Juden schützen Muslime vor Muslimen

Israel verteidigt arabische Staaten gegen Iran. Aber da es nicht ins linke Weltbild passt, berichten westliche große Medien nichts darüber. Sie unterschlagen die Machtverschiebungen im Nahen Osten und attackieren lieber Trump und Netanjahu auf immer beleidigendere Weise.

picture alliance / SIPA | IDF/GPO

Diese Nachricht hätte vor nicht allzu langer Zeit weltweit ein Beben in den Regierungszentralen und Nachrichtenredaktionen ausgelöst: Die Israelische Verteidigungsarmee (IDF) hat in den letzten Wochen Truppen in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) geschickt, die mit den israelischen Luftabwehrsystemen Iron Dome, Arrow3 und David‘s Sling iranische Angriffsraketen abgewehrt haben. Klartext: Juden haben Muslime vor Muslimen geschützt. Die Quelle für diese sensationelle Mitteilung ist Axios, eine kleine Newsletter-Redaktion mit Sitz im US-amerikanischen Bundesstaat Virginia.

Die einen können es nicht glauben, die anderen wollen es nicht glauben. Aber die VAE haben die Nachricht ziemlich emotional bestätigt: Das werden wir Israel nicht vergessen. Was von den Massenmedien im deutschsprachigen Raum in den letzten Wochen ebenfalls nicht berichtet wurde: Die VAE, mit ihren Wirtschafts- und Tourismuszentren Abu Dhabi und Dubai, sind im Krieg der USA und Israels gegen den Iran seit dem 28. Februar mit mehr Raketen und Drohnen angegriffen worden als der Todfeind am östlichen Rand des Mittelmeeres.

Rund 650 – nach internationalem Kriegsrecht geächtete – Streuraketen flogen auf Israel, dabei sind 24 Menschen getötet worden. Es entstand großer Sachschaden an Privatgebäuden, Krankenhäusern, Industrieanlagen und Bildungseinrichtungen. Treffer auf militärisches Gelände nahmen sich hingegen eher unbedeutend aus.

Die VAE bestätigten dagegen 550 ballistische Raketen und 2200 Drohnen, die erhebliche Zerstörungen an Ölförderanlagen und Speichertanks angerichtet haben. Die Anzahl der Todesopfer schwankt im zweistelligen Bereich. Schlimmeres wurde durch die Hilfe der IDF verhütet.

Diese Fakten werden von den Massenmedien im Abendland stark vernachlässigt. In ihrem Blickpunkt stehen die allseits erklärten „bad boys“ Donald Trump und Benjamin Netanjahu. Sie bieten optisch und faktisch Angriffsflächen, auf denen man sich fast grenzenlos in einer an Beleidigungen grenzenden Sprache wochenlang austoben kann. Zusammengefasst: Zwei „Dummköpfe“ beginnen angeblich einen „sinnlosen Krieg, von dem sie nicht wissen, wie sie ihn beenden“.

Der Zeitpunkt für eine Kriegsbilanz mag zu früh sein, aber mit Sicherheit lässt sich Ende April sagen: Der Nahe Osten ist ein besserer Platz als vor dem 28. Februar. Die Macht der Ajatollahs ist dramatisch geschwächt, ebenso deren Nuklear-Ambitionen. Die nach Hegemonie strebende Führung in Teheran, die seit Dekaden Israel von der Landkarte tilgen wollte, ist eliminiert. Die Schusskraft mit Langstreckenraketen ist stark eingeschränkt und das Netzwerk des Terrors von Gaza, Südlibanon, Syrien, Irak bis in den Jemen weitgehend zerschlagen. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi ist aktuell auf SOS-Tour in Moskau. An Putins Gesicht beim Empfang des notleidenden Staatsgastes kann man ablesen: Du hast mir gerade noch gefehlt.

Ein konzentriertes Handeln von Hamas, Islamic Jihad und Hisbollah auf Befehl des Iran gegen Israel gehört der Vergangenheit an. Die Angriffe aus dem Libanon sind die letzten aggressiven Zuckungen, die Israels Norden nach wie vor bedrohen. Aber die Regierung in Beirut führt direkte Gespräche mit Israel über eine Zukunft ohne Hisbollah. Die Ergebnisse sind noch mager. Aber die Tatsache als solche ist eine politische Sensation. Das gemeinsame Ziel ist artikuliert: ein Ende des Staates im Staat, was die Hisbollah bis vor 60 Tagen im Libanon uneingeschränkt war.

Die israelische Luftwaffe beherrscht den Luftraum zwischen Jerusalem und Sanaa im Jemen – immerhin 2500 Kilometer – als wäre es ihr eigener. Der arabische Himmel über Jordanien, Saudi-Arabien, Bahrain, Qatar und die Vereinigten Arabischen Emirate ist für Israels F-16-Kampfflugzeuge durchgehend geöffnet. Kein einziger Jet der Israel Air Force ist zu Schaden gekommen. Bei den abgestürzten Maschinen der US-Air Force handelt es sich um Unfälle.

Die Rettung der beiden Piloten aus iranischem Territorium war eine Meisterleistung. Die Geschichte wird diesen noch unvollendeten Krieg vermutlich höher bewerten als den Sechs-Tage-Krieg 1967 und den Yom-Kippur-Krieg 1973. Denn Muslime schießen auf Muslime, während Israel Sunniten vor Schiiten schützt.

Die Ursachen des Hasses der Ajatollahs gegen die ölreichen Nachbarn auf der anderen Seite der Straße von Hormus liegen 1400 Jahre zurück. Zeiträume, die in der Politik des aufgeklärten Abendlandes nicht nachvollziehbar sind. Da unterstützt man lieber einen „Palästinensischen Staat“, den es nie gegeben hat, nie geben wird, weil „die Palästinenser“ ihn nur propagandistisch wollen. Das Geschäftsmodell „Palästina“ bringt Milliarden an Spendengeldern, aber niemand kann realistisch die Frage nach den Grenzen dieses Staates beantworten.

Für die Geschichte, zurückblickend bis ins 7. Jahrhundert, als zwei Gruppen um die Nachfolge Mohammeds stritten, gibt es wenig Interesse. Sie könnte darüber Auskunft geben, dass im Jahr 661 der schiitische Anführer Ali ibn Abi Talib ermordet wurde. Das haben seine Nachfahren bis heute nicht vergessen und schon gar nicht verziehen. Der Prozess der unversöhnlichen Trennung zwischen Sunniten und Schiiten dauerte damals rund 50 Jahre und ist nachhaltig. Geschichte ist im Nahen Osten das Ergebnis von Geschichten (auch im Judentum und im Christentum), die weniger abendländisch-faktenorientiert sind. Wichtiger ist, was von wem weitererzählt und über Jahrhunderte geglaubt wird.

Da wird im ideologieverseuchten woken Abendland lieber sinnfrei von einem Groß-Israel vom Euphrat bis zum Nil geschwafelt, was keiner auch nur oberflächlichen Überprüfung standhält. Israel ist laut seiner innenpolitisch weitestgehend unstrittigen Unabhängigkeitserklärung aus dem Jahr 1948 der einzige jüdische Nationalstaat mit einer demokratischen Regierungsform. Wer auch nur Gaza und das Westjordanland annektieren will, vernichtet den mittlerweile im 79. Jahr wahrgewordenen Traum Israel rein zahlenmäßig. Mindestens jeder zweite Bürger wäre ein Moslem. Religiös verblendete Extremisten gibt es auch in Israel, hat es im Judentum immer gegeben. Aber sie sind über eine phantasiereiche Minderheit nie hinausgekommen.

Die aktuelle Verbrüderung von Naftali Bennett und Yair Lapid zur Partei „Gemeinsam“, die spontan von weiteren Oppositionellen für die bevorstehende Wahl in sechs Monaten unterstützt wird, lässt berechtigterweise darauf hoffen, dass Benjamin Netanjahus Zeit zu Ende geht. Dafür sprechen auch sein Alter (am Wahltag 77) und die gerade öffentlich gemachte angeblich überstandene Prostatakrebserkrankung. Die Mehrheit in Israel wünscht ihm schnelle und vollständige Genesung – aber lieber außerhalb des Amtes des Ministerpräsidenten.

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