Was ARD und ZDF ebenso wie große französische Medien bislang kleinzureden versuchen, ist das tatsächliche Ausmaß der Gewalt, die Frankreich in den vergangenen Tagen flächendeckend überzogen hat. Die Bilder und Aufnahmen sind erschütternd. Sie markieren einen Kristallisationspunkt einer Entwicklung, die weit über die aktuellen Ausschreitungen hinausweist.
IMAGO
Frankreich kennt die Straße als politische Institution: Maghrebbinische und afrikanische Einwanderer bzw. Franzosen mit dieser Migrationshistorie legen in immer kürzeren Abständen ganze Straßenzüge in Schutt und Asche, Bauern fahren mit Traktoren nach Paris, Gewerkschaften legen Züge still, Gelbwesten besetzen Kreisverkehre, Studenten errichten brennende Barrikaden. Protest gehört zur politischen Folklore der französischen Republik, wobei sie mit jedem Jahr weiter eskaliert. Was sich nun aber seit einigen Tagen über das ganze Land ausbreitet, hat jedoch eine völlig neue Qualität und Dynamik – und eine andere gesellschaftliche Zusammensetzung angenommen, die auch weiteren westeuropäischen Ländern mit einem ohrenbetäubenden Gong ein „Ich bin da“ verpassen.
— Queen Bee (@KingBobIIV) October 1, 2026
Begonnen hat es denkbar unspektakulär: Schüler protestierten gegen fehlende Lehrer, überfüllte Klassen und heruntergekommene Gebäude. Gymnasien wurden blockiert, der Unterricht fiel vielerorts aus, die üblichen Verbände meldeten sich zu Wort. Frankreich hätte daraus eine weitere jener Auseinandersetzungen machen können, bei denen am Ende ein Minister verspricht, dass er mal wieder genauer hinsehen will bliblablub, und die Demonstranten ihre Transparente wieder einrollen – bis zum nächsten Mal.
An immer mehr Orten tauchten vor den Schulen dann aber auch mehr und mehr vermummte Jugendliche auf, die dort gar nicht unterrichtet wurden. Marodierende johlende Gruppen mit klar erkennbarem migrantischem Hintergrund (Maghreb und Subsahara) wanderten von einem Gymnasium zum nächsten, Feuerwerksmörser wurden auf Lehrer und Polizisten geschossen, Müllcontainer angezündet, Tore aufgebrochen. Bald brannten zahlreiche Schulgebäude, Straßenbahnanlagen wurden zerstört, Feuerwehrleute angegriffen, Schüler und Lehrer verprügelt und mit einer richtigen Hetzjagd durch die Straßen verfolgt. Geschäfte wurden geschlossen und öffentliche Verkehrsmittel eingestellt. Die Schulen blieben dabei der Ausgangspunkt vieler Aktionen. Die Gewalt hatte sich aber längst ihren eigenen Weg durch die Städte gesucht.
Binnen zwei Tagen vervielfachte sich die Zahl der Festnahmen exponentiell. Aus den ersten Blockaden erwuchs schnell eine landesweite konkrete Sicherheitslage, die Dutzende Départements erfasste. Die französische Regierung fand dafür schließlich selbst einen anderen Begriff: „violences urbaines“. Urbane Gewalt.
Wie weit diese angespannte Sicherheitslage reicht, zeigte am Donnerstag eine Szene in Paris: Eine junge Polizeianwärterin hielt an, um ein heruntergefallenes Funkgerät aufzuheben. Eine Gruppe Jugendlicher setzte ihr nach, brachte sie zu Fall und schlug auf die am Boden liegende Frau ein. Auf den Aufnahmen ist schließlich zu hören: „Tötet sie!“ Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen gemeinschaftlicher Gewalt gegen eine Amtsträgerin.
Schon die Zahlen zeigen die Wucht der Eskalation. Am Mittwoch, dem 30. September, zählte das Innenministerium 625 Festnahmen und 83 verletzte Polizisten und Gendarmen; 119 Schüler und Mitarbeiter des Bildungswesens waren seit Beginn der Proteste verletzt worden. Einen Tag später meldeten die Behörden 1.949 Festnahmen, 305 verletzte Polizisten und Gendarmen sowie 1.027 betroffene Schulen, darunter 222 vollständig blockierte Einrichtungen. Im Bildungsbereich stieg die Zahl der Verletzten auf 235, darunter 160 Schüler und 65 Mitarbeiter.
Eine unheilige Melange
Mit den ursprünglichen Schülerprotesten hatte ein wachsender Teil dieser Gewalt da längst nur noch den Ort gemeinsam. An zahlreichen Einrichtungen tauchten Jugendliche anderer Schulen, schulfremde Gruppen, Vermummte und linksextreme Aktivisten auf. Bildungsminister Édouard Geffray berichtete am Freitag, viele der mittlerweile 40 verletzten Schulleiter hätten ihre Angreifer ausdrücklich nicht als Schüler der eigenen Einrichtungen identifiziert.
Auch die Regierung gab schließlich den beschönigenden Begriff der bloßen „Schülerproteste“ auf und sprach von „violences urbaines“, urbaner Gewalt. Innenminister Laurent Nuñez nannte die Ausschreitungen „entfesselte Gewalt“. Mehr als 400 Schulen blieben am Freitag geschlossen, rund um zahlreiche Einrichtungen verhängten die Präfekturen Versammlungsverbote; allein in Paris galten sie für 13 Gymnasien.
Der Blick in die französische Regionalpresse: Die Gewalt frisst sich durchs Land
In Dijon sprach bereits die Präfektur von „hostilen Gruppen“, die häufig aus schulfremden Personen bestanden und vielfach vermummt waren. Vor dem Lycée Hippolyte-Fontaine versuchten rund 150 Menschen, das Eingangstor aufzubrechen, Feuerwerksmörser wurden auf Mitarbeiter im Schulgelände geschossen, Teile der Fassade gerieten in Brand, ein Schüler wurde von einem Geschoss getroffen und musste ins Universitätsklinikum. Auch vor den Lycées Le Castel, Carnot und Eiffel kam es zu Angriffen. Mülltonnen brannten oder wurden auf Fahrbahnen geschoben. Ein Molotowcocktail flog auf die Straße, ein Polizist wurde verletzt, 14 Menschen wurden festgenommen.
In Toulouse dokumentierte La Dépêche du Midi am Lycée Stéphane-Hessel ausdrücklich „zahlreiche Jugendliche von außerhalb der Einrichtung“. Mehrere hundert Menschen standen am Morgen vor dem Gebäude. Mülltonnen brannten, Feuerwerksmörser flogen auch hier, später griff das Feuer auf den Eingangsbereich und die Pförtnerloge über. Lehrer und Schüler beschrieben schulfremde Jugendliche, die sich der Menge angeschlossen hatten. Als die Polizei eintraf, begannen nahezu unmittelbar die Auseinandersetzungen.
Am Lycée Ozenne wurde das Eingangstor gewaltsam aufgebrochen. Schulleiter Pierre Laurens erklärte, zahlreiche der beteiligten jungen Leute gehörten seiner Einschätzung nach weder zu seiner Schule noch überhaupt zu irgendeiner Schule. Am Lycée Roland-Garros griff ein Brand auf die Pförtnerloge über, die Einrichtung wurde geschlossen. Vor Bellevue standen Sicherheitskräfte ungefähr hundert Personen gegenüber, mehrere Schlägereien brachen aus. Im Bereich Barrière de Paris waren zeitweise 400 bis 500 Jugendliche unterwegs, Autofahrer wurden angegangen, Bus- und Straßenbahnverbindungen unterbrochen.
Vor Bellevue wurde ein Jugendlicher von einer schwarz gekleideten Gruppe verfolgt und zusammengeschlagen. Polizisten fanden ihn blutüberströmt und ohne Schuhe auf der Fahrbahn. Gleichzeitig brannten ein Motorroller und Müll, Feuerwerkskörper wurden gezündet, Tränengas eingesetzt. An weiteren Toulouser Schulen wurden Feuerwehrleute mit Projektilen und Mörsern angegriffen. Jugendliche hängten sich an ein Löschfahrzeug, mindestens ein Polizeiwagen wurde mit Feuerwerksmörsern beschossen. In der Haute-Garonne wurden mehr als zwölf Polizisten verletzt und mindestens 50 Menschen festgenommen.
Auch am Freitag war dort kein Ende in Sicht. In Cahors standen sich erneut Jugendliche und Polizei gegenüber, Feuerwerkskörper flogen, Mülltonnen brannten. Am Vortag hatten sich im Département Lot rund 600 Schüler in Cahors, Gourdon und Figeac beteiligt; fünf Personen waren festgenommen worden.
In Bordeaux und der Gironde mussten 18 Gymnasien schließen. Rund 6.000 Menschen beteiligten sich nach Angaben der Präfektur an Aktionen in Bordeaux, Lormont, Mérignac, Bègles, Libourne und Langon. Fast 500 Polizisten, Gendarmen und Feuerwehrleute waren eingesetzt. Pflastersteine, andere Projektile und Feuerwerksmörser flogen, Schulen wurden gewaltsam betreten, öffentliches und privates Eigentum beschädigt. Zwei Lehrerinnen wurden angegangen, fünf Polizisten und ein Feuerwehrmann verletzt, 29 Menschen festgenommen. Für den folgenden Tag mussten 28 beschädigte oder blockierte Schulen Fernunterricht organisieren.
In Perpignan wuchs die Demonstration auf ungefähr tausend Teilnehmer an. Dort wurden die Gymnasien François-Arago, Pablo-Picasso, Jean-Lurçat und Aristide-Maillol blockiert, später zog die Menschengruppe durch die Stadt. Auch hier: Abschuss von Feuerwerksmörsern, 14 Personen wurden wegen verschiedener Delikte festgenommen, darunter wegen Gewalt gegen Polizisten und vorsätzlicher Brandstiftung. Auffällig ist dort der politische Themenwechsel: Das lokale Portal Made in Perpignan beschreibt Jugendliche, die gar keine Schüler waren, Palästina-Parolen sowie französische, marokkanische und senegalesische Fahnen schwenkten. Mehrere Teilnehmer erklärten offen, ihre Mobilisierung reiche inzwischen weit über die Schulen hinaus.
Am Freitag erreichte die Gewalt auch Niort erneut. Rund 200 Schüler und andere junge Menschen blockierten eine Hauptstraße. Als die Polizei räumte, wurde sie mit Steinen und anderen Geschossen beworfen. Gewerkschaftsvertreter versuchten, die Jugendlichen davon abzuhalten. Anschließend verlagerte sich die Konfrontation zurück zum Lycée Paul-Guérin.
In Nantes brannte das moderne, erst 2014 eröffnete Lycée Nelson-Mandela. Was als Mülltonnenfeuer begann, griff auf Fassade, Dach, Klassenräume und Büros über. 62 Feuerwehrleute rückten mit 28 Fahrzeugen an und setzten fünf Löschrohre ein. Alle Schüler und Mitarbeiter konnten evakuiert werden. Die Feuerwehr verzeichnete an diesem Tag Brände an insgesamt 15 Einrichtungen im Département Loire-Atlantique.
Zeugen beschrieben Gruppen vermummter Jugendlicher, die nicht an der Schule eingeschrieben waren. Schüler berichteten später, 30 bis 50 Personen hätten Steine auf Scheiben geworfen, Feuerwerkskörper gezündet und seien aus verschiedenen Richtungen auf die Schule zugelaufen. Der Eingangsbereich wurde schwer zerstört, mindestens ein Internatszimmer brannte aus.
Wenige Kilometer weiter in Saint-Nazaire versammelten sich 400 bis 500 Jugendliche vor der Cité scolaire Aristide-Briand. Mülltonnen wurden in Brand gesetzt und gingen in Flammen auf, Einsatzkräfte wurden von dem Mob mit Gegenständen beworfen. Ein Augenzeuge berichtete Ouest-France, er habe Randalierer gesehen, die Feuerwehrleute verfolgten.
Schulen als Schlachtfelder
In Avrillé bei Angers drangen Vermummte in das Verwaltungsgebäude des Lycée Paul-Émile-Victor ein, schleppten Computer, Akten und Möbel hinaus und warfen Teile davon in ein Feuer. Auch Lehrer wurden verletzt. Aus einem vorgeschobenen Protest für mehr Mittel im Bildungswesen wurde dort ein willkommener Anlass, damit die eigene Bildungsinfrastruktur geplündert und anschließend verbrannt wurde. In Cholet detonierte ein Feuerwerksmörser unmittelbar neben dem Leiter des Lycée Europe Robert-Schuman. Sein Stellvertreter musste ärztlich behandelt werden; aus einem Ohr lief Blut. Auf einer Aufnahme ist Jubel aus der Menge zu hören, nachdem der Schulleiter getroffen worden war.
In Clermont-Ferrand traf ein Feuerwerksgeschoss den Leiter des Lycée Ambroise-Brugière am Kopf. Die Rektorin erklärte, die verantwortliche Gruppe habe aus Personen bestanden, die nicht zur Schule gehörten und vermummt gewesen seien. In Auchel im Pas-de-Calais wurde der Leiter des Lycée Fernand-Degrugillier von einem Geschoss am Kopf getroffen und musste ins Krankenhaus. Schon am Vormittag waren im Département 37 Personen festgenommen worden.
In der Normandie meldete die Präfektur Seine-Maritime rund 20 beschädigte Gymnasien, acht Verletzte und 28 Festnahmen allein am Donnerstag. In Rouen wurde der Leiter des Lycée Blaise-Pascal angegriffen und leicht verletzt. Dasselbe geschah mit dem Leiter des Lycée Elisa-Lemonnier in Petit-Quevilly. In Ingré bei Orléans wurde die Leiterin des Lycée Maurice-Genevoix nach Angaben der Staatsanwaltschaft bei einem gewalttätigen Angriff verletzt. Drei Schulleiter in drei verschiedenen Städten binnen weniger Stunden.
Vom Schulhof in die Innenstadt
In Straßburg verselbständigte sich die Gewalt endgültig außerhalb der Schulgebäude. Nahe dem Lycée Couffignal griff ein gelegtes Feuer auf die Gleisanlage der Straßenbahn über und ließ die Oberleitung schmelzen. Haltestellen wurden verwüstet, Scheiben eingeschlagen, Steuerungskästen beschädigt. Die Linien A und E waren dadurch noch Tage später beeinträchtigt.
Die Dernières Nouvelles d’Alsace beschrieben dort ausdrücklich Vermummte ohne schulpolitische Transparente, die nach den Schülern auftauchten und weiterzogen. In Mulhouse erhielten Händler die Aufforderung, ihre Geschäfte zu schließen; mehrere Schaufenster gingen dennoch zu Bruch. Vor Schulen wurden Polizisten mit Feuerwerksmörsern beschossen, Müll und Fahrräder angezündet. In Saint-Louis wurden sieben junge Menschen festgenommen, darunter vier Minderjährige. Die Zeitung überschrieb ihre Bilanz schließlich selbst mit den Worten, die Bewegung sei zur „städtischen Guerilla“ gekippt.
Die Präfektur des Haut-Rhin meldete auch aus Colmar und Guebwiller massive Würfe von Gegenständen und Feuerwerksmörsern auf die Sicherheitskräfte. In Saint-Avold in der Moselle standen zunächst ungefähr 150 Personen vor den Schulen, kurze Zeit später etwa 350. Vermummte Gruppen schossen Feuerwerksmörser, ein Polizeikommandant wurde getroffen und ins Krankenhaus gebracht. In der Moselle endete der Donnerstag mit 39 Festnahmen.
Auch in Nancy kamen vermummte Jugendliche zu den Blockaden hinzu. Feuerwerkskörper wurden abgeschossen, Müll sollte angezündet werden. In Jarny flogen Feuerwerksmörser und andere Gegenstände auf die Polizei, Verkehrsschilder wurden herausgerissen. In Longwy ließ die Polizei Marktstände vorsorglich abbauen.
Im Großraum Lyon geriet die Lage ebenso außer Kontrolle. Rund um Oullins-Pierre-Bénite tauchte eine Gruppe von ungefähr 60 Jugendlichen auf, teilweise mit Masken, Kapuzen und Handschuhen. An rund 30 Einrichtungen kam es zu Beschädigungen und Konfrontationen. Am Lycée Lumière griff ein Müllfeuer auf die Fassade über.
Die Region Auvergne-Rhône-Alpes beziffert die Schäden inzwischen auf 25 bis 30 Millionen Euro allein an ihren Schulen. In drei Tagen wurden nach Angaben der Region rund 380 Vorfälle registriert, 90 Einrichtungen waren betroffen. Für etwa 400 Vorgänge werden Anzeigen vorbereitet. Am Lycée Charles-Mérieux wurde eine stellvertretende Schulleiterin angegriffen und erhielt vier Tage Arbeitsunfähigkeit.
Am Freitag gingen die Auseinandersetzungen weiter. Vor dem Lycée Édouard-Herriot in Lyon brannten erneut Mülltonnen; nach Zusammenstößen bewegten sich Gruppen weiter in Richtung Foch. Bis zum Vormittag waren im Rhône bereits 28 Einrichtungen betroffen und 17 weitere Personen festgenommen worden.
Marseille: Benzin, Feuer, Angriffe
Die Provence liefert einige der schwersten Fälle. Nach Angaben der Region Sud waren schon zwischen dem 28. und 30. September 39 Gymnasien von Gewalt und Blockaden betroffen, darunter Schulen in Nice, Antibes, Les Arcs und Marseille. Am Lycée Victor-Hugo in Marseille wurde am Donnerstag die Eingangstür angezündet. Der Schulleiter, sein Stellvertreter, die Generalsekretärin und ein weiterer Verantwortlicher wurden angegriffen und mit Benzin bespritzt. Sie konnten sich unter Schutz von Polizei und Feuerwehr in das Gebäude retten.
Vor dem Lycée Saint-Exupéry wurde ein Löschfahrzeug angegriffen und ein kleineres Feuerwehrfahrzeug angezündet. Die Marseiller Feuerwehr zählte allein bis zum Vormittag mehr als 45 Einsätze wegen Bränden in der Umgebung von Schulen. Ein Feuerwehrmann wurde verletzt. Insgesamt registrierte die Präfektur in den Bouches-du-Rhône 40 betroffene Schulen, darunter 18 blockierte, mehr als 4.600 Teilnehmer und schließlich 84 Festnahmen.
Auch der öffentliche Verkehr wurde zum Ziel. Zahlreiche Busse wurden angegriffen, Fahrer mussten ihre Fahrzeuge verlassen, einer wurde attackiert. Die Verkehrsbetriebe änderten daraufhin Linienführungen. Bus-, Metro- und Straßenbahnverkehr wurden zeitweise unterbrochen. Ein Korrespondent des Fernsehsenders M6 wurde in Marseille am Kopf verletzt, seine Kamera zerstört. Der Sender kündigte Strafanzeige an.
In Martigues setzte die Polizei Tränengas ein, Feuerwehrleute löschten brennende Mülltonnen. Auch **Istres** meldete gewalttätige Zwischenfälle vor Schulen. Die örtlichen Behörden begannen nach eigenen Angaben damit, Beteiligte anhand von Aufnahmen zu identifizieren.
In Paris selbst blieb es ebenfalls nicht bei der Attacke auf die Polizeianwärterin. Ein städtischer Polizist erlitt Schnittverletzungen an Händen und Gesicht. Am Lycée Marcel-Deprez im 11. Arrondissement brannte ein großer Haufen aus Müll und Elektrofahrrädern unmittelbar an der Fassade. Im Lycée Henaff in Bagnolet wurde nach Berichten das Eingangsgitter mit einem Winkelschleifer geöffnet; Feuerwerksmörser wurden gezündet. In Poissy lieferten sich Jugendliche und Polizei vor dem Lycée Adrienne-Bolland Auseinandersetzungen mit Mörsern und Tränengas.
In Trappes brannten vor dem Lycée Henri-Matisse Müllcontainer, Feuerwerksmörser lösten anschließend einen Brand im Eingangsbereich aus. In den Yvelines registrierten die Behörden bis Freitag bereits 82 Festnahmen seit Beginn der Unruhen.
Selbst eine Kindertagesstätte in Savigny-sur-Orge musste wegen der Lage neben einem Gymnasium geräumt werden. In Essonne waren am Donnerstag 37 Einrichtungen betroffen, 25 Schulen blieben am Freitag aus Sicherheitsgründen geschlossen.
Damit ist auch die Behauptung erledigt, die Bewegung spiele sich ausschließlich an Gymnasien ab. Studentenverbände riefen zur Verbindung von Schüler- und Hochschulprotesten auf. Die Union étudiante meldete am Donnerstag mehr als 30 mobilisierte beziehungsweise blockierte Universitäten; France Universités sprach zurückhaltender von ungefähr zehn tatsächlich blockierten Standorten. In **Rennes** standen vor der juristischen Fakultät auf der einen Seite Polizisten, auf der anderen vermummte Jugendliche. Die Hochschule schloss und verlegte Veranstaltungen ins Internet.
Mélenchons LFI-Parteifreunde sind längst da
Aus dieser Lage entwickelte sich der politische Kampf um die Bewegung. Das Büro des französischen Premierministers erklärte nach einer Krisensitzung unter Berufung auf eine gemeinsame Einschätzung der Nachrichtendienste, hinter der Ausweitung stehe eine „von LFI und ihren Stellvertretern aus der Ultralinken organisierte Aktion“. LFI-Koordinator Manuel Bompard wies das als „Verschwörungsdenken“ zurück und bezeichnete die Bewegung als spontan entstandene Reaktion auf schlechte Bildungsbedingungen.
Eine zentrale Steuerung braucht es allerdings auch nicht, um das politische Interesse der Partei zu benennen. LFI-Abgeordnete tauchten sehr früh an den Blockaden auf. Clémence Guetté, Aymeric Caron und Louis Boyard unterstützten die Bewegung öffentlich. Boyard verbreitete regelmäßig Videos dazu über TikTok. Der LFI-Abgeordnete Hadrien Clouet erklärte gegenüber La Dépêche, die körperliche Anwesenheit seiner Partei schütze die Jugendlichen seiner Ansicht nach vor Polizeiangriffen. Auf die Frage nach einer möglichen politischen Vereinnahmung antwortete er offen, er würde sich freuen, wenn die streikenden Jugendlichen bei der Präsidentschaftswahl für LFI stimmten.
In Saint-Denis wurde Bürgermeister Bally Bagayoko zur sichtbarsten Figur dieser Strategie. Er stand zwischen Jugendlichen und Polizei, tanzte bei einer Blockade nahe einer brennenden Mülltonne und erklärte vor dem Lycée Paul-Éluard, Gewalt könne unter bestimmten Umständen legitim sein. Der Pariser Polizeipräfekt schaltete daraufhin wegen des Verdachts der Aufforderung zu einer Straftat die Justiz ein. Bagayoko nahm seine Aussage anschließend ausdrücklich nicht zurück.
In Saint-Denis ließ sich zugleich beobachten, wie weit die politische Themenpalette bereits geworden ist. Hunderte Schüler und Studenten zogen von Paris VIII durch die Stadt und riefen Parolen gegen Polizei und Armee.
Noch deutlicher wurde die Grenzverwischung in **Saint-Priest** bei Lyon. Das örtliche Medium *LyonMag* wertete einen Livestream der LFI-Kommunalpolitikerin Emilie Rekik-Kara aus. Darin kritisierte sie Lehrer, die Aufnahmen an die Polizei weitergaben, und berichtete über ihren Rat an Jugendliche, die „Ärger machten“: „Mets une cagoule, une capuche“ – zieht eine Sturmhaube oder Kapuze an. Sie erklärte gleichzeitig, die betreffenden Personen seien aus anderen Schulen gekommen.
Damit kommt die zweite, langfristig viel bedeutendere Entwicklung ins Bild: LFI trifft auf der Straße auf jene Bevölkerungsgruppen, die die Partei seit Jahren besonders intensiv anspricht.
Antiwestliche Muslime, das neue Wählerreservoir der extremen Linken
Bei der Präsidentschaftswahl 2022 stimmten nach einer IFOP-Untersuchung **69 Prozent der muslimischen Wähler für Jean-Luc Mélenchon. Fünf Jahre zuvor waren es 37 Prozent. Die der französischen Sozialdemokratie nahestehende Fondation Jean-Jaurès schrieb in ihrer Analyse des Mélenchon-Elektorats ausdrücklich, neben wirtschaftlichen und sozialen Faktoren habe ein „ethnokultureller“ Faktor eine wichtige Rolle gespielt.
Ein großer und stetig wachsender Teil der muslimischen Wählerschaft hat sich in den vergangenen Jahren massiv auf LFI konzentriert. Mélenchons linksextreme Partei macht Vorstädte, Polizeikritik, Diskriminierung und Palästina zu zentralen Mobilisierungsthemen. Die aktuelle Jugendbewegung führt mehrere dieser Themen inzwischen auf der Straße zusammen. Die französischen Regionalzeitungen haben diese Zusammenhänge inzwischen zur Genüge protokolliert.
Die wirtschaftliche Rechnung über die Verwüstungen der letzten Tage läuft ebenfalls langsam ein. Allein die Region Auvergne-Rhône-Alpes schätzt die Schäden an seinen Schulen auf bis zu 30 Millionen Euro und bereitet etwa 400 Strafanzeigen vor. Die Regierung fordert inzwischen, die zivilrechtliche Haftung von Eltern minderjähriger Täter heranzuziehen. Justizminister Gérald Darmanin verlangte von den Staatsanwälten eine entsprechend harte Linie. Es ist alles zahnlos.
Frankreichs Rechte spricht vom kommenden Chaos
Marine Le Pen machte Jean-Luc Mélenchon persönlich für die Eskalation mitverantwortlich. Indem er seine Abgeordneten vor die Schulen schicke, trage der LFI-Chef eine „schwere Verantwortung“ für die gegenwärtige Lage, erklärte sie. Auf dem Fernsehsender LCI sprach sie von „von Profis organisierten Ausschreitungen“, die offenbar von LFI-Abgeordneten begleitet würden. Politiker versuchten ihrer Ansicht nach, Schüler in Gewalttätigkeit hineinzuziehen. Ihre Antwort: eine neue Anti-Randalierer-Gesetzgebung, mit der Teilnehmer an Ausschreitungen selbst für angerichtete Schäden zahlen sollen.
Éric Zemmour wurde noch deutlicher und spricht mehr Bürgern bei der Bewertung der Ausschreitungen aus dem Herzen. Der Vorsitzende von Reconquête bezeichnete die Gewalttaten als „Generalprobe“ und „Vorgeschmack im kleinen Maßstab“ auf das heraufziehende Chaos, das Mélenchon Frankreich bereiten wird. Zemmour spricht von einer „Allianz der extremen Linken und der Randalierer“ und zieht historische Vergleiche zu revolutionären Bewegungen, die Gewalt für politische Zwecke instrumentalisierten.
Reconquête beließ es nicht bei Zemmours Erklärung: Die Partei startete eine Petition mit der Forderung nach sofortiger Aufhebung sämtlicher Blockaden, Strafverfolgung bei Gewalt und Sachbeschädigung, schulischen Sanktionen für beteiligte Schüler und verstärktem Schutz für Lehrer und anderes Schulpersonal. Die Europaabgeordnete Sarah Knafo erklärte, Jugendliche, die wie Erwachsene „zerstören, verbrennen und schlagen“, sollten auch wie Erwachsene verurteilt werden. Sie bezeichnete die gewalttätigen Gruppen als „bandes de sauvages“ (gewalttätige Horden) und forderte vor allem staatliche Härte.
Bruno Retailleau griff unterdessen nicht nur die Randalierer an, sondern stellte die Existenz von Melenchons Partei La France insoumise selbst zur Diskussion. Der LR-Präsidentschaftskandidat bezeichnete LFI als Partei, die von Gewalt fasziniert sei, zur Auflehnung aufrufe und versuche, einen Aufstand zu organisieren. Er erklärte öffentlich, prüfen lassen zu wollen, ob ein Verbot der Partei rechtlich möglich wäre. Zusätzlich verlangte er die Rückkehr eines Anti-Randalierer-Gesetzes und forderte, dass Täter die von ihnen angerichteten Schäden selbst bezahlen.
Auch Gabriel Attal wählte kaum sanftere Worte. Der Präsidentschaftskandidat von Renaissance warf Mélenchons Partei vor, Jugendliche als „politisches Kanonenfutter“ zu benutzen. LFI gehe es seiner Darstellung nach weniger darum, konkrete Missstände an Schulen zu beheben, als Konflikte zu verschärfen und junge Menschen in Auseinandersetzungen hineinzuziehen. Attal verlangte von Mélenchon und seinen Abgeordneten, damit aufzuhören, Jugendliche in Situationen zu bringen, in denen sie sich selbst, Polizisten oder Mitarbeiter der Schulen gefährdeten.
Édouard Philippe formulierte vorsichtiger, zielte jedoch in dieselbe Richtung. Der ehemalige Premierminister bezeichnete die politische Nutzung der Schülerproteste durch LFI als „zynisch“ und „skandalös“ und warnte davor, dass die Situation jederzeit weiter eskalieren könne. Im Zusammenhang mit jugendlicher Gewalt vertritt Philippe außerdem seit längerem die Forderung, Eltern minderjähriger Störer stärker finanziell in die Verantwortung zu nehmen.
An der Grenze zum Bürgerkrieg
Frankreichs Lage, ebenso wie die westeuropäischer Länder auch wie Deutschland und dem UK mit sehr hohem muslimischem Migrationsanteil im Schulterschluss mit der extremen Linken, schaukelt sich von mal zu mal weiter hoch. Ausschreitungen und Unruhen beschränken sich nicht mehr auf einzelne Viertel, einzelne Städte oder außergewöhnliche Anlässe. Die Schwelle zur massenhaften Gewaltexplosion sinkt zusehends, ihre Ausmaße und Ausbreitungen beschleunigen sich, und mit jedem neuen Ausbruch verfestigt sich der Eindruck, dass der Staat die gesellschaftliche Dynamik längst nicht mehr beherrscht.
Frankreich bewegt sich näher an eine Zone heran, in der gesellschaftliche Gruppen einander zunehmend als Gegner begreifen und staatliche Autorität nicht mehr als gemeinsame Ordnung anerkannt wird. Die Gewalt wird nicht nur brutaler, sondern selbstverständlicher. Mit jeder neuen erstarkenden und breiter mobilisierten Masse an gewaltbereiten Gegengesellschaftsvertretern wächst der Ausbruch eines Bürgerkriegs.
Auf der anderen Seite kippt deshalb ebenfalls die bisherige Beschwichtigungsroutine. Rufe nach Remigration werden immer lauter, besonders gut vernehmbar in den sozialen Medien, aber auch in persönlichen Gesprächen. Es ist ein natürlicher Reflex auf die Wahrnehmung, dass sich ein wachsender Teil der Gesellschaft immer weiter von diesem Staat und seiner Mehrheitsgesellschaft entfernt und Konflikte zunehmend mit offener Gewalt austrägt.
Wenn sich diese Dynamik weiter hochschaukelt, geht es irgendwann nicht mehr darum, den nächsten Aufruhr zu beenden. Dann geht es darum, ob noch genug gemeinsamer gesellschaftlicher Boden vorhanden ist, auf dem diese Länder zusammenbleiben können.


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„Wir“ haben sie gerufen, nun sind sie da und wollen ihre Lebensart durchsetzen.
Gibt es irgendeinen (vorgeblichen) Grund für diese Gewaltorgien ?
Oder ist es : „Ich bin mal gegen Alles und weiss nicht wohin mit meiner Kraft (Wut)“
Man rüstet sich lieber, um Russland in die Knie zu zwingen und einen großen Krieg heraufzubeschwören, ist aber nicht in der Lage, im eigenen Land für Ruhe, Ordnung und Sicherheit zu sorgen. Das ist in Frankreich so und in Deutschland nicht viel besser. Total verkommen, diese sogenannten westlichen Werte.
Melenchon und seine hasserfüllte LFI, haben schon früh einen „ heißen“ Sommer angekündigt! Meiner Meinung nach, wurde von „ irgendwem“ ( die Imame in den Moscheen? ) Ruhe bis nach dem Papstbesuch angeordnet, um dann umso heftiger zuzuschlagen. Der kleine König von Versailles unternimmt nichts und schaut zu! Die französische Bevölkerung verzweifelt, ihr Land wird in Schutt und Asche gelegt, nach und nach! Macron täte gut daran, das MILITÄR auf diese marodierenden Banden loszulassen. Der Schülerprotest ist nur Staffage. La France geht bitteren Zeiten entgegen, wenn nicht endlich „ eine starke Regierung“ das Ruder wieder übernimmt. Melenchon ist ein abstoßend… Mehr
Die Einschläge des Heiligen Krieges kommen immer näher. Wird nicht robust und drakonisch vorgegangen, wird Europa brennen. Und wieder wird die Regierung schlafend überrascht; wie in Berlin. Diese komatöse Regierung ist nur noch eine Schande für unser Land. Wann tritt die Heulsuse endlich zurück, wann kommen endlich Neuwahlen, damit der linksextreme, islamische Spuck endlich beendet werden kann. Wenn erst einmal 3 Millionen der sofort Abzuschiebenden raus aus unserem Land sind, wird sich unser Land sehr schnell wieder stabilisieren. Die zurzeit grassierende, geduldete Kriminalität, muss beseitigt werden. Dafür brauchen wir eine Spezialeinheiten, ohne Moslems, ohne Clanmitglieder mit klaren Berechtigungen, auch extrem… Mehr
Seltsamerweise ist auf dem Titelbild nicht ein echter Franzose zu sehen. Schon „sehr produktiv“ was sich Europa da auf den Kontinent holt. Lässt man den Mob machen haben wir das in Zukunft bei jeder Kleinigkeit, die diesen Leuten nicht passt. Und warum sollten die bei Sachschäden, die sie selber niemals ersetzten werden, haltmachen? Der Staat sorgt auch nicht für Ordnung. Da erwartet uns eine extrem „freudlose“ Zukunft. Noch grienen die Täter. Die werden sich allerdings ebenfalls noch umkucken wenn sie wieder im selbst fabrizierten Shithole angekommen sind. Sorry das ist echt dämlich was die da machen. Die sägen sich den… Mehr
Wer nicht abstrakt denken kann und nicht sehen will wie eine eigentliche minimale überhaupt nicht wirklich im Westen integrierte Gruppe an den Schaltstellen der Macht und des Geldes diese Zustände bewusst und mit der Brechstange über Jahrzehnte erzwungen hat, hat dann später eben ein konkretes Problem mit einer riesigen Gruppe von Werkzeugen dieser Mini Gruppe.
Wehret den Anfängen und kenne deinen Freind wären bessere Strategien gewesen.
Der Bürgerkrieg wird in allen überfremdeten europäischen Ländern kommen. Was keiner auf dem Schirm hat sind die Millionen Europäer in den Amerikas und sonstwo auf der Welt von denen viele helfen werden Europa vor dem Untergang zu bewahren und den Globalfaschismus zu zerstören.
Es ist das letzte Aufbäumen der Linkspolitik in den wichtigsten Ländern Europas. Deutshland , England, Frankreich, Italien, Skandinavien traditionell konservativ, Griechenland, Polen, Ungarn pp. Über die bekannten Ursachen muss ich nicht schreiben. Ich meine, die politische Transformation hat begonnen. Wie zeitlich lange es dauert, wie es ausgeht ? Ich kann nicht annähernd eine Prognose abgeben.
Nicht umsonst hat Prof. David Betz, King`s College London, in seinem vielbeachteten Aufsatz „When civil war comes to the West“ Frankreich auf Platz 1 der europäischen Staaten gesetzt, weil hier die messbaren Parameter für den täglichen kleinen Bürgerkrieg alle auf Rot stehen. Dass die Linke solche Entwicklungen frenetisch feiert und befeuert, liegt im anarchischen Charakterzug der Linken.
Bagdad, Kabul, Beirut – Welcome!
Wer den Islam in unsere Länder holt und wer dann noch meint der Islam gehört zu unseren westlichen Gesellschaften, der macht sich an solchen Verbrechen mitschuldig und sollte wegen Anstiftung zum Terror angeklagt werden.
Bei uns gibt es sie auch, die Nafris auf ihren E-Scootern, die durch die Fußgängerzonen rasen.
Ich kann sie nicht mehr sehen, ich ertrage ihr Äußeres nicht mehr.
Ihre Visagen rufen bei mir nur noch Abscheu hervor.
Ich empfinde nur noch Wut und habe die Faust angesichts dieser Typen, die wir pampern und die uns verachten, in der Tasche geballt.