Deutscher Mittelstand immer stärker von Insolvenzwelle erfasst

Eine sich höher auftürmende Pleitewelle reißt den Mittelstand mit sich. Es ist tragisch, dass die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ausschließlich den Problemen der Global Player gewidmet ist. Deutschlands Wohlstand steht und fällt aber mit den flexiblen kleinen und mittleren Unternehmen.

picture alliance / CHROMORANGE | Udo Herrmann

Was für ein Affentheater um Audi-Chef Gernot Döllner und das Milliardenengagement in den USA. Tagelang bestimmte Döllner die Schlagzeilen, die Dauerempörten betrieben ihr Mediengeschäft. Selbstverständlich war von Kritik an der deutschen Standortpolitik nichts zu lesen, kein Wort von der sich immer höher auftürmenden Insolvenzwelle, die durch das Land fegt – dies hätte ja schließlich Kritik an der herrschenden Macht impliziert. Und das wagt niemand mehr. Stattdessen gehen die, die das Land verlassen können, und stimmen mit den Füßen ab. Audi war letztlich nur eine von unzähligen Schlagzeilen, die in diesen Wochen von der Flucht deutscher Unternehmen ins Ausland künden.

Was werden sich die Menschen im Mittelstand angesichts der hohen Insolvenzrate wohl denken? Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen liegt bislang zwölf Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Es trifft ja vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen, die an den Standort gebunden sind. Schlagzeilen schreiben immer nur die anderen, es sind immer die Großen, um die sich das Mediengeschäft dreht. Dabei könnte man auch von ihnen etwas Entscheidendes lernen: Dass sich der Audi-Chef auf einer MAGA-Wahlkampfveranstaltung feiern ließ, ist letztlich nur recht und billig. In der Heimat wirft ihm die Politik einen Knüppel nach dem anderen zwischen die Beine. Und was die Großen trifft, trifft die Kleinen härter. Irgendwann bleibt keine Wahl mehr, dann müssen Investoren, Kapital und das ganze Unternehmen vor der zerstörerischen Politik in der Heimat geschützt werden.

Die Flucht ist dann zwingend, ansonsten droht die Insolvenz.

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Sozialbeiträge steigen bis 2035 auf mehr als 49 Prozent – trotz Reformen
Es ist bitter, wie die Politik die Ökonomie verformt hat. Nach Kalkulationen der Bundesbank bringen deutsche Unternehmen etwa sieben Prozent ihres Umsatzes auf, um den unsinnigen bürokratischen Aufwand des staatlichen Feudalherrn zu bewältigen. Kein Wunder, dass das Immunsystem des Mittelstands dadurch so geschwächt wurde, dass sich die hohen Energiekosten letztlich nicht mehr kompensieren ließen.

Die aktuellen Zahlen des Wirtschaftsinformationsdienstes Dun & Bradstreet, der seinen Global Bankruptcy Report 2026 veröffentlicht hat, zeichnen ein düsteres Bild.

In den ersten neun Monaten des Jahres meldeten 14.341 Unternehmen in Deutschland Insolvenz an – zwölf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Besonders sticht die Entwicklung im Mittelstand hervor. Unter den Unternehmen mit zehn bis 49 Beschäftigten schnellte die Zahl der Insolvenzen um sagenhafte 63,2 Prozent auf inzwischen 3.082 Fälle in die Höhe. Dies ist keine normale Entwicklung. Es ist eine Art Downstream-Effekt der Pleitewelle bei den Großen, die in der Industrie Lieferketten mit Zehntausenden mittelständischen Betrieben formiert haben und nun ihr Kapital abziehen müssen. Auch bei den Kleinstunternehmen mit bis zu neun Beschäftigten stiegen die Insolvenzzahlen. Dun & Bradstreet zählte 6.550 Insolvenzfälle in diesem Jahr – ein Anstieg von 19,2 Prozent. Die Firma rechnet für das Gesamtjahr mit mehr als 19.000 Firmenpleiten.

Auch die Halbjahreszahlen von Creditreform zeigen einen weiteren Anstieg der Unternehmensinsolvenzen. Deren jüngste Auswertung für das erste Halbjahr 2026 weist 12.900 Unternehmensinsolvenzen aus – ein Anstieg um 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bei Großunternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten verzeichnete Creditreform einen überdurchschnittlich starken Anstieg der Insolvenzen um 28,6 Prozent. Creditreform erfasst darüber hinaus gesondert 12.300 Insolvenzen ehemals Selbstständiger. Diese Fälle gehen häufig auf eine frühere gewerbliche Tätigkeit zurück, werden statistisch aber nicht als Unternehmensinsolvenzen geführt. Zusammen ergeben beide Gruppen 25.200 Fälle. Im ersten Halbjahr 2025 waren es noch 24.370 – ein Anstieg um rund 3,4 Prozent. Über sämtliche Schuldnergruppen hinweg registrierte Creditreform 66.700 Insolvenzverfahren, 3,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Wer kann, der geht und rettet sich.

Überreguliert und nicht wettbewerbsfähig
KfW: Deutscher Mittelstand investiert lieber im Ausland
Er rettet sein Kapital, das Know-how der Firma und damit die Zukunft des Unternehmens vor immer weiter steigenden Energiekosten, dem überteuerten Sozialapparat sowie einer sich langsam, aber sicher offenbarenden Bildungs- und Sozialkrise im Land.

Doch den Luxus der dauerhaften Flucht hin zu besseren Standorten genießen nur die Großen. Im Mittelstand herrscht Tristesse: Gerade die kleinen Betriebe, Händler, Kleingewerbe und all die Hunderttausenden Betriebseinheiten, die mit ihnen gemeinsam an den Standort Deutschland gebunden sind, müssen versuchen, sich in der rauen politischen und ökonomischen See zu behaupten. Und dass diese See noch rauer zu werden droht, pfeifen die Spatzen von den Dächern.

Die hohe Staatsverschuldung und das weiter steigende gesamtstaatliche Defizit, das sich 2027 ohne Gegenmaßnahmen nach Einschätzung der Bundesbank der Fünf-Prozent-Marke nähert, deuten auf das Grundproblem hin: Man hat sich ideologisch mit Klimakampf und Energiewende verrannt und versucht nun, eine schuldenfinanzierte Staatsökonomie an die Stelle der zerbröselnden Industrie zu verpflanzen. Sozialismus nennen das die einen, Zentralplanung die anderen. Im Ergebnis läuft alles auf dasselbe hinaus: Die gesamtwirtschaftliche Produktivität leidet. Die reale Wirtschaft geht unter den schlechten Wettbewerbsbedingungen in die Knie und verlagert ihre Produktion ins Ausland. Und mit jedem Leuchtturmunternehmen, das den Standort verlässt, geht bei Tausenden Mittelständlern, angegliederten Betrieben, vom Kaufkraftverlust der Region betroffenen Händlern bis hin zum Stadtkämmerer das Licht aus.

Allein Volkswagen, Posterboy des deutschen Niedergangs, steht an der Spitze einer Lieferkette von über 65.000 Einzelunternehmen, von denen weit mehr als 10.000 am Standort Deutschland tätig oder verwurzelt sind. Dieses Fundament aus Kooperation, Wissenstransfer und Produktion am Heimatstandort ist von Ideologen und politischen Hardlinern zerschlagen worden. Und auch die Regierung von Friedrich Merz arbeitet unter Hochdruck daran, den Umbau der Ökonomie zu einer Staatswirtschaft – zu einer Klimawirtschaft und Militärökonomie – fortzuführen.

Staatswirtschaft soll die Heilung bringen. Friedrich August von Hayek hätte wohl frustriert konstatiert, dass sich das Land längst auf dem Weg in die Knechtschaft befindet. Und auf diesem Weg spielt der Mittelstand bei den Dispositionen der Politik keine Rolle mehr.

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Kommentare ( 1 )

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Autour
1 Minute her

Nein! Doch! Oh…
Wer hätte das nur erahnen können??? Wer nur wer wenn selbst die besten Wirtschaftsinstitutsleiter diese Misere nicht haben vorhersehen können… und die Wirtschaftsweisen… die noch von einem Wirtschaftswachstum fabuliert haben…
Das Land hat nur noch Kla… überall sitzen unglaublich unfähige Menschen an Positionen, die sie unter normalen Umständen niemals erreichen hätten können… aber gut Deutschland und Westeuropa sind verloren! Man wird sich von diesem Wahnsinn nicht mehr erholen können!