SWR-Intendant Kai Gniffke bereut: Geständnisse eine Grabenbauers

Gniffke: „Wenn wir anfangen zu unterscheiden, wer bei uns auftreten darf und wer nicht, kommen wir argumentativ ganz schnell in den Wald.“ Wie bitte?

imago Images/Arnulf Hettrich

Jetzt ganz langsam und zum Genießen für alle bitte, keine Hektik aufkommen lassen, fangen wir piano an, damit nachher keiner erstickt vor Lachen. Also: Der Intendant des SWR, Kai Gniffke wünscht sich ein breiteres Meinungsspektrum in den Angeboten der ARD.

Der da hoch oben auf der öffentlich-rechtlichen Karriereleiter also in Büßerlaune? Jedenfalls hatte der bald sechzigjährige Gniffke schon 2018 auf einem Forum – ausgerechnet moderiert vom linkspopulistischen Monitor-Moderator Georg Restle und in Anwesenheit von Dunya Hayali – hatte Gniffke den Öffentlich-Rechtlichen bescheinigt, dass diese einen „gewissen missionarischen Eifer“ während des „AfD-Großwerdens“ an den Tag gelegt hätten. Zwischen den Zeilen sagte er gegenüber Restle und Co, sei es dieser Eifer, der bei der ARD aus allen Poren getropft ist. Und Gniffke befand weiter, dass seine Sendeanstalt die AfD absichtsvoll als „rechtspopulistisch“ stigmatisiert hätte.

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Eine Büßerlaune, selbstredend basierend auf der langjährigen Arbeit als erster Chefredakteur der Tagesschau und der Tagesthemen. Denn wenn nicht er, wer wäre sonst als ein Baumeister für diesen etwa ab 2015 entstandenen tiefen Graben in der Gesellschaft mitverantwortlich? In dem Moment, wo es die Leiter in der ÖR-Pyramide kaum höher ging, das schmucke Eigenheim mit Ausblick stand, die Familien und man selbst also mutmaßlich für Generationen ausgesorgt hatte, nun das schlechte Gewissen öffentlich gemacht, um sich reinzuwaschen? So einfach?

Irgendwer muss dem neuen Intendanten des SWR 2018 allerdings gesagt haben, dass er lange noch nicht genug Ablass geleistet hat. Und so schneidet sich Kai Gniffke aktuell ein weiteres Stück seiner bei den Tagesthemen so lang gewachsenen Holznase ab und beichtet gegenüber der ZEIT seine und der Kollegen Sünden: Die Sender der ARD müssten noch stärker ein divergierendes Meinungsbild abgeben usw.

Aber das ist leider alles so halbseiden und verwinkelt. Nein, so sieht echte Buße nicht aus. Noch weniger, wenn sie so kleinteilig und selbstgerecht daherkommt. Zu viele meinungsstarke Stimmen hat man hier über die Klinge springen lassen, als das solche Zugeständnisse in Sarotti-Taktik (politisch korrekter: Schogetten-Taktik) – also Stückchen für Stückchen – noch irgendeinen hinterm Sofa hervorholen angesichts solchen Geständnisse eines SWR-Intendanten: Er wisse, dass bestimmte Haltungen der Leute in der Belegschaft der ARD vielleicht nicht abgebildet wurden. Ach.

Nein, solche Statements sind fast wertlos. Sind keinerlei Genugtuung. Nach Jahren der systematisch betriebenen und später eingestandenen Ausgrenzung und der hoffnungsvoll kalkulierten Förderung einer Radikalisierung der AfD durch Stigmatisierung möchte Gniffke jetzt keine Auftrittsverbote mehr in der ARD für die AfD.

Aber Moment einmal, ist der Mann denn von allen guten Geistern verlassen, jetzt quer zu schießen, wo die Bude des Oppositionsführers im Bundestag quasi sturmreif geschossen wurde und die ARD mit ihrer Einladungspolitik beispielsweise in den vier öffentlich-rechtlichen Talkshows die massive Förderung der Grünen bis hin zur zweitstärksten Partei in den Umfragen so erfolgreich vorangetrieben hat?

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Es ist schon bizarr, dass Gniffke plötzlich fordert, man dürfe doch den Leuten nicht unterschwellig die Botschaft mitgeben, dass ihr Lebensstil furchtbar sei. Bizarr, weil auf eine bestimmte Weise gar nicht mehr so komisch, sondern erinnernd an die willkürliche Gnade eines falschen Pfaffen gegenüber den gekrümmten Schäfchen auf den harten Holzbänken vor ihm. Und gleichzeitig gendern die Moderatorinnen bis der Arzt kommt, um dem Letzten klar zu machen: Sie marschieren an der Spitze der Bewegung der Erweckten.

Aber was genau reitet einen der öffentlich-rechtlichen Vorreiter der Diffamierung, der Denunzierung und der Diskreditierung? Was treibt Kai Gniffke über das schlechte Gewissen hinaus noch um? Da können wir nur vermuten und landen bei einer neuen Studie ausgerechnet des WDR, die – oh Wunder – dem WDR und der ARD bescheinigen, das so viele Menschen wie noch nie die Medien im Land für glaubwürdig halten würden. Dieser monströse Kalauer wird bis ins Extrem gezerrt: ARD twittert, „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk überzeugt auch bei der Berichterstattung zu Corona“, hätte die Studie erwiesen.

Aber, und das wird auch ein Gniffke ebenso wie ein Restle begreifen müssen: Die Gesellschaft ist bereits nachhaltig gestört, der öffentliche Raum auch von öffentlich-rechtlichen Übergriffen nachhaltig kontaminiert über die Glotze bis in die privaten Wohnzimmer der Menschen hinein.

Doch dass der SWR-Chef jetzt fordert, wie die Stuttgarter Zeitung auf Gniffke bezogen titelt: „AfD-Politiker wie Höcke nicht aus Talkshows verbannen“, das ist bigott, noch bigotter, wo es unterfüttert wird mit einem weltvergessenem Zitat Gniffkes:

„Wenn wir anfangen zu unterscheiden, wer bei uns auftreten darf und wer nicht, kommen wir argumentativ ganz schnell in den Wald.“

Dabei steht er schon kilometerweit zwischen lauter Bäumen. Wie soll man so etwas nennen? Fernseh-Nachrichten direkt aus dem Unterholz? Wie großmütig weiter von Gniffke, wo er der Zeit gegenüber erklärt, der Oppositionsführer im deutschen Bundestag müsse nicht nur abgebildet werden, man müsse mit „denen“ auch reden. Sonst würde man riskieren, dem öffentlich-rechtlichen Auftrag nicht mehr gerecht zu werden, die Gesellschaft zusammenzuhalten. Dieser gesetzliche Auftrag, mehr oder weniger gleichlautend in allen Rundfunkgestzen verankert, fällt ihm etwas spät ein.

Ehrlich, wer so etwas ausgerechnet aus dem Munde des Hauptverantwortlichen für die ARD-Nachrichten bis 2019 hört, der ahnt, wie schlimm es wirklich zugeht auf der Entscheiderebene des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks. Hier werden argumentativ keine Gefangenen gemacht und jetzt also quasi noch politische Leichenfledderei.

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Nun muss die berechtigte Frage aber tatsächlich lauten: Welche Abbitte darf man Gniffke und Co zubilligen? Wie groß ist der Schaden, den er und seinesgleichen beim ÖR angerichtet haben und warum ist hier die erste Konsequenz dieser ehemaligen Meinungsscharfrichter nicht einfach der Rücktritt? So wie man sich selbst eine Studie bestellt, so gesteht man sich auch selbst ein, irgendwo irgendwann mal Fehler gemacht zu haben und Schwamm drüber? Aber so funktioniert es nicht. Ein Ehrenmann würde seine Hut nehmen. Und erst dann seine Geständnisse eines Grabenbauers veröffentlichen.

Aber möglicherweise ist alles auch ganz anders: Möglicherweise hat eine im Giftschrank der ARD verschwundene Umfrage ja ergeben, dass die Stimmung kippt, dass man es deutlich zu arg getrieben hat. Aber diese Pendelbewegungen kennt der Zuschauer schon zur Genüge aus den Jahren davor, sie unterstützt nur die inflationäre Unglaubwürdigkeit des ÖRR und seines Führungspersonals.

Und um zum Anfang zurückzukommen: Sicher ist das alles ziemlich lächerlich. Aber das Lachen bleibt einem bei soviel Unverfrorenheit durchaus einmal im Halse stecken.

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Kommentare ( 170 )

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Johann Thiel
3 Tage her

Hui, was ist denn mit der Kommentarfunktion los? Alles neu! An das „Grüne“ muss ich mich aber erst mal gewöhnen.😊

Johann Thiel
3 Tage her
Antworten an  Johann Thiel

Wie wär‘s wenn wir das auf Blau umstellen, dann liest sich mein Name viel besser. Für nen Zwanni muss das doch drin sein. Also gut, wir machen das wie im Film, die Hälfte vorher, die andere Hälfte nach Erledigung des Jobs. 😎

Johann Thiel
3 Tage her
Antworten an  Johann Thiel

Alles klar, Zehner ist raus.👍😎

Johann Thiel
1 Tag her
Antworten an  Johann Thiel

Na ja, wenn ich mir selbst antworte, hab ich den Namen ja in blau, meinetwegen, zweiter Zehner ist raus. 😊

Johann Thiel
3 Tage her
Antworten an  Johann Thiel

Die Grotesk ist auch nicht gerade der Renner mit diesen großen Zeichenabständen und der Mörder-Lauflänge. Ermüdend.

Johann Thiel
3 Tage her
Antworten an  Johann Thiel

Wort- nicht Zeichenabstände.

Skorpion
3 Tage her

Die Medien als 4. Gewalt haben die Aufgabe der Regierung in den Hintern zu treten, stattdessen kriechen sie in selbigen hinein. Das fing schon kurz nach Merkels Amtsantritt an. Bei ihrem erstem EU-Gipfel gab es Streit um mehrere Milliarden Euro. Merkel „löste“ das Problem, in dem die Milliarden von Deutschland bezahlt wurden (Natürlich das Geld des deutschen Steuerzahlers). Die Chefs der anderen EU-Mitgliedsstaaten freuten sich und klopften Merkel auf die Schulter. In der Presse war anschließend zu lesen: „MERKEL RETTET DEN GIPFEL!“ Bis zum heutigen Tage dauert diese Lobhudelei an. Nein, sie hat sich sogar von Jahr zu Jahr gesteigert.Es… Mehr

holuschi
3 Tage her

„Sonst würde man riskieren, dem öffentlich-rechtlichen Auftrag nicht mehr gerecht zu werden, die Gesellschaft zusammenzuhalten“. Riskieren, echt jetzt? Der Risikofall ist breits eingetreten, Leute. Habe alle Abos (wie das der Zeit) schon seit Jahren gekündigt und würde nur zu gerne mit der GEZ machen, da ich auch ehemals geschätzte Programme wie das des Deutschlandfunks nicht mehr ertragen kann. Migrations-, Klima, Gender und seit neusten auch Corona-Propaganda rund um die Uhr und bis hinein in die trivialste Unterhaltungssendung. Für mich sind die Journalisten des ÖR und der anderen Mainstreamer Verbündete der Politik. Bekomme ich eine kleine versehentliche Dosis dieses Qualitätsjournalismus mit… Mehr

k3nzngtn
4 Tage her

Der ÖR soll doch einmal seine Gebührenfinanzierung auf eine freiwillige Basis stellen. Ich würd gern sehen wie viel den Menschen ihre Zufriedenheit mit dem Rundfunk tatsächlich wert ist.

Endlich Frei
4 Tage her

Jetzt warten wir mal das Urteil des Europäischen Gerichtshof ab, welches hoffentlich den Gebühren-Einzugs-Zwang zugunsten der Öffentlich-Selbstgerechten künftig in ‚bar‘ ermöglicht.

Dann wird gezahlt in Kupfermünzen, selbstverständlich ratenweise.

martin ruehle
4 Tage her

„Deshalb experimentieren die Tagesthemen gerade mit einem Pro- und Kontra Format“ (Gniffke) Jetzt mal nicht gleich übertreiben, Herr Gniffke Pro und Kontra hieße ja divergierende Meinungen … Maria und Joseph …vielleicht auch noch Diskussionen mit unterschiedlichen Positionen … ja Sakrament ! Guter Mann, da sind die Engländer schon seit der Magna Charta unter King John Lackland (Johann Ohneland) drauf gekommen, … also 1215 A.D. Okay, das wurde nicht landesweit bis in die letzte Hütte ausgestrahlt, führte aber in der Folge zum Parlamentarismus mit mehreren Kammern und pssst… DEMOKRATIE! Und jetzt solche bösen Gedanken ganz schnell wieder in Restles GEZ-Giftschrank oder… Mehr

reconquistadenuevo
4 Tage her
Antworten an  martin ruehle

Wunderbarer Kommentar ! Habe herzlich gelacht (hilft gegen den Irrsinn und Corona-Wahn, der in diesem „besten Deutschland aller Zeiten“ abgeht)

Zebra
4 Tage her

Ich kann dazu nur sagen, daß ich seit den letzten Jahren kein Fernsehen mehr schaue, kein Radio mehr höre und für mein Auto lieber Hörbücher auf USB-Stock überspiele. Zwangsgebühren für den ÖR bezahle ich immer erst nach Mahnung und die Mahngebühren bezahle ich solange nicht, bis ich wieder gemahnt werde.

Aufgewachter
4 Tage her

So klingt ein, der Demokratie verpflichteter Mensch dem klar wird das sein Verhalten totalitäre Züge angenommen hat. Eventuell hat er auch erstmalig nachgelesen welchen Auftrag der ÖR hat. Ich finde der ÖR gehört abgeschafft, für mich ist er ein Propagandamedium von Politikern, welche der Terrororganisation, namentlich der Antifa nahe stehen, sonst nichts.

Peter Mueller
4 Tage her

Die Einlassungen sind zumindest lustig. Plant der Herr eine Karriere als Komiker? Das Talent hat er.

reconquistadenuevo
4 Tage her

Es macht mich wütend, dass ich u.a. für diesen „Covidioten“ (= Corona-Gläubige) und Groß-Absahner auch noch jeden Monat Geld abdrücken muss. Die Zahlung gänzlich verweigern geht leider nicht (am liebsten würde ich auswandern). Aber piesacken kann man sie. Meine (legale) Methode: 1. Ich habe die Einzugsermächtigung widerrufen. Nun müssen sie jedes Quartal eine Rechnung schicken (kostet Geld und macht Arbeit) 2. Ich überweise nicht zum 15. des jeweiligen Quartals, sondern frühestens ab 20. Bisher noch keine Mahnung erhalten (und wenn, na und ?) 3. Ich überweise immer etwas weniger (so ca. 20 Cent). Auch hier noch keine Mahnung bekommen (Und… Mehr

Dieter Blume
4 Tage her
Antworten an  reconquistadenuevo

Schreiben Sie Ihre Häftlingsnummer (Beitragsnummer) in Worten statt als Zahl.

AlpenLady
4 Tage her
Antworten an  reconquistadenuevo


verspätete manuelle Überweisungen der Rundfunkgebühren mache ich schon länger;
auf einer der letzten Rechnung waren Mahngebühren/Zinsen im Cent-Bereich angegeben, die habe ich bei meiner nächsten Zahlung einfach ignoriert.

@DieterBlume
danke für den Tipp mit der Beitragsnummer in Worten geschrieben, werde ich mal künftig so machen