Männern soll nun auch das letzte Privileg streitig gemacht werden. Die Grünen in Bayern wollen unter dem Titel „Frauen müssen übrigens auch mal“ die Versammlungsstättenverordnung ändern: Die Zahl der vorgeschriebenen Pissoirs und Toiletten für Männer soll an die der Frauen angeglichen werden. Von Georg Etscheit
Bild: KI-generiert
Ich bitte um Nachsicht, wenn ich aus gegebenem Anlass ein wenig aus dem familiären Nähkästchen plaudere: Mein Vater war ein freizügiger Mensch mit einem nur rudimentär ausgeprägten Schamgefühl. Wenn ihn ein dringendes Bedürfnis überkam – er hatte zeitlebens eine nervöse Blase –, konnte er sich an jedem beliebigen Ort Erleichterung verschaffen. Andere Menschen überkommt panische Angst und ein quälender Harnverhalt, wenn sie befürchten müssen, bei diesem intimen Akt beobachtet zu werden.
Einmal weilte ich mit ihm zusammen in Moskau, als ihn just auf dem Roten Platz jenes Bedürfnis überkam. Er eilte in Richtung des Leninmausoleums und dem daran angrenzenden Ehrenfriedhof, wo allerlei Nationalgrößen beerdigt sind wie Maxim Gorkij, Juri Gagarin und Väterchen Stalin, um sich dort das Wasser abzuschlagen. Ich konnte ihn glücklicherweise gerade noch davon abhalten mit dem dringenden Hinweis, dass er sich danach wohl in einem (damals noch sowjetischen) Straflager wiederfinden würde. Oder zumindest zu einem peinlichen Verhör in der Lubjanka.
Ich bin in Sachen Schamgrenze ähnlich gestrickt wie er, vermeide es jedoch aus Gründen allgemeiner Rücksichtnahme, meine Mitmenschen mit der öffentlichen Zurschaustellung von Intimitäten zu verstören. Für uns Männer gibt es glücklicherweise sogenannte Pissoirs, wo man umstandslos einem dringenden Bedürfnis nachkommen kann. In der Vergangenheit waren sie oft fantasievoll als kleine Blechkioske gestaltet mit mehreren Sichtschutzwänden und einer „Pinkelrinne“ am Boden. Die Berliner Schnauze taufte diese Etablissements auf den Namen „Café Achteck“.
Leider sind öffentliche Pissoirs heutzutage oft so versifft, dass man sich nicht hineintraut, wie die in städtischen U-Bahngeschossen, Bahnhöfen oder entlang der Autobahnen. In diesem Fall bleiben noch Parks, Blumenrabatten oder die freie Natur, wenn an entsprechenden Orten keine Regelungen gegen „unerlaubtes Wildpinkeln“ erlassen wurden. In südlichen Ländern wird man übrigens manchmal angehupt, wenn man sich an den Straßenrand stellt und am Hosenstall herumnestelt. Da muss man durch.
Dem uns entgegengesetzten Geschlecht ist der anatomische Vorzug, über ein leicht zu bedienendes, außen am Körper angebrachtes Entwässerungswerkzeug zu verfügen, nicht vergönnt. Sie müssen sich zur regelmäßigen Drainage immer teilweise ausziehen und hinsetzen, wozu es einer (abschließbaren) Toilette bedarf. Doch die Installation von Urinalen ist billiger und einfacher als die einer ähnlich großen Zahl von Toiletten. Deswegen gibt es tendenziell weniger Sitztoiletten, was zur Folge hat, dass sich etwa in Theater- oder Konzertpausen vor den Damenklos oft lange Schlangen bilden.
Dass man sich für solcherlei Verrichtungen nicht anstellen muss, weil es eben per „Hähnchen“ schneller und unkomplizierter geht, zählt zu den letzten Privilegien einer zutiefst verunsicherten und deklassierten Männlichkeit. Ich gestehe offen, dass ich mir zuweilen ein hämisches Grinsen nicht verkneifen kann, wenn ich sehe, wie sich die Damen vor der Toilette stauen und Angst haben, vor dem Ende der Konzertpause nicht fertig zu sein. Manchmal sage ich auch etwas wie „Warum stehen Sie denn an? Gibt’s hier was umsonst?“ und genieße die giftigen Reaktionen mancher Rockträgerinnen.
Wenn ich jetzt lesen muss, dass die Grünen – wer auch sonst? – uns Männern auch dieses letzte Privileg streitig machen wollen, überkommt mich ein dringendes Bedürfnis der anderen, hier aus rechtlichen Gründen nicht näher zu beschreibenden Art. Jedenfalls hat die Grünenfraktion im Bayerischen Landtag einen Antrag unter der Überschrift „Frauen müssen übrigens auch mal“ eingebracht mit dem Ziel, die bayerische Versammlungsstättenverordnung dahingehend zu ändern, dass die bisher pro 1000 Besucher vorgeschriebene Zahl von zwölf Pissoirs und acht Toiletten (für Männer) an die der Frauen (insgesamt zwölf Toiletten) angeglichen werden soll. Eine Grünen-Landtagsabgeordnete verstieg sich zu dem Verdacht, dass Schlangen vor dem Frauenklo „politisch gewollt“ seien, was ich hier aus oben schon genannten Gründen nicht kommentieren möchte.
Am einfachsten und gerechtesten wäre es, man würde für alle 72 oder werweißwieviele Geschlechter nur noch und ausschließlich Sitzklosetts anbieten. Das wäre wegen des geringeren Wasserverbrauchs von Pissoirs – es gibt sogar geruchsfreundliche Trockenpissoirs – allerdings nicht besonders Ressourcen und Klima schonend und auch viel teurer. Deswegen empfehle ich an dieser Stelle die generelle Abschaffung von Toiletten und Pissoirs und naturverbundenes Wildpinkeln für alle. Wegsehen, Männer!

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Der Bedarf „pinkeln“ zu müssen ist bei sonst gesunden Menschen eben auch eine Frage der Intelligenz.
Da hapert es bei Vielen.
Architekten sind zu einer pragmatische Lösung offenbar unfahig: Unisextoiletten, mit Kabinen im Eingangsbereich, dahinter, durch eine Tür, Sichtblende geschützt, Pissoirs. Voilà.
Aber gendergerechte Prinzipienreiterei spricht das Klientel mehr an.
Ich habs schon immer gewußt, die Grün*innen retten die Welt! Gut, dass diese himmelschreiende Ungerechtigkeit endlich bearbeitet wird. Darauf hat die Welt gewartet.
Herrlich (in beiden möglichen Bedeutungen!) Zitat: „… ein leicht zu bedienendes, außen am Körper angebrachtes Entwässerungswerkzeug …“
Der kommt in Schönschrift in mein Poesiealbum!
Immer wieder ein Vergnügen Ihre Artikel zu lesen !
Meine Erwartungshaltung gegenüber geistreichen oder praktikablen, notwendigen oder AUFBAUENDEN, gesundheitsfördernden oder umweltfreundlichen Vorschlägen seitens grüner Politstatisten geht gegen n u l l.
Die Zahl n u l l ist grün. Null ist das grüne Parteiprogramm und N U L L bereits Personenkult. Es gibt Nullen die Trampolin mit 360-Grad-Wende springen, philosophierende Schwarzkopf- Nullen…“wir leben in einer existenziellen Zeit…“,
null Selbstdenker, null eigene Meinung, null freie Wirtschaft, null zuverlässige Energie…und diese Nulloritis breitet sich aus, bis hinein in die Altparteienlandschaft und schlimmer noch….
Merz zum Beispiel, – ist keine Null. Er ist ein Null-Anwärter….
Die Grünen haben es auch nicht leicht. Da merken die nun endlich mal, dass die Lage beschiss… ist, kümmern sich deshalb um genügend Toiletten und wieder ist es nicht richtig! Außerdem ist auch so schon viel getan worden. Tampons auf der Herrentoilette zum Beispiel. Dem Vernehmen nach müssen Damen, die die haben wollen, dann aber auch aufs Herrenklo.
Es gibt auch erfreuliche Nebeneffekte. Situationen wie: „Tausche Rolle Klopapier gegen zwei Tampons“ an der Toilettentür stärken die zwischenmenschlichen Beziehungen.
https://www.focus.de/panorama/videos/tampons-auf-der-herrentoilette-studenten-in-wuppertal-lachen-ueber-gender-extremisten_id_5654211.html
Sie wissen halt, wie man Prioritäten setzt, die Grünen.
Was immer den Bürger umtreibt, die Grünen sind stets volksnah dabei, unser Leben zu verbessern.
Gibt es wirklich Grünenwähler jenseits der Briefwahl?
Und warum nutzen die hochemanzipierten Damen nicht die freien Toiletten bei den Männern? Eine Bekannte von mir geht bei Überfüllung des Damenklos immer zu den Männern. Und bisher hat sich noch niemand darüber beschwert. Dass die Männertoiletten außerdem sauberer sind, dürfte sowieso hinlänglich bekannt sein…
> Eine Bekannte von mir geht bei Überfüllung des Damenklos immer zu den Männern.
Tut meine Frau manchmal ähnlich – notfalls kann man sich ja für 5 Minuten als Männernde Person:in fühlen. Irgend einen Nutzen vom Gendergedöns muss es ja geben, von der Belustigung abgesehen.
Acht zu zwölf berücksichtigt übrigens bereits mehr als großzügig das Männer-Frauenverhältnis! Laut „www“ gibt es nämlich z.Zt. etwa 36,36 Millionen (deutsche) Staatsbürger*innen und lediglich 34,72 Millionen (deutsche) Staatsbürger (also die, die rein theoretisch auch ohne Hilfsmittel im Stehen pinkeln können) Geht man nun dem eigentlichen Grund nach, weshalb Männchen und Weibchen überhaupt einem Amüsement nachgehen, dann bedeutet das, daß Männer wohl einfach viel seltener das „große Geschäft“ z.B. in der Großraumdisco/Oktoberfest erledigen. Wenn man ergo nur von der Art der „Geschäftsabwicklung“ ausgeht, dann stimmt die „Sitzverteilung“ irgendwie, denn Frauen sitzen ja immer. Ganz unabhängig vom jeweiligen „Geschäftsgebaren“. Und wer jetzt… Mehr
„…die Anzahl bei den Frauen anzuheben“
Das geht vielleicht problemlos bei Freiluftveranstaltungen. In Gebäuden wie Kinos und Theatern hingegen, dürfte das eher schwierig werden.