Erst Jahrzehnte wegsehen, jetzt die Opfer ausladen: Die nationale Grooming-Gang-Enquiry entkernt sich selbst. Während Labour beschwichtigt, wächst die Gegenöffentlichkeit. Restore-UK-Politiker Rupert Lowe eröffnet eine Parallel-Untersuchung und bringt den Skandal mit Wucht zurück in die Aufmerksamkeit
Screenprint via X/Rupert Lowe
Allmählich beginnt sich eine wirkliche Gegenöffentlichkeit in Großbritannien herauszubilden. Und das ist kein gutes Zeichen. Die große nationale Untersuchung zu den Grooming- oder Rape-Gangs, wie es nun immer öfter heißt, also meist muslimisch-pakistanischen Banden zum Zweck der Vergewaltigung minderjähriger Mädchen und Jungen, darf schon jetzt als gescheitert angesehen werden. Doch damit wird das Thema nicht vergessen werden. Im Januar vor einem Jahr war der jahrzehntealte Skandal erst so richtig ins Rollen gekommen, nachdem Elon Musk die Labour-Regierung und ihren Premier direkt wegen ihrer Untätigkeit angegriffen hatte. „Wer stand an der Spitze der Staatsanwaltschaft der Krone, als Vergewaltigerbanden junge Mädchen ausbeuten konnten, ohne sich der Justiz stellen zu müssen? Keir Starmer“, schrieb Musk und forderte eine Gefängnisstrafe für den hoch umstrittenen und nun zudem wegen Verbindungen zu Epstein in den Schlagzeilen stehenden Premierminister.
Ohne die folgende Kampagne, die sich zum großen Teil auf X abspielte und viele Mitspieler hatte, wäre es wohl nie zu jener Untersuchung gekommen, die zunächst keine Mehrheit im Unterhaus fand. Erst im Juni kündigte Keir Starmer die Einsetzung der National Enquiry an, nachdem ein Prüfauftrag an die parteilose Abgeordnete Baroness Louise Casey ihm gute Gründe dafür geliefert hatte. Aber das Nein seiner Fraktion von Anfang 2026 hallte nach – es hallt bis heute nach und hat der Glaubwürdigkeit von Labour in der Sache unwiederbringlich geschadet.
— Darth Powell (@VladTheInflator) February 11, 2026
Es hat wohlgemerkt schon eine erste Untersuchung im Auftrag der Regierung gegeben, die im Oktober 2022 zum Abschluss kam. Aber viele Opfer kritisierten damals, die untersuchende Expertin Alexis Jay sei in ihren Schlussfolgerungen nicht weit genug gegangen. 19 Punkte daraus wollte die konservative Regierung befolgen. Aber es wurde nicht mehr darüber gesprochen, man hörte nichts, die Opfer blieben stumm, die Täter in der Deckung. Und neue Verbrechen geschahen noch immer täglich. Das sagte auch Jay und forderte alle Parteien auf, sich zu den Forderungen ihres Berichts zu bekennen. Das ist noch immer nicht passiert. Allerdings meint die Reformpartei, der Jay-Bericht selbst sei nicht weit genug gegangen. Daher die Forderung nach einer neuen National Enquiry.
Erst gingen die Opfer, dann löste man ihr Panel auf
Damals lehnte sich die Staatssekretärin im Innenministerium, Jess Phillips weit aus dem Fenster und behauptete, es gebe „Falschinformationen“ rund um die Untersuchung und die angeblich geplante „Vertuschung“ der Gang-Kriminalität. Aber das verschärfte nur das Klima zwischen Phillips und den Opfern. Überhaupt: Immer wieder Phillips, die im Innenministerium für die Sicherheit gerade von Frauen und Kindern zuständig ist. Bei der rothaarigen Labour-Dame heißt es oft: Erst reden, dann denken. Immer wieder stellt Phillips sich auf den Standpunkt, es sei doch an den Kommunen selbst, Untersuchungen durchzuführen. Im Frühjahr 2025 wollte sie verschiedenen Gemeinden erlauben, Regierungsgelder so einzusetzen, wie sie es für richtig halten. Was antiautoritär und devolutionistisch daherkommt, fördert den Erhalt schuldiger Strukturen, die sich so selbst ihre „maßgeschneiderte“ Untersuchung zimmern konnten und dabei vor allem „historische Fälle“ erkunden sollten, so Phillips. Das Echo war desaströs. Gesamteindruck: Labour wollte das Thema auf nationaler Ebene abräumen und in lokale Hinterzimmer verbannen.
Bis heute fühlen sich die Opfer „nicht respektiert“ und „ohne Stimme“, verraten und verzweifelt, nachdem das Panel nun definitiv sein Ende fand, wie Metro Anfang Februar berichtete. Nun ist der Kontakt zu den Opfern der Baroness Longfield vorbehalten, die zuvor Labour-Einpeitscherin („whip“) war. Ob das die Opfer einbindet oder vielmehr ihre Zungen binden wird, scheint zweifelhaft. Jedenfalls ist es eine Degradierung der Opfer im Zusammenhang der großen, nationalen Untersuchung, in der es angeblich um ihre Geschichten gehen soll.
Das Vertrauen der überlebenden Gang-Rape-Opfer in die gesamte Untersuchung sinkt beharrlich: „Den Überlebenden wurde gesagt, sie hätten eine Stimme, und dann wurde ihnen diese wieder genommen. Die Überlebenden müssen in die Untersuchung einbezogen werden, aber sie müssen auch respektiert und angehört werden.“ Überlebende – das ist vielleicht in diesem Fall einmal das richtige Wort; denn nicht alle Opfer haben die an ihnen vollführten Schandtaten überstanden und sind am Leben geblieben. Ein anderes Opfer namens Jessica meint: „Ich glaube, die Regierung hat das Panel nur eingerichtet, um uns alle zum Schweigen zu bringen.“
Alles nur ein orientalisierendes Narrativ?
Aber das sich ergebende Schauspiel wurde umgehend wieder zum Schauspiel der Politik. Der Schatteninnenminister der konservativen Tories, Chris Philp sagte, die Regierung schließe Überlebende aus, und weiter: „Ihre Stimmen wurden zu lange ignoriert – vor allem, weil die Täter überwiegend pakistanischer Herkunft waren.“ Das ist eine Botschaft, die nun in der konservativen Partei angekommen ist, die selbst ziemlich zaghaft auf die Ergebnisse der ersten Untersuchung von 2022 reagiert hatte.
Und es gibt sie wirklich, die akademische Schrift, die behauptet, die „Erzählung“ von „muslimischen Grooming-Gangs“ würden lediglich „orientalistische Klischees von Muslimen“ verbreiten. Und so würden am Ende die „extreme Rechte“ Frauenrechte „instrumentalisieren“. Gut zu wissen, dass solch eine Arbeit an zwei Hochschulen in London und Leeds finanziert wurde. Hilfreich scheint sie nicht. Denn nicht nur Charlie Peters – der einzige Berichterstatter beim Urteil gegen die Rotherham-Gang – wies darauf hin, dass Gerechtigkeit nicht rassistisch ist.
Die regierenden Kreise haben sich als unfähig erwiesen
All das sind die Rahmenbedingungen der Gegenöffentlichkeit, die sich nun wirklich zu bilden beginnt, weil die Politik sich über mehrere Regierungen hinweg als unfähig erwiesen hat, das Thema anzupacken. Warum das so ist? Das kann man sich an den Fingern einer Hand abzählen. Einige Elemente mögen genügen: Der Gesundheits- und Sozialminister der Konservativen zwischen 2021 und 2022 hieß Sajid Javid und ist pakistanischer Herkunft. Zuvor war er Gleichstellungs-, Kultur-, Wohnungs- und Innenminister gewesen, um nur einige Stationen zu nennen. Später avancierte er unter Boris Johnson zum Finanzminister, obwohl er gar nicht für den Brexit gewesen war. Als Innenminister ließ er zwar die ethnische Herkunft der Gang-Täter untersuchen, aber daraus folgte nicht viel, obwohl Javid sich als Hardliner präsentierte. Er wollte Doppelstaatlern den britischen Pass abnehmen, wenn es der Sache nützte. Das geschah wohl in einem Fall. Offenbar war auch die breitere Öffentlichkeit nicht reif für ein schärferes Vorgehen, lebte damals in einer Blase des Wegsehens.
Inzwischen sitzt die ebenfalls pakistanischstämmige Shabana Mahmood auf demselben Stuhl, für Labour, und macht einen nicht weniger zwiespältigen Eindruck. Jüngst forderte übrigens mit Anas Sarwar ein weiterer Paki-Brite und schottischer Labour-Chef den Premierminister zum Rücktritt auf.
Man könnte noch weitere Namen pakistanisch-stämmiger Politiker nennen, um das Problem zu illustrieren. Aber der Grundmechanismus ist wohl klar: Die Relevanz pakistanischer Wähler und Politiker für die großen Parteien bedeutet, dass ein heikles Thema wie die pakistanischen Rape-Gangs, die quasi die Glaubenskluft zwischen Muslimen und Christen ausbeuten, kaum öffentlich angegangen werden kann. Zudem sind die Pakistanis nicht nur als Wähler von Bedeutung, sondern auch als Kriminelle, die jederzeit Unruhen beginnen können oder damit aufhören können, ihre Viertel so zu bewachen, wie sie es bisher – im Auftrag und in Stellvertretung der britischen Polizei – tun. Die Sicherheitslage auf der Insel hängt längst von pakistanisch-muslimischen Gemeinschaftsbossen ab. Es gibt in diesem Sinne Abspaltungen aus dem einheitlichen Staatsgebiet.
Rupert Lowe und eine „lebensverändernde Erfahrung“
Und nun kommt ein Twist in die Sache. Eine relevante Zahl von Briten will sich diese Doppelmoral der Herrschenden nicht mehr gefallen lassen: jene Rede von Fairness und Gleichstellung, die aber verbirgt, dass einige gleicher sind, anders und besser, mit mehr Nachsicht behandelt werden und bei Straftaten nicht zur Rechenschaft gezogen werden, so wie es mit den Rape-Gangs über Jahrzehnte geschah. Sie spielten sich ab, obwohl Polizei und Sozialdienste davon wussten, und Eltern wurden nach Hause geschickt, weil die Mädchen diese Dinge ja freiwillig täten. Oft ging es aber auch um Heimkinder oder um solche, deren Eltern sich nicht genügend um sie kümmerten. Das wurde brutal ausgenutzt, so wie es auch in Deutschland – etwa im „Kentler-Experiment“ – geschah.
Und die Gegenöffentlichkeit beginnt sich nun zu bilden. Das bezeugen nicht nur die Umfragen- und Wahlerfolge der Reformpartei, sondern auch ein ganzes Heer von parallelen Initiativen. Der gesäßpolitisch „rechte“ Raum im Vereinigten Königreich ist weniger einig, als man angesichts des Reform-UK-Erfolgs denken könnte. Da ist zum einen natürlich Tommy Robinson, der sich hauptsächlich als politischer Aktivist, Blogger-Influencer auf X und Journalist betätigt. Daneben hat der Reform-Abtrünnige Rupert Lowe seine eigene Partei und seine eigene „Rape Gang Inquiry“ gegründet.
Er erinnert in diesen Tagen daran, dass nun die Beteiligung der vergewaltigten Frauen in der offiziellen Enquiry endet – in seiner Untersuchung aber erst beginnt. Für Lowe war es eine „lebensverändernder Erfahrung“, sich selbst mit den erlittenen Taten zu konfrontieren: „Ich hätte nie gedacht, dass ein solches Böses möglich ist. Niemals. Nicht hier, in Großbritannien. In unseren Städten, in unseren Gemeinden. Es ist das pure Böse.“ Selbst Lowe hatte bisher nicht verstanden, „wie tief dieses Böse in unserer Gesellschaft verwurzelt ist“.
Die Täter seien „absolut verdorben“. Und daran knüpft Lowe die Forderung nach der Todesstrafe für „Tausende von ihnen“. Die Taten seien im „industriellen Maßstab“ an unschuldigen Mädchen und Jungen begangen worden. Es ist wie in vielen Fällen ganz realer Verbrechen: Man muss erst die Kraft finden, sich mit ihnen zu konfrontieren, um ihr ganzes Ausmaß zu verstehen. Man kann das sicher mit den Opfern migrantischer Gewalt – auch sexueller Gewalt – in Deutschland vergleichen. Um etwa den wahren Charakter einer Vergewaltigung zu verstehen, könnte es zunächst ausreichen, sich Ingmar Bergmans Version dieser Tat in dem Schwarzweißfilm „Die Jungfrauenquelle“ (1960) anzusehen – zusammen mit der explosiven Rache des Vaters. Dazwischen kann man ebenso die Naivität der Jungfrau beobachten, die ihren Proviant mit den Fremden vom Wegesrand teilt, dann aber auch die finster ansteigenden Absichten dieser Räuber. Das Ende erinnert durchaus an die Heimkehr des Odysseus und Botho Strauß’ Drama „Ithaka“. Man kann mit einiger Sicherheit sagen, dass die offizielle Untersuchung der Grooming- oder Vergewaltigungsbanden ein weniger eindrucksvolles Ergebnis haben wird.



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Es ist doch dieselbe Situation in Deutschland. Wieviele Massenvergewaltigungen haben wir hier pro Jahr – 780?
Auch parteipolitisch sind wir nicht allzu weit von der Labour-Partei.
https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/spd-gegen-afd-ordnungsruf-nach-rede-zu-massenvergewaltigungen-entfacht-grundsatzstreit-li.10018810
Die sind alle verstrickt. Starmer war fünf Jahre lang der Chef der Staatsanwaltschaft. Er selbst hat nichts gegen den tausendfachen Missbrauch getan, sondern ihn vertuscht und ermöglicht. Alleine deshalb schon müsste er zurücktreten.
Wenn die englische Regierung bei dennGegenmaßnahmen der Eingeborenen nur halb so gut im Beschwichtigen wäre, hätte sich das Problem längst erledigt. Es erschöpft sich eben nicht im Wegsehen. Tatsächlich unterstützt die Regierung aktiv jede Gegenwehr der Ureinwohner.
Statt der Berserker verlassen Engländer GB: Tommy Robinson has been forced to flee the UK after police warned he has been named as a priority target in an Islamic State publication which encourages others “to commit violence” against him. “I have now left the country. I need time to work things out for my safety and the safety of my family. I will probably have to relocate them,” Robinson said on X. https://x.com/visegrad24/status/2022637291672359035 Read this. This is the mass deportation policy Britain needs. This must be copied throughout Europe. Hopefully Rupert Lowe can show other Europeans how it is… Mehr
Ropert Lowe hat mittlerweile über 600.000 GBP gespendet bekommen. Zur Zeit werden die von ihm initiierten Untersuchungen noch von Sc(M)andelson Berichten in vielen Medien überlagert, aber die flauen auch wieder ab und ich bin gespannt, welche Erkenntnisse bis zu den Lokalwahlen Anfang Mai vorliegen werden.