Vier Tage lang deurchquert Papst Leo XIV. Frankreich – von Paris über Lourdes nach Metz. Gestern Abend flog er von Goin nach Rom zurück. Es bleibt das Bild eines großen Landes, das wieder Glauben zeigt. Laut Vatikan waren von Freitag bis Sonntag mehr als 1,3 Millionen Menschen beim Pontifex.
Imago / ABACAPRESS
Allein in Metz füllten 35.000 Gläubige die Kathedrale Saint-Étienne und ihre Umgebung. Präsident Emmanuel Macron sprach von einer „geeinten und glücklichen Nation“ und griff das alte Wort auf: „Heureux comme Dieu en France“ – „Glücklich wie Gott in Frankreich“, dieser Spruch geht auf eine aschkenasisch-jiddische Wendung des späten 18. Jahrhunderts zurück.
Die fünfte apostolischen Reise des amerikanischen Papstes nach Frankreich führte ihn zuerst an die Seine: Empfang in Orly, Gespräch im Élysée, Rede vor der Unesco, eine Vesper in Notre-Dame, Jugendvigil, dann eine große Freiluftmesse an den Champs-Élysées, Besuch der Maison Bakhita für Geflüchtete. Dann Lourdes: Bischöfe, Kranke, Opfer sexueller Gewalt in der Kirche, eine Lichterprozession. Der Schlusspunkt lag bewusst in Lothringen, an der Grenze zu Deutschland, in der Stadt Robert Schumans.
Das Vorbild Robert Schuman
Im Kongresszentrum Robert Schuman stand Leo XIV. am Montagmorgen vor den Vertretern der Religionen. „Mit tiefer Freude, aber auch mit einem lebendigen Gefühl geistlicher Verantwortung bin ich heute unter euch in Metz, einer Stadt der Grenzen und der Übergänge“, sagte er. Schuman, „ein Mann des Glaubens und der Überzeugungen“, habe alte Bruchlinien in „Brücken der Hoffnung für ganz Europa“ verwandelt. „Nach seinem Vorbild ist es unsere gemeinsame Verantwortung als religiöse Frauen und Männer, Zeugnis zu geben, dass jenseits der Grenzen immer Begegnung, Freundschaft und Frieden möglich sind.“ Dialog mindere die eigene Identität nicht, „er bringt sie einfach und wahrhaftig zum Ausdruck“.
Mahnung an die Politik
Dann folgte der schärfste Satz des Papstes: „Den Namen Gottes anzurufen, um Gewalt oder Unterdrückung zu legitimieren, ist eine Entweihung dieses Namens. Nichts, was die Würde des Menschen entstellt, kann sich auf eine echte göttliche Inspiration berufen.“ Religiöse Rede müsse „unablässig die Herzen und die Worte entwaffnen“. Die Kirche, so Leo, betrachte alle, „die aufrichtig nach Wahrheit, Güte und Schönheit suchen“, als Weggefährten. „Mögen wir dort, wo wir leben, Friedensstifter sein und Zeugen einer Hoffnung, die in unserer Welt nicht aufhört zu wachsen.“ Die französischen Religionsvertreter unterzeichneten dann den „Appel de Metz“ – ein gemeinsames Bekenntnis zu Würde, Geschwisterlichkeit und gegen Hass.
Am Nachmittag zelebrierte Leo XIV. die Abschlussmesse in der gotischen Kathedrale, der „Laterne des lieben Gottes“ mit 6.500 Quadratmetern Glas: „Auf diesem historischen Boden der Mosel – seit jeher Kreuzung der Völker und schmerzliche Grenze Europas – erklingt Gottes Verheißung heute mit besonderer Kraft.“ Anhand von Jesaja und der Bergpredigt sprach er von Wüste, Garten und Haus: Verzicht, Gerechtigkeit, Frieden.
Vergebung, Barmherzigkeit, Großherzigkeit seien der Weg, „die Wüsten in Oasen zu verwandeln“. Die Fenster, auch jene des jüdischen Malers Marc Chagall, machten das Gotteshaus zum „außergewöhnlichen Symbol von Ökumene und interreligiösem Dialog“. „Gottes Licht löscht unsere Eigenarten nicht aus, sondern fügt verschiedene Geschichten und Kulturen zu einem einzigen wunderbaren Mosaik des Friedens“, zitiert Vaticannews.va den Pontifex. Europas Zukunft liege „nicht in der Vereinheitlichung, sondern in der Harmonie der Unterschiede“, in der „die Wunde der Vergangenheit zur Öffnung wird, durch die Licht fällt“. Metz sei „heute mehr denn je berufen, ein Leuchtturm der Hoffnung für dieses Land, für Europa und für die Welt zu sein“.
Der Papst hat Frankreich nicht als fast verlorenes Missionsgebiet behandelt, sondern als Ort des lebendigen Glaubens: voller Kathedralen, voller Jugend und voller Religiöser, die miteinander sprechen.



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