Die Corona-Akte „Spahn“ füllt sich

Jens Spahn (CDU) ist das Gesicht des Masken-Desasters: Milliarden für zu viele Masken, am Ende Vernichtung – mittendrin Interessenskonflikte en masse, Deals über Deals, Provisionen, Vergleiche und ein geschwärzter Sudhof-Bericht. Nun stehen weitere schwere Vorwürfe im Raum.

picture alliance / dts-Agentur

Mit Masken-Deals haben sich vor allem in den ersten Corona-Jahren viele trickreiche Leute eine goldene Nase verdient – mir direkter oder indirekter Hilfe der „hohen“ Politik. Der Schaden für den Steuerzahler bewegt sich im Milliardenbereich. Milliarden Euro und Masken wurden im wahrsten Sinn des Wortes – in Müllverbrennungsanlagen – verbrannt.

Der Bundesrechnungshof (BRH) stellte am 28. März 2024 fest: Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) beschaffte zu Beginn der Corona-Pandemie 5,7 Milliarden Schutzmasken im Wert von 5,9 Milliarden Euro, obwohl der Bedarf viel geringer war. Es fehlte jegliche Mengensteuerung. Mehr als zwei Drittel der Masken wurden nie verwendet, mehr als die Hälfte ist bereits vernichtet oder dafür vorgesehen. Der Nutzen für die Pandemiebekämpfung war entsprechend gering.

Die Abzocker

Nun ja, niemand wusste zu Beginn der Pandemie genau, woher sie kommt, wie es weitergeht und was zu tun ist. Was politisch in den Jahren 2020/2021 aber geschah, war chaotisch. Chaos, was immer es koste! Von Anbeginn des Maskenskandals leuchtete TE vor allem in den Kauf von Masken hinein. Für TE stand 2021 im Mittelpunkt etwa der Open-House-Zuschlag vom 9. April 2020 ohne Ausschreibung zu einem Stückpreis von „gut 5 Euro“ für rund 20 Millionen Masken an die Firma Areal Invest XXXI (siehe weiter unten). Siehe auch Tichys Einblick und Tichys Einblick. Früh waren Netzwerke und „Kennt-man-Beschaffungen“ zu erahnen. Siehe Tichys Einblick

Zahlreiche Krisengewinnler verdienten sich eine goldene Nase.

Beispiel 1: Die Fa. Schweizer Firma Emix. Das BMG hat dort Masken für rund 750 Millionen Euro gekauft. Hinter Emix stehen zwei Jungunternehmer, die Masken in China kauften und zu hohen Preisen an das BMG, ebenso wie an Ministerien in Bayern und NRW weiterverkauften. Der Preis für jede FFP2-Maske lag dabei im Schnitt bei 5,58 Euro. Wiewohl der TÜV Nord gerügt hatte, 48 Prozent der Emix-Masken seien mangelhaft. Eine weitere Tranche im Umfang von 81 Millionen FFP2-Masken durfte Emix laut der „Klarstellungsvereinbarung“ bis spätestens Ende Juli 2020 liefern. Doch auch danach wurde Emix noch „ein dreimaliges Nachlieferungsrecht zum Ersatz mangelhafter Ware eingeräumt“, dies bis Ende Dezember 2020. Während übrigens gegenüber anderen Maskenlieferanten strikt auf die Einhaltung von Lieferterminen gepocht wurde.

Maßgeblich eingefädelt hat einen 670-Millilonen-Deal mit Emix Andrea Tandler, Tochter des vormaligen CSU-Granden Gerold Tandler. Über die Strauß-Tochter, vormalige bayerische Kultusministerin und aktuelle EU-Abgeordnete Monika Hohlmeier bekam Tandler die Handynummer von Jens Spahn und Ruckzuck einen Auftrag von Spahn persönlich. Preis pro Maske: 5,95 Euro. Eine Hamburger Firma, die Spahn gleichzeitig Masken für 4,25 Euro anbot, zog den Kürzeren. Diese Firma verklagt den Bund nun wegen eines entgangenen Auftrags auf rund 450 Millionen Euro. Andrea Tandler indes kassierte für den Deal mit Emix eine Provision von 48,5 Millionen Euro (entsprechend rund 7 Prozent des Gesamtvolumens). Diese 48,5 Mio. Euro versteuerte Andrea Tandler nicht ordnungsgemäß, so dass dem Fiskus zwischen 7,8 und 11,5 Mio. Euro Steuern entgingen. Andrea Tandler wurde dafür vom Bundesgerichtshof im Juli 2025 zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.

Beispiel 2: Die Fa. Real Invest XXXI Grundstücksgesellschaft. An ihr ist der vormalige CDU-Politiker, Ex-Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus, mit 40 Prozent beteiligt. Korte stammt aus NRW wie Spahn bzw. aus dem Sauerlandkreis wie Friedrich Merz, für den Korte 1989 dessen EU-Wahlkampf organisierte. Kortes Firma durfte lt. Vertrag mit dem BMG vom 24. April 2020 19,999 Millionen FFP2-Masken bis März 2021 zum Preis von 107 Millionen Euro liefern. Kortes Firma bekam zudem einen „Abgeltungsbetrag“ in Höhe von 17.999.000 Euro gewährt. Wofür, das ist nicht bekannt. Sonderbeauftragte Sudhof (siehe unten) dazu: „Eine entsprechende Gegenleistung oder Rechtsgrundlage (wie zurechenbare Kosten aus Verzugsschaden) erschließt sich nicht.“

Aus einer BMG-Akte ergibt sich nun, dass es offenbar nicht bei den 17,999 Millionen Euro blieb. Areal Invest sollte mit dem Vergleich 16,2 Millionen neue Masken liefern und dafür weitere 42 Millionen Euro bekommen. Pro Maske 2,18 Euro netto bzw. inkl. 17,999-Millionen-Abschlag 3,11 Euro je Maske – jetzt mit Frist bis zum 15. Dezember 2022. Da waren die Maskenpreise längst auf 30 Cent abgestürzt. Der Begünstigungsverdacht (zugunsten der Fa. Areal Invest XXXI) erhärtet sich damit. Mit einem Vergleich indes habe sich das BMG mögliche Prozesskosten von knapp fünf Millionen gespart, außerdem mögliche weitere 33 Millionen Euro für die Masken.

Dabei ging es vor allem um drohende Verzugszinsen, die inzwischen aufgelaufen waren und die der Bund dank des Vergleichs nicht mehr zahlen musste. Heute gehört Korte übrigens einer Holding an, die Ansprüche anderer Maskenkläger gegenüber dem Bund aufgekauft hat. Die Firma fordert 480 Millionen Euro plus Zinsen. Darüber berichtete die SZ bereits im November 2024.

Der geschwärzte Sudhof-Bericht

Mittlerweile gibt es den 169 Seiten starken sog. Sudhof-Bericht zu den Masken-Deals. Die vormalige SPD-Staatssekretärin Margaretha Sudhof war im Juli 2024 vom damals amtierenden Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zur Sonderermittlerin in Sachen Maskendeals ernannt worden. Deren Bericht ging im Januar 2025 an das BMG, öffentlich bekannt wurde er erst im Juli 2025. Die Mitglieder des Haushaltsausschusses bekamen den Bericht am 24. Juni 2025 – auf Veranlassung der amtierenden Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) an vielen Stellen, ja seitenweise (etwa Seiten 46 bis 49) geschwärzt. Warken hatte nach eigenen Angaben Passagen schwärzen lassen, um Persönlichkeitsrechte, Dienst- oder Firmengeheimnisse zu schützen. Man kann mit Fug und Recht vermuten, dass es darum ging zu verschleiern, in welche Prozesse Spahn eingebunden war.

Hier die geschwärzte Fassung. Hier die ungeschwärzte Fassung.

Apropos „Enquete“: Einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss dazu gibt es bislang nicht. Über die jüngste (zwölfte!) Sitzung der Enquete-Kommission vom 15. Dezember hat TE am 16. Dezember berichtet.

In Sachen Corona hat die CDU parallel ein Problem mit CDU-„Spitzen“-Frau Ursula von der Leyen

In den Jahren 2020/2021 wurden zwischen der EU-Kommission und Pharmaunternehmen Verträge per SMS (!) über den Kauf von Impfstoffen gegen Covid-19 geschlossen: Ruckzuck ging es um 35 Milliarden Euro für eine Bestellung von 1,8 Milliarden Impfstoffdosen. Diese Impfstoffe vergammeln nun, gezahlt werden muss noch bis Ende 2026. Wer hat das eingefädelt – einfach mal so per SMS? EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (UvdL, CDU)! Von ihr werden solche Mammutverträge ganz hemdsärmelig als SMS-Austausch mit Pfizer-CEO Albert Bourla abgeschlossen.

Die „New York Times“ (NYT) klagte schließlich im Januar 2023 vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH), weil ihr die Vertragstexte nicht zur Verfügung gestellt wurden. Am 14. Mai 2025 rügte der Europäische Gerichtshof diese mangelnde Transparenz. Bereits am 17. Juli 2024 hatte der Gerichtshof der Europäischen Union von UvdL verlangt, ihren dubiosen 35-Milliarden-Euro-Vakzine-Deal mit Pfizer offenzulegen. Sie tat es bis heute nicht, wurde dennoch zum zweiten Mal als EU-Kommissionspräsidentin bestätigt und – mit einer Laudatio von Kanzler Merz – am 28. Mai 2025 mit dem Karlspreis der Stadt Aachen ausgezeichnet. Wofür? „Für ihre herausragende Führung der EU in Krisenzeiten“ – zum Beispiel in den Corona-Jahren!

Apropos Preis für das „Corona“-Management: Ex-Kanzlerin Merkel (CDU) bekam soeben vom „grünen“ Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann die Große Staufermedaille in Gold, den höchsten Staatspreis Baden-Württembergs, für ihre „außerordentlichen Leistungen in der Pandemie“!

Wann bekommt Spahn einen Preis für seine Corona-Deals? Oder bringen ihn zwei aktuelle SPIEGEL-Dossiers zu Fall? (hier und hier).

Dann allerdings hat Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz ein Problem, das weit über die Personalie Wolfram Weimer hinausreicht.


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Kommentare ( 65 )

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heinrich hein
1 Monat her

daran sieht man, welches mEVerbrecher-Regime mittlerweile dieses Land „regiert“

Juergen P. Schneider
1 Monat her

Die stolze neue Besitzerin der Staufer-Medaille in Gold weiß vermutlich nicht einmal, wer die Staufer gewesen sind. Dass Merkel ein halbgebildetes Bauerntrampel ist, müsste eigentlich jedem auffallen, der einmal dem Gestammel dieser Dorfkommunistin gelauscht hat.

lagosdecoyol
1 Monat her

„Die Corona-Akte „Spahn“ füllt sich“
Aber leider ohne Konsequenzen.

Judith Panther
1 Monat her

https://www.youtube.com/shorts/3PJM5jdHsIw
Insiderin beobachtete zu Maskenpflichtzeiten:
Jens Spahn Spendendinner ohne Maske

Eddy08
1 Monat her

Es ist doch korrekt wenn A.Merkel für außerordentliche Leistungen ausgezeichnet wird, denn sie hat es außerordentlich geschafft, ein Land zu spalten und es wirtschaftlich an den Abgrund zu führen. Frau Merkel und ihre Günstlinge haben sich besonders im Bereich der Korruption, Veruntreuung und Verschwendung hervorgetan…

Edward S.
1 Monat her

Volltreffer. Aber bedenken Sie bitte, dass es auch keinen Beweis für dieses Virus gibt. Es wurde nie isoliert.

Der Drostnische PCR wurde in einer Nacht- und Nebelaktion zusammengebastelt, jaja, der „Goldstandard“.

Denken Sie auch bitte an Magufulis Video, in dem er von positiv getesteten Papayas und Ziegen berichtete. Magufuli ist unter mysteriösen Umständen verstorben und seine Nachfolgerin hat die diktierte “ Pandemie“-Politik umgesetzt.

Sicher alles nur Zufall.

Last edited 1 Monat her by Edward S.
Eddy08
1 Monat her

Interessanter Weise werden heute noch immer Feuerwehrmänner, Polizisten und Bundeswehrsoldaten mit der Plörre zwangsgeimpft. Wie will das Ukrainewilli Pistorius seinen Untergebenen noch verkaufen?

Kassandra
1 Monat her
Antworten an  Eddy08

Polizisten seltsamerweise nie unter Zwang.
Ich konnte nie verstehen, weshalb die dabei ausgelassen werden.

Rob Roy
1 Monat her
Antworten an  Kassandra

Ganz einfach. Um glaubhaft zu sein, hätte man dann sämtliche impfunwilligen Polizisten suspendieren oder entlassen müssen. Bei einer Quote von bis zu 25% Impfunwilligen wäre es zu einem gigantischen Personalmangel gekommen. Zumal ohnehin viele Beamte (mit und ohne Impfung) „coronakrank“, sprich mit positivem Test, zuhause bleiben mussten.
Wer hätte sich dann den Kritikern der Coronamaßnahmen auf den Straßen mit Wasserwerfer und Schlagstock entgegengestellt oder Kinder auf Rodelschlitten gejagt?

Rob Roy
1 Monat her
Antworten an  Eddy08

Die Impfduldungsplicht für Soldaten wurde erst letztes Jahr aufgehoben. Selbstverständlich wird eine jetztige Verweigerung der Impfung in die Personalakte eingetragen und bei der Prüfung einer Beförderung berücksichtigt.

Manuela
1 Monat her

„niemand wusste zu Beginn der Pandemie genau, woher sie kommt, wie es weitergeht und was zu tun ist.“ Da bin ich mir nicht so sicher, wenn man Tom Lausen, Stefan Homburg, Michael Nehls und viele andere mit ihren Recherchen so verfolgt, Was passiert da eigentlich mit der Umwelt, wenn so viele Giftmasken einfach mal so verbrannt werden? “Ex-Kanzlerin Merkel (CDU) bekam soeben vom „grünen“ Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann die Große Staufermedaille in Gold, den höchsten Staatspreis Baden-Württembergs, für ihre „außerordentlichen Leistungen in der Pandemie“!“ Haben derlei Preise überhaupt (insbesondere heute) noch irgendeine Bedeutung? Ich bin da ganz bei dem Physiker Richard… Mehr

Last edited 1 Monat her by Manuela
Sagen was ist
1 Monat her

Die Corona-Akte „Spahn“ füllt sich“

Akten füllen sich?

Das einzige, was sich stetig füllt, sind diverse (non m/w) Konten – SIC

Guzzi_Cali_2
1 Monat her

Daß man diese Aale nicht zu fassen kriegt. Die decken sich gegenseitig, daß man es kaum aushält. Es müßte nur einer aus der Mauer fallen, dann wäre Action im Haifischbecken.