Manchmal breitet sich so eine Welle weiter aus, als sich Eingeschüchterte vorstellen können. Massenphänomene sind schwer zu kalkulieren und noch schwerer zu kontrollieren. Vielleicht wachen viele am 7. September in einem anderen politischen Klima auf und die politische Klasse aus ihrem Albtraum entsetzt und verschreckt.
picture alliance/dpa | Matthias Bein
Begeisterung bis Siegesgewissheit bei Alice Weidel und Tino Chrupalla drücken nicht aus, welche Welle von recht undeutsch fröhlichen Emotionen durch Sachsen-Anhalt rollt. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund ist nicht ihre Ursache, aber ihr Träger. Der Mann verkörpert in seiner unbeschwerten Fröhlichkeit authentisch, wonach sich viel mehr Bürger in ganz Deutschland (und Europa) sehnen. In Ostdeutschland offenbar noch viel mehr als im drögen, politmedial gezähmten, Gefühls-gegenderten Trocken-Becken des seit dem Corona-Regime eingeschüchterten Volksschwimmbades der einst unbegrenzten Heiterkeit.
Schauen Sie hier bitte rein: Weidel – Chrupalla – Siegmund
Ganz einfach gesagt: Die übergroße Mehrheit, die vielzitierte breite Masse will nichts dringender, als – ganz und gar unmodern – schlicht normal sein. Sie plagen sich mit ihrer Arbeit schon mühsam genug durchs Leben und wollen im Grunde nichts mehr, als nach ihrer Tage Plage froh und fröhlich und möglichst entspannt sein. Eine Einstellung, die wendengläubige Weltenretter ganz und gar nicht akzeptieren oder auch nur verstehen können.
Die Nachrichten schalten immer mehr gar nicht mehr ein, um nicht noch enttäuschter zu sein. Im kleinsten Zirkel sagen sie, wie sehr sie die ganze Politik – egal welcher Partei – zum Teufel wünschen. Das Wahlergebnis der AfD in Magdeburg wird zum größten Teil die Summe der Bürgerstimmen sein, die zum ganzen Parteienstaat Nein sagen. Kluge Leute in der AfD wissen und fürchten das. Weil sie an der Regierung wenig und nur ganz langsam an den Dingen wirklich etwas ändern könnten. Ganz Kluge wissen außerdem, wie ansteckend die Funktionärsdroge Macht ist.
Der fröhlichen Welle, die aus dem Bürgerbecken Sachsen-Anhalt natürlich in den ganzen Östen schwappt, tut das keinen Abbruch. Manchmal breitet sich so eine Stimmungswoge weiter aus, als sich Eingeschüchterte vorstellen können. Massenphänomene sind schwer zu kalkulieren und noch schwerer zu kontrollieren. Vielleicht wachen viele Bürger am 7. September in einem anderen politischen Klima auf und die politische Klasse aus ihrem Albtraum entsetzt und verschreckt.
Jedenfalls lohnt es, dem Verlauf der fröhlichen Welle weiter zu folgen, so gut das in der real existierenden Medienwelt geht. Hasta la vista, Baby. I’ll be back.
Nur noch 13 Tage bis zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Machen Sie mit bei der Wahlwette?



Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein
Ja, die Welle. Wir werden sehen, was der politisch-mediale Komplex an Wellenbrechern noch auffahren wird. Zuzutrauen ist ihm manches, weshalb ein ordentlicher upside-down wünschenswert ist.