Sozialdemokrat will lieber auswandern: Orientalischer Autokorso sperrt Straße in Sinsheim

Sinsheim. "Hochzeitsgäste sorgen für anarchische Zustände in der Hauptstraße", titelt die Rhein-Neckar-Zeitung. Der SPD-Stadtrat fotografiert, postet und schreibt auf Facebook: „Wenn das Sinsheims Zukunft ist, dann wandere ich aus." Aber wo war diese Wut in den letzten Jahren?

Screenprint: Facebook

Müssen orientalische Hochzeiten demnächst wegen der Klimarettung ganz ausfallen? Oder wird der Autokorso mit Sperrung ganzer Straßenzüge wie zuletzt in Sinsheim demnächst auf E-Roller umsteigen der Umwelt zu Liebe? Also diese zu solchen Anlässen üblichen türkischen Fähnchen oder solche anderer Anrainerstaaten des weiteren Orients könnte man ja auch am Rollerlenker befestigen und die Pistolenschüsse lassen sich auch abfeuern, ohne dass man die Scheibe am AMG-Mercedes oder dem SUV herunterfahren muss.

Die Frage ist jetzt nur, wer es den freundlichen Orientalen beibringen will, wer den entscheidenden Hinweis geben mag, wie das hier so läuft mit der gesellschaftlichen Ächtung solcher Veranstaltungen. Wie das ist innerhalb einer alternden Gesellschaft, die keinen Krach mehr verträgt, die unter so einem unangemeldeten lautstarkem Gehupe und Geknalle so gesundheitsgefährdend erschrickt.

Aber Spaß und Hörgerät beiseite: Die Rhein-Neckar-Zeitung berichtet über eine „orientalische Hochzeit kürzlich mitten in Sinsheim“, die leider „aus dem Ruder gelaufen“ sei.

Screenprint: Rhein-Neckar-Zeitung

SPD-Stadtrat Helmut Göschel hat für den Beitrag in der Rhein-Neckar-Zeitung sogar ein Foto beigesteuert – von ihm aufgenommen aus diskreter Entfernung, man weiß ja nie. Also er ist jetzt nicht hingegangen und hat der Gesellschaft die hiesigen Geflogenheiten erklärt, er hat eben ein Foto gemacht, als die Hauptstraße am Samstagmittag kurzerhand dicht gemacht wurde, von mitten auf der Fahrbahn quer geparkten Limousinen der Hochzeitsgäste.

In Sinsheim flaggte eines der zur Straßensperre gehörenden Fahrzeuge mit der türkischen Fahne. Offensichtlich gehört auch das dazu. Andere Länder, andere Sitten, man stelle sich eine deutsche Hochzeit vor, wo Fahrzeuge der Hochzeitsgesellschaft mit deutschen Fahnen ums Eck kommen. Die Angelsachsen binden sich Dosen an den Abschlepphaken, das macht auch einen Höllenlärm und soll böse Geister vertreiben – Lärm gehört also auch anderswo dazu. Aber ganze Straßenzüge sperren und dann noch „fremd“ flaggen?

Aber bleiben wir bei dem diskreten Fotografen der SPD, beim sozialdemokratischen Stadtrat in Sinsheim. Der bezeichnet sich laut Zeitung als „Freund einer offenen, toleranten Gesellschaft“. Aber seine Offenheit hört also genau da auf, wo ein paar Türken oder Türkischstämmige böse Geister austreiben und dicke Autos querstellen. Auch andere Sinsheimer Passanten würden sich provoziert fühlen, „sprechen von einer befremdlichen, einschüchternden Szenerie, dem Gefühl eines rechtsfreien Raums.“ Der SPD-Stadtrat ist innerlich so aufgewühlt von der Szene, die er aus der Ferne heimlich (er wird vermutlich nicht gefragt haben) fotografiert hatte, dass er wenig später seiner Wut ein Ventil gibt und es macht, wie es viele machen, die wütend sind: er facebookt. Und er schreibt dort: „Wenn das Sinsheims Zukunft ist, dann wandere ich aus.“ Aber wo war diese Wut in den letzten Jahren?

Noch schöner: Der Sozialdemokrat hatte mutmaßlich mit seinem Handy nicht nur ein Foto gemacht, sondern, weil er es nun mal schon zur Hand hatte und weil auch noch laut geschossen wurde (Schreckschuss oder Böller oder doch scharf?), gleich die Polizei angerufen, die sich aber laut Angaben des darüber ebenfalls empörten Stadtrates mehr für ihn, als für die Straßensperre interessiert hätte. Er hatte den Fall also gemeldet und dann passierte das Unfassbare: Die Straßensperre löste sich auf, bevor die Polizei erschien, obwohl die doch nur wenige hundert Meter entfernt ihre Station hätte, die Übeltäter mutmaßlich aus dem Orient also noch hätte erwischen können.

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Wenn der Staat darum bettelt, dass man die Gesetze einhalten möge
Die Polizei fand also niemanden mehr vor, die Straße war frei, man fuhr dann sogar noch zu einer Veranstaltungshalle für orientalische Hochzeiten, dort seien gerade Vorbereitungen einer Hochzeitsfeier getroffen worden. Von besagtem Autokorso hätte aber jede Spur gefehlt, die Fahrzeuge hatten zwischenzeitig ein Shisha-Cafe angesteuert, wie ein Hinweisgeber – einmal mutmaßlich ohne SPD-Mitgliedsausweis – der Polizei melden konnte. Vor Ort, so die Polizei, hätten sich dreißig anwesende Personen allerdings „unkooperativ gezeigt“. Was macht die deutsche Polizei in so einem Fall? Logisch: Man lässt die Sache auf sich beruhen, ist ja auch nichts weiter passiert. Lerneffekt daraus: Zeige dich unkooperativ, dann kann man auch mal ohne Folgen eine Straße sperren. „“Mangels eines konkreten Ergebnisses“ habe man sich daraufhin dazu entschieden, den Vorfall nicht zu vermelden, etwa im Polizeibericht.“

Um nun dieses pittoreske Sinsheimer Bild zu vervollständigen, telefonieren wir mit den Grünen von Sinsheim und fragen mal nach, was da los ist und warum beispielsweise Sinsheim noch nicht „Sicherer Hafen“ ist, warum die Grünen dazu nicht einmal einen Antrag eingebracht hätten und überhaupt, was denn da bei den Kollegen von der SPD los sei in Sachen Autokorso. Am Telefon bei den Grünen in Sinsheim erwischen wir einen erstaunlich aufgeräumten wie bodenständigen Politiker, der die Empörung des Sozialdemokraten sogar ein stückweit teilt. Und wenn man schon mal einen Grünen an der Strippe hat, dann kommt man ins Plaudern. Nein, einen Antrag für einen sicheren Hafen hätte man noch nicht gestellt von grüner Seite. Da überlegt man schon, ob das Aussicht auf Erfolg hätte und wirft also nicht gleich jeden Antrag in die Runde.

Man kommt vom Hundertsten ins Tausende und die Zuwanderung rauf und runter und irgendwann erfährt man von dem freundlichen grünen Gemeinderat, dass er die Familienpolitik der letzten Jahrzehnte auch mangelhaft fände. Aber in seinem Umfeld sehe er viele Migranten, die fleißig arbeiten, die damit die Renten sichern würden. Natürlich wäre ihm bewusst, dass das in der ländlichen Region etwas anderes sei als in den Großstädten.

Und spätestens hier beginnt man dann zu verstehen, warum die Grünen zuletzt so einen Zulauf bekommen haben: Da hat sich in der Provinz eine grüne Bodenständigkeit etabliert, die den grünen Spitzen wie Göring-Eckardt bei öffentlichen Auftritten nicht anhaften, die aber dennoch an der Basis eine Stabilität im Bürgerlichen erreicht hat, die sicher den Erfolg der Partei ausmacht, einen, der sich etablieren wird. Und zurück zum Autokorso und zu den Schüssen erfahren wir vom grünen Gesprächspartner noch, dass in seinem Dorf auch bei jeder Hochzeit geballert wurde. Aber eben nicht auf der Straße, sondern oberhalb der Kirche vom Schützenverein.

Zurück zum Anfang: Der Sozialdemokrat will also auswandern wegen eines Autokorsos. Er versteht die Welt nicht mehr. Seine politische Konkurrenz allerdings schläft nicht, wird die Lücke sicher schnell füllen. Und wer bei einem Autokorso in plötzliche Empörungswallungen gerät, der muss sich als Politiker schon fragen lassen, wo er die letzten Jahre gesteckt hat, als es sicher noch ganz andere und erheblichere Anlässe gab, sich zu empören.

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Kommentare ( 161 )

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161 Kommentare auf "Sozialdemokrat will lieber auswandern: Orientalischer Autokorso sperrt Straße in Sinsheim"

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In der Nachbarschaft meines Arbeitsplatzes haben die schon vor 20 Jahren bei Hochzeitsfeiern mit scharfen Waffen in die Luft geschossen und auch Autokorsos gebildet.Danke an unseren Rechtsstaat.

Was soll die Aufregung? Kein Hochzeitskorso ist illegal. Alles in bester Ordnung. Falls ein Radfahrer auf der falschen Straßenseite fährt – in Sinsheim oder anderswo in unserer grellbunten Republik – kann man mal ja wieder den starken Staat raushängen lassen und unsere Polizei-Hasenfüße kriegen dann ein Erfolgserlebnis allererster Güte. Solange der Michel eine Rettungsgasse bildet und der Anatole vor lauter Freude in die Luft ballert, wenn ihm danach ist, sind doch die Rollen gut verteilt. Der scheinheilige Soze mit seinen Auswanderungsplänen scheint wohl ein verkappter Nazi oder Sarrazin-Sympathisant zu sein. Hat sich Stegner den schon vorgeknöpft?

Peter Müller, was will uns der Künstler damit sagen ?
Das Madsack 50 Zeitungen vertreibt, die mehrheitlich in SPD-Hand sind ? (Entschuldigen Sie den Schreibfehler)
Ihre Rezension ist hervorragend; sie bedeutet aber doch, das sich das sozialistische Lager unisono der Meinung des Großkapitals angeschlossen hat, wie im von mir geschilderten Fall ?
Yasha Mounk, der dies alles verblümt (Experiment) am 20.2.2018 in den Tagesthemen ohne Nachfrage erzählen durfte, war doch ebenfalls früher SPD-Mitglied.
Barley,Steinmeier und Altmeier durften doch bereits die Gnade eines Weisungsgespräches mit Soros erfahren. Merkel als seine Beauftragte hat doch über den Depeschenüberbringer Gerald Knaus ein direktes Weisungsdiktat empfangen.

Nachtrag: Die SPD hält 23 % am Madsack-Konzern. Das ist noch keine Mehrheit.

Lieber gmccar, nicht ganz. Nicht das sozialistische Lager hat sich der Meinung des Großkapitals angeschlossen, sondern es macht sich – ohne es zu begreifen – mit seiner No-Borders-Attitüde zu dessen Handlanger. Das Großkapital betreibt die Masseneinwanderung, weil es daran verdient – hält dieses Motiv natürlich unter der Decke und läßt seine Medien etwas von „Humanität“ labern. Und die Linken sind so dumm, das zu unterstützen, weil sie No Borders für gerecht halten. „Das Schild der Humanität ist die beste, sicherste Decke der niederträchtigsten öffentlichen Gaunerei.“ (Johann Gottfried Seume, 1763-1810) Übrigens: Die SPD ist seit dem Godesberger Programm von 1959 nicht… Mehr

Hallo TE-Mods: Die Adresse vom Spezialdemokraten Göschel habe ich aus dem frei zugänglichen Netz.

2 Sachen, die nach diesem Artikel bei mir hängenbleiben:

Werbung für die Grünen

Und die SPD ist im Arsch.

Also nichts Neues im Westen…

Alles in Ordnung. Nur Sportschlitten, keine SUVs. Achtung, ich wiederhole: Keine SUVs. Das Klima ist sicher. Hier findet nur Islamisierung statt. Alles in Ordnung.

Helft doch mal einem Nordlicht wie mir auf die Sprünge: Liegt dieses Sinsheim nicht überhaupt im „Ländle“, wo die sprichwörtlich Artigen, Bescheidenen und Fleißigen leben? Wenn die schon alle die neue Lebensweise tolerieren, dann Gute Nacht Rest-Deutschland!

in zukunft hissen wir den halbmond in deutschland. die gutgläubigkeit im bezug auf den islam ist absolut krank.da passt auch ein bericht,der beschreibt,wie saudi arabien mit geldern den moscheebau und den islamismus hier im lande unterstützt.
während ein hartz 4 empfänger wegen 100 euro 5 tage beugehaft absitzen soll und in einem anderem fall eine strafe über 20000 euro gegen einen libanesen nicht volstreckt werden kann oder soll,da die verhaftung aufgrund der bedrohung des umfeldes nicht durchgezogen werden konnte..ich schäme mich für dieses land immer mehr..

muß man verstehen. Die ** kommen überwiegend aus Ostanatolien. Dort gibt es kaum (wenn überhaupt) Autobahnen oder schöne Straßen. Da kann man verstehen wenn diese Leute mal kurz durchdrehen und Recht und Gesetz nicht beachten. Bei unseren Politgrößen in grün können sie da auf Verständnis hoffen. Der Kulturschock bei uns ist einfach zu groß für diese Leute. Aus diesem Grunde bilden sich immer mehr Parallelgesellschaften mit den Auswirkungen, die wir erleben müssen.

Wo haben die denn alle diese „Hochzeitswaffen“ her?
Sind die nicht illegal?