Der Autoklau-Report

Wäre ich ein Autodieb, dann würde ich nach Berlin ziehen. In der Hauptstadt werden, bezogen auf die Einwohnerzahl, fünfmal so viele PKW geklaut wie im Bundesschnitt. Und das Risiko, erwischt zu werden, ist fast nirgendwo kleiner.

IMAGO / Arvid Müller
Symbolbild

Beginnen wir ausnahmsweise mit einer Information, die keine Überraschung ist. Die Überraschung kommt dann unmittelbar danach, versprochen.

Dass in keiner deutschen Großstadt absolut so viele Kraftfahrzeuge gestohlen werden wie in Berlin: Das ist keine Überraschung. In Berlin leben halt mit Abstand die meisten Menschen, dort fahren auch mit Abstand die meisten Autos. Irgendwie klar, dass da auch die meisten PKW verschwinden.

Dass in keiner deutschen Großstadt relativ zur Einwohnerzahl so viele Kraftfahrzeuge gestohlen werden wie in Berlin: Das ist schon nicht mehr so selbstverständlich. Es bedeutet, dass Berlin nicht nur groß ist, sondern auch überdurchschnittlich kriminell.

Wie kriminell und wie überdurchschnittlich: Das ist die echte Überraschung.

Autoland Deutschland, Autodiebstahlland Deutschland

Das „Versicherungsjournal“ hat Zahlen des Bundeskriminalamts (BKA) und der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für 2025 ausgewertet.

In unseren Großstädten (ab 100.000 Einwohner) wurden im vergangenen Jahr im Schnitt 33 Autos pro 100.000 Einwohner gestohlen. Ganz genau sind es 33,1 PKW, aber die Stellen nach dem Komma schenken wir uns.

Auf den vorderen Plätzen finden wir, mit einer Ausnahme, keine großen Metropolen. Das dritthöchste Autodiebstahlrisiko hat man im beschaulichen Krefeld in Nordrhein-Westfalen; dort verschwinden 71 Autos pro 100.000 Einwohner. Platz zwei belegt das auch eher kleine Essen, ebenfalls in NRW, mit 75 geklauten PKW. Unangefochtener Spitzenreiter ist Berlin. In unserer geliebten Bundeshauptstadt wurden im Jahr 2025 pro 100.000 Einwohner sage und schreibe 164 PKW geklaut.

Kein Schreibfehler: 164.

Das sind mehr als doppelt so viele wie in der zweitschlimmsten Stadt Essen. Und es sind fünfmal mehr als im Bundesdurchschnitt. In absoluten Zahlen wurden in Berlin im vergangenen Jahr 6.054 Autos geklaut. Das sind 17 Autos pro Tag. Ein Fahrzeug etwa alle anderthalb Stunden.

Und dass mir jetzt bitte niemand sagt, das sei typisch für Millionenstädte. Hamburg und Köln sucht man auf den ersten zehn Plätzen in der Statistik vergeblich, beide Orte liegen zudem weit unter dem Bundesschnitt. Und München ist mit gerade mal zwölf (12) geklauten PKW auf 100.000 Einwohner bundesweit für Autobesitzer sogar die sicherste Großstadt der ganzen Republik.

Ähnlich sicher und damit am Ende der Tabelle sind Heidelberg und Stuttgart (beide Baden-Württemberg) sowie Augsburg.

Erfolgreiche Diebe, erfolglose Polizei

Vielleicht werden in Augsburg (13 Diebstähle auf 100.000 Einwohner) auch deshalb so vergleichsweise wenige Autos geklaut, weil die Täter hier ein besonders großes Risiko eingehen.

Die Hauptstadt des bayerischen Regierungsbezirks Schwaben klärt über vier Fünftel aller PKW-Diebstähle auf: 77 Prozent. Dahinter folgen Ingolstadt (74 Prozent) und Würzburg (68 Prozent) – auch diese beiden Städte gehören zu Bayern.

Zufall?

Am anderen Ende der Aufklärungsquote finden sich Hamburg, Magdeburg (Sachsen-Anhalt) und Reutlingen (Baden-Württemberg) mit jeweils zehn Prozent. Der Bundesschnitt liegt bei 31 Prozent. Berlin schafft gerade so eben 13 Prozent.

Zufall?

Auch Diebe haben Lieblingsautos

Wenn es stimmt, dass besonders begehrte Dinge besonders oft gestohlen werden: Dann sieht es düster aus für Deutschlands Automobilindustrie.

In der Rangliste der geklauten Autos je 10.000 kaskoversicherter PKW findet sich auf den ersten zehn Plätzen nur ein deutsches Modell: der Audi Q7 auf Platz 8. Angeführt wird die Tabelle der meistgestohlenen Autos nach Diebstahlquote von gleich drei Toyota-Modellen (2x Lexus, 1x Land Cruiser). Es folgen Chrysler, Kia, nochmal Toyota und Hyundai. Dann kommt der Q7, dahinter Fiat und erneut Kia.

Der erste BMW kommt erst auf Platz elf, der erste Mercedes auf Platz 17.

Diebe fahren nicht elektrisch

Um E-Autos machen die PKW-Schieber übrigens einen großen Bogen. Reine Elektrofahrzeuge tauchen in den Diebstahlstatistiken kaum auf.

Das Landeskriminalamt Sachsen hat das einmal so erklärt: Nicht alle, aber eben doch sehr viele Autos werden von organisierten Banden aus Osteuropa geklaut. Die bringen ihre Beute außer Landes, zerlegen die PKW und verkaufen dann die Einzelteile.

In vielen dieser Länder – etwa in Litauen, Rumänien, Polen, Tschechien und Ungarn – ist die Lade-Infrastruktur für Stromer noch schlechter als in Deutschland. Die Nachfrage nach E-Autos ist dort noch geringer als bei uns. Weder E-Autos noch deren Einzelteile lassen sich da gewinnbringend verhökern.

Dazu kommt: Wird ein E-Auto zum Beispiel in Hessen oder Niedersachsen geklaut, dann kann es durchaus passieren, dass der Akku schon vor der polnischen Grenze leer ist. Das LKA Sachsen sagt dazu: „Diebe haben aber keine Zeit, um an die Ladesäule zu fahren.“

Kommentar eines Scherzbolds auf Facebook: „Im Moment ist ein vollgetankter Verbrenner-PKW ohnehin doppelt so viel wert wie ein E-Auto.“

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Kommentare ( 2 )

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Wilhelm Roepke
47 Minuten her

Jetzt habe ich es begriffen. Ich kaufe einfach ein Elektroauto, dann bin ich vor Dieben komplett sicher.

Johny
1 Stunde her

Auch wenn oft auf Bestellung geklaut wird, kann man nicht ausschließen, dass die Rangliste der geklauten Autos u. a. auch von der Qualität der Diebstahlsicherung abhängig ist. Es muss ja schnell gehen, Software-Schlüssel und andere Hilfsmittel müssen leicht verfügbar sein. Man sollte mal einen „Fachmann“ näher befragen. Von Berlin führen zwei Autobahnen direkt nach Polen (A12/ A11) – schnelle Fahrt, unbewacht…

Last edited 1 Stunde her by Johny