Bei Maischberger: Angst essen Freiheit auf

Zur Corona-Politik gab es tatsächlich auch kritische Stimmen, zum Wahlkampf in den USA hielt aber der Anti-Trump-Block.

Screenprint Maischberger/ARD

Wenige Stunden nach dem Coronagipfel bei der Kanzlerin hatte es Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig zu Frau Maischberger nur per Videoschalte bis Köln geschafft. Dahin kann sie keine Kanzlerin befehlen. Schwesig war heute die besorgte Regierungschefin. Sie forderte von Risikogebieten, dass diese „ihre Bürger vom Reisen abhalten“. Für Schwesig hat dabei in erster Linie derjenige Verantwortung, der ein Risikogebiet hat. Vehement verteidigte sie dabei das Beherbergungsverbot für Mecklenburg-Vorpommern, das für Reisende aus Risikogebieten mit einer Inzidenz von mehr als 50 gilt, es sei denn, sie können einen negativen Corona-Test vorlegen oder begeben sich in Quarantäne. Mit einem Konzept für „sicheren Tourismus“ habe es ihr Land auch durch den Sommer geschafft „und wir haben immer noch die geringste Infektionszahl“.

„Die meisten Leute sind nicht so blöd, sie können das verstehen!“

Durch Souveränität und Realismus fiel die Welt-Journalistin Susanne Gaschke, einst SPD-Oberbürgermeisterin in Kiel, auf. Sie forderte ein differenziertes Abwägen bei Reisebeschränkungen und Beherbergungsverbot sowie im Gesamten eine bessere parlamentarische Arbeit. Ansonsten drohe ein ernsthaftes Demokratieproblem.
Wie Vince Ebert störe sie ebenso „die apokalyptische Rhetorik“ rund um den Kanzlergipfel. Angst sei kein guter Ratgeber.

Für den Physiker und Wissenschaftsjournalisten Ebert gibt es auch Alternativen, um die Pandemie zu bekämpfen. Wir seien im Übrigen eine Nullrisikogesellschaft, die versuche, jedes Risiko auf null zu minieren. Cerstin Gammelin, stv. Leiterin des SüZ-Hauptstadtbüros, widersprach umgehend: „Es gibt keine Alternativen zu dem, was heute vorgestellt wurde.”

„Ich finde es müßig, über Todesfälle zu reden, wir müssen auch andere Schäden betrachten“

Im Interview sah sich der Virologe Hendrik Streeck gezwungen, seinen gefallen Satz zu verteidigen, wonach auch 20.000 Neuinfektionen am Tag „uns keine Angst machen sollten“. Wenn wir einen großen Ausbruch in einem Altenheim haben und 50 Bewohner müssen ins Krankenhaus, dann sei das gravierender als 150 junge Raver mit Neuinfektionen und milden Symptomen.

„Es ist nicht das Killervirus wie wir dachten.“

Streeck hielt ferner die vom SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach genannte Zahl, dass es bei einer so hohen Infektionsrate zu 200 Toten am Tage komme, für viel zu hoch gegriffen. Er führte seine Heinsberg-Studie mit einer Sterblichkeitsrate um die 0,37 % an, wohingegen die von Lauterbach genannte Sterblichkeitsrate bei ein Prozent liegen würde. Lauterbach, der bereits vergangene Woche bei Maischberger eingeladen war, reagierte prompt empört auf Twitter mit einer Gegendarstellung.

Für Streeck ist es ebenso wichtig, über die vielfältigen Schäden wie verschobene Operationen zu reden, die durch die Corona-Pandemie verursacht werden. Es genüge daher nicht, nur auf die Sterbezahlen zu schauen. Außerdem sei die Situation Teil unseres Lebens, mit der wir leben lernen müssen. Da hat es also tatsächlich doch jemand gewagt zu sagen, dass Sterben zum Leben dazugehört.

Angst vor Corona und Trump

Eine Maischberger-Sendung wäre bald nicht mehr denkbar, wenn es keinen Anti-Trump-Block geben würde. Und natürlich wieder ohne Gegenmeinung. Maischberger sprach mit Mary L. Trump, der Nichte von Donald Trump und dem Politologen Stephan Bierling, die beide in diesem Jahr ein Buch über den US-Präsidenten veröffentlichen.

Ohne die subjektive Darstellung großartig zu hinterfragen, durfte die zugeschaltete Trump-Nichte darüber parlieren, dass aus den USA eine Diktatur werde, sollte Trump wiedergewählt werden. Was die Dame nicht erwähnte: Ein Diktator wird nicht demokratisch gewählt.

„Er hat in den vier Jahren fast nur für seine Wähler gearbeitet“, analysierte der Politologe Bierling. Ob Bierling auch unseren Grünen vorwerfen würde, dass diese bei Regierungsbeteiligung Politik für ihre Wähler machen?

Sie wollen Trump aus dem Weißen Haus jagen“.

Bierling, der bereits in der Vergangenheit gegen einen Wahlsieg Trumps gewettet hatte, entgegnete der Frage, ob er glaube, dass Biden gewinnen werde, mit einem resoluten „Absolut!“. Die Demokraten seien „hochmotiviert“. Hat Herr Bierling jemals eine Wahlkampfveranstaltung von Joe Biden gesehen?

Ein Kompliment geht im Übrigen an Frau Maischberger, die die gegenderte Sprache in ihren Interviews perfekt beherrscht. Unsinn zu Perfektionieren ist gar nicht so leicht. Neuerdings scheint es bei ARD zur Pflicht zu werden, auf diese Art und Weise Zuschauer zu quälen. Mit dem Gefühl, dass wenigstens gelegentlich kritische Stimmen nun auch in einer Maischberger-Sendung allmählich lauter werden, verabschiede ich mich herzlich. Bis zum nächsten Mal. Aber da kann wieder alles anders sein – außer Genderquälerei. Die droht erhalten zu bleiben, notfalls gebührenfinanziert dagegen feuern, wie dem Volk der Schnabel gewachsen ist.

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Kommentare ( 89 )

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Evero
3 Tage her

Ich fühle mich wieder bestätigt, wenn ich solche Sendungen nie anschaue. Maischberger ist wohl das Synonym für einäugiges anbiederndes Gutmenschentum.

Dill Schweiger
4 Tage her

Susanne Gaschke ist aber auch 2020 aus der SPD ausgetreten. Begründung; Die Högl hatte Ihrem Mann Bartel, den gut dotierten Posten als Wehrbeauftragter streitig gemacht.

Bambu
4 Tage her

Lauterbach macht sich jeden Tag lächerlicher. Jetzt glänzt er noch mit mangelndem Statistik Wissen. Die Auswertung von Streeck ist, wenn auch nur für einen begrenzten Bereich, solide. Das was Lauterbach hier in den Ring wirft, ist gepanschtes Zahlenmaterial. Die Daten vom RKI lassen es nicht zu, eine Sterblichkeitsquote zu errechnen. So wurden gerade zum Anfang der Pandemie nur wenige Menschen getestet. Ein Rückschluss auf die Zahl der Menschen, welche tatsächlich infiziert waren, ist somit nicht möglich. Selbst heute, wo sehr viel getestet wird, gibt es noch eine Dunkelziffer an Menschen, welche mit dem Virus angesteckt wurden, aber in keiner Statistik… Mehr

Hannibal ante portas
4 Tage her

SEHR GEEHRTE FRAU LANGER-LORENZANI, „Ein Diktator wird nicht demokratisch gewählt.“ Diese Formulierung ist aus deutscher Sicht formal richtig: Hitler wurde in einer freien Wahl nie mit absoluter Mehrheit gewählt. Die NSDAP war aber die mit Abstand stärkste Partei geworden, an der zum Schluss auch Hindenburg nicht mehr glaubte vorbeikommen zu können, um die damalige Hauptgefahr ( aus Sicht der Mehrheit der damaligen Bürger) des Bolschewismus abzuwenden. Man versuchte den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben. Wie dies ausging weiß jeder.

butlerparker
4 Tage her
Antworten an  Hannibal ante portas

Das ist nicht ganz richtig so. Die NSDAP hatte in der November Wahl schon ihren Zenit überschritten und im Vergleich zur Vorwahl 5 Monate zuvor 4,2% verloren. Entscheidend war vielmehr, daß die Gegner der Demokratie von links und rechts eine absolute Mehrheit der Sitze und der Stimmen 50%+ sowohl in der Juli 32 also auch im November 32 (exakt 50%) auf sich vereinen konnten. Somit war gar keine Regierung möglich, ohne die wie immer geartete Beteiligung der einen oder der anderen Seite. Geschichte wiederholt sich nicht, aber die Strickmuster, die bleiben schon. Damals wie heute gehen wir auf eine immer… Mehr

Hannibal ante portas
4 Tage her
Antworten an  butlerparker

Werter butlerparker, was die Analyse der heutigen Situation angeht, bin ich zu absolut 100 % bei Ihnen und würde noch nicht einmal ein Komma versetzen. Was die Faktenlage 1932/ 33 angeht, haben Sie natürlich auch recht. Ich möchte nur ergänzen, dass die letzten Regierungen der Weimarer Republik keine parlamentarische Mehrheit mehr hatten und aufgrund von ( formal verfassungsgemäßen ) Notverordnungen des Reichspräsidenten eingesetzt wurden. Wie lange man diesen eigentlichen Ausnahmezustand als Alternative zu Hitlers Ernennung zum Reichskanzler hätte durchhalten können, ist natürlich sehr fraglich.

Evero
3 Tage her
Antworten an  butlerparker

Bravo! So müsste ein Bundespräsident, ein Bundestagsräsident und ein Bundesverfassungsgerichtspräsident der Politik und dem Volk mit erhobenem Zeigefinger die Leviten lesen.
Stattdessen: einhellige ideologische Front gegen abweichende Meinungen.
So geht Stärkung von Demokratie und Findung von bestmöglichen Entscheidungen nicht! Das sind tatsächlich Methoden wie in China oder der ehemaligen DDR.

country boy
4 Tage her

Am besten fand ich die scheinheiligen Suggestivfragen von Maischberger an die Nichte Trumps. „Wie ist das passiert in seiner Kindheit, dass er ohne Empathie groß wurde?“ Antwort sinngemäß: Als Donald 2,5 Jahre alt war, wurde seine Mutter sehr krank und da fühlte sich Donald sehr allein. Als sie wieder genesen war, hat sie diese Wunden nie geheilt. Deswegen wurde Donald ein Bully als er später zur Schule ging.
Ich denke, es ist eine große journalistische Leistung von Maischberger, dass sie bei diesem Schwachsinn immer ein ernstes Gesicht machen kann.

Evero
3 Tage her
Antworten an  country boy

Journalistische Leistung? Ich ordne Maischberger unter Boulevard ein. Das ist doch kein ernsthafter politischer Journalismus.

Regina Lange
4 Tage her

Wieso wird ein Diktator nicht demokratisch gewählt? Merkel wurde auch demokratisch gewählt. Ihre diktatorischen Attitüden entwickelten sich erst während ihrer Amtszeit, auch wenn ich denke, dass das schon vorher in ihr geschlummert hat. Sie hat es erst vorgeholt, als sie sah, dass die Zeit gekommen ist.

usalloch
4 Tage her

Angeblich werden 1 Millionen Tests pro Woche vorgenommen. Ein Riesengeschäft . Wer ist der Gewinner?.Pro 100 000 werden 50 Personen als infiziert festgestellt.Die Meisten von denen sind aber nicht krank. Nur infiziert. Die bereitgestellten Betten in den Krankenhäusern sind leer. Wer ist der Gewinner? In diversen Lägern liegen Millionen von Masken. Angeblicher Warenwert über mehrere Milliarden Euro. Herr Spahn bezahlt aber diese nicht, obwohl er das laut Vertrag müsste. Des Weiteren sind Millionen Impfungen geordert. Diese sind laut der allermeisten Virologen definitiv nicht anwendbar. Wer bezahlt das? Haben Merkel oder Spahn schon ihre Datschen verpfändet? Mit Sicherheit nicht. Der Verlierer… Mehr

Kassandra
4 Tage her
Antworten an  usalloch

Zum von Merkel/Drosten angerichtete Desaster 2009 die Pressereaktionen auf eine öffentliche Anhörung des Europarates vom 26. Januar 2010 über den Umgang von WHO und Impfstoffherstellern mit der H1N1 Pandemie unter dem Titel: Ist mehr Transparenz notwendig?:
https://flutrackers.com/forum/forum/forum-in-deutscher-sprache/nationale-und-internationale-vorbereitung-und-antworten/80701-europarat-%C3%B6ffentliche-anh%C3%B6rung-vom-26-januar-2010-%C3%BCber-den-umgang-von-who-und-impfstoffherstellern-mit-der-h1n1-pandemie-ist-mehr-transparenz-notwendig

Aus der ganzen Sache wurde leider überhaupt nichts gelernt – und die Milliardenkosten blieben damals wie heute am Steuerzahler hängen.

usalloch
4 Tage her
Antworten an  Kassandra

Danke. Unglaublich. Schon damals gab es keine Opposition.

Kassandra
4 Tage her
Antworten an  usalloch

Dr. Wodarg hat auch damals schon „gekämpft“ und die Anhörung in Gang gesetzt. Heute wird er wieder diffamiert, hat aber mehr Mitstreiter – unter anderem da:
https://corona-ausschuss.de/sitzungen/

Heute ab 11:00 live:
Die Macht der Konzerne und die Korruption

Alfonso
4 Tage her

Das Spiel mit Angst ist ein beliebtes Instrument in der Politik, und es funktioniert immer, weil dann schnell bei den Menschen die Ratio ausgeschaltet wird, logisches Denken funktioniert dann einfach nicht mehr. Deshalb betreiben auch Merkel, Söder & Co. mit Unterstützung des (Schein?)Experten Drosten und den SPM (StaatsPropagandaMedien) intensiv das Angst schüren. Der Erfolg ist schon wieder deutlich zu erkennen: Lebensmittelketten berichten aktuell von einem erneuten Aufflammen von Panikkäufen. (Unter anderen Artikel wird anscheinend auch schon wieder Klopapier (!) gehortet). Hier in Kehl, an der Grenze zu Frankreich stehen lange Kundenschlangen französischer Bürger vor dem Laden einer Drogeriekette, um Ware… Mehr

Corvus
4 Tage her

Wer sich solche Sendungen anschaut, verschwendet kostbare Lebenszeit. Aber, das muss ja jeder für sich klären.

moorwald
4 Tage her

Jede korrigierende Gerichtsentscheidung setzt ein Grundrecht wieder ein:

1.Die Aufhebung des Beherbungsverbotes gleich zwei davon:

Freizügigkeit (aller Bürger) und freie Berufsausübung (der Hoteliers)

2.Aufhebung des Demonstrationsverbotes die Versammlungsfreiheit

Man sieht daran überdeutlich, was das politische Ziel der Anti-Corona-Maßnahmen war und ist. Es war der Versuch eines Staatsstreichs von oben.

dherr
4 Tage her
Antworten an  moorwald

Wird Zeit, dass nicht die Polizei sondern das unfähig-gefährliche Merkel-Regime auf dem Müll der Geschichte landet.