Merz‘ Großer Sprung nach vorn ist nur auf der Stelle hüpfen

Die NichtRegierungsKoalition verkauft ihr „Programm für Aufschwung und Beschäftigung“ als Befreiungsschlag und Kanzler Merz als Großer Sprung nach vorn. Dann sagen er selbst und SPD-Bas, was wirklich Gesetz würde, stünde gar nicht fest.

CDU-Kanzler Merz soll am Parteitag der CDU in „seinem“ Heimat-Landesverband NRW teilnehmen und dort am Samstag eine Rede halten wollen (Bild), wo die Weichen für die Landtagswahlen im kommenden Frühjahr gestellt werden. Ob und wie sehr sich CDU-MP Wüst davor fürchtet, ist nicht bekannt.

Gründe dafür gibt es genug, Merz‘ Großer Sprung nach vorn als aktuellster. Die NichtRegierungsKoalition will ihr „Programm für Aufschwung und Beschäftigung“ als Befreiungsschlag verkaufen: 34 Maßnahmen, rund zehn Milliarden Euro weniger Inkasso an Einkommensteuer ab 2027, höhere Freibeträge, mehr Kindergeld – mehr Inkasso durch eine veränderte „Reichensteuer“ und neue Regeln am Arbeitsmarkt. Richtige Zahlen wurden nicht vorgelegt. Steuerzahler-Präsident Holznagel zu Bild: „Die veräppeln uns“. BDA-Vormann Dulger lobt einen „überfälligen Kurswechsel“.
Der BDI nennt die Beschlüsse ein positives Signal, aber keinen Wachstumsimpuls. Die DIHK kritisiert die höhere Reichensteuer, weil sie mittelständische Personengesellschaften und Familienunternehmen treffe. Ökonomin Schnitzer hält die Steuerreform für zu klein, das Kiel Institut erwartet nur überschaubare Wachstumseffekte. Hausärzte warnen vor einer neuen Bürokratiewelle und überfüllten Praxen, die IG Metall spricht von einem Angriff auf Beschäftigtenrechte. Grüne sprechen von einer Mogelpackung, die Linke von Misstrauen und Ignoranz, die AfD von einer „herben Enttäuschung“, die FDP von einem „mutlosen Hopser“.

Großen Sprung klein machen. Kaum lobt die NichtRegierungsKoalition sich selbst, kündet SPD-Bas eine genaue Prüfung der Auswirkungen der Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag im „Nachtjournal Spezial“ von RTL an: „Das war jetzt nicht mein Vorschlag“. Sie wolle schauen, ob das überhaupt wirke oder eher zu Schwierigkeiten führe: „Das ist ja noch nicht im Gesetz. Das werden wir jetzt im Verfahren klären.“ Und: „Der Kanzler hat heute selber gesagt, dass Arbeitgeber eine Ausnahme davon machen können oder Tarifvertragsparteien.“

Kranken-Bürokratie. Die Kassenärztliche Vereinigung warnte vor einer zusätzlichen Belastung der Praxen und massiv mehr Bürokratie. Vormann Gassen: „Wir müssten eigentlich die Krankschreibepflicht für die Tage eins bis drei abschaffen, anstatt diese Regelung zu verschärfen(Welt-TV).“ Die Attestpflicht werde den Praxen, die ohnehin am Anschlag arbeiteten, noch mehr unsinnige Arbeiten aufdrücken. Versprochen sei gewesen, die Praxen zu entlasten und von Bürokratie zu befreien: „Es wird immer von einem gewissen Vertrauensvorschuss gesprochen und das ist in allen Punkten das genaue Gegenteil davon. Das heißt, hier muss man sagen, in der Schule wäre das Thema verfehlt, setzen fünf.“

„Reichensteuer“. Ab 250.000 Euro soll diese 45 Prozent betragen, 47 Prozent ab 280.000. Ifo-Instituts Vormann Fuest: „Ich finde schwer nachvollziehbar, was dieser Sprung nach nur 30.000 Euro bringen soll (Spiegel)“. Das müsse politisch motiviert sein, ökonomisch ergebe es keinen Sinn. Die Erhöhung belaste zusammen mit steigenden Rentenbeiträgen vor allem Mittelständler. Mit Soli liege man bei einer Belastung ganz knapp unter 50 Prozent. Das sei ein Signal, noch weniger in Deutschland zu investieren. Unterm Strich will die Regierung zehn Milliarden Euro weniger Einkommensteuer kassieren. Für ein größeres Volumen hätte sie die Staatsausgaben kürzen müssen, sagte Fuest. Ein Plan dafür fehle aber völlig – das sei die größte Schwäche des Pakets. Vorfrau Ostermann: Höhere Steuern und Arbeitskosten führten zu weniger investitionen. Wachstum brauche Eigenkapital: „Das Ziel muss sein, Wachstum für Deutschland, Investitionen für Deutschland, Zukunftsinvestitionen. Und dafür muss man den Unternehmen mehr Eigenkapital, mehr eigenes Kapital lassen, anstatt wieder in dem Konzept jetzt zu schreiben, wir wollen Zukunftstechnologien fördern. Das sind wieder Subventionen, die vom Staat gesteuert und verteilt werden. Wir brauchen aber die private, freie Initiative in unserem Land … Wenn das jetzt bei der Einkommenssteuer nichts wird, dann müsste wenigstens jetzt mal die Stromsteuer komplett für alle Unternehmen wegfallen (Welt-TV).“ Der langjährige Wirtschaftsweise Bofinger kritisiert die Steuersenkung als zu niedrig. Zehn Milliarden Euro 2027 belaufe sich auf ein Viertel Prozent des Bruttoinlandsproduktes und gleiche zum Teil nur die kalte Progression aus (HB). Das werde kein Wachstumstreiber. Maßnahmen fehlen, die zusätzliche Investitionsanreize für Unternehmen setzen. Der Investitionsbooster der Regierung von 2025 habe sich als Fehlgriff erwiesen. Er führe zu hohen Einnahmeausfällen für die öffentlichen Haushalte und sei für die Unternehmen letztlich nur ein zinsloser Kredit. Bofinger forderte dringend eine Investitionsprämie für Unternehmen, die ihre Investitionen ausweiten. Die Verpflichtung zur Krankschreibung ab dem ersten Tag nannte Bofinger ein „Bürokratiemonster“. Eigentlich habe man die Bürokratie ja abschaffen wollen.

Beim Großen Sprung nach vorn springt Merz nach Klaus-Rüdiger Mai gar nicht, er hüpft rauf und runter –  eine Art Springteufel aus der Box. Die einzige Leistung der NichtRegierungsKoalition ist offensichtlich der Sprung als Hüpfer.

Erfurter Wochenende. Auf der linksextremen Plattform Indymedia wird aufgerufen, in Erfurt AfD und Polizei von Dächern aus mit Steinen und Zwillen anzugreifen. Die Antifa-Leute bitten, keine Flaschen zu werfen, das Scherbenmeer behinderte die  „Aktivisten“. Pflastersteine seien weitaus effektiver, schreibt die Terrorplattform. Die Bundesregierung fördert Organisationen, die gegen den AfD-Parteitag aufrufen, mit rund 300 Mio Euro. In Erfurt wird polizeilich mit bis zu 50.000 Gegendemonstranten gerechnet.

Schulfach Gesundheitskompetenz. Zur geplanten gesetzlichen Infarktvorsorge dringen Intensivmediziner auf Stärkung der Gesundheitskompetenz schon bei Grundschülern – als verpflichtendes Schulfach. Kinder sollten früh verstehen, welche Rolle Blutdruck, Blutfette, Bewegung, Ernährung und Rauchen für ihr späteres Herz-Kreislauf-Risiko spielen. Derzeit sei Gesundheitswissen noch stark vom sozialen Status und Bildungsniveau abhängig – das verstärke gesundheitliche Ungleichheit, anstatt sie zu reduzieren. Die konsequente Kontrolle klassischer Risikofaktoren wie Rauchen und Blutdruck könne das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und kardiovaskulären Tod um 30 bis 40 Prozent senken. – In der Schule fehlt es an allen Ecken und Enden an der Vermittlung von Kompetenzen fürs Leben, selbst kritisch beurteilen zu lernen, was einem Medien, Politik und NGOs vorsetzen.

SPD-Bundespräsident Steinmeier hat President Trump ein Glückwunschschreiben zum 250. US-Geburtstag geschickt mit Kritik und Mahnungen (Spiegel). Die Entwicklung zu einer Führungsmacht sei „nicht allein durch rohe Stärke, sondern durch Anziehungskraft“ gelungen. Die NATO, deren Beistandsversprechen Trump wiederholt infrage gestellt habe, verteidige „das 250-jährige Versprechen auf Freiheit, Recht und Selbstbestimmung“. Perfektion im politischen Alltag sei unmöglich, aber „auf die Richtung kommt es an“. Da würden sich in Deutschland und den USA viele fragen, ob die Richtung stimme. Die Antwort gebe „nie ein einzelner, sondern das Volk von Freien und Gleichen … So wollten es die Revolutionäre von 1776“. Die Menschen würden auf beiden Seiten des Atlantiks zu diesem besonderen Jubiläum „Freiheit, Recht und Demokratie“ feiern „und sie setzen auf ihre bleibende Kraft“. Noch als Außenminister nannte Steinmeier Trump 2016 einen „Hassprediger“. – Herr Steinmeier, vom „Volk von Freien und Gleichen“ wollen Sie in Deutschland nichts wissen.

NATO und America. Dazu sagte Trump aktuell: »U.S. 999 Milliarden Dollar, UK 90.5 Mrd. Dollar, Frankreich 66.5 Mrd., Italien 48.8 , Polen 44.3 Mrd. Andere, Deutschland eingeschlossen zahlen viel weniger. Lächerlich!«

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 40 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

40 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Medea
16 Tage her

Das Vorgehen der NichtRegierungsKoalitions- Bande erinnert doch verdammt an die Betriebsprüfung in einem Unternehmen, das enorm viel verbergen will (nicht: verbessern möchte):

1. Vergleichsweise Kleinteiliges mit viel ablenkendem Beschäftigungspotential und Nebelwirkung als „Köder“ für die Prüfer auslegen, hinter dem
2. die eigentlichen Schweinereien fortgesetzt verschleiert werden sollen.

Pfui Teufel!

Hält man uns wirklich für so dämlich?

Nibelung
16 Tage her

Was ursprünglich zur deutschen Merkel`schen Einheitskost verarbeitet wurde, trägt nun seine auflösenden Tendenzen, denn nun will jeder auf seine Art glänzen und dabei geht das ganze Gebilde unter, während die wahren Konservativen die Profiteure sind und das läßt sich auch nicht mehr umkehren, weil in der Summe zuviel angerichtet wurde und die Bürger die Betrügereien, Lügereien und rechtloses Handelns bemerkt haben und den vereinten Sozialisten kein Wort mehr glauben und daraus zieht die AFD ihre Kraft und ist eine einmalige Chance, zu belegen, daß es auch besser gehen kann, bevor wir in der Gosse landen.

Retlapsneklow
16 Tage her

Die USA geben zu viel fürs Militär aus. Dann knebeln sie die „Verbündeten“ mit schlechten Handelsbedingungen. So finanzieren wir ein Stück weit ihr Militär.

Unglaeubiger
16 Tage her

Also für mich ist das nicht einmal ein Hüpfer, Merz hat sein Bein lediglich so weit gehoben, dass er sich bei Volks „bepinkeln“ nicht selber nass macht!

Mausi
16 Tage her

NATO: Geldmittel stellen und Geldmittel sinnvoll verwenden, sind zweierlei. Selbst wenn D seine Ausgaben Trumpgemäß erhöhen würde, würde D Mittel und Wege finden, das Geld sinnlos zu verwenden.

BellaCiao
16 Tage her

Die „NichtRegierungKoalition“ (NRO) – passend zur NGO. Wobei die NGOs ja de-facto Regierungsorganisationen sind, weil vom Staat bezahlt.

Die NGOs werden also von der NRO gesteuert. Ein wohl sehr zutreffendes Bild. Wobei SPD und die Grünen im Wesentlichen die NGOs kontrollieren und über deren Programmatik und Personal bestimmen.
Die bevorzugte Sprachregelung sieht vor, statt von Nichtregierungsorganisationen besser von der »Zivilgesellschaft« zu reden. Denn das klingt so schön „bürger-nah“.

Last edited 16 Tage her by BellaCiao
Der Person
16 Tage her

Der „Große Sprung nach vorn“ war eine ganz klare Katastrophenankündigung: in jedem Hinterhof sollten die Bürger in selbstgebauten Öfen ihre Eisenmetalle -inklusiver ihrer landwirtschaftlichen Geräte- einschmelzen, um Englands Stahlproduktion zu überholen. Die Folgen: Millionen elendig verhungerter Chinesen und Riesenberge Metallschrott. Eine ähnlich dumme und menschenverachtende Politik ist eigentlich nur da zu finden, wo man funktionierende Kraftwerke durch exorbitant teuren Flatterstrom ersetzt. Es werden deswegen wohl keine Millionen Deutsche verhungern, aber definitiv dauerhaft ins Elend gestürzt. Merz hat das alles mit seinem „Programm für Aufschwung und Beschäftigung“ jetzt bestätigt und gefestigt. Es ist ihm also sehr wohl ein „Großer Sprung nach… Mehr

Kassandra
16 Tage her
Antworten an  Der Person

Dieser account, der hinsichtlich des von uns finanzierten Debakels in der Ukraine auf Seiten Selenskyjs informiert, bringt dieses Bild einer Schlange von Autofahrern in Russland, die zum Tanken im endlosen Stau stehen, da der Schauspieler und seine Truppen russische EnergieInfrastrukur zerstörten: https://x.com/visegrad24/status/2072870127494730140 Ganz und gar auslassend, dass wegen diesen Teils des „großen Sprungs“ uns allen im Westen solches blühen wird – und die Heizungen kalt und die Winter endlos und dunkel und mit wenig Nahrung überstanden werden wollen. Wenn überhaupt. . Noch anders: auch, wenn sie zerstört ist, die Infrastruktur in Russland, können sie dort auf Energieressourcen zurückgreifen – während… Mehr

Boudicca
16 Tage her

Ein Blick auf die Endabrechnung des Stromanbieters, des Öl- und Gaslieferanten oder der Heizungsabrechnung, verursacht wahrscheinlich mehr Herzinfarkte, als bislang bekannt ist. Zumindest bei denen, bei denen das Amt nicht bezahlt.

Thilo Braun
16 Tage her

Ich verstehe dieses Thema mit Infarktrisiko nicht. Für die Sozialversicherung, also GKV und Rentensystem ist es doch äußerst positiv, wenn möglichst viele Menschen maximal 50 Jahre alt werden. Dann haben sie eine ganze Weile gezahlt, kosten aber nach dem Ableben nichts mehr und machen vor allem keine Rentenansprüche geltend. Kein Staat hat ein Interesse an lange lebenden Menschen. Spätestens nach der Arbeitsphase sind wir alle für einen Staat überflüssig und kosten nur Geld. Klingt zynisch, aber denkt mal drüber nach im Lichte der kommenden „Reformen“.

Kassandra
16 Tage her
Antworten an  Thilo Braun

Ja. Wer früher stirbt ist länger tot und muss das Ende dessen, was Fritz bereit ist, nach bzw. mit Merkel herbei zu regieren, dann auch nicht mehr darbend erleben.

Retlapsneklow
16 Tage her
Antworten an  Thilo Braun

« Spätestens nach der Arbeitsphase… »

Spätestens? Also durchaus auch schon davor, wenn einer arbeitet und Steuern zahlt?? Kaum anzunehmen.

Da fragt man sich, wer diese grundmenschenfeindliche Denkweise wirklich hat. Der Staat oder sein Kritiker?

Ich wüsste sowieso nicht, warum ein feindlicher Staat gewählt würde, wenn die Wähler nicht selber so ticken.