Trauer und Wut in Spanien nach dem schrecklichen Zugunglück bei Urda: In der Nacht auf heute zogen hunderte Demonstranten vor das Verkehrsministerium in Madrid und forderten den Rücktritt der Regierung. Die Kundgebung endete mit Polizeieinsätzen.
IMAGO / ZUMA Press Wire
Am Mittwochmorgen um 8.53 Uhr war am Mittwoch ein Zug der staatlichen Renfe in einen auf dem Gleis stehenden Zug des privaten Betreibers Iryo gerast: Der Unfall ereignete sich auf der viel befahrenen Strecke Madrid–Sevilla nahe der Ortschaft Urda in der Provinz Toledo, am Kilometerpunkt 118. Im Renfe-Zug 2080 waren 397 Passagiere, im Iryo-Zug 147 Personen. Mehrere Waggons des Iryo entgleisten und stürzten einen Bahndamm hinunter. Die Suche nach weiteren Opfern lief auch in der Nacht unter Flutlichteinsatz weiter. Drei Kräne sollten besonders schwer beschädigte Wagen anheben, um zu prüfen, ob sich darunter noch Menschen befanden. Der Regionalpräsident von Kastilien-La Mancha, Emiliano García-Page, bestätigte noch gestern die Zahl von 68 Toten – Videos auf X zeigen das Ausmaß der Katastrophe.
Zweite Zugkatastrophe in diesem Jahr
Das erschütternde Zugunglück bei Urda ist bereits das zweite Drama auf spanischen Hochgeschwindigkeitsstrecken innerhalb eines Jahres: Im Januar waren bei Adamuz in Córdoba 46 Menschen gestorben.
Am Abend zogen dann mehr als tausend Menschen vor das Verkehrsministerium an der Plaza San Juan de la Cruz. Organisiert hatten die Demonstration rechte Gruppen wie Revuelta. Die öffentlich-rechtlichen Medien bezeichneten sämtliche Demonstranten pauschal als Rechtsextreme.
Die Demo-Teilnehmer forderten den Rücktritt von Ministerpräsident Pedro Sánchez und von Puente und machten die sozialdemokratische Regierung für die Katastrophe verantwortlich. Auf Transparenten und in Sprechchören hieß es unter anderem „Óscar Puente, Minister des Todes“. Video-Clips auf den Social-Media-Plattformen zeigten teils maskierte Demonstranten. Nach Berichten von Cadena SER und El Confidencial warfen Demo-Teilnehmer auch Leuchtraketen und Gegenstände in Richtung der Polizei. Als sich Teilnehmer gegen die Absperrungen drängten, gingen die Polizeieinheiten gegen sie vor und setzten Tränengas sowie Gummigeschosse ein, um die Kundgebung aufzulösen.
Die spanische Regierung hat den Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen Madrid und Andalusien vorübergehend eingestellt. König Felipe VI. und Pedro Sánchez bekundeten den Angehörigen ihr Beileid. Sánchez erklärte vor Ort, es sei für Spanien „nicht hinnehmbar“, zwei derartige Unfälle in einem Jahr zu erleiden, und er kündigte an, die Ursachen vollständig aufzuklären. Felipe VI. sagte vor spanischen Medien: „Zunächst gilt es, nach diesem schrecklichen Unglück den Familien in diesem schweren und schwierigen Moment unser Beileid, unsere Trauer, unsere Unterstützung und unsere Zuneigung auszusprechen.“ Auch Königin Letizia ist erschüttert: In einer gemeinsamen Erklärung teilte das Königspaar mit, man sei „tief bewegt und besorgt“.



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