Umweltschutz ist durch das Thema ›Klima‹ und seiner ›Rettung‹ außer Kontrolle geraten. Erst unterwarfen sich die Staaten, nun sind die Bürger dran. Was dabei aus dem Blick gerät, ist die Eigengesetzlichkeit der Natur ebenso wie jene des Marktes.
© Valery Hache/AFP/Getty Images)
Es geht gar nicht um „Klimaschutz“. Denn das Klima kann man nicht schützen. Man kann es auch nicht „retten“. Vielleicht kann man es ein klein wenig „beeinflussen“; das wird schwer, wenn überhaupt. Allerdings sicherlich nicht mit dem Verbot von Ölheizungen und dem Drehen an der Pendlerpauschale. Das Klima ist zunächst eine Gegebenheit, die sich in verschiedenen, miteinander interagierenden Zonen um den Erdball zieht, im übrigen eine im Verlauf der Erdgeschichte äußerst volatile und ungerechte Angelegenheit. Die Sahara war einst bekanntlich grün, die Römer profitierten von einer relativen Warmzeit. Die ›kleine Eiszeit‹ des 15. bis 19. Jahrhunderts hat vermutlich Not und Tod gebracht, den Dreißigjährigen Krieg und die Französische Revolution mit ausgelöst.
Der Westen graust sich vor seinem eigenen Wirtschaftsmodell
Das Argument lautet nun meist, dass wir Heutigen mehr Wissen, mehr Macht und folglich auch mehr Verantwortung für die Dinge haben. Diese Ansicht ist beliebt unter den Aufgeklärten, verkennt aber, dass menschliches Verhalten auch unter dem Einfluss der Aufklärung stets interessengeleitetes Handeln blieb. Wenn also die Brasilianer heute den Regenwald abholzen, um so Acker- und Plantagenland zu gewinnen, dann tun sie nur dasselbe wie die Menschen des Mittelalters, die die Wälder Europas rodeten, um selbst besser zu leben. (Präsident Jair Bolsonaro wies erst jüngst die in Biarritz tagenden G7 auf diese Parallele hin, als er in einem wirklichen Geistesblitz die Aufforstung Europas von ihnen forderte.)
Der Markt als ökologisches Regulativ
Daneben scheint auch von der revolutionären Aura des Klimastreiks eine Wirkung auf gewisse Gemüter auszugehen, die sich ohnehin vieles anders wünschen in dieser Gesellschaft und dabei auch gerne nach staatlichen Eingriffen rufen – in Verkennung der verhängnisvollen Rolle des Staates bei der Erhaltung wettbewerbsfähiger Strukturen, ob in der freien Wirtschaft oder staatlichen Haushalten. Der „Klimaschutz“ ist ja auch gesetzgeberisch ein Grund geworden, wieder einige Stellschrauben anzuziehen, ohne andere dabei zu lockern. Dem Bürger wird also erneut die Kontrolle über einen Teil seines Lebens entzogen. Dabei gibt es doch durchaus ein marktwirtschaftliches Modell zum Umgang mit knappen Gütern. Ja, man könnte sagen, die ganze Ökonomik handelt nur von diesem Thema.
Alle in der derzeitigen Diskussion gezogenen Schlüsse werden irgendwann zirkulär. Das einzig Sichere ist die Unsicherheit, die der Mensch stets zu vermeiden sucht. Vor allem in seinem Denken, und dafür braucht es eben Glaubenssysteme, entweder offene, die die Begrenztheit des menschlichen Handelns deutlich machen (Religionen, Kirchen und Kulte), oder versteckte, die in schlecht-aufklärerischer Tradition von einer Allmacht der globalen Gemeinschaft im Kampf mit den Naturgewalten ausgehen (Klima-, Umwelt- und Öko-Wahn). Doch dürfte sich die Natur in jeder Hinsicht als stärker herausstellen, als wir Menschen es glauben oder sind.




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