Chinas Zentralbank ernennt die Deutsche Bank zur ersten europäischen Renminbi-Clearingstelle

Mit der Ernennung der Deutschen Bank zur ersten europäischen Clearingstelle für Renminbi-Transaktionen gewinnt das geopolitische Schachbrett neue Konturen. Die USA stützen ihren engsten Partner Japan auf Kosten des Euro, während China die Europäer in sein geldpolitisches Netzwerk lockt. Gefragt sind jetzt intelligente Diplomatie und ökonomische Stärke.

picture alliance / ROPI | Antonio Pisacreta/ROPI

Wer Orientierung in der Geopolitik suchte, kam im August auf seine Kosten. Zum Monatsbeginn machten die Amerikaner klar, wer ihr wichtigster geostrategischer Partner außerhalb der eigenen Hemisphäre ist: Japan.

Mit einer rekordverdächtigen Währungsintervention stützten beide Seiten gemeinsam die japanische Währung und stießen die europäischen Partner dabei diplomatisch vor den Kopf. Ohne Vorwarnung veräußerten die USA einen Euro-Milliardenbestand, um dem japanischen Yen unter die Arme zu greifen. Das ist Diplomatie mit dem Vorschlaghammer – ein Signal, das für die Europäer mehr als eine bloße Warnung sein sollte.

Es wäre angebracht, die Strategie im Umgang mit Washington zu überdenken. Man wäre gut beraten, in Rechnung zu stellen, dass die USA ihre Strategie von „America First“ mit harter Hand umzusetzen gedenken. Machen wir uns nichts vor: Ganz gleich, ob USA, China oder die sich immer schneller verschuldende EU – wir befinden uns in einem race to the bottom. Die hohen Schuldenstände werden Währungsabwertungen regelrecht erzwingen. Kommt es zum Schwur an den Anleihenmärkten und einem massiven Abverkauf mit explodierenden Zinsen, wird der Dollar wie stets die Fluchtwährung sein. Zudem werden die USA keine Sekunde zögern, mit Swaplines, also schnellen Liquiditätshilfen, gezielt und selektiv ihre Partner über Wasser zu halten.

Es ist nicht zu übersehen: Die EU und ihre Mitgliedstaaten stehen unter massivem Zugzwang – nicht zuletzt aufgrund der zerbröselnden Wettbewerbsfähigkeit, die das eigene politische Modell heraufbeschworen hat. Da passt es ins Bild, was sich am 10. August in Frankfurt ereignete: Die People’s Bank of China (PBoC) ernannte mit der Deutschen Bank das erste europäische Geldhaus zur offiziellen Clearingstelle für internationale Renminbi-Transaktionen.

Ein realistischer Blick auf die Geopolitik bestärkt den Verdacht, dass Peking und Brüssel angesichts der aggressiven Dollar-Politik ein Stück weit zusammenrücken. Auf geldpolitischer Ebene wäre dies ein Hauch von Tauwetter. Immerhin: Nach dem diplomatischen Super-GAU im vergangenen Jahr, als China kurzerhand mit einem Exportstopp bei Seltenen Erden drohte und Brüssel zeitverzögert seinen Digital Services Act mit massiven Strafen gegen Firmen wie Temu und AliExpress scharfstellte, ist dies auch dringend nötig.

Doch handelt es sich bei dem Abkommen mit der Deutschen Bank möglicherweise um chinesischen Währungskolonialismus? Die Deutsche Bank könnte als Clearingstelle zum Dreh- und Angelpunkt europäischer Unternehmen werden, die der Stabilität der chinesischen Währung Vertrauen schenken und künftig bereit sind, das Dollarsystem zu umgehen. Selbstverständlich wächst dabei die Gefahr amerikanischer Sanktionen – SWIFT ist immer noch ein scharfes Schwert, auch wenn Chinas Gegenmodell „mBridge“ bereits am Horizont Konturen annimmt.

Was aber genau bedeutet die Ernennung der Deutschen Bank? Die Integration des global bestens vernetzten Geldhauses schafft Effizienz im Transaktionswesen zwischen China und der Eurozone. Transfers über Offshore-Zentren oder chinesische Staatsbanken werden auf diese Weise obsolet, die Transaktionskosten sinken. Aus Sicht der Deutschen Bank sicherlich nicht uninteressant: Das Haus erhält privilegierten Zugang zu Onshore-Liquidität in Renminbi und wird dadurch in die Lage versetzt, europäische Unternehmen direkt an Chinas Zahlungsinfrastruktur, einschließlich des CIPS-Systems, anzudocken.

Seit 2014 übernahm die Bank of China die Clearingarbeit für den Frankfurter Finanzplatz, ergänzt durch weitere Finanzzentren in London, Paris, Luxemburg und Budapest. Peking zieht mit der Deutschen Bank einen strategischen Joker: Das europäische Traditionshaus genießt naturgemäß wesentlich mehr Vertrauen als die für viele noch unbekannten chinesischen Geldinstitute.

Aus Sicht der Bundesbank, die mit Argusaugen über den deutschen Finanzplatz wacht, birgt die Ernennung der Deutschen Bank kein systemisches Risiko. Man sieht eher den Standortvorteil für den Finanzplatz und wähnt sich sicher vor möglichen chinesischen Sanktionen in der Zukunft. Das, was die Europäer mit dem Vermögen der russischen Zentralbank bei Euroclear praktizierten – die Enteignung einer fremden Zentralbank –, traut man den Chinesen offenbar nicht zu, obwohl sie, geht es um die Verteidigung ihrer Interessen auf geopolitischer Ebene, in der Vergangenheit wahrlich nicht zimperlich waren. Die chinesischen Exporteure Seltener Erden lassen grüßen – sie sind schließlich stets nur einen raschen Anruf vom nächsten Exportstopp entfernt.

Andererseits muss man sich die Frage stellen, ob man es sich leisten kann, den Zug zu verpassen, sollte das chinesische Modell eines Yuan- und goldbasierten Finanzsystems Erfolg haben. Dieser Drahtseilakt macht es umso wichtiger, dass Europa seinen zerstörerischen ideologischen Kurs verlässt und sich endlich auf seine Wirtschaftskraft und marktwirtschaftliche Prozesse besinnt.

Die Absetzbewegungen vom US-Dollar-System und SWIFT sind unübersehbar. Große Zentralbanken wie die chinesische oder die russische erwerben seit geraumer Zeit große Mengen Gold – der eigentliche Anker, um Vertrauensdefizite zu schließen und den Boden zu bereiten für ein neues, von China dominiertes Finanzsystem.

Alles läuft wohl auf eine bipolare Finanzwelt hinaus: New York wird seine Dominanz als Finanzplatz der westlichen Hemisphäre verteidigen, während Shanghai zum finanziellen Nukleus der BRICS+-Staatengruppe aufsteigen und eine eigene, auf dem Sicherheitsanker Gold basierende Kreditmarktinfrastruktur installieren könnte.

Europa müsste jetzt seine Karten ausspielen: Seine Kapitalkraft wird durch Überregulierung und klimapolitischen Unfug regelrecht zerrieben. Die noch immer im Vergleich wohlhabenden europäischen Nationen wären gut beraten, zu einer wettbewerbsintensiven Ordnungspolitik zurückzukehren, um auf diese Weise Fakten zu schaffen und Investitionen nach Europa umzulenken.

Was die EU politisch aus dieser misslichen Lage macht, bleibt offen. Angesichts der sichtbaren Fragmentierung des eigenen Kapitalmarktes scheint man jedoch eher leerer Rhetorik zu verfallen. Eine echte Strategie zur Positionierung der EU, des Eurosystems, in der sich neu ordnenden monetären Weltpolitik ist zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls nicht erkennbar.

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Kommentare ( 21 )

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Ornhorst
21 Tage her

Ich bezweifle stark, dass die russische Zentralbank eine Große ist, denn das Wirtschaftsvolumen Russlands ist etwa so groß wie das von Italien. Das verwundert angesichts der Landesgröße, aber ist tatsächlich etwa so.

Elmar
21 Tage her

Ökonomische Stärke in Deutschland und in der EU war mal gewesen. Für die intelligente Diplomatie sind inzwischen Elefanten im Prozellanladen zuständig. Siehe die diplomatischen Analphabeten wie zum Beispiel Kallas, Flinten-Uschi, Merz, Wadenphul, und so weiter und so fort.

bkkopp
21 Tage her

Japan ist aktuell der “ wichtigste Partner“ der USA ausserhalb ihrer Hemisphäre, weil Japan das größte Sorgenkind ist. Das Handelsvolumen USA-EU ist ungefähr viermal so hoch wie das Japans, und der EU-Überschuss ungefähr dreimal. Japan ist aber trotz des erheblich geringeren Gewichts im Vergleich zur EU der mit Abstand größte Halter von US-Staatsanleihen. Japan ca. USD 1300 Mrd. EU ca. 900 Mrd. Die Japaner, die mit mehr als 200% ihres BIP verschuldet sind, könnten ihre Währung und ihr Zinsenniveau nur halten, wenn sie substantielle Beträge ihrer US-Staatsanleihen verkaufen würden – und damit die USA in höchste finanzielle Nöte brächten. Die… Mehr

Kuno.2
21 Tage her

Das macht für China und vor allem für die Pleitebank „Deutsche Bank“ Sinn. Diese Bank musste vor Jahren gestützt werden um nicht in die Insolvenz abgleiten zu müssen. Da kommen dann Arbitrage Erträge zur Bank.
Vermeiden lässt sich der Aufstieg des Renminbi sowieso nicht.

Dieter
22 Tage her

Nun, wenn die Chinesen es schaffen Ihre Währung immer globaler in Akzeptanz zu bringen, werden sie immer stärker gegen den Dollar als Weltreservewährung angehen.
Wenn der Dollar seinen Status verliert, wird das westliche Währungssystem kollabieren.

Ornhorst
21 Tage her
Antworten an  Dieter

Aber wer wird denn einer Staatwährung wie dem Yuan trauen? Diese ist doch das stärkste Gegenteil vom US-Dollar. Dort bestimmt die FED, und da die Kommunistische Partei Chinas in Form von 1 % Bestimmenden und 99 % Applaudierenden.

peter keller
22 Tage her

Als ich Absetzungsbewegung vom USD gelesen habe, habe ich aufgehört zu lese. Es gibt keine Absetzbewegung. Im Gegenteil. DB hat sich im Investmentbanking gerade selber aus dem Markt geworfen….

Haba Orwell
22 Tage her

> Doch handelt es sich bei dem Abkommen mit der Deutschen Bank möglicherweise um chinesischen Währungskolonialismus?

Böse Chinesen. Wie gut, dass Schland in Westeuropa erprobte Freunde hat, die bereit sind, von den Resten des schländischen Ratings zu leben: >>>Staatsschuldenkrise: Frankreichs Linke will Schulden kurzerhand verbrennen<<< (TE) Bei derartigen „Freunden“ sollte man dringend Partner in nichtwestlicher Welt suchen – neben China wäre es übrigens noch ein Verbündeter Chinas in Europa (zumindest zum Teil in Europa, zum Teil in Asien).

Guzzi_Cali_2
22 Tage her

Wie kann man auf das schmale Brett kommen, daß auch nur ein einziger der EU- (oder auch deutscher) Politiker die Weitsicht haben könnte, die Dimension dieses chinesischen Zuges zu erkennen und entsprechend zu reagieren? Ich bin mehr denn je der Ansicht, daß der allergrößte Teil der Kartell-Politiker ihr Minimalgehirn ausschließlich zur Steuerung der niederen Elementar-Körperfunktionen hat und auch benutzt. Der Blackrock Frühstücksdirektor und das bayrische, würstlverzehrende Etwas beweisen das ein ums andere Mal. Von den roten, grünen und linken vom Schlage einer Reichenschreck, einem Bananensack sowie den roten Abschußkandidaten Baumschul-Babsi und Klingelbeutel gar nicht erst zu reden. Nein, das wird… Mehr

Koepenicker
22 Tage her

Die Amerikaner haben den Yen nicht nur aus Geopolitik gerettet, sondern aus nacktem Eigeninteresse. Man muss die Zahlen sehen: Japan ist der größte ausländische Besitzer von US-Staatsanleihen. Hätten die USA den Yen weiter abstürzen lassen, hätte Tokio diese US-Schuldscheine massenhaft verkaufen müssen. Die Folge? Ein Preissturz bei US-Anleihen und explodierende Zinsen in den USA. Das kann sich Washington bei seinen Riesenschulden nicht erlauben. Die Fed hat vor allem den eigenen Markt geschützt. Zudem schadet ein spottbilliger Yen der US-Wirtschaft und hebelt Trumps Zölle aus. Dass die USA für die Rettung Euro-Bestände verkauft haben, war der eigentliche Clou: So blieb der… Mehr

Ich will Frieden
22 Tage her
Antworten an  Koepenicker

Die Schlinge zieht sich langsam zu! Versuche die japanische Währung zu stützen hat es in der Vergangenheit schon mehrfach gegeben. Aber die Wirkung verpuffte jedesmal relativ schnell. – Japan müßte seine Leitzinsen erhöhen! Aber höhere Leitzinsen würden den Tod vieler kleinere und mittlerer Betriebe in Japan bedeuten und schnell zu einer großen Wirtschaftskrise in Japan führen. Eine schier ausweglose Situation! Um eine drohende Staatspleite zu vermeiden, könnte Japan in größerem Umfang US-Staatspapiere aus seinem Besitz verkaufen, was allerdings die Preise für diese Papiere dann in den Keller schicken würde und damit die Rendite-Erwartungen von Käufern neuer US-Staatsanleihen beflügeln würde. Das… Mehr

Rosalinde
21 Tage her
Antworten an  Ich will Frieden

Die Zinsen steigen trotzdem und zwar weil die Anleihepreise fallen und die Zentralbanken haben weltweit darauf wenig Einfluss.
Der ständige Kauf eigener Schuldpapiere ist den Zentralbanken untersagt.

Berthold Bohner
22 Tage her

Man kann zu USA und China stehen wie man will , aber das US amerikanische Modell Freedom und Pursuit of Happyness überzeugt mich mehr als das chinesische.

Haba Orwell
22 Tage her
Antworten an  Berthold Bohner

Zumindest in der Theorie: >>>Wenn Lebensmittel zum Luxus werden – uncut-news.ch<<<

> „… In den gesamten Vereinigten Staaten findet in Supermärkten ein beunruhigender Verhaltenswandel statt. Verbraucher zögern länger, bevor sie zu vertrauten Produkten greifen, vergleichen Preise mit nie dagewesener Genauigkeit, verzichten auf Markenprodukte zugunsten günstigerer Alternativen und – vielleicht am beunruhigendsten – stellen Lebensmittel vor der Kasse wieder zurück ins Regal. …“

Ähnliches konnte man hier während der heftigen Teuerung 2022 beobachten. Es geht jedoch nicht darum, nach USA oder China zu ziehen, sondern im internationalen Handel nur USD oder auch Yuans zu verwenden.

Milton Friedman
22 Tage her
Antworten an  Berthold Bohner

Und, was haben Sie von dem Modell? Bzw. der Durschnittsamerikaner?
Wie viel Prozent der Preise ihrer monatlichen Ausgaben gehen auf US-Politik zurück? Wie viel der Ersparnisse vor Ukrocovid auf „die chinesische Werkbank“? Wie viel der Einnahmen auf die globalen Absatzmärkte, die uns Bronze-Aged Donald vernichtet?