12 Milliarden für Reservekraftwerke – Gewinner sind Energiekonzerne, Verlierer die Stromkunden

Erst bezahlt Deutschland Milliarden, damit zuverlässige Kraftwerke abgeschaltet werden. Jetzt fließen wieder Milliarden, damit neue Kraftwerke einspringen, wenn Wind und Sonne keinen Strom liefern. Das ist die Energiewende: Versorgungssicherheit wird erst abgeschafft und dann teuer erkauft – auf Kosten der Verbraucher.

picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd
RWE erhält drei Zuschläge in NRW und ist neben LEAG der große Gewinner

Energiewende in Deutschland sieht so aus: Kraftwerke sollen gebaut und ihre Betreiber dafür bezahlt werden, dass sie keinen Strom produzieren.

Deutschland schaltet Kohlekraftwerke ab, baut Windräder und Solaranlagen – und nun müssen die Stromkunden Milliarden ausgeben, um die Stromversorgung auch dann zu sichern, wenn Wind und Sonne ausfallen. Die Bundesnetzagentur unter ihrem noch von Robert Habeck eingesetzten grünen Chef Klaus Müller hat am Dienstag erstmals elf Kraftwerksprojekten sogenannte Förderzuschläge erteilt. Damit erhalten die Betreiber künftig 15 Jahre lang Geld dafür, dass sie jederzeit elektrische Leistung bereitstellen können. Allein die erste Ausschreibungsrunde steht rechnerisch für rund zwölf Milliarden Euro.

Die Ausschreibung war deutlich überzeichnet: Für die ursprünglich ausgeschriebene Leistung von 4.500 Megawatt gingen 41 Angebote über insgesamt knapp 12.000 Megawatt ein. Sieben Gebote wurden wegen formaler Mängel ausgeschlossen. Elf Projekte erhielten Zuschläge über zusammen 5.160 Megawatt. Die Überschreitung ist zulässig, weil auch das letzte Gebot, mit dem die Ausschreibungsmenge überschritten wird, berücksichtigt werden darf.

Dabei handelt es sich um sogenannte reduzierte Leistung, also einen rechnerischen Wert für den Beitrag zur Versorgungssicherheit. Die tatsächlich installierte Kraftwerksleistung ist höher.

Als große Gewinner gehen RWE und die Lausitz Energie Kraftwerke AG (LEAG) vom Platz. RWE erhielt für die Standorte Voerde, Weisweiler und Werne drei Zuschläge in Nordrhein-Westfalen. Auf diese entfallen zusammen rund 2.118 Megawatt.

LEAG sicherte sich sechs Zuschläge, vier in Brandenburg und zwei in Sachsen, mit zusammen rund 2.729 Megawatt. Es geht insbesondere um die bisherigen Braunkohlekraftwerksstandorte Jänschwalde und Boxberg. Weitere Zuschläge erhielten die Gaskraftwerk Leipheim 20 GmbH in Bayern mit rund 269 Megawatt und die Stadtwerke Karlsruhe mit etwa 45 Megawatt.

Der durchschnittliche Zuschlagspreis beträgt nach Angaben der Bundesnetzagentur 155.296 Euro je Megawatt reduzierter Leistung und Jahr. Der gesetzlich zulässige Höchstwert lag bei 244.000 Euro.

Bei den genannten Summen handelt es sich zunächst um rechnerische Bruttovergütungen und keine sofort ausgezahlten Bauzuschüsse. Die Betreiber müssen die vereinbarte Leistung tatsächlich bereithalten. Wird Strom erzeugt, können sie ihn zusätzlich verkaufen. Allerdings müssen sie nach dem neuen Gesetz bei besonders hohen Börsenstrompreisen einen Teil der entsprechenden Erlöse über den sogenannten Preisspitzenausgleich zurückzahlen.

Warum Deutschland neue Kraftwerke braucht

Der Grund für diese in ihrem Irrsinn kaum noch steigerbare Milliardenförderung liegt im derzeitigen verheerenden Zustand der deutschen Stromversorgung. CDUCSUSPDGrünen haben mit Begeisterung und unter dem Beifall grüner Klatschhäsinnen Kraftwerke abgeschaltet und in die Luft gesprengt und dafür Windräder und Fotovoltaikanlagen in die Landschaft gesetzt. Sie freuen sich kindlich darüber, dass die Windräder sich ab und zu drehen und Strom produzieren. In den ersten drei Quartalen hätten die sogenannten „erneuerbaren Energien“ 60,7 Prozent des Bruttostromverbrauchs in Deutschland abgedeckt und damit erstmals die Marke von drei Fünfteln innerhalb der ersten neun Monates des Jahres geknackt, heißt es in Jubelmeldungen. Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen sei in diesem Zeitraum auf 237,5 Milliarden Kilowattstunden angestiegen, ein Plus von 8,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Jetzt merken sie langsam, dass das zwar beachtliche Strommengen sind. Nur stehen die nicht jederzeit zuverlässig zur Verfügung. Bei Windstille liefern auch die 30000 Windräder kaum Strom. Nach Sonnenuntergang fällt die Fotovoltaik erstaunlicherweise aus.

Also: Kraftwerke müssen her, die unabhängig vom Wetter einspringen können. Die neuen Anlagen müssen laut Ausschreibung mindestens zehn Stunden hintereinander 80 Prozent ihrer installierten Leistung bereitstellen können.

Bemerkenswert ist eine zusätzliche technische Anforderung: Größere geförderte Anlagen müssen auch im Stillstand sogenannte Momentanreserve zur Stabilisierung des Stromnetzes bereitstellen können. Die Kinder des Wahnsinns haben ebenfalls bemerkt, dass der Stromfluss stabil sein muss. Das können weder Windrad noch Photozellen.

LEAG: Erst Geld für den Kohleausstieg, jetzt für Ersatzkraftwerke

So bekommt die LEAG erst Geld dafür, dass sie ihre Kohlekraftwerke abschaltet, und jetzt Geld für neue Kraftwerke. Der ostdeutsche Kraftwerksbetreiber will bestehende Kohlekraftwerke auf Gasbetrieb umrüsten. Dabei lassen sich vorhandene Gebäude, Dampfturbinen, Netzanschlüsse und andere Infrastruktur teilweise weiterverwenden.

Ein solcher Umbau könnte erheblich günstiger sein als ein vollständiger Neubau. Allerdings arbeiten derart umgerüstete Anlagen weniger effizient als moderne Gas-und-Dampf-Kombikraftwerke, wie sie beispielsweise direkt neben den Tagebauen in Nordrhein-Westfalen stehen.

Die neuen Kraftwerke sollen zunächst überwiegend Erdgas verbrennen, heißt es. Kunststück: Außer Kohle gibt es bei uns nichts anderes. Erdgas allerdings wird immer rarer und damit teurer. Aber: sie sollen dermaleinst mit Wasserstoff betrieben werden. Der gilt als Zuflucht der verzweifelten Energiewender. Wenn der nur da ist, sind alle Probleme gelöst. Es gibt ihn allerdings nicht in den Mengen, die für den Betrieb der Kraftwerke nötig wären. Aber das werden Energiewenderinnen vielleicht auch noch im nächsten Schritt lernen. Sie  schätzen sich glücklich, dass sie behaupten können: Spätestens ab 2045 ist ein klimaneutraler Betrieb vorgeschrieben.

Bemerkenswert auch: Die Europäische Kommission hat LEAG bereits Entschädigungen von bis zu 1,75 Milliarden Euro für den Kohleausstieg genehmigt. Für RWE waren es 2,6 Milliarden Euro. Jetzt gehören ausgerechnet diese beiden Unternehmen erneut zu den großen Empfängern staatlich organisierter Vergütungszusagen, diesmal für Kraftwerke, die die wegfallende Kohleleistung ersetzen sollen.

Das wäre eigentlich etwas für die ZDF-Staatskabarettisten oder die Meenzer Fassenacht. Wenn die das denn verstehen täten …

Anzeige

Unterstützung
oder €

Kommentare ( 2 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

2 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
johnsmith
10 Minuten her

Es ist völlig unverständlich warum Merz den von Habeck installierten grünen Chef der Bundesnetzagentur mit dessen ebenfalls von den Grünen dort platzierten Mitarbeitern im Amt lässt. Die machen weiter grüne, die deutsche Industrie zerstörende Umweltpolitik in der Bundesnetzagentur. Man könnte fast meinen, der Auftrag von Blackrock an Merz wäre, Deutschland zu zerstören, Deutsche zu verarmen und möglichst viel Geld aus Deutschland herauszuziehen…

GP
11 Minuten her

Kommt davon wenn grüne MINT-Versager versuchen die Physik zu überlisten. Aktuell ist der Anteil von Wind- und Sonnenstrom „überschaubar“:
Agorameter
Das beschriebene Szenario nennt sich „Kapazitätsmarkt“, das teure Vorhalten von Kraftwerksleistung wenn der Strom nach Wetterlage aus bleibt. Was immer wieder vor kommt! Deutschland macht die dümmste, teuerste und grün ideologisch versiffteste Energiepolitik der Welt. Das wird den Industriestandort weiter unter Druck setzen. Dumm, dümmer, grün….