Die AfD steigt, die CDU nähert sich der Fünf-Prozent-Hürde. Mecklenburg-Vorpommern könnte für die Union zu einem weiteren Desaster werden und zugleich zur Wahl werden, bei der die Brandmauer erstmals einstürzen könnte.
IMAGO / Chris Emil Janßen
Die Aufreger-Wahl, das Weltthema nicht nur der WELT, sondern auch aller anderen Brandmauer-Medien, war die Sachsen-Anhalt-Wahl, doch genau die Wahl im Norden könnte zur Schlüsselwahl werden. Ob also in Mecklenburg-Vorpommern am Sonntag, den 20. September, die Brandmauer fällt, hängt zuallererst von den Wahlergebnissen ab. Die letzte Umfrage legte Infratest dimap vor, die die AfD bei 38 Prozent, die SPD bei 33 Prozent, die Linke bei 9 Prozent sieht, die CDU bei desaströsen 7 Prozent und die Grünen bei wackligen 5 Prozent. Die Vereinigte Linke liegt bei 47 Prozent, AfD und CDU bei 45 Prozent. Sollten die Grünen nicht in den Landtag kommen und SPD und Linke stagnieren, würden AfD und CDU vorn liegen.
INSA hatte die AfD noch bei 36 Prozent verortet, doch führte INSA die Umfrage noch vor den Landtagswahlen durch, während die Ergebnisse von Sachsen-Anhalt bereits in die Umfrage von Infratest dimap mit hineinspielten, ohne dass sie schon voll durchschlugen. Bemerkenswert ist, dass sich der Wert für die AfD veränderte, während der für die SPD konstant blieb.
Schwesig kopiert den polarisierenden, geradezu manichäischen Wahlkampf ihres Genossen Woidke in Brandenburg, um aus allen medial produzierten Ängsten der Brandmauer-Medien in einem inhaltsfreien Angstwahlkampf Profit und Sieg zu schlagen. Das geht vor allem auf Kosten der CDU, aber auch der Grünen und der Linken. Die Linke verliert 2 Prozentpunkte, die Grünen wackeln. Die CDU bewegt sich deutlich in Richtung 5-Prozent-Hürde. Auch in Mecklenburg-Vorpommern ist Friedrich Merz ungewollt ein wichtiger Wahlkämpfer für die AfD, aber auch die West-Arroganz von weitgehend von Inhalten befreiten Funktionären wie Wüst und dem Ex-SPD-Mann Radtke, der im Grunde noch nie etwas anderes getan hat, als Funktionär zu sein, hilft der AfD. Erschwerend kommt für die CDU in Mecklenburg-Vorpommern hinzu, dass sie mit der SPD um das gleiche Wählerpotenzial kämpft, um die Rentner, denn die Erwerbstätigen wählen in großer Mehrheit die AfD.
Einer Zusammenarbeit mit der AfD stünde für die CDU Mecklenburg-Vorpommerns ein Scheinargument nicht entgegen: die Einschätzung eines politisierten Verfassungsschutzes, dass der Landesverband der AfD gesichert rechtsextremistisch sei. Diese Einschätzung traf der Verfassungsschutz des Bundeslandes nicht. Der stellvertretende CDU-Landesvorsitzende Tino Schomann fordert bereits die Ablösung von Bundeskanzler Friedrich Merz. Nach dem desaströsen Wahlergebnis, das Spitzenkandidat Daniel Peters, Merzens getreuer Eckart, einfahren wird, wird er wohl Geschichte sein, zumal er sich nicht in Merzens unmittelbare Nähe geklatscht hatte wie Philipp Amthor, der auch aus Mecklenburg-Vorpommern stammt und ebenfalls ungewollt ein Aktivposten im Wahlkampf für die AfD ist.
Alles hängt natürlich von den Wahlergebnissen ab, aber die Chance, dass die Brandmauer fällt, war und ist bei der unterschätzten Wahl in Mecklenburg-Vorpommern größer als in Sachsen-Anhalt. Vermag das Ergebnis der AfD in Sachsen-Anhalt der AfD in Mecklenburg-Vorpommern noch einmal einen Schub zu geben, so würde die Brandmauer in Sachsen-Anhalt wohl auch fallen, wenn sie in Schwerin einstürzt.
So entfaltet die Wahl im Norden eine eigene, stille Dramatik. Wir dürfen gespannt sein.



Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein
Angenommen die MV-CDU verkündet ihren Willen mit der AfD zu koalieren.
Sie würde einen gewaltigen Sprung nach vorne machen. Sie könnte von der AfD angeregt werden, dies zu tun. Würde die CDU dies ablehnen, könnte sie einen gewaltigen Sprung in Richtung Abgrund machen. Spannende Situation