TE-exklusiv: Grundsicherung wird immer noch bei Haftbefehl weitergezahlt

Anfang Juli hatte Friedrich Merz gewohnt vollmundig einen „Aktionsplan gegen Sozialleistungsmissbrauch und Ausbeutung“ angekündigt. Doch den wird es vor dem Jahresende nicht geben. Das muss die Bundesregierung jetzt zugeben.

IMAGO / Fotostand

Es ist vielleicht DER Skandal des Jahres: Verbrechern wird auch dann die sogenannte Grundsicherung ausbezahlt, wenn sie per Haftbefehl gesucht werden.

Direkt nach einer Sitzung des Koalitionsausschusses Anfang Juli, auf einer Pressekonferenz im Garten des Bundeskanzleramts, hatte der Bundeskanzler von der CDU versprochen, diese unfassbare Posse zu beenden. Doch wie das eben so ist, wenn Friedrich Merz etwas verspricht:

Es passiert – nichts.

Wer nicht fragt, bleibt dumm

Ein Untersuchungsausschuss wird von unseren selbsternannten Leitmedien gerne als „das schärfste Schwert der Opposition“ im Deutschen Bundestag bejubelt. Doch das stimmt gar nicht.

U-Ausschüsse sind nur große Theateraufführungen. Es wird streng nach Parteigrenzen gefragt, es wird streng nach Parteigrenzen abgestimmt. Am Ende wird der Abschlussbericht streng nach Parteigrenzen interpretiert. Wahlweise gibt es auch gar keinen Bericht, weil die Lager sich auf keinen einigen können. Die „Leitmedien“ lieben U-Ausschüsse trotzdem, denn man kann leicht über sie berichten, ohne viel recherchieren zu müssen. Die publikumswirksame Inszenierung übernehmen ja schon die Parteien.

Die tatsächlich wirksamsten Waffen der Opposition sind Anfragen an die Regierung. Denn die Regierung muss sie beantworten, bis jetzt jedenfalls. Und diese Antworten sind sehr, sehr oft großartige Munition für alle Regierungsgegner.

Zu unserem anfangs beschriebenen Thema hat der AfD-Bundestagsabgeordnete Peter Felser der Bundesregierung gerade zwei hübsche Fragen gestellt. Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Bayern wollte wissen: Erstens – wie viele Menschen bekommen bei uns im Moment eigentlich die Grundsicherung, obwohl es einen Haftbefehl gegen sie gibt? Und zweitens – was ist aus dem „Aktionsplan gegen Sozialleistungsmissbrauch und Ausbeutung“ geworden, den Friedrich Merz Anfang Juli angekündigt hat?

Die Antworten liegen TE exklusiv vor. Spoiler: Sie sind der Hammer.

Verschwurbelte Beichte

Das für Zahlungen aus der Grundsicherung zuständige Bundesministerium für Arbeit und Soziales wies, erstens, gewohnt umständlich darauf hin, dass es die Frage früher schon einmal beantwortet hatte – nämlich so:

„Der Bundesregierung liegen im Sinne der Fragestellung keine Erkenntnisse vor.“

Die Verwaltung des drittgrößten Industriestaats der Welt weiß also gar nicht, wie viele Menschen Grundsicherung erhalten, obwohl sie per Haftbefehl gesucht werden. Klingt komisch, is‘ aber so.

Nicht aus der Antwort auf die Anfrage des Abgeordneten Felser, aber aus anderen offiziellen Quellen wissen wir: Zum Stichtag 1. Juli 2026 gab es deutschlandweit 170.667 offene Haftbefehle. Nur rund 24.000 davon betrafen noch nicht verurteilte Tatverdächtige. Der ganze Rest, also gut 146.000 Haftbefehle, betraf verurteilte Straftäter.

Aber die Bundesregierung – namentlich das Sozialministerium unter seiner Chefin, der SPD-Co-Vorsitzenden Bärbel Bas – hat keine Ahnung, wie viele der Gesuchten die staatliche Grundsicherung bekommen.

Und es geht ja noch weiter.

Was den von der Koalition vereinbarten „Aktionsplan gegen Sozialleistungsmissbrauch und Ausbeutung“ angeht, so lässt das Haus Bas ausrichten, dass die Bundesregierung – nun ja: daran arbeite. Derzeit liefen „regierungsinterne Abstimmungen“. Aha. Die Maßnahmen („sowohl gesetzlich als auch untergesetzlich“) sollen „zügig“ umgesetzt werden – sobald der Plan von der Bundesregierung verabschiedet ist.

Das „wird weiterhin bis Ende 2026 angestrebt.“

Tue nichts Gutes und rede darüber

Man mag es nicht glauben, aber es ist tatsächlich so:

Ein Missstand macht Medienkarriere, in diesem Fall völlig zurecht. Das schreckt die Berufspolitikerkaste auf – die den Skandal bis dahin bestenfalls teilnahmslos, schlimmstenfalls als Komplize laufen ließ.

Der Kanzler von der CDU verspricht großspurig einen „Aktionsplan“. Seine Sozialministerin übernimmt die Federführung – und bremst sofort jede echte Änderung aus. Außerdem sorgt sie dafür, dass sich die Arbeiten an dem Aktionsplan endlos hinziehen.

Und Friedrich Merz guckt, jetzt wieder völlig teilnahmslos, zu. Er hat seinen Part gespielt: Er hat ein Versprechen gegeben. Die SPD sorgt dafür, dass es gebrochen wird. Aber das ist dem Kanzler erkennbar egal. Es ist ja auch nicht das erste Mal.

Da ist es: das ganze Elend der Republik.

Anzeige

Unterstützung
oder €

Kommentare ( 45 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

45 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Der-Michel
26 Tage her

Dumme Frage, wären überhaupt genügend Haftplätze verfügbar?

Schwabenwilli
26 Tage her
Antworten an  Der-Michel

„Im Kittchen ist kein Zimmer frei“

100 % Gästeauslastung, wie der Hotelier so schön sagt.

Siggi
26 Tage her
Antworten an  Der-Michel

In Deutschland gibt es insgesamt rund 70.000 Haftplätze, die angeblich mit ca. 60000 Personen belegt sind. Angesichts dieser Zahlen muss man si9ch fragen, warum in Berlin die Zellen schon wieder, wie in den frühen 60-ern mit Notverordnungen überbelegt sind. Die Anzahl der offenen Haftbefehle betrug am 1. Juli 2026 insgesamt 170.667, mithin muss man für die ab da neuen Haftbefehle ca. 1600 dazuzählen. Dass das rund drei Mal so viele sind, wie bereits belegte Haftplätze, erklärt sich zum einen, aus der laxe Behandlung von Straftätern mit lächerlichen Strafen oder Bewährung selbst in Extremfällen, vornehmlich Migranten, zum anderen aus der Ablehnung… Mehr

Last edited 26 Tage her by Siggi
P.Schoeffel
26 Tage her
Antworten an  Der-Michel

Wenn man alle freiließe, die wegen Gedankenverbrechen wie z.B. Aüßerung unzulässiger Meinungen sitzen, gäb´s schon ausreichend Platz, vermute ich.

Der-Michel
26 Tage her
Antworten an  P.Schoeffel

Angefangen mit der Rollatorengang! Dann hätten wir zumindest für die schlimmsten Finger Platz.

depa
25 Tage her
Antworten an  Der-Michel

Gegenfrage: Wer soll die Haftplätze bezahlen?

Holsteiner Jung
26 Tage her

Und in Berlin wundern sich die Etablierten, warum sooo viele Menschen von
dieser Politik die Schnauze voll haben. Mich wundert das nicht.

Andres
26 Tage her
Antworten an  Holsteiner Jung

Mich wundert eher, dass es so Wenige sind. Aber die ÖRR-Dauerbestrahlung wirkt eben.

Siggi
26 Tage her
Antworten an  Andres

Die Kosten für den Machterhalt sind in etwa genauso hoch, wie die direkten Kosten der Migration.

Dieter Rose
25 Tage her

Dann ist die Familie halt auch besonders unterstützungswürdig. Und – es gibt ja keine Sippenhaft (gälte natütlich nicht für AfD-Mitglieser und -Wähler!!!)

Jan Frisch
25 Tage her

Wir Deutschen sind so dermaßen „gute“ Menschen, dass wir sogar den Vergewaltigern unsere Töchter weiterhin den Lebensunterhalt bezahlen.

Else Schrammen
25 Tage her

Es reicht doch, wenn das Geld die Bösewichter findet. Was soll denn da noch die Polizei?!

depa
25 Tage her

Ist doch nichts neues! Zur Erinnerung: Wie lief das bei CumEx??

Alf
25 Tage her

Und Friedrich Merz guckt, jetzt wieder völlig teilnahmslos, zu. Er hat seinen Part gespielt: Er hat ein Versprechen gegeben. Die SPD sorgt dafür, dass es gebrochen wird. Aber das ist dem Kanzler erkennbar egal.
Die herrschende Kaste.ist ohne Unrechtsbewußtsein. Es lebe das Unrecht.
Am Trog sitzen, Haushaltslöcher stopfen u.a. Wohltaten gegen das Land und seine Bürger. Was kostet die Welt.
Und die Lügenpresse hilft kräftig mit.

Privat
26 Tage her

Ich vermute, es sind kriminelle Behördenangestellte, die das Geld der Steuerzahler veruntreuen, um damit gesuchten Verbrechern ein schönes Leben zu ermöglichen.
Diese kriminellem Mitarbeiter müssen für ihre Fehleistungen mit ihren Privatvermögen zur Rechenschaft gezogen werden, um den angerichteten Schaden abzuzahlen. Die Kündigung ist für diese Versager natürlich selbstverständlich.

Wuehlmaus
26 Tage her

Frage an ChatGPT.
„Ich habe drei Tabellen. Die erste Tabelle Bürger hat den Primärkey PersonenID und Name. Die zweite Tabelle Grundsicherungsempfänger hat die Spalten PersonenID, Grundsicherung. Die dritte Tabelle Gesuchte hat die Spalten PersonenID, Haftbefehl. Gib mir eine SQL Anweisung, die sämtliche Personen aufführt, die Grundsicherung haben und für die es einen Haftbefehl gibt.“

Antwort:

„Du kannst die drei Tabellen über PersonenID miteinander verknüpfen:

SELECT b.PersonenID, b.Name
FROM Bürger AS b
INNER JOIN Grundsicherungsempfänger AS g
    ON b.PersonenID = g.PersonenID
INNER JOIN Gesuchte AS s
    ON b.PersonenID = s.PersonenID
WHERE g.Grundsicherung = TRUE
  AND s.Haftbefehl = TRUE;

„

luxlimbus
26 Tage her

Grundsicherung (Ex-Bürgergeld) ist das eine – Asylbewerberleistung (in mindestens gleicher Höhe für: Asylbewerber / abgelehnte Asylbewerber / Ausreisepflichtige und Geduldete Personen) das andere! Wie sieht es bei letzterer Leistung aus? Zuzutrauen wäre es der Politik.

Last edited 26 Tage her by luxlimbus
Fatmah
26 Tage her

Sozial und Finanzministerium der SPD zu überlassen ist so als wenn ich meinem 4 Jährigen Sohn den Schlüssel zum Süßigkeitenschrank anvertrauen würde.

November Man
26 Tage her

„Grundsicherung wird immer noch bei Haftbefehl weitergezahlt“
Gilt das auch für später mal für per Haftbefehl gesuchte Politiker? Da ist die dann regierende AfD gefordert das abzuschaffen.