Auf der linksextremen Onlineplattform Indymedia wird der Kampf gegen die AfD organisiert: mit Standortkarten, Telegram-Bots und einem „antifaschistischen Werkzeugkasten“. Dieser reicht von Sabotage von Wahlkampfmaterial bis zum Lahmlegen von Autos.
IMAGO / Hanno Bode
Wahlkampfhelfer und Mitglieder der AfD werden immer wieder Opfer von Anfeindungen und Attacken. Das musste am 28. August auch AfD-Politiker Julian Adrat feststellen. Während er und zwei weitere AfD-Mitglieder Wahlplakate in Berlin-Mitte aufhängten, wurden sie von Passanten unter anderem als Nazis beschimpft. Adrat, der für das Berliner Abgeordnetenhaus kandidiert, berichtet, dass auch in den Rollwagen gespuckt wurde, mit dem die Plakate transportiert wurden. Körperliche Gewalt erfuhren die AfDler dieses Mal nicht.
Was die AfD-Wahlkämpfer an diesem Freitagmittag erlebten, ist kein Einzelfall. Und es bleibt längst nicht bei spontanen Anfeindungen. Angriffe und Sabotage gegen AfD-Mitglieder, ihre Fahrzeuge und ihren Wahlkampf werden von Linksextremen akribisch vorbereitet, koordiniert und bis ins Detail geplant. Die Professionalität, mit der Linksextreme den selbsternannten „antifaschistischen“ Kampf mittlerweile vorantreiben, ist erschreckend.
Melden, sammeln und bitte anschließen kartieren
Am 23. August erschien ein neuer Aufruf auf Indymedia: „Du hast es satt, überall rassistische Hetze auf Plakaten lesen zu müssen? Vor dem Supermarkt ist schon wieder ein AfD-Infostand? Du und deine Friends suchen noch ein Ziel für den nächtlichen Adbusting-Ausflug? Dann werde mit uns gemeinsam aktiv und melde AfD-Wahlaktionen in Berlin!“, heißt es dort.
Dahinter steckt eine organisierte Infrastruktur: Über einen verlinkten Telegram-Bot können Standorte von AfD-Plakaten gemeldet werden. Die Meldungen werden gesammelt und auf einer Karte veröffentlicht. Zusätzlich gibt es einen Telegram-Channel und einen Instagram-Account für weitere Meldungen und Updates.
Öffnet man die Seite des Telegram-Channels, sieht man neben Bildern von AfD-Wahlplakaten weitere Details zur genauen Adresse, Art und Anzahl der Plakate, gegen die vorgegangen werden soll.
Der „antifaschistische Werkzeugkasten“
Zu den Instrumenten, die die Linksextremisten entwickelt haben, zählt auch der „antifaschistische Werkzeugkasten“. Dieser richtet sich an Menschen, die „Bock haben, etwas gegen die AfD und andere Nazis zu unternehmen“. Aufgeführt werden dreizehn Aktionsformen mit dem erklärten Ziel, der AfD „kräftig in die Suppe zu spucken“ und ihren Aufstieg „wo es nur geht zu sabotieren“.
Genannt werden unter anderem das „Unschädlichmachen“ von Wahlkampfmaterial, das Stören von Wahlkampfständen und das Lahmlegen von Autos. Dass solche Aktionen rechtswidrig sein können, wird auf der Seite selbst eingeräumt.
Zu den illegalen Aktionsvorschlägen kommen Hinweise, wie man dabei möglichst unerkannt bleibt. Es gibt Ratschläge zur Anonymität im Netz, etwa durch entsprechende Browser; die selbsternannten „Antifaschisten“ geben sogar Tipps zum Umgang mit DNA-Spuren und wie sich diese am besten vermeiden lassen. Für dieses Thema hat die Antifa sogar einen Comic erstellt. Frei zugänglich für jedermann.
Die Betreiber des „antifaschistischen Werkzeugkastens“ erklären Angriffe auf Wahlkampf, Immobilien und Strukturen der AfD zur „antifaschistischen Notwehr“. Wie diese Notwehr konkret aussieht, zeigt der mutmaßliche versuchte Mord an dem AfD-Landtagsabgeordneten und Rostocker AfD-Direktkandidaten Michael Meister. Linksextremisten wollten ihn vor seinem Wohnhaus erstechen.
Nach Meisters Angaben attackierten ihn zwei Männer mit einem spitzen Gegenstand; ein Notebook in seinem Rucksack habe Schlimmeres verhindert. Die Angreifer sollen ihn als „AfD-Nazi“ bezeichnet haben. Wenig überraschend: Die Tatverdächtigen konnten bislang nicht ausfindig gemacht werden.
Zum Repertoire der Linksextremisten gehören vor allem Brand- und Säureanschläge auf Autos von AfD-Politikern.
In der Nacht zum 22. August wurde das Auto des Darmstädter AfD-Politikers Christopher Groß in der Nähe seiner Wohnung in Brand gesetzt. Noch am selben Nachmittag erschien auf Indymedia ein anonymes Bekennerschreiben: „Auto eines AfD-Funktionärs in Brand gesetzt“. Die genaue Adresse, die in der Nähe seines Wohnortes sein soll, wurde gleich mit veröffentlicht.
Das Datum des Brandanschlags war kein Zufall. Die Verfasser auf Indymedia schreiben: „Im Auto befanden sich bereits alle Materialien für einen Informationsstand, der später am Tag aufgebaut werden sollte.“
In einem weiteren Bekennerschreiben meldet sich eine „Lilly Wandrey“ vom „Darmstädter Aktionskollektiv“ zu Wort: „Wie die jüngsten Ereignisse in Darmstadt zeigen, ist im Kampf gegen den Faschismus weder auf den Staat noch auf die Polizei zu vertrauen. Deshalb haben wir beschlossen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und etwas gegen faschistische Propaganda zu unternehmen.“
Der Name scheint als Anspielung auf Stadtrat und CDU-Parteichef Paul Georg Wandrey gewählt worden zu sein. „Marcel Benz“ – der Darmstädter Bürgermeister heißt Hanno Benz – bezeichnet die AfD als „Vorreiter der allgemeinen Diskursverschiebung hin zu einer Politik, die auf Volksverhetzung und Autoritarismus basiert“. Dem müsse man sich entgegenstellen, „egal wer sie propagierte oder umsetze.“
Keine Einzefälle, sondern System
Bereits einen Monat zuvor wurde das Auto des AfD-Politikers Michael Franke im Landkreis Marburg-Biedenkopf mit Buttersäure und Farbe demoliert. Auch die Reifen wurden zerstochen und die Scheiben des Autos eingeschlagen.
Nach dem Anschlag veröffentlichte Indymedia ein Schreiben. Darin steht wörtlich „Wir denken da geht noch mehr und freuen uns auf die nächste Sause“, und weiter: „Fascho sein hat in Marburg immer noch Konsequenzen.“
Nur wenige Wochen zuvor hatte es bereits das Auto eines AfD-Politikers getroffen. Am 10. Juni erschien auf Indymedia ein anonymes Schreiben, in dem sich die Verfasser zum Angriff auf das Fahrzeug des Rostocker AfD-Politikers Marcel Ehlert bekannten: „In der Nacht auf Mittwoch, den 10.06.2026 haben wir Marcel Ehlert […] einen Besuch abgestattet. Dabei haben wir alle vier Reifen und vier Scheiben seines Autos zerstört.“
Auch Gewerkschaften indirekt involviert
Beim AfD-Bundesparteitag am 4. und 5. Juli 2026 in Erfurt zeigte sich, wie organisiert der „antifaschistische“ Protest mittlerweile ist: Tausende Demonstranten waren vor Ort.
Nach exklusiven Recherchen von Tichys Einblick finanzierte Verdi Busfahrten zu den Protesten mit; auch die Grünen organisierten und bezahlten Busse nach Erfurt. Das für die Verdi-Fahrten genutzte Spendenkonto wurde laut TE von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) verwaltet. Diese Vereinigung wird vom Bundesamt für Verfassungsschutz als linksextremistisch eingestuft.
Auch das „antifaschistische“ Bündnis „Widersetzen“ mobilisierte zu „massenhaftem zivilem Ungehorsam“ gegen den Parteitag. Sein Spendenkonto wird ebenfalls von der VVN-BdA verwaltet.
Gewerkschaften helfen also Linksextremisten bei der Anreise, Grüne organisieren Busse und das Bündnis „Widersetzen“ erklärt offen, den AfD-Parteitag mit „massenhaftem zivilem Ungehorsam“ verhindern zu wollen.
Die große Lüge der Ahnungslosigkeit
Während sich der „antifaschistische“ Protest also längst in Parteien, NGOs und Gewerkschaften wiederfindet, kann parallel eine linksradikale Internet-Plattform weiter existieren, auf der Bekennerschreiben zu Brandanschlägen veröffentlicht und begangene Taten, die bis zu Mordversuchen reichen, gefeiert werden.
Dabei kann niemand behaupten, der Staat wisse von nichts. Der Verfassungsschutz bezeichnet Indymedia selbst als das „wichtigste Informations- und Propagandamedium“ der linksextremistischen Szene im deutschsprachigen Raum.
Während also weiterhin Autos von AfD-Politikern brennen, Bündnisse aktiv gegen legale Parteitage aufrufen und strafbare Taten öffentlich von ihren eigenen Tätern gefeiert werden, laufen die Täter ungeniert anonym herum.
Die Täter sind unter uns und der Staat hat sich längst mitschuldig gemacht.






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