Palantir hat genug von der Ivy League. Statt woker Indoktrination und teuren Abschlüssen setzt der Tech-Konzern auf Talent, westliche Tradition und Wertschöpfung. Amerikas Elite-Unis droht der Verlust des Bildungsmonopols.
picture alliance / Sipa USA | Matthew Kaminsky
Vergiss die Schulden. Vergiss die Indoktrination. Hol dir den Palantir-Abschluss. Du musst nicht bis 2030 warten, um wirklich etwas zu bewirken. Der Hochschul-Industriekomplex will, dass du dich nach seinem Zeitplan richtest. Vier Jahre voller Pflichtkurse, Schulden und Indoktrination. Während dort über Diversity, Equity and Inclusion (DEI) oder den Scholastic Assessment Test (SAT) debattiert wird, konzentrieren wir uns nur auf eine Sache: etwas zu schaffen. Wir haben das Meritocracy Fellowship ins Leben gerufen, um außergewöhnliche Talente zu fördern, die zunehmend übersehen werden – unabhängig von ihrer Herkunft. Wir glauben an die Kraft und die Eigenverantwortung junger Amerikaner, unsere schwierigsten Probleme anzugehen. Nicht irgendwann, sondern jetzt. Wir glauben, dass diejenigen mit den größten Fähigkeiten Herausforderungen verdienen statt eines starren Lehrplans; Eigenständigkeit statt bloß eines Abschlusszeugnisses; und Verantwortung statt bloßer Beschäftigungstherapie. Wir glauben, dass individuelle Fähigkeiten, Talent und Leistung das Betriebssystem für die Umsetzung davon sind.
So steht es auf der Webseite des Meritocracy Fellowship von Palantir. Die Elite-Unternehmer der USA haben genug von indoktrinierten Fanatikern, die über immer bessere Zeugnisse mit immer fantasievolleren Titeln verfügen, aber ganz offenbar nicht das Wissen, die Fähigkeiten und das Verhalten mitbringen, die man in erfolgreichen Unternehmen braucht, wenn man ohne Subventionen erfolgreich sein will. Die Unternehmen mussten bisher Studienabgängern nach deren Abschluss für viel Geld das beibringen, was sie eigentlich an Hochschulen hätten lernen sollen. Und weiter müssen sie – und das ist der schwierigere, wenn nicht unmögliche Teil – versuchen, ihnen Hybris, Ideologien und all den gefährlichen Unsinn, der in den ehemaligen Elite-Unis in ihre jungen Köpfe gehämmert worden war, wieder aus diesen Köpfen herauszubekommen.
Da liegt es auf der Hand, wenn man die Ausbildung der jungen Studenten nach dem Studium, damit sie in der Lage sind, einen Mehrwert für das Unternehmen zu erzeugen, ohnehin bezahlen muss, nicht erst zu warten, bis sie Mitte zwanzig sind. Palantir will in fünf Wochen das aufbauen, was eigentlich eine Hochschule leisten sollte. Dabei gehe es auch darum, zentrale Institutionen des Westens in Wirtschaft und Staat zu „unterstützen, zu erhalten und wiederzubeleben“. Die jungen Teilnehmer sollen das Programm mit einer Wertschätzung für die Würde des Einzelnen, die individuelle Freiheit, die menschliche Handlungsfähigkeit und mit Liebe zu Amerika verlassen.
Auch wirtschaftlich stellt Palantir die bisherige Logik auf den Kopf. Während ein Studium laut dem vorliegenden Bericht inzwischen mehr als 100.000 Dollar jährlich kosten kann, verlangt Palantir kein Geld von seinen Fellows. Im Gegenteil: Sie bekommen monatlich 5.400 Dollar, unter anderem zur Deckung ihrer Wohnkosten. Einige verzichten für das Programm zunächst auf ein Studium, andere wollen anschließend doch noch an eine Universität gehen.
An Bewerbern mangelt es jedenfalls nicht. Für den vergangenen Jahrgang sollen sich fast 700 junge Menschen um lediglich 26 Plätze beworben haben. Nun will Palantir auf bis zu 50 Fellows aufstocken. Die nächste Bewerbungsrunde beginnt am 15. Oktober. Der 19-jährige Gabe Botton gehörte zum ersten Jahrgang und arbeitet inzwischen Vollzeit für Palantir. Botton zieht seine persönliche positive Bilanz. Statt vier Jahre zu studieren, Studiengebühren zu bezahlen und anschließend darauf zu hoffen, bei Palantir eingestellt zu werden, könne er jetzt schon dort arbeiten. Mit 22 Jahren, sagt er, hätte er lieber vier Jahre Palantir hinter sich als irgendeinen Universitätsabschluss. Das ist nichts anderes als eine Kampfansage an die Unis.
Der Abschluss verliert sein Monopol
Palantir-Chef Alex Karp glaubt offenbar nicht mehr daran, dass die Ivy League die Talente ausbilden kann, die sein Unternehmen braucht. Deswegen gibt er 18-Jährigen ohne Abschluss die Möglichkeit, an realen Projekten zu arbeiten und dazwischen etwas über politische Philosophie zu lernen. Der „Palantir-Abschluss“ steht damit für einen größeren Bruch. Unternehmer verlieren das Vertrauen in etablierte Bildungsinstitutionen und schaffen eigene Strukturen. Nicht Bildung ist am Ende, sondern das Bildungsmonopol der Universitäten. Denn jahrzehntelang beruhte die Macht der Eliteuniversitäten nicht allein darauf, was Studenten dort lernten. Ihr entscheidendes Kapital war das Zertifikat. Harvard, Yale, Princeton oder Stanford bescheinigten ihren Absolventen nicht nur Bildung, sondern signalisierten Arbeitgebern: Dieser Bewerber gehört zur Elite.
Ein anderer Absolvent des Programms, der 20-jährige Fellow Nick Hutfliz, betrachtet das Modell sogar als Rückkehr zu einer älteren amerikanischen Tradition. Leistung habe einst Vorrang vor formalen Abschlüssen gehabt. Als Beispiel nennt er George Washington, der keinen formalen Hochschulabschluss besaß. Palantir biete einen Weg zu eigenverantwortlichem und autodidaktischem Lernen und könne damit gerade dann attraktiv werden, wenn Unternehmen Menschen unabhängig von Alter oder Herkunft nach ihren tatsächlichen Fähigkeiten beurteilen. Die entscheidende Frage lautet damit: „Was kannst du?“
Und Palantir steht nicht allein. Das bereits 2011 gegründete Thiel Fellowship förderte junge Menschen mit Geld und Kontakten zu Investoren, war allerdings kein eigentliches Bildungsprogramm. Nun entsteht mit der Horowitz Andreessen Academy von a16z ein weiteres Modell. Ab Herbst 2027 sollen junge Leute direkt nach der Highschool für ein kostenloses einjähriges Fellowship nach San Francisco kommen. Sie sollen eigene Start-ups und Projekte entwickeln und unter anderem KI-Systeme, Vertrieb und Kapitalbeschaffung kennenlernen – unterrichtet von Gründern und Praktikern.
Noch interessanter ist die University of Austin, die 2024 ihren Betrieb aufgenommen hat und unter anderem von Palantir-Mitgründer Joe Lonsdale mitgegründet wurde. Sie ersetzt die Universität nicht, sondern versucht, eine andere Universität zu bauen. Vier Jahre Studium, große Werke der westlichen Tradition, Mathematik, Naturwissenschaften und Künstliche Intelligenz. Dort stehen Homer, die Bibel und die Federalist Papers neben Informatik und KI auf dem Lehrplan. Die Studenten sollen also nicht nur lernen, wie mächtige technische Werkzeuge gebaut werden, sondern auch darüber nachdenken, welchem Zweck sie dienen sollen.
Ausgerechnet jene Tech-Branche, der regelmäßig vorgeworfen wird, nur noch in Daten, Algorithmen und Renditen zu denken, entdeckt damit Aristoteles, Homer, Geschichte und politische Philosophie wieder. Das dürfte für Teile des etablierten Hochschulbetriebs, die sich all den Wogen der Pseudowissenschaften verschrieben haben, die unangenehmste Pointe sein.
Palantir will sein Modell ausdrücklich nicht für sich behalten. Durch den Wettbewerb sollen schließlich auch die Universitäten gezwungen werden, sich selbst zu reformieren. Institutionen würden durch Konkurrenz besser, und sind sie zu Reformen nicht in der Lage, könnten sie schneller überflüssig werden, als sie sich das selbst vorstellen können. Damit zeichnet sich eine Entwicklung ab, deren Folgen weit über Palantir hinausreichen könnten. Die großen Unternehmen warten nicht mehr unbedingt darauf, dass Universitäten genau jene Absolventen hervorbringen, die sie benötigen. Sie beginnen, eigene Ausbildungswege aufzubauen.
Die Universität verliert damit nicht ihre Existenzberechtigung, aber sie könnte ihr Monopol verlieren, jungen Menschen den gesellschaftlich anerkannten Eintritt in die Elite zu ermöglichen.
Palantir bietet eine radikal einfache Alternative an: keine vier Jahre Wartezeit, keine Studiengebühren, stattdessen Bezahlung, Aristoteles und echte Arbeit. Wenn dieses Modell Schule macht, müssen sich Amerikas Universitäten irgendwann einer Frage stellen, die sie bislang vor allem ihren Studenten gestellt haben: Was könnt ihr eigentlich – außer Abschlüsse vergeben?





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Welch eine fantastische Antwort auf die linkswoken Kaderschmieden, die sich allen Ernstes immer noch als Universitäten bezeichnen!
Eine Marktwirtschaft ohne Monopole könnte gut funktionieren.
Das Geld und Bodenmonopol bringt uns in jeden Krieg.
Weiß zwar nicht wie es in den USA so läuft, aber bei meinem Sohn, der hier in Deutschland ein naturwissenschftliches Universitätsstudium absolviert, steht weder DEI noch sonstiger links-ideologischer Nonsens auf dem Stundenplan.
Es gibt einen dritten Weg! Das jetzige Bildungssystem, das die Hochfinanz und ihre Geschäftsmodelle unterstützt, sollte durch etwas ersetzt werden, was NICHT von den High-Tech-Oligarchen bzw. der Hochfinanz abhängig ist.
Dazu gehören das Menschenbild und die Bildungsinhalte, die im Laufe der Jahrhunderte zum Streben nach Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz, nach Rechtsstaatlichkeit, nach Gewaltenteilung, Objektivität und Wissenschaftlichkeit, nach Wohlstand für alle, nach Demokratie, Freiheit und Frieden geführt haben – oft gegen den massiven Widerstand der Mächtigen und Entscheidungsträger.
Genial!
Selbst wenn man die linksgrüne, woke Indoktrination außer Acht ließe: Was lernen junge Leute heute noch an einer Uni? Wie man mit „Ch(e)atGPT“ wissenschaftliche Hausarbeiten in Auftrag gibt, die man selbst gar nicht mehr versteht, geschweige denn schreiben könnte? (Das ist zumindest das Ergebnis einer Studie an der Uni in St. Gallen, Schweiz.)
So und was ist daran nun innovativ bzw neu?
Man kopiert das humboldsche und DEUTSCHE Bildungssystem mit Berufsakademien…
Tja, ihr Tumben Deutschen… ihr habt DAS BESTE Beschulungssystem der Welt vernichtet für angelsächsischen DRECK!
Nun haben wir den Dreck und die nehmen unser altes System und lassen sich feiern… lächerlich!
In fünf Wochen schafft man doch kein Ing-Studium (normalerweise 5 sehr intensive Jahre). Offenbar geht es um ein Indoktrination-Programm – mit anderer Ideologie als die Woken, dennoch Ideologie.
Ja, das ist gewiss interessant. Wobei Hochschulbildung eben nur ein Teil davon ist. Das eigentlich Prägende dürfte häufig der unmittelbare Kontakt zu außergewöhnlichen Kommilitonen und Professoren sein, die zur Spitze ihres Fachgebiets gehören – etwas, das man an der deutschen Massenuniversität oft vergeblich sucht.
Hierzulande sind die Karrierewege häufig erstaunlich konventionell: Man studiert für eine sichere Laufbahn im Staatsdienst, etwa auf Lehramt, oder für einen klassischen Mangelberuf wie Medizin – sofern Abiturnote, Umwege oder die finanziellen Möglichkeiten der Familie es zulassen. Eigeninitiative, Unternehmertum und echter Pioniergeist spielen im deutschen Hochschulsystem dagegen eine bemerkenswert kleine Rolle.