet.

ICC-Chefankläger Karim Khan, ein britischer Jurist mit dem Spezialgebiet „Islamisches Recht“, vertraut Berichten, in denen Israel menschenverachtender Flächenbombardements, Folter, Hinrichtungen und das gezielte Aushungern der Zivilbevölkerung beschuldigt wird. Was ist dran an den Vorwürfen vom „Völkermord“ im Gaza-Streifen? Gilt Israel der tausendfache Tod von Zivilisten, von Frauen und Kindern, als belangloser Kollateralschaden?

Bei näherer Betrachtung entpuppt sich vieles als simple Fake News, raffinierte Propaganda oder schlichte Verschwörungstheorien – die allerdings einen enormen Anklang bei Politikern und Medien weltweit finden. Israel und Juden in aller Welt wird deutlicher denn je, wie das Gebräu von Antisemitismus, Islamismus, linker Ideologie, Kulturkampf und globalen Machtinteressen in einer Sache zusammenfinden: der existenz-bedrohenden Delegitimierung Israels.

Er habe „Anlass zu der Vermutung, dass Netanjahu und (Verteidigungsminister Joaw) Gallant an Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Gaza“ beteiligt seien, heißt es in der Erklärung von Chefankläger Khan. Er erwähnt das gezielte „Aushungern der Bevölkerung“ als Kriegswaffe und „vorsätzliche Angriffe auf die Zivilbevölkerung“. Vorwürfe, die auch in den Resolutionen der UN-Vollversammlung gegen Israel auftauchen.

Wenn auch nur ein Teil von dem stimmt, was man in der arabisch-islamischen Welt, aber auch in Israel selbst über die Kriegsführung Israels und den Umgang mit Palästinensern erfahren kann, dann müssten Netanjahu, aber auch eine Reihe von Militärs und Spitzenbeamten in der Tat für viele Jahre ins Gefängnis.

Israel wird schon lange von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International beschuldigt, Palästinenser in den Gefängnissen zu foltern, die Bevölkerung im palästinensischen Westjordanland in einem „Apartheid-System“ zu drangsalieren und zu misshandeln. Der Gaza-Krieg, ausgelöst vom größten Massaker an Juden seit dem Holocaust am 7. Oktober 2023, hat noch einmal zu einer Eskalation der Anschuldigungen gegen den jüdischen Staat geführt.

Brutalität gegenüber Gefangenen

Manche krassen Vorwürfe berufen sich auf anonyme Zeugenaussagen. Manche Ärzte seien inzwischen auf die Amputation von Gliedmaßen palästinensischer Gefangener spezialisiert, wurde jüngst in einem Beitrag des Web-Magazins „+972“ behauptet. Füße und Hände politischer Gefangener werden demnach über viele Stunden oder Tage so fixiert, dass Gliedmaßen absterben würden, so das linke, palästinensisch-israelische Blogger-Kollektiv, das sich seit 2010 auf der Website „+972“ vor allem Menschenrechtsverletzungen der Israelis thematisiert.

In diesem Medium wurde auch der Vorwurf erhoben, israelische Raketen- und Bombenangriffe im Gazastreifen würden derzeit maßgeblich von künstlicher Intelligenz gesteuert. Sogar UN-Generalsekretär Antonio Guterres äußerte sich „zutiefst beunruhigt“ über den KI-Einsatz im Gazastreifen.

Sobald das KI-System glaube, aufgrund von Postings auf sozialen Plattformen, durch automatisierte Gesichtserkennung oder abgefischter Kommunikation Hinweise auf den Standort von Hamas-Kämpfern oder auch Hamas-Sympathisanten zu erkennen, erfolgt dem Bericht von „+972“ automatisch der Befehl auf Beschuss oder Bombenabwurf.

KI eine „Massenmord-Fabrik“

Israels Militär hat dem Online-Magazin zufolge sogar eine Ratio festgelegt, wie hoch der Kollateralschaden bei einem Schlag gegen Hamas-Funktionäre sein darf. Für einen Hamas-Bataillons-Kommandeur beispielsweise würden auch Dutzende von zivilen Opfern akzeptiert, selbst bei einfachen Kämpfern würden bis zu 20 tote Zivilisten in Kauf genommen.

„Eine Massenmord-Fabrik“ nennt „972+“ das KI-System und beruft sich dabei auf einen früheren israelischen Geheimdienstexperten. Deshalb sei die Zahl der Opfer im Gazastreifen auf weit über 30.000 angestiegen, von denen mehr als zwei Drittel Frauen und Kinder gewesen seien.

In den Kommandozentralen der israelischen Militärs hätte der zuständige Soldat nicht mehr als fünf Sekunden Zeit, den Angriff auf eine von der KI erkannten Ziel zu stoppen. Dieses System erkläre auch, warum Anfang April die deutlich als Fahrzeuge des Hilfswerks gekennzeichnete Auto der US-Hilfsorganisation World Central Kitchen Ziel eines Luftangriffs in Gaza wurde, bei dem sieben Menschen starben.

Israelische Soldaten töten Geiseln

Wie hemmungslos die israelischen Streitkräfte (IDF) gegen unbewaffnete Zivilisten vorgingen, habe auch der Tod von drei Israelis Mitte Dezember gezeigt, die Geiseln der Hamas gewesen waren. Die Israelis waren mit freiem Oberkörper, einer weißen Fahne und auf Ivrit um Hilfe rufend aus einem Gebäude in einem umkämpften Gebiet des Gazastreifens israelischen Militärs entgegen gekommen, wurden aber von diesen erschossen. Israel sprach von einer „schrecklichen Tragödie“, aber in der „komplexen Lage“ und schlechter Sicht hätten Soldaten einen Hinterhalt vermutet, um sie in eine mit Sprengfallen versehenen Hinterhalte zu locken.

Es sind keineswegs nur palästinensische und islamistische Organisationen oder internationale Menschenrechtsorganisationen, sondern auch durchaus namhafte Wissenschaftler und andere Intellektuelle Israels, für die der jüdische Staat mehr oder minder deutlich ausgesprochen ein „faschistischer Unrechtsstaat ist“.

„Verbrechen gegen die Menschlichkeit“

Israel begehe „derzeit einen Völkermord an der palästinensischen Bevölkerung in Gaza“, schreibt der israelische Historiker Lee Mordechai in einer 55-seitigen Dokumentation, die Mitte April veröffentlicht wurde und akribisch die Vorwürfe an Israel zusammenfasst. „Seit einem halben Jahr tötet das israelische Militär in Gaza Zivilisten, zerstört Infrastruktur und macht das Gebiet unbewohnbar“, schreibt der Experte für Byzantinische Geschichte. „Israels Reaktion auf den 7. Oktober ist absolut unverhältnismäßig und verbrecherisch … es ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.“

Israels Armee sei für „Massaker“ in der Zivilbevölkerung verantwortlich, so Mordechai, der Lehraufträge an der Hebräischen Universität in Jerusalem und an der Universität von Princeton hat. Die gezielte Zerstörung von Krankenhäusern und die Sabotage der Versorgung mit Medikamenten, Wasser und Lebensmitteln richte sich gegen die Zivilisten.

Mordechai: Gräueltaten an Kindern und Behinderten

„Infolgedessen sterben Menschen (vor allem Kinder) an Hunger und Dehydrierung.“ Der Alt-Historiker berichtet von zahlreichen israelischen Gräueltaten, wie die gezielte Erschießung von Kindern oder Behinderten. Bei dem „Mehl-Massaker“ seien am 29. Februar bei der Auslieferung von Hilfsgütern 118 Zivilisten durch israelischen Beschuss umgebracht und über 700 verletzt worden.

Israelische Medien berichteten damals von einem Versuch von Hamas-Kämpfern, große Mengen von gerade eingetroffenen Hilfslieferungen zu kapern. Israelische Soldaten hätten das zu verhindern versucht, eine Panik sei unter den wartenden Zivilisten ausgebrochen, viele Menschen starben.

Israel misshandle und „entmenschliche“ die Palästinenser, das Militär zerstöre und plündere; in Haft drohten Palästinensern Misshandlungen und Tod, schreibt Mordechai. Ziel der israelischen Politik sei eine „ethnische Säuberung“ des Gaza-Streifens. Auch im Westjordanland seien 400 Palästinensern getötet, 15 palästinensische Ortschaften seien „ethnisch gesäubert“ worden.

„Medien in USA und Deutschland sind mitschuldig“

Für den Historiker sind die „meisten Mainstream-Medien in Israel und im Westen (vor allem in den USA, in Großbritannien und Deutschland)“ mitverantwortlich. Auch das sei eine Erklärung, warum die überwältigende Mehrheit der Israelis den Gaza-Krieg nach wie vor guthießen. Denn nur eine Minderheit von weniger als zehn Prozent der jüdischen Israelis denke, dass „die IDF in Gaza unverhältnismäßig hart agieren“.

Mordechai ist nur einer der zahlreichen israelischen Linken, die schon seit langer Zeit die Politik Israels zu delegitimieren suchen – bei manchen geht es soweit, sogar das Existenzrecht Israels als jüdischen Staat in Frage zu stellen.

Zuweilen macht die Radikalität der Sichtweisen sprachlos: „Was ist schon der große Unterschied zwischen einem Massaker und einer Militäraktion“, formulierte zornig ein westeuropäisches Judaist der Hebräischen Universität in Jerusalem. Der Wissenschaftler, der darum bittet, wegen drohender Repressalien der Regierung seinen Namen nicht zu nennen, sieht in der Regierung „faschistische Politiker“ am Werk.

Kampf der Narrative

Seit der Staatsgründung Israels 1948 gibt es den Kampf der Narrative zwischen Israelis und Arabern. Den Begriff „Palästinenser“ für die arabischen Bewohner gab es damals nicht, der wurde mit einem – heute genial anmutenden – PR-Manöver vom ehemaligen PLO-Chef Jassir Arafat erfunden und damit gleichzeitig eine „Geschichte des palästinensischen Volkes“, die es gar nicht geben kann, weil niemand eine ethnisch, kulturell oder historisch begründete Definition der in Palästina lebenden Araber leisten kann.

Die arabische Welt, allen voran Ägypten, Syrien, Jordanien und der Irak, wollten vor 76 Jahren mit einem Krieg die von der UN beschlossene Zweistaaten-Lösung möglichst umgehend aus der Welt schaffen – der Versuch endete allerdings mit einem deutlichen Sieg der israelischen Truppen.

Palästinenser erfolgreich im Propagandakrieg

Zwar ist seither viel geschehen, Kriege und Terrorismus, Friedensabkommen und Aufnahme diplomatischer Beziehungen, palästinensische Selbstverwaltung, israelische Siedlungen und nie versiegender Raketenbeschuss – geblieben aber ist der stetige Propagandakrieg, den, distanziert betrachtet, die Palästinenser insgesamt äußerst erfolgreich geführt haben.

Belege dafür sind die maßlose Zahl anti-israelischer Resolutionen in der UN, die fast manische Fixierung der internationalen Linken, wenn nicht sogar der internationalen Öffentlichkeit auf die angeblichen Menschenrechtsverletzungen Israels und die weltweite Bereitschaft, den jüdischen Staat anzuprangern – wie derzeit an den Universitäten und Kultureinrichtungen in den USA, Großbritannien und vielen anderen Staaten zu sehen.

Israels Regierung in eine Reihe mit Terrororganisationen wie der Hamas zu stellen, wie es nun der Internationale Strafgerichtshof anstrebt, war für Israel und Netanjahu nicht nur von Schaden. Erschrocken stellten selbst Kritiker des israelischen Vorgehens im Gaza-Krieg, wie US-Präsident Joe Biden oder auch das deutsche Außenministerium, fest, wie gefährlich schnell die Kritik an Israel in die Diskreditierung der einzigen Demokratie im Nahen Osten münden kann.

Entsetzen in Israel über den Strafgerichtshof

Auch die israelische Politik scharte sich angesichts der ungeheuren Vorwürfe gegen Netanjahu um die ansonsten heftig umstrittene Regierung. Oppositionsführer Jair Lapid sprach von einem „völligen moralischen Versagen“ der IStGH, auch Netanjahu-Kritiker Benni Ganz, der kürzlich noch mit einem Austritt aus dem Kriegskabinett gedroht hatte, stellte sich auf die Seite Netanjahus.

Israels Regierungschef selbst zeigte sich angewidert, dass Israels Politiker und Militärs mit „Massenmördern“ und „Monstern“ der Hamas in einem Atemzug genannt werden. Chefankläger Khan entpuppe sich als „einer der großen Antisemiten der Moderne“.

Dennoch markiert der Antrag auf Haftbefehle gegen den Premier und den Verteidigungsminister Israels einen neuen Höhepunkt in der internationalen Kampagne zur Delegitimierung des jüdischen Staates. In der EU beispielsweise scheinen heute nur noch Ungarn und Tschechien an der Seite Israels zu stehen.

Israel mit einer Flut von Vorwürfen konfrontiert

Israels Führung befindet sich im Kriegs- und Krisenmodus, aber auch in einem ständigen Abwehrkrieg gegen die Flut der aktuellen Vorwürfe. Jede differenzierte, faire Analyse relativiert die Anschuldigungen gegen die Kriegsführung und die Lage der Menschenrechte in Israel und den palästinensischen nachdrücklich – auch wenn manche Behauptungen einfach kaum zu widerlegen sind.

Schon die genau Betrachtung der Opferzahlen im Gaza-Krieg belegt, wie fragwürdig die Vorwürfe der palästinensischen Seite oder des von ihr dominierten Palästinenser-Hilfswerks UNRWA sind – wobei die angeblich akkuraten Daten der Hamas-dominierten Gaza-Behörden erfahrungsgemäß ohne viel Skepsis von internationalen Organisationen wie der UN oder Amnesty wie auch den Medien weltweit übernommen werden.

Anfang Mai mussten allerdings auch die Vereinten Nationen die Zahl der im Gazastreifen getöteten Menschen deutlich relativieren – allerdings erst, nachdem amerikanische Experten – wie vom Institut für Nahostpolitik (Washington) auf Merkwürdigkeiten der offiziellen Gaza-Statistiken verwiesen hatten, die auf gezielte Manipulationen hinwiesen.

Nicht nur Zahl der getöteten Kinder ist fragwürdig

Der Statistikexperte Prof. Abraham Wyner (US-Universität Pennsylvania) hatte laut „Jerusalem Post“ vor allem auf eine zweifelhafte Regelmäßigkeit im angeblichen kontinuierlichen Anstieg der Todeszahlen verwiesen. Todesfälle im Krieg seien allerdings so gut wie nie regelmäßig, wie es aber die palästinensischen Angaben suggerierten.

Den am 8. Mai veröffentlichten, deutlich korrigierten Daten der UN nach waren seit dem 7. Oktober im Gazastreifen insgesamt 34.844 Menschen getötet wurden, darunter 4.959 Frauen und 7.797 Kinder – zuvor war monatelang sowohl die Opferzahl der Frauen als auch die der Kinder mehr als doppelt so hoch angegeben worden. Wobei auch hier im Kleingedruckten der Hinweis steht, dass die UN natürlich keine unabhängig überprüfte Zahlenangaben verfügen.

Aber auch diese Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen. Unter den Begriff Kinder fallen auch alle Jugendlichen unter 18 Jahren – wobei der Einsatz von 16- und 17-Jährigen in den Palästinenserorganisationen durchaus üblich ist.

650 israelische Soldaten getötet

Das israelische Militär gibt die Zahl der getöteten Hamas-Kämpfer mit rund 14.000 an. Etwa 650 israelische Soldaten seien in diesem Krieg getötet worden, ungefähr 3.200 wurden demnach verletzt.

Israel wehrt sich entschieden gegen den Vorwurf, mit Flächenbombardements und Raketenbeschuss auf Wohnhäuser und öffentliche Einrichtungen für die hohe Zahl ziviler Opfer verantwortlich zu sein. Es sei bewusste Strategie der Hamas, Zivilisten als Schutzschuld der eigenen Positionen zu benutzen, betonen Israels Militärs. Oft würden Zivilisten von der Hamas sogar daran gehindert, aus Kampfzonen zu fliehen.

Die IDF würde sich „bemühen wie keine andere Armee, zivile Opfer zu minimieren“, zum Beispiel mit Flugblättern, Warnmeldungen im Radio und auf sozialen Plattformen und sogar SMS-Nachrichten. Die Hamas sei laut dem israelischen Premier Schuld daran, dass die Bevölkerung in den Kampfzonen bliebe. Verglichen mit den Flächenbombardements der Alliierten im Zweiten Weltkrieg auf Städte wie Dresden, Köln, Lübeck oder Darmstadt, der Hunderttausende von deutschen Zivilisten zum Opfer fielen, führen die Israelis einen extrem behutsamen Krieg.

In Israel wächst der Anteil arabischer Bürger

Noch absurder scheint die Behauptung, dass Israel einen Völkermord am palästinensischen Volk begehe. Das würde bedeuten, Israel strebe vorsätzlich und systematisch die Vernichtung der Palästinenser an. Zumal in Israel selbst der Anteil der israelischen Araber, die sich eher selten selbst als Palästinenser bezeichnen, stetig anwächst.

Auch die Unterstellung, Israel plane die Vertreibung der Palästinenser aus dem Gaza-Streifen oder dem Westjordanland, entbehrt einer sachlichen Grundlage. Genährt werden solche Anschuldigungen an Israel allerdings durch die Regierungsbeteiligung von rechtsradikalen Parteien in der Regierung Netanjahu wie der „Jüdischen Kraft“, der von Israels derzeitigem Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir (47) geführt wird.

Der wegen rassistischer Agitation und Unterstützung terroristischer Gruppen mehrfach vorbestrafte Jurist kokettiert immer wieder mit dem Gedanken, das Westjordanland und den Gaza-Streifen zu annektieren und die Palästinenser zu deportieren. Sein Parteifreund und Kabinettskollege Amihai Eliyahu spielte sogar öffentlich mit dem Gedanken, eine Atombombe in Gaza einzusetzen.

7. Oktober hat Rechtsradikale in Israel gestärkt

Das Hamas-Massaker am 7. Oktober hat in Israel den Rechtsextremen neuen Zulauf beschert; schließlich haben sie schon immer grundsätzlich an irgendeiner Form von friedlichem Zusammenleben mit Arabern oder der Option einer Zweistaaten-Lösung gezweifelt.

Aber nicht nur für die Rechtsradikalen in Israel gelten das barbarische Vorgehen der Hamas und der anschließende Jubel in der arabischen Bevölkerung im Gaza-Streifen und dem Westjordanland als letzte Belege, dass zumindest ein sehr großer Teil der Palästinenser Israel von der Landkarte löschen und jeden Juden massakrieren oder vertreiben will.

Auch Netanjahu und vermutlich ein sehr großer Teil der Israelis glauben schon seit längerer Zeit nicht mehr wirklich an die Möglichkeit eines neuen „Friedensprozesses“. Allerdings wissen die Israelis sehr wohl, welch unkalkulierbare Gefahren für die Existenz des jüdischen Staates entstünden, würden sich Sichtweisen wie die von Itamar Ben Gvir durchsetzen.

Schon jetzt befindet sich Netanjahu in der Zwickmühle bei der weiteren Verfolgung des wichtigsten Kriegsziels, der völligen Zerschlagung der Hamas in Gaza, mit dem wichtigsten Bündnispartner, den USA, auf Kollisionskurs zu geraten.

Künstliche Intelligenz ist wichtige Waffe

Der Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Kriegsführung wird von Israel nicht bestritten, sehr wohl aber, dass nicht mehr Analysten des Militärs über Angriffe und Bombenabwürfe entscheiden. Geheimdienstliche Erkenntnisse, Aufnahmen von Drohnen und Überwachungskameras, Daten aus sozialen Netzwerken ebenso wie aus einer Militär-Datenbank („Lavender“) mit weit über 30.000 mutmaßlichen Kämpfern von Hamas und anderen Palästinensergruppen werden dabei verwendet. Inzwischen haben KI-Systeme laut der „Jerusalem Post“ im Gaza-Krieg schon mehrere zehntausend Ziele definiert.

Zu den wichtigen KI-Werkzeugen gehört ein System namens „Habsora“ (englisch: „Gospel“), das unterschiedlichste Daten über Gebäude und Personen auswertet, um möglichst genau feindliche Ziele auszumachen und zivile Kollateralschäden zu begrenzen. Der englische „Guardian“ berichtete, Gospel spiele auch bei der Erstellung von Zielpersonen eine Rolle, die getötet werden sollen. Dabei würden auch die Privathäuser von einfachen Hamas-Mitgliedern ins Visier geraten.

Das System kalkuliert laut dem „Guardian“ bei der Analyse eines empfohlenen Angriffsziels die zu erwartende Zahl der getöteten Zivilisten mit ein. Dann entscheide ein Militär über die mögliche Akzeptanz des Kollateralschadens.

Israels Militär: Wir beachten internationales Recht

IDF-Sprecher betonten, dass die KI-Systeme lediglich helfen, Informationen aus verschiedenen Quellen optimal zu analysieren, um militärische Ziele auszumachen. Es werde immer geprüft, ob militärische Entscheidungen verhältnismäßig, mit den strengen, eigenen IDF-Vorgaben und dem Völkerrecht vereinbar sind.

Das israelische Militär wird immer wieder unmenschlicher Methoden beschuldigt. Allerdings existieren die strengen Vorgaben im Umgang mit Verdächtigen oder auch nachweislichen Terroristen keineswegs nur auf dem Papier. Militärgerichte haben schon mehrfach Soldaten und Offiziere wegen Verstößen gegen die eigenen Regeln verurteilt.

Im Nahen Osten gibt es mit Sicherheit keine Streitkräfte, die auch nur annähernd rechtsstaatlichen und demokratischen Standards entsprechen wie die IDF. Ganz im Gegensatz zu den bekanntermaßen barbarischen Methoden der Palästinenserorganisationen, denen auch oft genug die eigenen Landsleute zum Opfer fallen.

Es ist sehr schwer, die widersprüchlichen Angaben Israels und seiner Kritiker über die Kriegsführung zu bewerten. Letztendlich bleibt nur das Kriterium der historischen Erfahrung. Die allerdings verweist auf den Jahrzehnte langen Versuch, Israel als Unrechtsstaat dazustellen. Ebenso eindeutig scheint die Bereitschaft der palästinensischen Seite, Israel auch mit nachweislich falschen Angaben in düstersten Farben darzustellen.

Israel soll als Unrechtsstaat abgestempelt werden

Ganz abgesehen von allen konkreten Anschuldigungen im Gaza-Krieg versuchen die Apologeten und Propagandisten der Palästinenser mit erheblichem Erfolg Israel als einen Unrechts- und Apartheidstaat darzustellen.

Dabei ist jeglicher Vergleich mit einem Regime wie im ehemaligen Südafrika absurd. Während die Apartheid in Südafrika gesetzlich eine Rassentrennung mit deutlichen Diskriminierungsmerkmalen vorschrieb, ist Israel ein demokratischer Staat.

Arabische Israelis haben die gleichen Rechte wie alle anderen, finden sich in fast allen Institutionen des Landes und natürlich auch in der Knesset, dem Parlament, wieder. Sogar in der Armee dienen arabische Israelis, obwohl sie nicht der Wehrpflicht unterliegen.

Selbst in den palästinensischen Gebieten kann man kaum von einer Apartheid sprechen; zwar sind Anti-Terror-Einsätze des israelischen Militärs und insbesondere das zuweilen aggressive Auftreten jüdischer Siedler ständiger Konfliktstoff; aber man kann hier auch angesichts einer gewissen Machtlosigkeit der Palästinenser in manchen Situationen kaum von „Apartheid“ sprechen.

Zionismus ist für die Linken ein imperialistisches Projekt

Vor allem den unterschiedlichsten linken Kräften in aller Welt ist es immer wichtig gewesen, den Zionismus und damit die Existenz des modernen jüdischen Staates als ein koloniales und imperialistisches Projekt zu diskreditieren. Hinter der Gründung des modernen Israel verbirgt sich ein komplexer historischer Prozess insbesondere im 20. Jahrhundert, der jüdische Staat gründet sich auf internationale Abkommen und dem mühsamen Ringen um ein Lebensrecht der Juden in ihrer biblischen Heimat.

Es gibt – wie bei allen politischen Themen – sicher kein objektives Kriterium, das Existenzrecht Israels auf biblischem Boden zu rechtfertigen. Aber wer die historischen und moralischen Ansprüche der Juden auf dieses winzige Stück Land aufgrund der Geschichte der Juden und des Antisemitismus seit weit mehr als 2000 Jahren nicht nachvollziehen kann, dem kann man nur ein Studium der Geschichtsbücher empfehlen.


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Kommentare ( 2 )

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Moses
25 Tage her

Die „progressive Menschheit“ glaubt naiv, dass mit der Zerstörung Israels all seine Sorgen und Probleme ein Ende haben. Sie will weder verstehen, dass die Islamisierung des Westens diese Möglichkeit nur beschleunigen wird, noch dass sie dann an der Reihe sein werden und die linken, törichten Richter ihr Bestes tun werden, um diesen Prozess zu erleichtern. In der Zwischenzeit fordert die „progressive Menschheit“ von Israel wie immer edlen Selbstmord. Und noch eine Bemerkung. Die Idee vom palästinensischen Volk wurde in KGB geboren. Auch Arafat wollte wie alle andere arabischen Politiker sowas nicht. Er war allerdings der Erste, der verstanden hat, wie… Mehr

Protestwaehler
25 Tage her

„ICC-Chefankläger Karim Khan, ein britischer Jurist mit dem Spezialgebiet „Islamisches Recht“,… damit ist der natürlich prädestiniert „westliche“ Werte zu vertreten. Aber so sieht es halt aus wenn man Trojanern Tür und Tor öffnet.