Paukenschlag in Sachsen-Anhalt: CDU-Politiker spendet AfD und ruft zu deren Wahl auf

Ein CDU-Bürgermeister spendet 10.000 Euro an die AfD, ruft offen zu ihrer Wahl auf und fordert die Ablösung von Friedrich Merz. Die Brandmauer bekommt Risse – aus den eigenen Reihen. Ein Fiasko für Sven Schulze.

picture alliance / dts-Agentur | dts Nachrichtenagentur GmbH

Das gab es noch nie in der deutschen Parteienlandschaft. Bernd Prange ist CDU-Mitglied in Sachsen-Anhalt, Kreistagsabgeordneter in Stendal und Bürgermeister der Gemeinde Altmärkische Höhe im Landkreis Stendal. Er ist entsetzt über den Kurs seiner CDU, wie das derzeit viele sind. So entsetzt, dass er zur Wahl der AfD aufruft, dieser Partei gleichzeitig noch Geld spendet und sich damit offen gegen die offizielle Parteilinie stellt. Von einem Paukenschlag spricht die Volksstimme.

Fuhrunternehmer Prange sorgt damit für einen offenen Aufstand gegen die eigene Parteiführung. Er erklärte, dem AfD-Landesverband zweimal jeweils 5.000 Euro überwiesen zu haben. Die erste Spende hatte AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund bereits Ende Juli bei seinem Wahlkampfauftakt öffentlich gemacht, den Spender damals aber noch nicht genannt.

Ja, das ist kein Witz: Ein CDU-Kreistagsmitglied aus Sachsen-Anhalt hat 5.000 Euro für unseren Landtagswahlkampf gespendet.

Er möchte, dass wir unser wunderschönes Land vor dem links-grünen Kurs der CDU schützen, und drückt uns fest die… pic.twitter.com/VD66svFM5H

— Ulrich Siegmund (@UlrichSiegmund) July 19, 2026

Prange sorgt gleichzeitig dafür, dass dies nicht als einsame Entscheidung eines vom Wege Abgekommenen abgetan werden kann. Dies sei keine spontane Entscheidung gewesen, so Prange in einem offenen Brandbrief an die Vorsitzenden, den Landesvorstand und die Mitglieder der CDU Sachsen-Anhalt sowie an die Öffentlichkeit: „Es war ein bewusster, nach reiflicher Überlegung gefasster Schritt aus tiefer Sorge um unser Land.“

Prange wirft der CDU vor, konservative Grundsätze wie Leistung, Ordnung, Sicherheit und wirtschaftliche Vernunft preiszugeben. Stattdessen erlebe er eine Partei, die sich Schritt für Schritt nach links bewege, ihre Brandmauer zur AfD immer höher ziehe und gleichzeitig eine Zusammenarbeit mit linken und linksradikalen Kräften akzeptiere und sogar forciere. Er habe die berechtigte Sorge, dass Teile der CDU dieses Land und ihre eigene Partei an die Linken verrate und verkaufe: „Deshalb setze ich ein klares Stoppzeichen.“

Er wünscht sich, dass die AfD bei der Landtagswahl so stark wird, dass sie allein regieren kann. Nicht aus Trotz, sondern damit die CDU endlich aufwacht und damit die Brandmauer fällt. Er kündigt an, bei der Landtagswahl am 6. September selbst AfD zu wählen, hofft auf deren absolute Mehrheit und fordert die Ablösung von Friedrich Merz sowie das Ende der Brandmauer. Im Kreistag Stendal funktioniere die Zusammenarbeit mit der AfD bereits seit Jahren gut und konstruktiv. „Diese Zusammenarbeit beruht auf Gemeinsamkeiten und dem Willen zum Erhalt unserer Heimat – nicht auf ideologischer Feindschaft.“

Die CDU müsse sich entscheiden, ob sie weiterhin den Linkskurs weitergehen und ihre Wähler verraten und verlieren wolle – oder den Mut findet, die Brandmauer einzureißen, sich auf ihre alten Werte zu besinnen und wieder regierungsfähig zu werden. Denn: „Wer die Brandmauer zur AfD verteidigt, während er gleichzeitig nach links schielt, zerstört die CDU als bürgerliche Volkspartei.“

Man darf annehmen, dass Prange bewusst mit seiner CDU-Mitgliedschaft spielt. Das aktuelle CDU-Statut nennt die finanzielle Unterstützung einer anderen Partei „in nicht unerheblichem Umfang“ ausdrücklich parteischädigend. Ein Ausschlussverfahren dürfte daher kaum ausbleiben. Schon tobt der CDU-Generalsekretär in Sachsen-Anhalt, Mario Karschunke, und droht mit einem Ausschlussverfahren.

Das wiederum kann Merz kurz vor der Wahl wohl kaum riskieren. Der hatte zwar mal angedroht, am nächsten Tag ein Parteiausschlussverfahren einzuleiten, falls ein CDU-Mitglied mit der AfD zusammenarbeite. Darüber muss allerdings letztlich ein Parteigericht entscheiden. Das dauert.

Sachsen-Anhalts CDU-Spitzenkandidat Schulze hatte sich ebenfalls vehement gegen eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgesprochen und abgestritten, dass es in CDU-Reihen davon Abweichende geben könne.

Prange wurde erst 2023 erneut mit 100 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister der Gemeinde Altmärkische Höhe wiedergewählt.


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