Angela Merkel sucht Friedrich Merz auf dem Parteitag heim

Die Kanzlerin a.D. besucht nach fast sieben Jahren Abwesenheit wieder einen Bundesparteitag der CDU. Unseriöse Spekulationen handeln von verschiedenen Putsch-Szenarien in der Partei. Doch der Blick der Berufsfunktionäre führt woanders hin.

picture alliance / Sven Simon | Frank Hoermann

Das Verhältnis von Jürgen Klopp zum SWR-Journalisten Stephan Mai ist legendär. Der damalige Trainer von Borussia Dortmund warf Mai vor, ein „Seuchenvogel“ zu sein. Das meinte Klopp durchaus ernst. Er verweigerte ihm ein Interview. Klopp warf Mai vor, dass er immer verliere, wenn der zu seinen Spielen komme und dass die ARD ihn absichtlich zu einem Spiel gegen den 1.FC Kaiserslautern geschickt habe, um diese Pechserie zu inszenieren.

Themenwechsel. Angela Merkel besucht am übernächsten Wochenende den Bundesparteitag der CDU in Stuttgart. Es ist der erste Besuch seit 2019. Am Ende ihrer Amtszeit fanden die Parteitage als Folge von Merkels Corona-Politik nur digital statt. Danach schlug sie die Einladungen ihrer Partei aus. Unter ihrem Nachfolger Olaf Scholz (SPD) hielt sich die Kanzlerin a.D. mit Kommentaren zur Tagesaktualität zurück, seit aber Friedrich Merz (CDU) auf ihrem einstigen Stuhl sitzt, ist Merkel so etwas wie ein weiblicher Ruprecht Polenz geworden.

Für Merz ist ihr Besuch kein gutes Zeichen. Merkel ist der „Seuchenvogel“ seiner Karriere. Nach der Ära Helmut Kohl gewann sie den Machtkampf gegen ihn turmhoch und zwang Merz für zwei Jahrzehnte auf die Ersatzbank, von der aus er Stellen annehmen musste wie den des Brexit-Beauftragten des Landes Nordrhein-Westfalen. Als der Bundestag den Ersatzspieler dann letztes Jahr am 6. Mai zum neuen Kapitän wählen sollte, war sie da – als er im ersten Wahlgang scheiterte. Erst nachdem sein persönlicher „Seuchenvogel“ den Reichstag verlassen hatte, war der Weg für den damals 69-Jährigen frei. Die Einladung zu seinem 70. Geburtstag schlug sie ebenfalls aus.

Der Besuch der alten Dame beschäftigt das Internet. Die einen spotten wie Detlef Kerkau, der auf X die CDU mit der Augsburger Puppenkiste vergleicht und ein Meme zeigt, auf dem Merkel die Puppe Merz an den Fäden führt. Andere Nutzer spekulieren, was der Besuch zu bedeuten hat. Der Großmeister des Journalismus, Hugo Müller-Vogg, bringt es auf X wie gewohnt auf den Punkt: „Eines ist sicher: Wenn Angela Merkel zum CDU-Parteitag kommt, tut sie das nicht, um Friedrich Merz zu unterstützen.“

Doch wer in Stuttgart Großes erwartet, der betreibt „Wishful Thinking“. Den Versuch, die Welt durch bloßes Wünschen zu verändern. Gefolgt von der permanenten Wut auf eine Welt, die sich beharrlich weigert, so zu werden, wie man sich das in seinem Stübchen so schön ausgedacht hat. Das gilt für die Anhänger Merkels ebenso wie für ihre Gegner. Merkel kommt nicht nach Stuttgart, um Merz zu stürzen – ebenso wenig werden die letzten Konservativen in der Partei gegen Merz’ grün-roten Kurs rebellieren.

Die 71-Jährige leidet unter dem, worunter viele Ehemalige leiden: Sie kommt mit ihrem Bedeutungsverlust nicht klar. Es schmerzt sie, dass die Nachwelt viel deutlicher auf ihr Scheitern blickt, als sie selbst dazu bereit ist. Wenn eine ARD am Ende ihrer Amtszeit eine Doku als Lobhudelei inszeniert, um sie dann schon wenige Wochen nach ihrem Abgang nicht mehr zeigen zu können – weil die Kanzlerin eben nicht annähernd so gut war, wie es die Doku darstellte. Wenn Merkel nach Stuttgart fährt, macht sie das gleiche wie Polenz – nur auf deutlich höherem Niveau: Sie stänkert und stichelt, um sich selbst zu vergewissern, dass sie noch existiert.

Wollte Merkel Merz stürzen, wäre Stuttgart nur auf den ersten Blick ein passender Ort. Passend, weil der Kanzler sich der Neuwahl als Parteivorsitzender stellen muss und Unzufriedene gibt es reichlich in der Partei: Die Merkelianer, weil Merz ihre verheerende Einwanderungspolitik mit dem Schlagwort „Stadtbild“ zaghaft kritisiert hat. Die Konservativen, weil Merz entgegen allen Versprechen eine links-grüne Agenda umsetzt. Die Christdemokraten könnten ihren Vorsitzenden folglich mit einem schlechten Ergebnis abstrafen, so wie es die Sozialdemokraten mit Lars Klingbeil gemacht haben.

Doch dafür ist Stuttgart eben auch der falsche Ort. Gut zwei Wochen später wird der dort sitzende Landtag neu gewählt. Nach der Katastrophe Stefan Mappus könnte die CDU ihre einstige Hochburg zurückgewinnen und nach 15 Jahren wieder in die Staatskanzlei einziehen. Die Umfragen sehen sie vor dem Koalitionspartner Grüne. Die SPD ist marginalisiert. Diese Chance werden sich die Stuttgarter Delegierten – in der überwältigenden Mehrheit Berufspolitiker – nicht durch eine Trotzwahl gegen Merz gefährden.

Die CDU 2026 ist eine Mischung aus dem alten Kanzlerwahlverein zu Zeiten von Konrad Adenauer oder Kohl und den Grünen. Das zeigt sich an den Anträgen zum Parteitag. Die sind letztlich nur Willenserklärungen, was die Christdemokraten wollen und Merz mit seinem Team im Idealfall umsetzen soll. Doch wer sieht, wie Merz und Co den Beschluss der Partei ignorieren, sie sollten nicht mit den Linken zusammenarbeiten, der weiß, wie wenig diese Beschlüsse in der Machtpraxis wert sind.

Eine Bedeutung haben diese Beschlüsse nur dann, wenn sie öffentlich das fordern, was Merz ohnehin tun würde. So wie die Initiative des Landesverbandes Schleswig-Holstein Soziale Netzwerke für Menschen unter 16 Jahre zu sperren. In der grünen neuen Welt der CDU sind sie dann alt genug, über ihr Geschlecht zu entscheiden, aber zu jung, um oppositionelle Meinungen zu hören. Diese Zensur des Internets will die SPD, also setzt Merz sie um – der Antrag dazu ist nur Trallalala für die geneigte Presse.

Obwohl die Anträge derart bedeutungslos sind, reichen die Christdemokraten mittlerweile ihre Anträge genau so ausufernd ein wie sonst nur die Grünen. 24 Seiten Din-A-4 nimmt allein das Inhaltsverzeichnis, die Aufzählung aller Anträge, ein. Darunter finden sich Perlen wie: „Das Engagement gegen Einsamkeit verstetigen“, „Rauchverbot in Autos umsetzen“, „Deutschland als Bordell verhindern“ oder „Bewerbung um die Austragung der Fußballweltmeisterschaft der Männer für das Jahr 2042“.

Angesichts der fehlenden Konsequenz dieser Anträge sind sie ein Ausdruck, dass die Christdemokraten mittlerweile zur selben akademischen Selbstbespiegelung neigen, wie die anderen linken Parteien SPD, Grüne oder Linke. Und auch, dass ihre Berufsfunktionäre umso mehr bereit sind, sich in die Belange und den Alltag der Bürger einzumischen, desto stärker sie in den Kernaufgaben der Politik versagen. Auch da ähneln die Christdemokraten den anderen Linken immer mehr.

Und wer dem Antrags-Gebalze immer noch etwas abgewinnt, was mehr als Trallalala ist, der kennt die „Antragskommission“ noch nicht. Die streicht unter der Führung von Generalsekretär Carsten Linnemann alles aus den Anträgen heraus, was Merz unbequem sein könnte. Also alles, was die SPD ablehnen würde und Klingbeils Küchenschwamm Merz folglich eh nicht durchsetzen könnte. So wollte ein Antrag, dass die Außengrenzen der EU vor illegaler Einwanderung geschützt werden, daraus machte Linnemanns Team, das „Zusatzprotokoll zur Europäischen Menschenrechtskonvention“ solle „geprüft werden“.

Die Delegierten wollten eine Senkung der Stromsteuer noch in diesem Jahr. Linnemanns machten ein „schnellstmöglich“ draus. Aus der Forderung, dass die Betriebe und Beschäftigten mit den Kassenbeiträgen nicht mehr die Gesundheitsversorgung der Bürgergeld-Empfänger bezahlen, wurde: „In den Sozialversicherungen müssen beitragsbezogene Leistungen wieder klarer von steuerfinanzierten Leistungen abgegrenzt… werden“, heißt es jetzt. Die Christdemokraten 2026 sind wie Grüne ohne Zähne. Dazu sitzt dann Angela Merkel auf der Tribüne. Für die einen ein passendes Maskottchen, für die anderen ein „Seuchenvogel“.

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Kommentare ( 64 )

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M. Stoll
6 Minuten her

Hauptsache die linken Schreiber haben wieder ihre Stoppuhren dabei, damit sie messen und ausschmückend berichten können, wie lange die CDU-Hasen diesmal für Mutti, unser grünes Idol, klatschen.
Alles andere würde mich schwer enttäuschen.
Merkels Parole: Erst das Land, dann die Partei !
Sie hat es geschafft. Bei beiden.

Nibelung
10 Minuten her

Das spielt keine Rolle mehr, wo und wie sie sich begegnen, denn mit der Epstein-Affäre zeigt es sich, daß einer von 90 Jahren doch recht hatte, was sich nun in aller Form bestätigt.

Peter Gramm
19 Minuten her

Es gibt ja Leute die beharrlich an ihrer Herkunft aus dem Osten herumforschen aber nie so richtig fündig geworden sind. Sie selbst sieht sich dazu auch nicht sonderlich auskunftsfreudig. Auch die Erkenntnisse aus ihrer Doktorarbeit wurden im Netz schon mehrfach bewertet und diskutiert ohne große wissenschaftliche Erkenntnis. Bei Doktorarbeiten immer öfter der Fall. Hauptsache Titel, mehr nicht. Vielleicht ist dies auch eine Dankesreise zu dem scheidenden Kretschi der ihr den höchsten Orden Ba-Wü’s um den Kragen hängte. Für was ist nicht so genau bekannt. Hauptsache buntes Blechle zum anderen Buntmetall dazu. Vielleicht gibt es auch einen Seitenhieb gegen den Kanzler… Mehr

Evero
33 Minuten her

Die ehemaligen Volksparteien machen Politik für exotische Minderheiten und zeigen den Leistungsträgern im Land permanent die Arxxxkarte.
Die AfD ist das Auffangbecken für die vergrätzten Massen und wächst und wächst.
Die CDU ist auch unter Merz nicht bereit, nach Merkels Wokeness-, Diversitäts- und Multikulti-Agenda ihre Politik merklich zu ändern.
Merkel hat mit der Rekrutierung ihrer linken Mitstreiter nach wie vor entscheidenden Einfluß in der Partei. Merz ist nur die Marionette der Merkelaner und der SPD.

Ho.mann
34 Minuten her

Wenn zwei Seuchenvögel mit viel Hassliebe und Heuchelei auf dem Parteitag gegenseitige Gefiederpflege betreiben wollen, deren schmutzige Federkleider bisher und künftig nur dunkle Schatten beim politischen Zeitgeist hinterlassen, dann wird es selbst den entkernten und gerupften CDU-Gefiederpflegern nicht mehr gelingen, ihren Partei-Maskottchen wieder saubere Federn zu verpassen. Der Zug ist abgefahren.

Rasio Brelugi
34 Minuten her

Hätte Merz die Politik gemacht, die er im Wahlkampf versprochen hatte, käme Merkel ganz sicher nicht zum Parteitag.
Jetzt allerdings, mit seiner rückgratlosen Merkel-Politik, kriegt er die Dame nie mehr los. Sie wird immer auftauchen, um ihm zu zeigen, dass sie die Siegerin ist..
Das gönn ich ihm.

Budgie
37 Minuten her

Die kommen vom Regen in die Traufe und nirgendwo ist ein trockenes Plätzchen sichtbar. Wir haben 4 totalitäre linke Kartellparteien im Parlament: CDU/CSU, SPD, Grüne und Linke und die Zeit wird das Problem lösen. Am Ende werden max. 2 linke Parteien übrig bleiben und welche das sind, dass werden wir sehen. Die CDU wird es jedenfalls nicht sein. Mielke hat doch seiner besten Tscheka- alias Stasi-Mitarbeiterin den Kampfauftrag übergeben. Und erfolgreich ist sie ja. Da wird er sicher nicht meckern, in seiner Kiste.

OJ
37 Minuten her

Liebe MEHRHEIT der Rentner , da sie seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland immer SPD und CD/CSU wählen, tragen sie die Verantwortung. Mit ihrer Stimmabgabe legitimieren sie die SPD und CDU/CSU in ihrem Sinne zu handeln. Damit haben sie sich für alle großen Probleme, welche die Politik geschaffen hat, verbürgt❗

PK110
42 Minuten her

Ohne einen endgültigen Bruch mit der Ära Merkel wird die CDU zwischen AfD und SPD zerrieben.

Monika Vogel
51 Minuten her

Die Partei des größten Verrats an den konservativen Werten Deutschlands wird gemeinsam mit Merkel in die Kameras lächeln und ihrem zerstörischen Werk in ergebener Pose genauso huldigen wie in Merkels Regierungszeit. Und die braven CDU/CSU-Wähler werden jenseits jeglichen Realitätssinns demnächst in BW und Bayern wieder zahlreich die Gesetzesbrecher-Partei wählen. Die Deutschen – ein Volk ohne Schmerzgrenzen. Wann kommt die Erlösung?