Milliardengrab grüner Stahl: Auf der Suche nach dem Öko-Wirtschaftswunder

Die Welt sperrt sich gegen grünen Subventionsstahl aus Deutschland. Einziger Ausweg aus dem Dilemma sind weitere Milliardensubventionen – darin sind sich Politik und staatsnahe Medien einig.

IMAGO / Chris Emil Janßen
Wasserstoff-basierte grüne Stahlproduktion - Franziska Brantner

Subventionen sind der verzweifelte Versuch des Staates, die etablierte Ordnung der Ressourcenwelt mit der politischen Brechstange zu beugen und eine neue Verteilung der Erträge zu erzwingen. Werden Staatshilfen zur Regel, wächst der Interventionismus. Dieser bildet dann das Fundament, auf dem letztlich eine Staatswirtschaft entsteht. In ein solches präsozialistisches Stadium sind Deutschland und die von seinem Geist infizierte Europäische Union zweifelsohne eingetreten.

Untrüglicher Beleg dafür: Volle Kassen in den Reihen der grünen Günstlingswirtschaft werden mit wachsenden Schäden in der Realwirtschaft, steigender Arbeitslosigkeit, Insolvenzrekorden und dem Abriss der deutschen Industrie erkauft.

Allerdings lässt sich die Realität nur so lange manipulieren, bis entweder die Kreditmittel versiegen oder der Bürger angesichts der wachsenden Günstlingsökonomie die Geduld verliert und den politischen Stecker zieht. Noch zeigt sich der Wähler gnädig und lässt das grünsozialistische Herz, den Green Deal, weiterpumpen. Allerdings leidet dieser Umverteilungsmechanismus ohne Zweifel an Kammerflimmern, wie das Beispiel des grünen Stahls belegt.

Medialer Flankenschutz ist nötig, um die Schäden des grünen Spuks zu überdecken. Am Montag leistete das Handelsblatt einmal mehr seinen Beitrag zur grünen Märchenerzählung und fragte, wie der mit Milliarden subventionierte grüne Stahl endlich auf die Beine kommen könne. Klar, man könnte die Klimaregulierung fallen lassen und den Betrieben im Wettbewerb das Problem der Ressourceneffizienz überlassen. Aber die Deutschen, vor allem ihre Medien, wissen es besser: Staatsknete muss her, Importzölle müssen die Konkurrenz aus dem Weg räumen, dazu Industriestrompreise – und nur dann kommt es zum grünen Wirtschaftswunder. Dass diese Politik die reale Wirtschaft ausblutet und den Steuerzahler niederwalzt, spielt keine Rolle mehr: Die Weltrettung steht gerade auf der Kippe.

Wenn Grüne Träume platzen

Währenddessen prallt der grüne Traum immer wieder gegen die Stahlwand der Realität. Da wäre beispielsweise der Stopp des klimaneutralen Umbaus der Stahlproduktion bei ArcelorMittal: 1,3 Milliarden Euro. Der Konzern beendete das Vorhaben in seinen Werken in Bremen und Eisenhüttenstadt im Sommer 2025 und verzichtete auf die bereits zugesagte Subvention in Höhe von rund 2,5 Milliarden Euro. Als Ursachen führte das Management die vertrackte Marktlage, sowie die fehlende Wirtschaftlichkeit CO2-reduzierten Stahls an. Selbst das Handelsblatt räumt an anderer Stelle ein, dass Experten die Wirtschaftlichkeit einer CO2-reduzierten Stahlproduktion infrage stellen – und zwar selbst im Falle staatlicher Milliardensubventionen.

Grüner Stahl – was soll das überhaupt? Unter diesem Flaggschiffprojekt des ehemaligen Wirtschaftsministers und nicht ganz so erfolgreichen Zentralplaners Robert Habeck versteht man die Herstellung von Stahl auf der Basis von Wasserstoff als Hauptenergieträger. Das Verfahren spart CO2 und rettet – nach der Erzählung der Meisterdenker der grünen Traumfabrik – die Welt, treibt jedoch leider die Produktionskosten in unerschwingliche Höhen. Deindustrialisierung gegen Klimaillusion: Die Politik entscheidet sich seit geraumer Zeit stets zugunsten der Träumer. Selbst das Handelsblatt gesteht ein, dass grüner Wasserstoff auch 2030 voraussichtlich noch mindestens doppelt so teuer sein wird wie klassischer, aus Erdgas gewonnener Wasserstoff. Grüner Wasserstoff ist weder in ausreichendem Maße vorhanden noch eine sinnvolle Basis für industrielle Produktion.

Deutsche Industrieunternehmen zahlen für Strom rund 14 bis 16 Cent pro Kilowattstunde. In den USA und China sind es im Schnitt nur etwa 8 Cent – also rund halb so viel. Bei diesen Preisen kann kein Werk wettbewerbsfähig produzieren. Brüssel gibt den Stahlherstellern mit seiner Klimapolitik den Rest.

Bei Thyssenkrupp, Salzgitter und der Stahl-Holding Saar summieren sich weitere Subventionsprojekte derzeit auf über 5,6 Milliarden Euro. Sie sind bislang noch nicht abgeblasen, könnten jedoch scheitern, wenn nicht weitere Subventionszahlungen folgen.

Wie macht man eine CO₂-freie Stahlproduktion am teuersten Wirtschaftsstandort der Welt weltmarktfähig?

Für die Habeck-geschulten Fantasieökonomen beim Handelsblatt ist die Sache klar: Ohne immer weitere Subventionen geht es nicht, sonst wird das nichts mit dem grünen Kunstprodukt. Milliardenbeträge werden nötig sein, denn die Wettbewerbsdifferenz zwischen der grünen Traumökonomie und dem Weltmarkt ist gewaltig: Eine Tonne Grünstahl, produziert am teuersten Standort der Welt, schlägt mit rund 800 bis 850 Euro zu Buche, während konventioneller Stahl auf dem europäischen Markt derzeit deutlich darunter liegt. Eine Kluft, die sich nicht einfach wegsubventionieren lässt.

Am Ende entstehen so lediglich staatlich alimentierte Subventionsruinen, die einigen wenigen Akteuren die Taschen füllen, die Allgemeinheit jedoch systematisch um ihr Geld bringen – eine wirtschaftspolitische Katastrophe, die vom Schutzschirm des staatsorientierten Mediensektors konsolidiert wird.

Am Beispiel des Saarlands rechnet das Handelsblatt vor, was der grüne Stahlumbau kosten könnte: 4,6 Milliarden Euro sind geplant, so das Blatt, um die Stahlindustrie im Saarland zu begrünen. 2,6 Milliarden Euro werden, oh Wunder, von Bund und Land übernommen, während der Rest von den beteiligten Unternehmen selbst finanziert werden soll. Wer es glaubt … Weg von der Kohle, hin zum Wasserstoff – so lautet die Devise. Dies gilt allerdings nur, solange der Steuerzahler die Rechnung für diese tumbe Beugung des Verstands übernimmt.

Hinter dieser Politik steht die Illusion des billigen Kredits. Dieser wird zwar später vom Steuerzahler über höhere Abgaben und Inflation beglichen, befeuert gegenwärtig jedoch einen Machbarkeitskult, der die Reste der Marktwirtschaft in ihre Einzelteile zerlegt. Beim Handelsblatt scheint man den Gedanken verdrängen zu wollen, dass Ressourcen in der realen Welt tatsächlich knapp sind. Zudem schafft die Fiat-Geld-Kreditpumpe keine realen Werte: Sie finanziert lediglich die Umverteilung zugunsten derer, die am Ende der Subventionsströme auf ihr Korruptionsgeld warten.

Land der Fördermitteljäger und grünen Sozialhilfeunternehmer

Man hat sich zwar längst an den medialen Flankenschutz für ökosozialistischen Unfug im deutschen Mainstream gewöhnt. Dennoch wirkt die apodiktische Tonalität, mit der deutsche Medien die längst zerbrochene Energiewende als alternativlosen Pfad in die Zukunft darstellen, verstörend. Dem Leser wird keine alternative Sichtweise eröffnet: Das Handelsblatt fragt nicht mehr nach den Kosten oder gar den Konsequenzen dieser Politik. Die Redaktion hat sich demselben infantilen Solipsismus unterworfen wie die deutsche Politik.



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Kommentare ( 3 )

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Paul Brusselmans
18 Minuten her

und die Subventionen werden dank EU-Beihilfenkontrollen nicht kommen. Sind ja Betriebsbeihilfen nötig.

derostenistrot
26 Minuten her

Der große Metallurg, Physiker und Chemiker in einer Person, unser aller Bundeskanzler von Gottes Gnaden Friedrich Merz, meint auch, grüner Stahl ist DIE Zukunft – zumindest im Saarland. Hat Black Rock eventuell auf dem Gebiet geschäftliche Interessen?!

jsdb
36 Minuten her

„Wie macht man eine CO₂-freie Stahlproduktion am teuersten Wirtschaftsstandort der Welt weltmarktfähig?“
Antwort: Gar nicht, Garnicht erst Versuchen
Der eingschlagene Weg bingt uns alle ins Armenhaus, in den Ruin