Die geplanten Reformen sind kein großer Wurf. Bei Illner darf Merz sie dennoch nahezu ungestört als Erfolg verkaufen. Kritische Nachfragen bleiben aus, Verdrehungen von Fakten unwidersprochen. Der taumelnde Kanzler erhält in der Sendung die gewünschte PR. Von Fabian Kramer
Screenprint: ZDF / Maybrit Illner
Die Zufriedenheit mit der Bundesregierung und dem Bundeskanzler ist auf einem historischen Tiefstand. Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik waren so viele Bundesbürger unzufrieden mit ihrer politischen Führung. Kanzler Friedrich Merz steht wegen miserabler Umfragen und aufgrund ausbleibender Reformen stark unter Druck. Die zerstrittene Bundesregierung hat sich jetzt kurz vor der Sommerpause zusammengerauft und sich auf gemeinsame Reformen geeinigt. Doch die Ergebnisse sind mager und fast ausschließlich Stückwerk ohne großen Effekt.
Wichtig ist der Regierung und dem Kanzler vor allem die Symbolik, die von der Einigung ausgeht. Hätte die Regierung nämlich nichts geliefert, dann hätte der Kanzler bald mehr Zeit für die Fliegerei mit seinem Flugzeug, als ihm lieb sein kann. Die Details der Einigung offenbaren, dass die SPD in der Regierung die Richtung vorgibt. Statt einer breiten und großangelegten Entlastung aller Bürger soll eine minimale Entlastung für mittlere und kleine Einkommen kommen. Finanziert werden soll die Entlastung über Umverteilung, indem die größeren Einkommen noch mehr zur Kasse gebeten werden sollen als ohnehin.
Damit bricht Friedrich Merz erneut ein Versprechen. Der Kanzler hatte höhere Belastungen für Leistungsträger stets ausgeschlossen. An diesem Donnerstag gibt der Kanzler bei Maybrit Illner Auskunft über seine Reformpläne. Merz wirkt sichtbar erleichtert, dass er der Öffentlichkeit eine Einigung präsentieren kann. Immer wieder betont er die Handlungsfähigkeit seiner Regierung. In große Bedrängnis gerät Merz zu keinem Zeitpunkt. Maybrit Illner spart sich allzu kritische Fragen. Merz bekommt die PR, die er sich gewünscht hat. Einen großen Stimmungsumschwung wird es nicht geben. Dazu sind die Ergebnisse zu dürftig.
Handlungsfähigkeit geht vor
Am Ende geht alles zackig. Die Reformpläne der Regierung stehen jetzt und der große Zoff bleibt aus. Friedrich Merz ist erleichtert. „Ich bin dankbar“, meint der Kanzler zur Einigung mit der SPD. Die Einigung dürfte auch deshalb so schnell zustande gekommen sein, weil der Kanzler der SPD weit entgegengekommen ist. „Am längsten haben wir über die Steuerpolitik gesprochen“, berichtet Merz. Beim Thema Steuern ist der Gewinner der Verhandlungen SPD-Chef Lars Klingbeil. Der Finanzminister bekommt die gewünschte Entlastung für mittlere und kleinere Einkommen.
Gleichzeitig werden die Gutverdiener mehr belastet, was immer ein Wunsch der SPD ist. „Es ist akzeptabel“, ordnet der Bundeskanzler das Ergebnis ein. Für viele Leistungsträger im Land dürfte die Einigung zu Kopfschütteln führen. Immer wieder hatte Merz höhere Belastungen für Leistungsträger ausgeschlossen. Davon will der Kanzler aber an diesem Abend nichts mehr wissen. Er behauptet sogar: „Viele Gutverdiener haben gesagt: macht es.“
Auf diese kühne These hin gibt es leider keine kritische Rückfrage seitens der Moderatorin. Die Behauptung sieht aus, als habe Merz sie sich von der SPD diktieren lassen. Schon heute ächzen die sogenannten „starken Schultern“ unter der hohen Steuerlast. Zusätzliche Steuern sind definitiv nicht die repräsentative Haltung dieser Bürger.
Doch Friedrich Merz findet die Steuerlast in Deutschland gar nicht so hoch. „Wir sind bei der Steuerbelastung nicht am oberen Ende der Industrienationen“, erklärt der Kanzler. Diese Aussage stimmt nicht. Nur Belgien hat noch eine höhere Steuerbelastung als die Bundesrepublik. Von Illner gibt es keine Korrektur an dieser Stelle. Offensichtlich kennt sie die Zahlen nicht. Aber für Friedrich Merz ist die Qualität der Ergebnisse ohnehin nicht von überragender Bedeutung.
Es geht dem CDU-Kanzler vor allem um das Signal. „Diese Regierung ist handlungsfähig“, verkündet er stolz. „Wir haben wieder zueinander gefunden“, findet Merz. Um Kanzler bleiben zu können, opfert Merz die Programmatik der Union bis zur völligen Entkernung. Seine Pläne sind ein weiterer Schlag ins Gesicht seiner einstigen Unterstützer. Doch in der CDU lässt man den Kanzler und die SPD gewähren, weil die Partei zu große Angst vor einem Platzen der Koalition hat.
Bürger werden belastet, der Staat gibt aus
Während die Bürger noch mehr gemolken werden sollen, verzichtet der Staat auf Einsparungen. Eine breite Entlastung ist für den Kanzler nicht möglich, weil er glaubt, dass der Staat nicht sparen kann. „Wir haben große Staatsausgaben“, erklärt Merz. Der Kanzler hofft auf einen großen volkswirtschaftlichen Aufschwung, statt sparen zu müssen. „Unsere Volkswirtschaft muss wieder wachsen“, meint er „Wir haben in einen beginnenden Aufschwung hinein regiert“, fantasiert Merz. Dann hätten äußere Umstände wie US-Zölle, der Ukraine-Krieg und der Iran-Konflikt alles verdorben. Es ist frappierend, dass Merz mit dieser steilen These ohne kritische Nachfrage durchkommt. Zu keinem Zeitpunkt gab es einen beginnenden Aufschwung in Deutschland.
Experten gehen davon aus, dass die Bundesregierung nicht Personal einspart, sondern fleißig weiteres einstellt. Es lässt sich festhalten, dass das Interview für Friedrich Merz ein Wohlfühl-Termin ist. Weitestgehend unkritisch kann der taumelnde Kanzler seine Stichpunkte aufzählen und wird dabei nicht gestört. Offenkundig fehlt es Illner an den entscheidenden Stellen einfach an der nötigen Kenntnis der Fakten. Im Gegensatz zu Moderator Markus Lanz hat sie wohl keinen Stichwortgeber im Ohr, der ihr die Fakten steckt.



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Das ist DDR Fernsehen. Und im Studio sitzt nicht Merz sondern Honecker, mit gefärbten Haaren. Darum die 100.000€ per Anno für den Friseur, für die paar Fuseln…
Der Friseur kriegt das Geld nicht für seine Arbeit. Er kriegt das als Schweigegeld.
Die Überschrift sagt mir: das Weiterlesen kann sich erübrigen, ÖRR und Regierung, Märchenstunden.
Illner ist Stütze der Regierung, hebt ihre Kraft dafür auf, wenn es überhaupt dazu kommt, einen AfD Studiogast mit Fragen zu überhäufen um ihn so gar nicht ausreden zu lassen. Siehe Lanz gestern Abend!
Entlastungen für kleine und mittlere Einkommen? Scherz! Diesmal ist es noch schlimmer: Da wird mit maximalen Tamtam die größte Reformbewegung seit Erfindung des Urknalls ankündigen, dann lässt man sich über den ÖRR tatsächlich für den großen Wurf feiern und bei Tageslicht betrachtet kommt heraus, dass man eine Tonne Sand in die Augen der Dummen kippt. Es gibt 200 Euro Werbungskostenpauschale mehr im Jahr: 200 € x persönlicher Steuersatz (zb 33%) = 66,6 €/Jahr = 5,56 €/Monat. Super! Die Einkommensgrenze bei dem der Spitzensteuersatz beginnt, wird um rund 1,02% von 69879 € auf 70600 € erhöht (rund 1,02% bei über 2%… Mehr
„Merz rettet vorerst seine Kanzlerschaft“ ???
Naja, im darauffolgenden DTrend von ARD ist Merz direkt nach der Sendung noch weiter abgestürzt, ebenso seine noch tragende Unionspartei.
Wenn selbst beim treuen Regierungsfunk der Umfragevorsprung der AfD immer weiter anwächst, so viel Briefwahlunterlagen kannst am Ende auch nicht mehr ausfüllen um das noch aufzufangen.
Na 5 sek fragte ich mich wie hoch der Wahrheitsgehalt wohl sein wird, nach 15 sek wieviel Geld mich diese Versager wohl noch kosten würden und wie lang ich wohl meine Arbeit noch habe …nach 17 sek wechselte ich angewidert das Programm
ZDF = Zweiter Deutscher Fernsehfunk. Alles klar
Wie immer ein Schmierentheater im Staatsfunk zur besten Sendezeit. Kritik und unangenehme Fragen waren nicht zu erwarten, deshalb sitzt Merz ja bei Illner und nicht bei Tichy oder Reichelt. Illner freut’s, bringt’s Ihr doch Millionen ein. Ein Blender, von Gnaden der SPD im Amt gehalten, darf seine mikrigen Reförmchen, die das Land nullkommanull voranbringen, als großen Aufbruch schönreden. Es gibt wohl doch Parallel-Universen..
„Wir haben verabredet, dass wir jedes Jahr zwei Prozent des Personals des Bundes abbauen“
Seit Dekaden sabbeln sie vom Bürokratie- und Personal-Abbau. Im Bund wie in den Bundesländern. In BaWü z.B. stieg die Anzahl der Staatssekretäre mit den Grünen am Ruderblatt seit der gewonnenen LT-Wahl im Jahr 2011 bis heute von 5 auf 14.
Von Fünf auf Vierzehn!
Dies wird natürlich nicht berichtet. Die Fans vom ÖRR bringen nichts Negatives über ihre Lieblinge.
Der Michel nimmt diesen verantwortungslosen Gesellen trotzdem immer noch dieses frechdreiste Geschnattere vom schlankeren Staat ab. Es ist nicht zu fassen!
Es ist nur noch unerträglich, wie mit den Zwangsgebühren für den „Propagandafunk“ nur noch solche Zeitgenossen gepusht werden, die ebenfalls von der steuerzahlenden Bevölkerung finanziert werden.
Kritik jedweder Form könnte ja die lukrative Abhängigkeit gefährden……