Frankreichs Anleihendebakel: Wohlverdient und überfällig

Der Anleihenmarkt verliert das Vertrauen in die französischen Staatsfinanzen. Die Zinsdifferenz zu deutschen Anleihen öffnet sich weiter, wiederholte Migrantenkrawalle erschüttern das Land: Frankreich ist nicht mehr ohne schwere Konflikte reformierbar. Für die EU bedeutet dies nichts Gutes.

IMAGO / Anadolu Agency

Eine neue europäische Staatsschuldenkrise liegt in der Luft. Frankreichs Staatsanleihen wurden auch in dieser Woche abverkauft, zeitweise panikartig. Wie extrem der Abverkaufsdruck dieser Papiere tatsächlich ist, zeigt der sich rasch öffnende Zinsabstand zum deutschen Pendant. Die zehnjährigen deutschen Papiere notierten in dieser Woche relativ stabil bei einer Rendite von 3,6 Prozent und zeigten zuletzt eine leicht negative Tendenz. Die EZB hat hier wohl bei 3,6 Prozent den Deckel gesetzt und massiv interveniert, um nicht den Eindruck entstehen zu lassen, dass der Euro-Schuldenclub vor dem unmittelbaren Kollaps stehen könnte. Noch immer gilt die vergleichsweise niedrig verschuldete Bundesrepublik als entscheidender Kreditanker, an dem sich die Bonität des gesamten Euro-Konstrukts orientiert.

Die EZB und ihr Rettungsköfferchen
Am Vorabend der nächsten Schuldenkrise
Währenddessen näherten sich französische Staatsanleihen gefährlich nah der 5-Prozent-Marke – dem höchsten Wert seit 2012. Seinerzeit tobte die Euro-Schuldenkrise. Und wie damals erreichte der Zinsspread zwischen den deutschen und französischen Anleihen jetzt die Marke von 120 Basispunkten. Die Entkopplung vom Kreditanker Deutschland droht: Es ist tatsächlich akute Gefahr im Verzug, sollte dies geschehen. Wenn dem so ist, wird aus der Gefahr schnell eine flammende Krise mit einem massiven Abverkauf europäischer Staatsanleihen. Droht nun das Schuldengebirge der Franzosen ins Rutschen zu geraten?

Die nicht ganz so grande Nation zahlt damit für ihre Staatsschulden mehr als das damalige Sorgenkind Griechenland. Und auch der Zinsvorteil gegenüber Italien schmilzt in Rekordzeit zusammen. Fressen sich die höheren Zinsen im Zeitverlauf durch den Refinanzierungsprozess der auf 120 Prozent des BIP angewachsenen Schulden Frankreichs durch, wird es schnell teuer für das Land. Derzeit verspeist der Schuldendienst 2,5 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Leistung.

Außer Kontrolle
Frankreichs Haushaltsdefizit schockt selbst die Pessimisten
Dabei verdeckt die Debatte über die um fünf Prozent, im nächsten Jahr wahrscheinlich um 6,5 Prozent anwachsenden Staatsschulden die generelle Schuldenlage des Landes. Auch der private Sektor, Haushalte und Unternehmen, ist mit 204 Prozent gemessen am BIP fast doppelt so hoch verschuldet wie der deutsche Gegenpart. In der Schweiz liegt die Staatsverschuldung beispielsweise bei etwa 44 Prozent, während der private Sektor mit 155 Prozent verschuldet ist. Frankreich hat sich von den wichtigen Benchmarks, den Fixpunkten für Stabilität am Anleihenmarkt, entkoppelt.

EZB erhöht Leitzinsen
Inflation: Zentralbank verteuert Kredit in schwachem Wirtschaftsumfeld
Frankreichs Schuldenproblem weist auf eine generelle Problematik des Fiat-Geldes hin. Ganz gleich, was Paris entscheidet: Stets steht im Notfalle der Gelddrucker der EZB bereit. So entstehen jene Kreditblasen, die nun zu kollabieren drohen und eine fatale Machbarkeitsillusion in politischen Kreisen speisten. Vor allen Dingen in Frankreich glaubte man, die ungezügelte Migration aus den ehemaligen islamischen Kolonialgebieten mit einem immer weiter expandierenden Wohlfahrtssystem stemmen zu können, das nur noch vom hochsubventionierten Luxusrentensystem übertroffen wird. Frankreich hat sich mit dem Fiat-Gelddrucker in eine Wohlfahrtsillusion manövriert, die in dem Moment kollabieren wird, da niemand mehr die Bereitschaft zeigt, das Schuldenschema zu finanzieren. Und im Frankfurter EZB-Tower wissen sie genau, dass das Vertrauen an den Märkten gerade in Rekordzeit schwindet.

Für den Ernstfall hält die EZB mehrere Instrumente bereit: Mit den OMT (Outright Monetary Transactions) könnte sie unter strengen Auflagen Staatsanleihen kaufen, während das TPI (Transmission Protection Instrument) gegen, wie es immer so schön heißt, ungerechtfertigte und ungeordnete Marktverwerfungen innerhalb der Eurozone gerichtet ist.

Ungeordnet, ungerechtfertigt – das sind mediale Euphemismen, um die ungezügelte Schuldenmacherei der Fiskalpolitiker notdürftig zu überdecken. Zudem sollen die Notfallinstrumente an Bedingungen gebunden sein – eine Farce. Und ergänzend kommt noch hinzu, dass die Repo-Fazilität EUREP massiv expandiert wurde. Sie ermöglicht außereuropäischen Zentralbanken besicherte Euro-Kredite von bis zu 50 Milliarden Euro je Institut. Den Rettungsschirm haben Sie also bereits aufgespannt – alles steht bereit für die nächste Schuldenkrise.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die EZB mit Anleihekäufen interveniert, Zinskurvenkontrolle festsetzt und mit finanzieller Repression das Kapital der EU-Bürger im Euroraum bindet. Christine Lagarde und ihr EZB-Direktorium spüren den auffrischenden Sturm. Denn Frankreich ist zu einem unreformierbaren Gebilde mutiert – der Konflikt mit den rasch anwachsenden radikalisierten islamischen Milieus macht deutlich, dass, trotz immer wiederkehrender Konsolidierungsbemühungen, das Wohlfahrtssystem nicht um ein Jota verändert werden kann, ohne dass große Teile der urbanen Zentren in Flammen aufgehen. Das macht den Einsatz der EZB zwingend notwendig.

Ein Großeinsatz der geldpolitischen Feuerwehr steht wohl bald an. Formale Kriterien wie Haushaltskürzungen, um die Hilfe freizuschalten, sind bloß mediale Ablenkung von der Tatsache, dass ein Geld- und Kredit-Tsunami auf die Europäer zurollt, der massive Inflationsschübe auslösen wird. Hard Assets sind jetzt gefragt!

Frankreichs barbarisierte Straßen machen eines klar: Der Weg durch diese Krise ist vorgezeichnet. Er wird durch die Monetarisierung der Staatsschulden, über dornige Pfade finanzieller Repression und schließlich zu Kapitalkontrollen führen. Es bleibt keine politische Möglichkeit: Die importierte islamische Gewalt wird sicherstellen, dass der Reformdruck letztlich auf die Geldpolitik übertragen wird. Fiat-Kredit ist die naheliegende Lösung für eine intellektuell überforderte und ideologisch heruntergebrochene politische Elite.

Die kommende Krise wird eine Lehre bereithalten: Künstlicher Kredit zur Finanzierung eines neuen Sozialismus, einer neuen grünen Staatswirtschaft und eines immer weiter expandierenden Wohlfahrtsstaats schafft keine Werte. Er stiftet lediglich soziales Chaos, zerstört die Ersparnisse des privaten Sektors und damit die produktive Basis der Gesellschaft. Und ohne wachsenden Wohlfahrts-Kitt lassen sich auch die Widersprüche von Migration und Zentralplanung nicht länger übermalen.

Europa stehen sehr schwere Zeiten bevor.

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Kommentare ( 43 )

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43 Comments
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Emanreztuneb
8 Tage her

Moment mal! Ich dachte die Staatsschuldenkrise wurde 2011 gelöst und der Euro erfolgreich gerettet!?! Ihr wollt mir jetzt erzählen, dass das Problem von zuviel Schulden nicht durch 10 Jahre negative Zinsen und noch mehr Schulden endgültig gelöst wurde?!? Am Ende erzählt ihr mir noch, dass Demokratie der gleiche Rotz wie Kommunismus ist…

Ceterum censeo Berolinem esse delendam
9 Tage her

Ich bin seit vielen Jahren nicht mehr im Euroraum investiert. Die USA sind mir auch unheimlich geworden. Dort wird zwar wirtschaftlich vieles richtig gemacht, aber die US-Staatsverschuldung hat auch beängstigende Ausmaße angenommen. Mittlerweile bin ich nur noch in Südkorea und zu einem kleineren Teil in der Schweiz investiert. Der Euro wird über kurz oder lang crashen, sobald den Anlegern das Risiko hier zu hoch wird und die Anleihen nicht mehr genug Käufer finden werden. In die Schweiz und Südkorea habe ich Vertrauen. Und für den Notfall sind im Garten Goldmünzen und -barren vergraben, mit denen ich auch im Crash noch… Mehr

Elmar
9 Tage her

Deutschland steht nicht wirklich besser da. In Deutschland sitzen die haftungswiligsten Deppen von allen. Deshalb auch die Vorzugsbehandlungen durch die Ratingagenturen und die EZB.

Wilhelm Roepke
9 Tage her

Es hat auch sein Gutes: durch Insolvenzen und Stellenabbau im öffentlichen Dienst kann man das Land ganz schnell wie Argentinien gesunden lassen.

bfwied
9 Tage her

Aber das weiß man doch schon seit 15 Jahren!! Es hat sich nichts geändert und es wird sich nichts ändern können, weil, wie man sieht, die alimentierte Gruppe zu maximaler sinnloser Gewalt bereit ist, während die sogenannte Elite fortwährend weiter Louis IX. spielen will. Der Diskussionsfaden ist schon lange abgerissen, aber ohne ihn gibt es keine sinnvollen friedlichen Änderungen. Also geht es nur mit Gewalt, und irgendwann eines nicht mehr allzu fernen Tages haben alle die Nase voll von den Zuständen mit dem Damoklesschwert der latent vorhandenen Gewalt, die sich immer wieder freie Bahn schafft, und dann versinkt das Land,… Mehr

Jens Frisch
9 Tage her

Yannis Varoufakis sagte seinerzeit:
„Der Euro ist wie Versailles, nur ohne Krieg.“
Mal schauen, ob wir aus der Nummer wieder rauskommen!

Peter Gramm
9 Tage her

Egal ob diese Programme TPI oder OMT oder pippi-irgendwas genannt werden. Es geht um Schulden und noch mehr Schulden. Genau diese Schulden erfordern Zinsen und noch mehr Zinsen die der Steuerzahler schultern muß. Man frage mal den Herrn Prof. Dr. Flassbeck…“Einer muß Schulden machen. Dies erfordert das System). Was er meiner Meinung nach übersehen hat ist das Wörtchen „können“. Als wohlversorgter Professor hat er dies wohl übersehen. Kann ja mal vorkommen. Viele Ansätze in den Geisteswissenschaften ( Ökonomie ist eine solche) gründen auf Theorien. Die Realität lehrt uns regelmäßig das Gegenteil. Viele Ansätze im Berfeich der VWL sind eben theoretische… Mehr

Alter Thueringer
9 Tage her

Und das unter diesem SUPER-Politnik Macron? Habch da was verpasst?

palimpalim2020
9 Tage her

Weit über 100% Staatsverschuldung, über 20% Staatsangestellte, massenweise Rentner unter 60 Jahren, viele „Akademiker“ für irgendein Gaga. Es kommt wie es kommen muß.

Konradin
9 Tage her

Soeben hat der Zinssatz für französische Staatsanleihen die 5% übersprungen. Letzten Endes sind es drei übergreifende politische Entscheidungen, die die finanzielle Stabilität des Staates, das Wohlstandsversprechen gegenüber den Bürgern, die industrielle Wettbewerbsfähigkeit, den sozialen Frieden und die innere Sicherheit für uns Deutsche massiv in Gefahr brachten und in den kommenden Jahren noch vielmehr in Gefahr bringen werden: Die rein politisch motivierte, jedoch ökonomisch fatale Einführung der künstlichen Wohlstandsvernichtungswährung „Euro“ verbunden mit der gezielten Ignoranz der Geschäftsgrundlagen des Euro, die sog. „Maastrichter Kriterien“, die Akzeptanz der (vertraglich verbotenen – so dachte man zumindest) Staatsfinanzierung durch die EZB-Zentralbank sowie einem Staatsschuldenhaftungs-Regime (ESM,… Mehr

bfwied
9 Tage her
Antworten an  Konradin

Um dem entgegentreten zu können, sollte D. nach 81 Jahren Schuldkultur endlich von der gebückten Haltung aufstehen und so normal werden wie alle anderen auch. Alle Völker haben irgendwann verrückte Schuld auf sich geladen, Mao bis über 100 Mio. eigene Leute umgebracht, Pol Pot 6 Mio. Stalin ca. 20 Mio., die Kolonialmächte haben Kriege gegen die Kolonien geführt, auch das gehört zur Schuld. Nicht missverstehen: Das ist Schuld, D. hat Schuld, auch die anderen tragen Schuld, so ist leider der Mensch. Das muss man besser machen, aber man darf sich nicht aufgeben und quasi in Knechtschaft versinken. Wenn Frankreich in… Mehr

Thomas
9 Tage her
Antworten an  bfwied

Mit dem Ende der BRD und deren Institutionen und Parteien, der zunehmenden Bedeutungslosigkeit von „moralischen Vorbildern“ wie Kerkeling und dem Ende des Ukraine Krieges ist die Nachkriegszeit endgültig vorbei.
Damit endet auch der Schuldkult.
Man kann den Nachgeborenen, deren Grosseltern oft bereits nach dem Krieg geboren wurden, das jetzt schon immer weniger vermitteln.

Last edited 9 Tage her by Thomas