Viktor Orbán hat in Washington geliefert - und zwar mehr, als seine Kritiker jemals erwartet hätten. Während linke Medien noch spotten, fährt der ungarische Premier greifbare Vorteile für sein Land ein.
picture alliance / ZUMAPRESS.com | Andrew Leyden
Immer wieder peinigen liberale ungarische Medien die Regierung von Ministerpräsident Orbán mit der Frage, welche Vorteile er denn für das Land erringen konnte, in dem er eine so enge Beziehung zum oh so furchtbaren amerikanischen Präsidenten Donald Trump unterhält.
Am Freitagabend erhielten sie die Antwort.
Orbán war mit einer riesigen Delegation nach Washington gereist, um dort nicht nur mit Trump zu verhandeln, sondern mit der kompletten amerikanischen Führung. Der Außenminister, der Verteidigungsminister, der Wirtschaftsminister, der Verkehrsminister – sie alle und eine ganze Reihe ungarischer Großunternehmer waren dabei und verhandelten mit ihren jeweiligen US-Partnern.
Am Ende kam sehr viel Lob von Trump für Orbán („Great guy, great leader”), viel Lob von Orbán für Trump („er hatte immer in allem Recht”) und sehr handfeste Vorteile für beide Seiten.
Ungarn wurde von den amerikanischen Sanktionen gegen russisches Erdöl und Gas restlos ausgenommen. Ohne zeitliche Begrenzung, wie Orbán betonte, „bis Ende 2026”, wie CNN zu wissen meinte. So oder so ist es ein Riesenerfolg für Orbán, der sogleich verkündete – sechs Monate vor den Wahlen im kommenden April – dass ungarische Haushalte und Unternehmen weiterhin die niedrigsten Energiepreise in der ganzen EU genießen werden.
Zugleich erreichte Orbán eine Art politische Garantie für die Fertigstellung des ungarischen Atomkraftwerks Paks II. Das wird mit russischer Technologie gebaut, weshalb das Projekt heftigen politischen Widerstand in der EU und auch in den USA auslöste. Nun dürften die Stolpersteine aus dem Weg geräumt sein: Schon zuvor hatte Ungarn mit Frankreich vereinbart, neben russischen auch französische Nuklearbrennstäbe zu kaufen. Nun wird auch das amerikanische Unternehmen Westinghouse einbezogen, Ungarn wird auch amerikanische Brennstäbe kaufen. Das dürfte amerikanische Bedenken gegen Paks II aus dem Weg räumen.
Kaufen wird Ungarn auch amerikanische Rüstungsgüter, und wohl auch – wenn die Technologie eines Tages ausgefeilt ist, sogenannte „small modular reactors” (SMR). Insgesamt 466 Milliarden ungarische Forint, 1,2 Milliarden Euro will Ungarn demnach insgesamt für amerikanische Güter ausgeben. Soviel wurde zunächst vereinbart, es kann mehr werden.
Auf ihrer Pressekonferenz sprachen Orbán und Außenminister Szijjártó aber auch von kommenden amerikanischen Investitionen. Schon jetzt sind in Ungarn 1400 US-Firmen aktiv. In naher Zukunft, so sagten sie, werde es diesbezüglich Ankündigungen geben.
Ein letztes, wichtiges Detail: Orbán sagte, den USA sei an der „finanziellen Stabilität” Ungarns gelegen und würden sie gegebenenfalls stärken. Das klang nach potentiellen amerikanischen Krediten. Im Kontext der klammen EU-Kassen, wenn es um Ungarn geht, ist das recht bedeutend, und wurde von den Finanzmärkten auch sofort verstanden: Die ungarische Wärhung erstarkte gegen den Euro und Dollar.
Neben all dem leistete Trump Orbán aktiv Wahlkampfhilfe. In Ungarn hat die Oppositionspartei Tisza mit ihrem Chef Péter Magyar realistische Chancen, die nächsten Wahlen zu gewinnen.
Peter wer? „Ich weiss nicht, wer der Rivale ist, aber ich unterstütze Viktor Orbán”, mit diesen Worten erniedrigte Trump den ungarischen Oppositionsführer.
Das Tüpfelchen auf dem i: Zwar ist ein vor einigen Wochen zunächst verkündetes, dann „vertagtes” Gipfeltreffen zwischen Rußlands Präsident Wladimir Putin und Trump in Budapest in weite Ferne gerückt. Trump tat aber Orbán den gefallen, zu wiederholen, dass er ein solches Treffen gerne in Budapest hätte. Wann immer die Zeit dafür gekommen ist, fügte er hinzu.
Orbán hatte aus seiner Amerika-Reise nebenbei eine kolossale Wahlkampfveranstaltung gemacht. Nicht nur Politiker und Unternehmer reisten mit, sondern zahlreiche regierungsfreundliche Journalisten und Influencer, die Facebook und die sonstigen Sozialen Medien regelrecht mit Posts überfluteten von ihren jeweiligen Eerlebnissen und allen nur erdenklichen Details der ungarischen Delegation. „Günstlingsflug” nannte das linksliberale Nachrichtenportal 444 deren Washingtonreise süffisant, aber sogar das extrem regierungskritische Portal Telex erkannte an, dass dieser Tag ein großer Erfolg für Orbán gewesen sei. Auch die Politiker der Delegation und ihre Mitarbeiter posteten, was das Zeug hielt. 48 Stunden lang bestand das ungarische Facebook vorwiegend aus „Orbán in Amerika”.
Oppositionsführer Magyar Péter hatte derweil Mühe, irgendetwas frappant negatives über die Ergebnisse zu sagen. Es blieb bei einem lahmen „Orbán ging in Washington betteln”.
Orbán Zauberrezept in diesem Wahlkampf scheint demnach, schon bereits seit mehreren Wochen, hochkarätige diplomatische Aktivität und deren massive Abbildung in den sozialen Medien zu sein. Dort, im digitalen Raum, ist bislang der Schwachpunkt der Regierungspartei. In den sozialen Medien dominieren liberale Narrative. Ob Orbán und sein Team diesen Trend dauerhaft umdrehen können, muss sich erst noch zeigen.

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Was für ein spektakulärer Coup! Gewaltig!! Er bekommt eine Ausnahme von den noch nicht mal implementierten Sanktionen für ein Jahr. Ein Jahr. Bis Ende 2026. Beinharter Verhandler. Teufelskerl.
Übrigens: Der von der EU (und mit den USA abgestimmte) geplante absolute Stopp von Energieimporten aus Russland soll mit 01.01.2027 beginnen. Also zufälligerweise genau dann, wenn Orbans spektakulär, beinhart ausgehandelte Ausnahme abläuft.
Oder auf gut deutsch gesagt: Orban ist bei Trump angerannt und verkauft die paar Brosamen, die ihm mitgegeben wurden, nun wie das Ei des Kolumbus. Was dem Autor des Artikels offenbar nicht auffällt.
Realistische Chancen? – Nur wenn die Ungarn nicht die ins Verderben führende Politik der EU sowie die für Ungarn vorteilhafte Politik ihres Ministerpräsidenten sehen.
War das bevor oder nachdem Niger seinen ehemaligen Kolonialherren des Landes verwies?
Ungarn – raus aus der EU! Dann wäre Orban’s Deal komplett! Und nachahmenswert.
Ungarn wird das Zielland der deutschen Flüchtlinge sein, wie dereinst 1988/89. Aber dieses Mal nicht zur Durchreise in den Westen, sondern um zu bleiben. Audi & Co sind schon da .. noch mehr werden folgen.
Da sind schon einige – und einigen Ungarn wird es auch schon zu viel. Denn es kommen nicht nur Deutsche, sondern auch Franzosen uns sonst welche aus belasteten EU-Ländern.
Migration in Massen und dann auch noch in so kurzer Zeit kann auf Dauer nicht gut gehen. Und die ungarische Sprache ist zudem gar nicht einfach zu lernen – und ohne kann Integration nicht gelingen.
Was für ein Schwachsinn. Wieviele Millionen Deutsche sind in die USA ausgewandert und haben sich dort problemlos integriert.
Mr. President weiß wie man die Komiker und Clowns des EU -Zirkusses unterhält.
Orban,einer der wenigen im korruptionsdurchtränkten, bevölkerungsfeindlich agierenden EU-Moloch, der es wagt, wider dem Stachel zu löcken und diese von selbstgefälligen Eitelkeitsprotzern durchsetzten Ansammlung immer wieder mit den kleinen Nadelstichen, die ihm mit seinem Land an Möglichkeiten zur Verfügung stehen, zur Weißglut zu treiben.
Steter Tropfen höhlt den Stein..
Das nennt sich Diplomatie, das hat man in Deutshland und Brüssel schon vergessen, bei denen heisst Diplomatie HETZEN.
Die EU-Nettozahler sollten endlich mit mehr Nachdruck, und weniger Rüchsichtsnahme auf pseudo-europäische Kulturempfindlichkeiten die Netto-Zahlungen an alle Netto-Empfänger reduzieren. Dies insbesondere dann, wenn sich Netto-Empfänger mit erklärten sicherheits- und handelspolitischen Gegnern der EU-Nettozahler verbünden. Get your money where your mouth is, but not from us – hol‘ dein Geld wo deine Zuneigung ist, aber nicht von uns.
Nichts neues – von bkopp: Verhüllte „Hetze“ gegen Ungarn – und gegen die USA, als sicherheits -und handelspolitische Gegner – der Linken EU-Staaten?
Es ist mir lieber, das Geld der Nettosteuerzahler schafft in Ungarn und somit Europa! Arbeitsplätze als in den immer wieder herbeifabulierten Beitrittszonen Türkei oder gar beim Wiederaufbau eines angeblich auch unsere Freiheit verteidigenden Korruptionssumpfes der Ukraine.
Guter Deal, Ungarn ist auf günstige Energieversorgung angewiesen, die Menschen dort könnten Preiserhöhungen wie im Werte getriebenen Germoney nicht verkraften. Deutschland geht zwar den Bach runter, aber wertegerecht. Hurra!
Der Lieblingsvasal hat vom Lehnsherren einen Aufschub der Strafe erhalten. Alle LibKon-Vasalen freuen sich, wie toll sich der Vasalenherrscher des Vasalen-Staates Ungarn am Hofe des Lehnsherren geschlagen hat. Toll, fantastisch wie das gefeiert wird. Einfach erbärmlich. Ungarn, die Deutschen etc. werden alle untergehen oder sich endlich von den USA lösen und wirklich souverän werden und sich nicht vom Lehnherren vorschrieben lassen mit wem sie Handel treiben wollen. Bzgl. der „Modular Reaktoren“: Russland hat in seinem neuen Poseidon Torpedo einen Kernreaktor eingebaut der ca. 100fach kleiner ist als aktuelle Reaktoren. In der neuen 9M730 Burevestnik Cruise Missile steckt eine um den… Mehr
Das Untergehen schaffen wir selbst. Dafür brauchen wir niemanden.